1. 28. Dezember 2011 | Veröffentlicht unter Filme, Filmvorstellungen.

    Wild Hunt

    Von

    • Genre: Drama, Horror
    • Regisseur: Alexandre Franchi
    • Darsteller: Mark Antony Krupa, Ricky Mabe, Tiio Horn
    • Erscheinungsjahr: 2009
    • Spieldauer: 93 Minuten
    • Trailer

    (Achtung, diesen Artikel habe ich aus dem alten Blog herübergezogen da ich nachher einen von der Thematik her recht ähnlichen Buchtitel vorstellen möchte. Kann also gut sein, dass der ein oder andere diesen Artikel hier schon kennt ;) )

    Inhalt: Erik und Evelyn führen eine recht trostlose, sich dem Ende zuneigende Beziehung. Während er sich um seinen pflegebedürftigen Vater kümmert, flüchtet sich die wortkarge Evelyn mit Eriks Bruder Björn und ein paar Freunden in die LARP-Welt. An den Wochenenden mimt Björn den Wikinger Björn Magnusson, während Evelyn die Wikingerprinzessin verkörpert und sich mehr und mehr zu einem der LARP-Mitspieler hingezogen fühlt.
    Eines wochenends fährt der einstige Rollenspieler Erik den Freunden nach und findet sich wenig später auf dem abgelegenen LARP-Gelände wieder. Um seine Freundin zurückzugewinnen, muss er in das Spiel eintauchen. Was als harmloses Spiel beginnt in dem die Spieler Leute unterschiedlicher rivalisierender Lager verkörpern, verselbstständigt sich nach und nach und wird zu einer Katastrophe, die so mit Sicherheit niemand vorhergesehen hätte.
    Kritik: Zunächst eine kurze Begriffserklärung: LARP steht für Live Action Roleplay und bezeichnet grob gesagt ein Rollenspiel, in dem die Spieler auch physisch ihre Charaktere darstellen und dies mithilfe Kleidung, weicher Kunststoffwaffen und der Location versuchen so plastisch wie möglich darzustellen.
    Der Film hat zarte 500.000US-Dollar gekostet, präsentiert sich jedoch mit recht gutem, vor allem stimmungsvollen Bild. Zunächst wirkt der Film wie ein „Drogenkunstfilm“, was vor allem an der benebelt-wackligen Kamera und den knappen Visionseinblendungen liegt.
    Es beginnt als kleines Drama mit kleinen, nett gemeinten Seitenhieben auf die Rollenspieler- und LARPSzene und ich hatte auf eine Dramödie für zwischendurch getippt.
    Den Film hindurch begleitet man vornehmlich die beiden Brüder, wobei jeder für eine andere Gruppe Zuschauer eine Identifikationsfigur bieten. Auf der einen Seite haben wir den LARP-begeisterten Björn, der voll und ganz in seiner Rolle als Wikinger aufgeht und sichtlich Spaß daran findet. Sein Enthusiasmus reicht allerdings nicht, um Erik ebenfalls zu begeistern, dessen spitze Kommentare zwischendurch für einige Schmunzler sorgen. Erik wird, genau wie der Laienzuschauer, an das LARPThema herangeführt, auch wenn Erik als Junge immerhin auch D&D (ein Pen&Paper Rollenspielsystem) gespielt hat. Somit wird man auch als jemand, der an dieser Thematik ansonsten nicht interessiert ist, in den Film hineingesogen und ein interessantes, innovatives Setting vorfinden.
    Sehr schön sind die Szenen, die zunächst wirken als befünde man sich in einem Fantasyspektakel: da schaukelt das Schiff, fallen Männer von Bord und die Gischt peitscht an das knarzige Holz des Seegefährts. Ein Kameraschwenk zur Seite lässt die Illusion verpuffen und man sieht ein mäßig zusammengezimmertes, provisorisches Schiff auf ebener Erde, das von fleissigen Helfern mit Wassereimern bespritzt wird.
    Auch andere persiflierende Elemente sind enthalten und lassen nicht erahnen, was gegen Ende auf einen zukommt.
    Das LARP-Lager ist in einige Grüppchen unterteilt, bspw. die Elfen, die Kelten oder eben die Wikinger, die sich für die finale Schlacht am letzten Tag rüsten und ggf. zusammenarbeiten. Diese finale Schlacht ist das, worauf sich jeder freut und worauf hingefiebert wird. Dafür ist man hier. Dafür hat man sich sein Gewand in wochenlanger Kleinstarbeit zusammengenäht und Schaumstoffwaffen gestopft.
    Während der letzten Nacht beginnt die zunächst ausgelassene Stimmung zu kippen. Spaß wird langsam ernst. Die Gefühle des Spiels werden auf die reale Ebene übertragen. Hass, Eifersucht, Gier nach Macht. Es gipfelt in der „Wild Hunt“, die als Teil des Spiels geplant gewesen ist, dann aber völlig aus dem Ruder läuft.
    Das Ende oder, sagen wir die letzte Viertelstunde, ist grausam. Dieser Film trifft genau meinen „Nerv des Grauens“, auch wenn dies für manche vielleicht lächerlich erscheinen mag. Es war die Grausamkeit des Menschlichen, dieses… Unvorstellbare, das man sich trotzdem irgendwie sogar tatsächlich vorstellen kann und leider auch für durchaus möglich hält. Nicht, weil es LARPer sind, das ist eine lächerliche Behauptung. Wie viele Dramen und ähnlich gestrickte Geschichten finden auf „normalem“ Boden statt? Hier wurde einfach ein anderes Setting gefunden, das meines Erachtens nach das LARP und die Spieler an sich absolut nicht verurteilen.
    Mich persönlich hat der Film sehr getroffen und mit einem sehr mulmigen Gefühl zurückgelassen. Mein Herz hat währenddessen geklopft. Einer dieser Filme, der am liebsten schnell zuende sein soll.
    Diese Stimmung hat auch die inhaltlichen Mängel (keine Handys? Wo ist die Kommunikation? Wo die Ärzte? Usw.) für mich ausradiert und für nichtig erklären lassen.
    Die Schauspielerischen Leistungen waren größtenteils ordentlich. Lediglich Evelyn war schwach besetzt, wobei dies auch die undankbarste Rolle ist, da ich sie für am wenigsten stimmig halte. Ein teilweise sehr dummes Gör, das ich während einer Szene sogar angeschrien habe. (ja ok, eigentlich habe ich den Fernseher angeschrien. Seid nicht so kleinlich! ;) )

    Fazit: Sehr atmosphärisch, gegen Ende sehr verstörend.

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  2. Ein Kommentar

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