1. 30. Juli 2012 | Veröffentlicht unter Comics, Rezensionen.

    [Comic] Crossed

    Von

    Verlag: Avatar Press
    Sprache: Englisch
    Seiten: 240
    Autor: Garth Ennis
    Illustrator: Jacen Burrows
    Erscheinungsdatum: 2006

    Amazonlink

    Irgendetwas – ein Virus, Gottes Hand, der Gärtner… das weiß niemand so genau – greift um sich und lässt Menschen zu Wesen werden, die… nein, sie sind nicht zombieesk. Sie sind schlimmer. Gewalt, die diesen Kreaturen, die aufgrund des kreuzartigen Exzemes auf dem Gesicht die “Crossed” genannt werden, Spaß macht. Vergewaltigungen auf höchst widerliche Art, Gewaltexzesse und über alldem das Gelächter und die leider nicht zu leugnende “Taktik” der Crossed, denn sie handeln nicht nur wie hungrige Tiere. Es ist mehr. Und es ist hochinfektiös. Stoff, der weder für Zartbesaitete, noch für junge Jugendliche geeignet ist. Eine Art “Reaver ["Firefly"] treffen auf die Walking Dead”, walking Reaver.

    Es ist nun wirklich keine Schande, zuzugeben, wenn einem ein Comic oder vielmehr eine Geschichte Angst macht. “Crossed” hat genau das bei mir geschafft. Nach der Lektüre lag ich (wer, bitte, liest nachts im Bett so einen Comic! Selber Schuld!*) noch gut eine Stunde wach und ich bin auch noch heute, also knapp zwei Tage später, dezent berührt. Garth Ennis webt hier derart gekonnt seine Story, dass man gefangen wird. Von der ersten Seite an wird man (gut. Nicht “man”. Sondern ich. “Man” klingt aber besser. Lebt damit.) in das Geschehen hineingezogen und man blättert mit großen Augen Seite um Seite weiter, darauf hoffend, dass der Horror doch bitte irgendwann ein Ende haben möge. Es sind nicht nur die entsetzlichen Dinge, die die Crossed tun. Ihre irre gekicherten Aufforderungen oder jodelnden Schreie, die einem selbst durch das bloße geschriebene Wort durch Mark und Bein gehen. Es sind, ähnlich wie bei “28Days later” bspw., auch die sich nach und nach auftuenden menschlichen Abgründe, die einem eiskalte Schauer über den Rücken laufen lassen. Nicht immer werden diese mit dem Holzhammer präsentiert, machmal “muss” man eine im Comic ausformulierte Sprechblase im Geiste noch weiterspinnen. Ein Umstand, den ich sehr großartig finde, da das gewollten Platz für Fantasie lässt.

    Diese Art von Horror, die Art der Erzählweise ist erschreckend und lässt einen wirklich etwas benebelt zurück. Doch es ist letztlich eine positive Art des Horrors, denn sie weiß, zu berühren und sich tief in das aktuelle Bewusstsein zu graben. Es ist nicht nur das blanke Entsetzen, es ist auch die Intelligenz der Erzählung selber, die hier brilliert. Getragen von handwerklich schönen Zeichnungen, kann man sich kaum entziehen. “Crossed” zeigt uns eine Welt, wie sie letztlich bereits in abgeschwächter Form besteht. Vergewaltigungen, Mord, grausige Dinge – sie passieren. Es ist keine reine Entmenschlichung, die hier passiert, sondern das Verlieren von Moral und dem freien Willen, sich für das Gute entscheiden zu können. Gleichzeitig fragt man sich selber: “War das, was – die uninfizierte – XY nun hier getan hat böse… oder war es “ok” und den Umständen entsprechend vertretbar?”

    Dieser Band ist in sich abgeschlossen und war für Ennis auch nicht als Fortsetzungscomic geplant, für ihn war “die Geschichte erzählt”. Die nachfolgenden Bände stammen aus der Feder anderer Autoren und sollen, wenn man den Kritiken im Internet Glauben schenken mag, storytechnisch lange nicht an den Ursprungsband heranreichen. Noch brutaler, noch grotesker, noch blutiger soll es wohl sein. Dieses “noch mehr dies und noch mehr das!” auf Kosten der Storytiefe reizt mich nicht so sehr, hineinschauen werde ich wohl dennoch und mir selber eine Meinung bilden.

    *Und wann schreibe ich über Crossed, beschäftige mich also gedanklich wieder stark damit? Richtig, natürlich auch wieder jetzt, also kurz vor’m Schlafengehen. Ich Trottel Heldin.


    Flattr this

    Ähnlich großartige Postings:

  2. 10 Kommentare

    1. Spanksen sagt:

      Puha, hört sich ja wirklich heftigst an. Ist notiert und wird beim nächsten Flensburg Besuch im dortigen Comicshop abgecheckt, danke für den Tipp!

    2. Lyeen sagt:

      Die Geschichte hatt mich bei der Previw uch gefesselt…. ^^ jetzt wo du’s schreibst vielleciht sollte ich es lesen :)

      Ach danke für den Tipp f+r den Bonner Comicladen. Ich hab war am WE da . Der Laden ist ja echt riesig! Ich hatt leider “Pech” dass die Animagic war und sämtliche schlechte Cosplayer den Laden belagert haben, aber ich würd da wieder hingehen. Der ist wirlich gut und übersichtlich. Ich wurd übrigens nicht schief angeschaut auch mit Kleid!

    3. beetFreeQ sagt:

      Crossed habe ich letztens auch gelesen und fand den Comic ähnlich gut wie du. Wobei ich bei mich fast vor mir selbst erschreckt habe, weil mir die doch ziemlich krasse Gewalt gar nicht so extrem vorkam. Mag vielleicht dran liegen, dass es ein Comic ist und damit ja doch “nur” gezeichnet.

      Mittlerweile habe ich auch Crossed: Family Values und Crossed: Psychopath gelesen. Beide greifen wirklich noch mal tiefer in die Gore-Kiste. Family Values spielt zwar noch mit dem Thema Moral und kommt damit ganz gut weg, Psychopath ist aber wirklich nur noch eine Gewaltorgie.

      Den neuesten Teil “Bandlands” will ich aber auf alle Fälle auch noch lesen, weil der doch wieder von Ennis selbst geschrieben wurde. Ein fünfter ist wohl auch schon in Arbeit, diesmal wieder von Lapham. Scheint ja erfolgreich genug zu sein. Einen Film wird es demnächst wohl auch geben – der könnte ziemlich krass werden, denn diese Gewalt in einem bedrückenden Film zu sehen, geht sicher auf den Magen. Ist ja was anderes als ein typischer moralfreier Splatterstreifen…

      • Guddy sagt:

        Die Gewaltdarstellung an sich fand ich auch nicht das Erschreckendste an der ganze Sache

        Ach was, Ennis hat doch noch einen geschrieben? Na ich bin ja ohnehin gespannt auf die ganzen Fortsetzungen! Dass es einen Film geben soll habe ich auch gehört. Sollte der es wirklich in die Kinos schaffen, werde ich ihn mir aber wohl nicht dort ansehen sondern tagsüber zu Hause… ich glaube nämlich auch, dass das ganz harter Tobak werden könnte.

    4. Max sagt:

      Hey ich habe den comic gerade angefange und frage mich ob der so durcheinander sein muss oder hier ein fehler vorliegt!?
      Ist die story so durcheinander ….? bin gerade da wo sie die lehrerin vpm dach schiessen und mit ihr reden im nächsten moment stehe sie im wald und ein polizist kommt auf einmal von hinten und dann plötzlich sind sie wieder in nem Kanal und knallen die kinder ab !? und dann geht das immer so weiter das anscheint mehre zeiten durcheinander erzählt werden! brauche ne schnelle antwort ! danke!

    5. Matthias sagt:

      ich fand den comic extrem erschreckend, brutal und kompromisslos aber das man sich ja von garth ennis gewöhnt. jedenfalls ist der erzählstil gewöhnungsbedürftig und die zeichnungen deluxe… ein walking dead für erwachsene sagte eine bekannte von mir und damit hat sie völlig recht. hab jetzt mal den ersten band durch und werde nicht vor band 2 und 3 zurückschrecken. erinnert mich an die gute alte vhs zeit und dunkle videothekenecken, ganz hinten im laden…
      hatte spass beim lesen und wurde ordentlich erschreckt, genauso wies beim kauf dieses meisterwerks gedacht war… exzellent.

      • Zeitzeugin Guddy sagt:

        “Walking Dead für Erwachsene” trifft es wohl wirklich sehr gut.
        Die Nachfolger habe ich mittlerweile auch gelesen, finde allerdings nicht, dass sie an den Originalband herankommen, leider

    Hinterlasse eine Antwort

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

    Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>