1. 4. Juli 2012 | Veröffentlicht unter Offtopic, Über diesen Blog.

    Meine Buchstabendiät

    Von

    Romane waren für mich stets mehr als nur schnöde Texte, die irgendwie zusammen zu einer mehr oder minder netten Geschichte geformt wurden. Jedes interessante Satzkonstrukt war pure Schönheit in meinen Augen, ein besonders wohlformulierter, blumiger Satz formte sich in meinem Kopf zu einem Bildnis. Für die einen sind Buchstaben lediglich ein paar dahingekrakelte oder -tippte Striche, die sich zufällig zu Worten bilden. Für mich sind Buchstaben kleine, filigrane Kunstwerke und Autoren Virtuosen, die mit den Wortbausteinen spielerisch ihre farbenfrohen Klänge formen. Vielleicht steckt in mir ein kleiner Synästhet.

    Lange empfand ich eine gewisse Leichtigkeit beim Verfassen meiner Texte. Ich jonglierte mit Worten, klebte sie hier zu einem Satz zusammen und zerhäckselte dort einen bestehenden, um ihn neu zu modellieren. Es machte mir Spaß, besonders ausgefallene Satzbauten zu basteln und mit diversen Stilistiken zu spielen. Ich las mit Freuden unterschiedlichste Manuskripte, Meinungen, Aufsätze. Aus einigen pickte ich mir besonders gelungene Passagen heraus, verliebte mich ein wenig in diese oder jene Formulierung.

    Und nun? Nun ertappe ich mich immer häufiger dabei, wie ich meine Aufzeichnungen nur sehr lapidar verfasse. Ich rotze die Begriffe dahin, benutze schon tausendfach zuvor formulierte und erprobte Kombinationen und Phrasen und bin froh, wenn ich fertig bin. Warum ist das so? Wann habe ich den Spaß daran verloren? Ich bin überfressen. In meinem Blogreader befinden sich Dutzende Blogs, die alle gelesen werden wollen, ich verfasse gefühlte Abermillionen Texte pro Tag – von winzig klein bis episch ist von Twitter bis Blogbeiträge und -Kommentare alles dabei. Ich lese jede Shampoorückseite, spiele bzw. schreibe im RP-Chat mit jedem Horst (nein, du bist damit nicht gemeint. Ja, genau du nicht!) und habe den Blick für das Wesentliche verloren.

    Das geschriebene Wort ist etwas Wunderbares, es formt simple Striche vom Papier im Kopf zu fantastischen Bildern. Es weckt Emotionen. Es soll nicht verwässert werden und an Bedeutung verlieren. Daher werde ich mein schriftliches Wortpensum drastisch kürzen. Das, was wichtig ist, bleibt: der Blog beispielsweise. Ein ganz bestimmtes Roman/Chat-Projekt. Der Austausch mit Freunden oder auch anderen tollen Blogs. Speziell die ersten beiden Punkte will ich wieder intensivieren, denn das, bzw. das Künstlerische daran, fehlt mir. Und dieses simple Posting hier, das ist der Anfang. Ob ich hiermit auch an eure eigenen Schreibtätigkeiten appellieren will? Ein bisschen vielleicht.

    Wem ergeht es denn ähnlich? Kennt ihr das auch, dass einem das eigene Schreiben irgendwann aus den Ohren heraushängt (und habt Tipps oder motivierende Worte) oder stehe ich damit alleine da und ihr zeigt gerade kichernd mit dem Finger auf mich? Ihr Bösen! ;)

    (Bild via Patsapel, Flickr)

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  2. 9 Kommentare

    1. Andrea sagt:

      Wenn ich keine Lust habe zu schreiben, dann lasse ich es halt sein. Irgendwann kommt die Lust schon wieder!
      Ich finde, bloggen soll Spass machen, wenn es gerade keinen macht warte ich ein paar Wochen, irgendwann habe ich wieder das Bedürfnis irgendwelchen Unfug mit der Welt zu teilen. Nur zu nix zwingen.

      • Guddy sagt:

        Bei mir hat das jetzt weniger mit dem Bloggen zu tun, es ist mehr eine stetig schwindende Schreibkompetenz in Verbindung mit „Huch! Warum habe ich den Text denn jetzt so dahingerotzt?! öÖ“ Daher Diät. Man will ja essen, weiß nur, dass es nicht gut ist da ein „zu viel“ den Blick auf das Wesentliche verdeckt.

        Sich zu nichts zu zwingen ist generell aber immer ein sehr guter Plan! :)

    2. OddNina sagt:

      Ich kenne das. Ich schreibe seit dem ich 14 bin in Chats und Foren Rpgs zu allen möglichen Themen. Einmal spielte ich mit einer Freundin 5 Jahre lang und irgendwann gingen wir uns gegenseitig so auf die Nerven, dass wir es ließen.. Jetzt, knapp ein Jahr nachdem wir es ließen fingen wir wieder damit an ;)

      Such die Muse nicht mit zwang, die kommt von ganz allein.. und den Spaß am Wort findet man erst wieder, wenn man sich in sie verlieben kann. Immer wenn ich in einem Schreibtief stecke nehme ich mir die unendliche Geschichte und lese Random darin.. dann finde ich meine Muse meist von ganz allein wieder.

      • Guddy sagt:

        Gute Idee, ich könnte auch mal wieder in meinen Lieblingsautoren blättern (naja oder vielleicht doch lieber in deren Romanen )

    3. Andji sagt:

      Du weißt ja, dass ich dich schon länger etwas um deinen Umgang mit Worten beneide und deine Texte gerne lese.
      Speziell dein Problem kenne ich jetzt nicht. Bei mir fängt das Problem ja schon viel eher an . Aber gut, kann halt nicht jeder ein Virtuose des Wortes sein.
      Deinen Ansatz des Verzichts zu Gunsten der Spielerei finde ich gut und ich glaube auch, dass du so recht schnell wieder den Spaß am Spiel mit Worten und Sätzen finden wirst. Genauso wie mir Ninas Ansatz gefällt auf gliebte Texte zur Inspiration zurückzugreifen. Außerdem bleibt mir gar nichts anderes übrig als optimistisch zu denken. Ich will ja irgendwann mal deinen fertigen Roman lesen

    4. Shila sagt:

      Kenne ich gut. Da ich auch außerhalb meines Blogs gern schreibe, meiner Kreativität freien Lauf lasse UND nebenbei noch Sachen für die Uni schreibe, kommt irgendwas immer zu kurz oder es wird schnell abgearbeitet. Oder es tritt der – bei mir überwiegende – Fall ein, dass ich etwas schreibe, das ich total toll und wunderbar geschrieben finde … dann lese ich das einen Tag später, finde es grottenschlecht und zack! – gelöscht! Mir fällt es schwer, dran zu bleiben, weil ich es im Endeffekt immer als ungenügend einstufe. Aber neben Büchern inspirieren mich vor allem Filme und gute Musik und dann kommt’s irgendwann wieder :-)

    5. Guddy sagt:

      @Andji :)
      Ich setze dich auf die Liste derer, die den Roman dann als Rezensionsexemplar kriegen werden *g* (in… ein paar Jahren )

      @Shila ja genau!
      Höre gerade ein ganz tolles „Fantasy“-Webradio, das ist inspirierend
      http://www.radio-aena.de/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1

      • Shila sagt:

        Hui das ist was für mich. Vor allem, wenn’s an den lästigen Unikram geht. Ich nutz auch gern Spotify, trotz Werbung (wenn man nix bezahlen will) und Facebook-Login findet man da an Musik wirklich so gut wie alles (also … bis jetzt ^^) … läuft immer nebenbei meine Playlist zu Soundtracks :)

    6. Lyeeb sagt:

      Dito! Ich hab vom Romane Schreiben eine Pause nehmen müssen.Mir fehlte der WItz und alles war nur noch Slang xD

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