[Comic] Crossed

[Comic] Crossed

Verlag: Avatar Press
Sprache: Englisch
Seiten: 240
Autor: Garth Ennis
Illustrator: Jacen Burrows
Erscheinungsdatum: 2006

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Irgendetwas – ein Virus, Gottes Hand, der Gärtner… das weiß niemand so genau – greift um sich und lässt Menschen zu Wesen werden, die… nein, sie sind nicht zombieesk. Sie sind schlimmer. Gewalt, die diesen Kreaturen, die aufgrund des kreuzartigen Exzemes auf dem Gesicht die “Crossed” genannt werden, Spaß macht. Vergewaltigungen auf höchst widerliche Art, Gewaltexzesse und über alldem das Gelächter und die leider nicht zu leugnende “Taktik” der Crossed, denn sie handeln nicht nur wie hungrige Tiere. Es ist mehr. Und es ist hochinfektiös. Stoff, der weder für Zartbesaitete, noch für junge Jugendliche geeignet ist. Eine Art “Reaver [“Firefly”] treffen auf die Walking Dead”, walking Reaver.

Es ist nun wirklich keine Schande, zuzugeben, wenn einem ein Comic oder vielmehr eine Geschichte Angst macht. “Crossed” hat genau das bei mir geschafft. Nach der Lektüre lag ich (wer, bitte, liest nachts im Bett so einen Comic! Selber Schuld!*) noch gut eine Stunde wach und ich bin auch noch heute, also knapp zwei Tage später, dezent berührt. Garth Ennis webt hier derart gekonnt seine Story, dass man gefangen wird. Von der ersten Seite an wird man (gut. Nicht “man”. Sondern ich. “Man” klingt aber besser. Lebt damit.) in das Geschehen hineingezogen und man blättert mit großen Augen Seite um Seite weiter, darauf hoffend, dass der Horror doch bitte irgendwann ein Ende haben möge. Es sind nicht nur die entsetzlichen Dinge, die die Crossed tun. Ihre irre gekicherten Aufforderungen oder jodelnden Schreie, die einem selbst durch das bloße geschriebene Wort durch Mark und Bein gehen. Es sind, ähnlich wie bei “28Days later” bspw., auch die sich nach und nach auftuenden menschlichen Abgründe, die einem eiskalte Schauer über den Rücken laufen lassen. Nicht immer werden diese mit dem Holzhammer präsentiert, machmal “muss” man eine im Comic ausformulierte Sprechblase im Geiste noch weiterspinnen. Ein Umstand, den ich sehr großartig finde, da das gewollten Platz für Fantasie lässt.

Diese Art von Horror, die Art der Erzählweise ist erschreckend und lässt einen wirklich etwas benebelt zurück. Doch es ist letztlich eine positive Art des Horrors, denn sie weiß, zu berühren und sich tief in das aktuelle Bewusstsein zu graben. Es ist nicht nur das blanke Entsetzen, es ist auch die Intelligenz der Erzählung selber, die hier brilliert. Getragen von handwerklich schönen Zeichnungen, kann man sich kaum entziehen. “Crossed” zeigt uns eine Welt, wie sie letztlich bereits in abgeschwächter Form besteht. Vergewaltigungen, Mord, grausige Dinge – sie passieren. Es ist keine reine Entmenschlichung, die hier passiert, sondern das Verlieren von Moral und dem freien Willen, sich für das Gute entscheiden zu können. Gleichzeitig fragt man sich selber: “War das, was – die uninfizierte – XY nun hier getan hat böse… oder war es “ok” und den Umständen entsprechend vertretbar?”

Dieser Band ist in sich abgeschlossen und war für Ennis auch nicht als Fortsetzungscomic geplant, für ihn war “die Geschichte erzählt”. Die nachfolgenden Bände stammen aus der Feder anderer Autoren und sollen, wenn man den Kritiken im Internet Glauben schenken mag, storytechnisch lange nicht an den Ursprungsband heranreichen. Noch brutaler, noch grotesker, noch blutiger soll es wohl sein. Dieses “noch mehr dies und noch mehr das!” auf Kosten der Storytiefe reizt mich nicht so sehr, hineinschauen werde ich wohl dennoch und mir selber eine Meinung bilden.

*Und wann schreibe ich über Crossed, beschäftige mich also gedanklich wieder stark damit? Richtig, natürlich auch wieder jetzt, also kurz vor’m Schlafengehen. Ich Trottel Heldin.


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