nerdikon

Nerdikon – Das Buch, dem die Nerds vertrauen?


Sparte: Sachbuch, Humor
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Autoren:
 Stefanie Mühlsteph
Seiten:
224
Originalsprache: 
Deutsch
Amazonlink

 .

Inhalt

Wer ist das eigentlich, dieser „Nerd“, wo kommt er her, was macht er und wo will er hin – und was unterscheidet ihn vom gemeinen Geek? Dieser und mehr Fragen möchte Mühlsteph auf humorvoller Weise begegnen und ein möglichst umfassendes Bild dieses Sonderlings zeichnen. Nach der Einführung, die Begriffserklärung, Herkunft und allgemeine Definition umfasst, beginnt der ausführlichste Part des Buches: Das Nerdlexikon, in dem einige Begriffe des Geektums aufgeführt und erklärt werden, wobei besonderes Augenmerk auf Popkulturelles wie Filme und Serien gelegt wird. Es folgt ein kurzes Schlussplädoyer und ein Nerdquiz. Es wird bewusst tief in die Klischeekiste gegriffen und spricht somit auch eingefleischte Nerds an, die über sich selbst schmunzeln können.

Kritik

Welch grandiose Grundvoraussetzungen! Ein humorvolles, selbstironisches Sachbuch über Nerds und Geeks, geschrieben von einem echten, weiblichen Nerd! Voller Vorfreude schlug ich es auf – und wurde herb enttäuscht. Sicher, unter dem Deckmantel des Humors kann und darf man viel verzeihen. Dass es kein fundiertes Standardwerk ist, sollte jedem bewusst sein und erwartet habe ich dies auch nicht. Doch bin ich nach der Lektüre dieses Buch wirklich unsicher, ob es nicht lieber ein Blog hätte sein sollen, aufgesplittert in mehrere, kurzweilige Blogartikel. Der Schreibstil ist meines Erachtens nach zu großen Teilen zu umgangssprachlich, der Humor nicht fein genug. Es mangelt an treffsicherer Ironie, ist zu wenig beissende Parodie gerade in Hinblick darauf, dass es schon einige persiflierende Texte zum Thema gibt und man entsprechend schon mehr bieten muss als die üblichen Floskeln. Besonders fällt dies im direkten Vergleich zum „Nerdmädchen„-Text David Grashoffs auf, der mit der Erlaubnis des Poetry-Slammers in das Nerdicon eingegliedert wurde. Grashoffs Liebeserklärung sprüht vor wortgewaltigem, kreativem Witz. So, wie ich es mir wünschen würde.

Schwerer wiegen für mich jedoch inhaltliche Faktoren. Ich möchte dies kurz an einem prägnanten Zitat von ihr innerhalb des Buches erläutern. Sie schreibt im Lexikon unter dem Begriff „Wikipedia“:

„(…) In Wirklichkeit jedoch hat Wikipedia nicht nur Lehrern zu ihrem Abschluss verholfen, sondern auch so manch anderem Studenten dank Wisenschafts-Limbo die Hausarbeit gerettet.“

Genau diese Einstellung merkt man den Texten an. Nicht nur in den Momenten, in denen sie Wikipedia zitiert, sondern leider auch, wenn sie dies nicht direkt kennzeichnet. Sie verlässt sich gerade bei der Geek-Nerd-Differenzierung zu sehr auf das Wiki, sodass sie Fehlinformationen mit einfügt. Und das, obwohl sie einen der ersten Googletreffer bei der Recherche noch mit zu Rate gezogen hat: t3n. Dort wird die Frage aufgeworfen, was man sei; ein Nerd oder ein Geek, hübsch erklärt durch eine zusätzliche Grafik. Es werden kleinere Teile zitiert, ohne dass dies ersichtlich wäre. Mangelnde Quellenangaben sind übrigens ein Punkt, der mich persönlich mit gemischten Gefühlen zurück lässt.

Innerhalb des Nerdlexikons werden drei Toplisten vorgestellt: Die „Top Five der fantastischsten Urlaubsorte“, die „Top Eight der begehrenswertesten Dinge“ und die „Top Eight der nerdigsten Seriennerds“. Erstere Liste stellt den Wellnesstempel Mittelerdes vor („Ganz vorne dabei ist jedoch auch das 5-Ringe-Etablissement von Elrond und seinem Team aus hoch-und langqualifizierten Fachkräften. Hier kann sich der Urlauber im Ambiente zwitschernder Vögel und in der Ferne plätschernder Wasserfälle an Lembas laben„). Weitere Orte: Hogwarts Castle, das Wunderland („Überlebt man den Sturz ins Kaninchenloch, erlebt man einen abgefahrenen Trip(..) Einfach bei einer Teeparty mit dem durchgeknallten Märzhasen (…) entspannen.“ und Charlys Schokoladenfabrik („Kulinarische Reise durch Candy Mountain“).

Nun. Es gibt einen Nerdblog, den ich seit Jahren lese und dessen Betreiber ich auch mittlerweile persönlich kenne und mag. Ich kenne die Toplisten vom Nerd-Wiki. Das ist seine Version der 10 Urlaubsorte. Ähnliches gilt für seine Version der begehrenswertesten Dinge, sowie für moviepilots Seriennerds. Moviepilots Website-Link fand im Nerdikon andernorts Erwähnung. Thilos Nerd-Wiki nicht. Hier wäre eine Quellenangabe das mindeste gewesen.

Wo zieht man die Grenze? Wann ist es noch Inspiration und wann eine simple Vorlage? Leider wirkt das Nerdikon an einigen Stellen, als habe man den Blick zu sehr auf andere Quellen, denn den Fokus auf ihre eigene Kreativität gelegt.

Wo wir gerade von anderen Blogs sprechen. Im Nerdlexikon werden „Blogger“ beschrieben. Näher wird definiert:„(…) Was hat das mit Nerds zu tun? Erstmal überhaupt nichts, so scheint es, aber schaut man in die andere Ecke, entdeckt man eine Bloggercommunity, die es in dieser Form noch nicht lange gibt: die Bücherblogger.“ Was folgt, ist ein kurzer Abriss über Bücherblogger.

Ihr lest dies hier auf einem Geekblog.

Das Nerdikon hat Nerdblogs sogar zitiert. Umso mehr verwundert es, dass Geekblogs im Lexikon keine Erwähnung finden. Es gibt mehr als nur Bücherblogs. Es gibt Blogs über Gaming und über Technik. Es gibt Blogger, die Cthulhus häkeln und Blogger, die seitenweise über Rollenspiele schreiben. Doch, nun gut, es ist ein augenzwinkerndes Lexikon. Dennoch hat mich diese Stelle doch sehr verwundert.

Es gibt noch einige Punkte, die ich nicht so schön finde: „Games Con“ und „Battle Star Galactica“ beispielsweise. Dass behauptet wird, dass Pandaren nur zur Horde gehören würden oder dass Peter Jackson nur einen Cameoauftritt innerhalb der Herr der Ringe-Trilogie hatte. Oder dass eigens oder von anderen Rezensionen  empfundene Negativpunkte an Serien allgemeingültig seien. Doch sind dies nur Kleinigkeiten, auf die ich nicht näher eingehen möchte. Man sollte einfach Ahnung  von dem haben, worüber man schreibt oder zumindest Leute zu Rate ziehen, die einem bei bestimmten Unterpunkten helfen können. Die Recherche sollte sich eben nicht nur auf den schnellen Blick auf Wikipedia beschränken.

Fazit

Das Nerdikon möchte kein fachlich fundiertes Werk sein, sondern Humor bieten und sich selber nicht so ernst nehmen. Leider ist der Humor bei mir nicht angekommen –  obwohl ich Parodien, Ironie etc. liebe und auch über mich als Geek wunderbar lachen kann. Ich hatte geschwankt, ob ich ihm einen oder zwei Pilze geben soll und bin letztlich bei zweien verblieben, da ich die Prämisse sehr gut finde, es sicher kurzweilig ist und ich ihr keine bösen Absichten in Bezug auf ihre Inspirationen unterstellen möchte.

Für wen ist das Nerdikon also geeignet?Für Frauen und Männer, die einen lockeren (unvollständigen und nicht ganz korrekten) Einblick in die Hintergründe erhalten möchten. Für Bahnfahrende und Im-Wartezimmer-Wartende. Mies ist es nicht. Es ist nur geschickt komplett an meinem Sinn für Humor vorbei geschlittert. Letztlich sind Geeks natürlich voll im Trend, weshalb das Buch sicher Anklang findet und weshalb dies genau der richtige Zeitpunkt ist, um es zu veröffentlichen.

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5 Gedanken zu „Nerdikon – Das Buch, dem die Nerds vertrauen?“

  1. Danke für die Rezi. Was Bücher solcher Art anbelangt lese ich sie auch gerne, wenn sie Wortwitz, Selbstironie und in passender Weise auch Sarkasmus übertragen, solange die textliche Balance und Stilsicherheit stimmen.
    Ich hatte das Buch schon in der Hand, habs aber nur kurz durchflogen. Schon da war meine Kaufgefühl nicht eindeutig. Deshalb hab ichs wohl auch wieder zurück ins Regal gestellt. http://zeitzeugin.net/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/icon_rolleyes.gif
    Dank Deiner guten Rezension werd ich es nicht kaufen. Da schlag ich dann lieber anderweitig zu.

  2. Erst mal danke für den Bericht über das Buch. Ich denke das ich mir das Geld dafür sparen kann. Wenn jemand der ein „Sachbuch“ schreibt es nicht mal hinbekommt richtig nachzuforschen hat er/sie mein Geld nicht verdient.

    1. Ein Sachbuch ist es nicht und will es dem Anschein nach auch nicht sein… es fällt unglaublich schwer, eine Zielgruppe zu definieren!

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