1. 12. Januar 2016 | Veröffentlicht unter Comics, Comicvorstellungen.

    [Comic] The Cape

    Von

    Genre: Horror, Superhelden, Dark Fantasy
    Autor: Jason Ciaramella nach einer KG von Joe Hill
    Illustratoren:
    Zach Howard
    Erscheinungsform: 
    132 Seiten,  Softcover
    Enthält: The Cape #1-4, abgeschlossen
    Leseprobe
    Verlag: IDW/ Panini Comics |  Über den Partnerlink bestellen


    Ein Cape, zusammengesetzt aus einer alten Schmusedecke und dem Marineabzeichen des im Krieg verstorbenen Vaters, ist nicht nur Teil der Superheldenverkleidung des Jungen Eric, sondern viel mehr. Dass es nämlich nicht nur superflauschig ist, sondern dem Träger auch die Fähigkeit zu fliegen verleiht, lernt Eric im denkbar günstigsten Moment: Während des Spielens mit seinem Bruder beim freien Fall von einem Baum. Er fliegt. Zumindest einen Moment lang, dann reisst das Cape und Eric findet seine Bestimmung auf dem Boden der Tatsachen wieder.

    Während Eric im Krankenhaus ruht, sperrt seine Mutter das garstige Cape weg, da es den beiden Söhnen nur Flausen in den Kopf setzt. Fliegen! Man sieht ja, was der ganze Superheldenquatsch alles so anrichtet! Eskapismus wohin man blickt!

    The Cape

    Lange Zeit bleibt das Cape verschwunden – bis es Eric – mittlerweile ein erfolgloser Erwachsener mit just beendeter Beziehung – per Zufall im Keller seiner Mutter wiederfindet. „Ei der Daus“, denkt er sich nun, „Mein Leben ist gar trostlos, niemand nimmt mich ernst und respektiert mich, doch, oha, dieses jenes Cape wird mir den Respekt verschaffen, den ich schon immer verdient hatte! Und noch mehr…“ Dass daraus keine fidele Supermangeschichte entspringt, dürfte nun nicht mehr nur anhand des Autoren ersichtlich sein…

    Der Comic findet seine Vorlage in der gleichnamigen Kurzgeschichte von Joe Hill, welche in seiner Kurzgeschichtensammlung „20th Century Ghosts“ (in der deutschen Übersetzung:“Black Box„) zu lesen ist. Zwar ähneln sich Kurzgeschichte und Comic zu Beginn sehr, nutzen teilweise die selben Formulierungen, doch geht der Comic noch einige Schritte weiter und nimmt die Vorlage nur als Sprungbrett, auf dem Charaktere und Geschichte fußen. Die Kurzgeschichte endet dort, wo der Comic erst anfängt: Bei dem ersten Todesfall.

    Nein, dieser Comic erzählt keine bunte Knautschgeschichte, sondern präsentiert das Bild eines mitnichten nur körperlich gezeichneten Mannes, der in seinen psychischen Problemen nicht nur selber ertrinkt, sondern andere mit sich ins Verderben zieht. Jeglicher Pathos und Heroismus, den man gemeinhin mit einem derart wundersamen Cape verbindet, fehlt hier völlig und wird durch die hämisch grinsende Fratze eines Psychopathen überschattet. Es ist gerade zu Beginn verstörend, wobei es im Laufe der Seiten leicht wahnwitzige Züge annimmt, die mir leicht über die Maße erscheinen – was indes vielleicht auch nicht ganz unpassend für Eric ist. Dennoch gibt es ein, zwei Momente, die mir „zu viel“ sind und die durch ihre bloße Existenz die feinen Grausamkeiten menschlicher Psyche verdrängen und das ganze trivialer erscheinen lassen, als es eigentlich ist.

    Der Protagonist ist ein Arschloch. Leider eines, das man nicht mal mehr aufgrund seines vielleicht doch alles erklärenden Hintergrundes sympathisch finden kann, derart tief steckt er in seiner eigenen, klebrigen Pest. Das Portrait Erics ist gelungen, wenngleich es nicht allzu sehr in die Tiefe geht. Beschrieben wird nicht primär seine Psyche, sondern die Taten. Unangenehm fällt der Blick des Lesers direkt auf den gebrochenen Kiefer der Frau, auf das fransig gewordene Cape, das einst so viel Spaß brachte und nun ein Verkünder des Unheils ist.

    Insgesamt hätte „The Cape“ eine Kürzung gut getan, vielleicht wäre es passender gewesen, die ursprüngliche Kurzgeschichte statt um einige viele, nur um zwei oder drei zusätzliche Szenen zu ergänzen. Das Original ist, was den Schrecken angeht, auf den Punkt, der keiner Ausdehnung bedarf. Dafür jedoch sind die Erläuterung zu Erics Charakter gelungen und recht interessant, gerade unter Zunahme der Beleuchtung anderer Personen, die in der Kurzgeschichte nur am Rande oder gar nicht auftauchen.

    Es ist ein gut zu lesender, in sich abgeschlossener Comic, den man lesen kann, aber nicht muss.Er beschreitet keine gänzlich neuen Pfade, ist auf seine Weise jedoch unterhaltsam. definitiv zu empfehlen, wer gerne über düstere Gestalten und tiefe Abgründe des Menschen liest.

    Cape

     

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  2. Ein Kommentar

    1. kennst Du noch „Der kleine Vampir“? Wo die immer Flugpulver auf ihre Umhänge streuen und dann damit fliegen konnten? Musste ich gerade irgendwie dran denken. Als Kinder sind wir immer mit kleinen Wolldecken als Umhängen durch die Wohnung „geflogen“. Hach, good times.

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