1. 7. Oktober 2014 | Veröffentlicht unter Bücher, rund um Bücher.

    Die erste Apokalypse

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    Es begann an einem Gründonnerstag im April. Ein Hund entdeckte die Katastrophe, besser gesagt, lief in sie hinein.

    Das dürften die Sätze sein, die mich in das Endzeitgenre hineinkatapultiert haben. Das Buch „Grünberg lebt“ von Anneliese Schwarzer aus dem Jahre 1993 ist mittlerweile wohl nur noch bei ausgewählten Flohmarktverkäufern zu erwerben, doch immerhin hat es mich nachhaltig geprägt. Das Thema Atomkraft bzw. eher jegliche damit möglicherweise einher gehende Katastrophe war Ende der 80er/Anfang der 90er aus nachvollziehbaren Gründen natürlich ohnehin sehr im Fokus. Nicht, dass ich mich groß an diese Zeit erinnern könnte. Tatsächlich hatten meine Spielfiguren in der Zeit weniger mit Atompilzen, denn mit finsteren Bösewichtern a’la Shredder zu kämpfen.

    Doch zurück zu meiner ersten Begegnung mit dem Endzeitgenre. Bei Grünberg lebt wird ein ganzes Dorf vorgestellt, das die atomare Katastrophe nur deshalb überlebt, da es auf einem für Strahlungen zu hohen Berg gelegen ist. Gestorben wird dennoch. Die Menschen müssen mit den gegebenen Umständen leben, Konflikte bestreiten und sich plötzlich wieder von selbst gezogenen Kartoffeln ernähren. So morbide sich das auch anhört: Ich war vom Fleck weg fasziniert. Damals war ich vielleicht 9 oder 10, das fiktive Sterben von Menschen kannte ich längst von Winnetou und Star Trek, doch die Tatsache, dass es realer, fassbarer wirkt, machte die Endzeit schon damals für mich wesentlich spannender.

    Grünberg lebt war dabei noch zahm. Schon bald stieß ich, auch im Zuge meines Wolfspleens, auf „Im Schatten des großen Wolfes“. Ein Wolfsrudel überlebt einen Atomkrieg und zieht daraufhin mit zwei Menschen im Schlepptau durch das verstrahlte, kälter werdende Land. Tote Gänse fallen, noch im Flug gestorben, vom Himmel oder Rotkehlchen von Bäumen, das Rudel ernährt sich von erfrorenem Tier oder von Dosen, die die beiden Menschen öffnen. Geborgen aus Autos, in denen noch die Leichen ihrer Besitzer liegen. Der Weg ist hart und steinig, in seiner Grausamkeit sehr konsequent, wenngleich nicht zelebrierend. Das Buch hat mich derart mitgenommen, dass ich noch zwei Tage danach Alpträume hatte. Ich war vielleicht 12. Das Thema „Atomkraft“ war daraufhin für mich gegessen und ist es noch immer.

    An diese beiden Bücher erinnere ich mich gerne und lese sie alle paar Jahre auch nochmal durch. Ich weiß noch, auf welcher Seite ich bei dem Wolfsbuch das Buch zuschlagen musste, weil ich es so grausam fand. Selbstgeißelung, dass ich es überhaupt gelesen habe? Ach! Ich bin einfach sensibel und fühle mich auch heute noch zu sehr in die Geschichten ein. Ich denke, dass durch die beiden Bücher der Weg geebnet wurde, denn ich begann, mich neben Fantasy und Science-Fiction auch für kritischeren Stoff – innerhalb der Belletristik – zu interessieren und später natürlich auch für apokalyptische Themen fern offensichtlicheren Kritik wie das Zombiegenre, das in Sachen Endzeit irgendwie die Atomthematik abgelöst hatte.

    Im Gegensatz zur Fantasy ist Endzeit für mich greifbarer und entsetzlicher, wobei letzteres natürlich stark vom jeweiligen Buch/Film/whatever abhängt. Nicht, dass ich eine Zombiekalypse als unfassbar realistisch ansehen würde, doch irgendwie beeindruckt es mich einfach bis heute. Vielleicht, weil die „Helden“ nicht gegen einen fleischlichen Feind ankämpfen müssen, sondern gegen die Umstände? Überleben, mit einfachsten Mitteln und umgeben von Tod und Grau.

    Wenn ich Kinder hätte, würde ich ihnen trotz oder gerade wegen meiner eigenen Furcht beim Lesen damals diese Bücher ans Herz legen, wenn sie sich denn für so etwas überhaupt interessieren. Ich finde es gut, wenn man nicht zu spät mit solchen Themen konfrontiert wird. Auf jeden Fall empfehle ich euch diese beiden Bücher. Wenn ihr mal die Gelegenheit habt, auf ebay oder Flohmarkt eines zu erhaschen, kann es so schlecht nicht sein!

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  2. Ein Kommentar

    1. Danke für den Tipp. Grünberg werde ich mal reinziehen. Du warst so 9 oder 10 als du es zum ersten mal gelesen hast. Ist das in kindlicher Sprache geschrieben?
      Ich kann dir zum Thema Endzeit und gegen die Umstände ankämpfen, und zu der Fastination die damit zusammen hängt, Die Wand http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Wand von Marlen Haushofer nur wärmstes empfehlen. Falls du es noch nicht gelesen hast, der hat mich sehr gepackt, und erinnert mich stark an deinen Eindrücken die du zu den von dir genannten Büchern.

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