„Kennste einen, kennste alle!“

Der kleine Text erschien zuerst auf meinem privaten Facebook-Profil. Ich habe mit dem Posten auf dem Blog gewartet, bis es meine Freunde und Bekannten gesehen haben und darauf dort reagieren konnten, und ich noch unschlüssig war, ob und wie breit ich politisch angehauchte oder gesellschaftlich „kritische“ Themen hier besprechen möchte. Antwort: Nicht breit. Dieses Statement jedoch ist mir wichtig und soll exemplarisch für diese Thematik auf meinem Blog bleiben.

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In meinem Leben wurde ich, wie so einige Frauen, von vielen Männern sexuell belästigt und/oder als Frau nicht ernst genommen: Von Studenten, Karnevalisten, Fremden, von Alten, Jungen, von Dicken und Dünnen. Der Mann, den ich am meisten verachte, ist ein weißer Deutscher. Wie es fast ohne Ausnahme alle der oben genannten waren.
Weiß und deutsch = Arschloch?
Definitiv nicht. Und obwohl es so viele weiße, deutsche Arschlöcher gibt, schere ich nicht alle über einen Kamm. Bin genervt, wenn Leute anderer Nationalität, aus welchem Grund auch immer, über „den Deutschen“ lästern und in ihm generell den Nazi von damals sehen. Denn das stimmt nicht. Zum Glück.
Die Taten Einzelner sollten niemals für die Taten der gesamten Gruppe gehalten werden. Jeder einzelne von uns ist ein Individuum. Und nein, wer jetzt „ich nicht“ ruft, ist gerade nicht witzig.

Natürlich gilt das aber nur für uns Deutsche. Denn wenn eine Tat von Menschen „nordafrikanischer Abstammung“ begangen wird, hat es schließlich für die ganze Gruppe zu sprechen! Ist doch logisch! Weil… ja weil halt! Weil „die“ eh alle gleich sind! Weil der rechte Pöbel es so will.
Was für ein Bullshit.
Wer eine Nachricht wie diese: „Gruppenvergewaltigung: Vier Männer sollen über 14- und 15-jährige Mädchen hergefallen sein“ und im Text dann von syrischen Tätern liest – und daraufhin so etwas vom Stapel lässt: „Aber nein! … sagen Zecken,das alles hat nix mit den Invasoren,auch genannt Flüchtlinge zu tun..Quatsch auch“ (erster, dazu gefundener Tweet) hat es nicht verstanden. Überliest vermutlich auch die drölfzigtausend Nachrichten, in denen von weißen, deutschen Tätern die Rede ist. Oder sind weiße, deutsche Täter derart zur Normalität geworden, dass man sich über diese nicht mehr aufregen muss…?

Ich finde es unglaublich, wie die Taten UNFASSBAR dummer, ignoranter, verfickter Einzelner eine ganze Gruppe in den Dreck ziehen. Dass so etwas überhaupt möglich ist. Diese Hetze finde ich zunehmend beunruhigender und wenn ich höre, was meinen ausländischstämmigen Freunden und Bekannten teilweise in diesen Tagen widerfährt, dann, ja, habe ich Angst.

Ich distanziere mich ganz klar von Volksverhetzern, von Arschlöchern und Leuten, die gerade drohen, zu welchen zu werden.
Und wenn – ich hatte bisher geglaubt, diesen Schritt nie gehen zu wollen – in meiner Freundesliste jemand ist, der ebenfalls gerne über einen Kamm schert und rassistische, menschenverachtende Meinungen vertritt, möge er sich bitte eigenhändig aus meinem Umkreis entfernen. Ich ertrage diese braune Scheiße nicht länger, die von so vielen Seiten ungefiltert und unreflektiert auf einen hernieder schwappt. [Alternativ darf er sich auch gerne meinem Blog fernhalten. Ich bin nicht auf Klicks angewiesen.]
Oder sich auf einen Dialog und einen Kaffee mit mir treffen. Das wäre mir sogar lieber.

Vielleicht besteht ja noch Hoffnung.

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4 Kommentare

  1. !!!
    Wie schlimm muss es auch für Deutsche sein, die für „Urdeutsche“ aber nicht danach aussehen (weil andere Hautfarbe zB, Stichwort „Wo kommst du her?“ – „Deutschland.“ – „Ne, ich meine, so richtig!“…).

    Bleibt nur zu hoffen, dass die Täter ermittelt und verurteilt werden. Wobei ich letzteres – zumindest aus jetziger Sicht – stark bezweifele, wenn ich mir Statistiken zur Verurteilung von Sexualstraftätern ansehe.
    Wenn man darauf aufmerksam macht, wie viele Opfer es gibt und wie viele Täter tatsächlich hinter Gittern landen, um dann von Männern (im gleichen Atemzug!) frauenfeindlich (genau, die Männer sind doch sonst die, wenn ich mich über Sexismus auftege, ein ‚Hab‘ dich doch nicht so!‘ posten) genannt zu werden und dann ne Vergewaltigung(sic!) gewünscht zu bekommen. -_-

  2. Der für mich erschreckendste Satz in dem ganzen Post ist: „In meinem Leben wurde ich, wie so einige Frauen, von vielen Männern sexuell belästigt“. Ich würde jegliches Verhalten dieser Art in meiner Umgebung sofort strikt und vehement unterbinden und das es sogar in meinem direkten Bekanntenkreis passiert, finde ich schrecklich.

  3. Ich möchte nicht relativieren, der braune Mob ist sche*ße und nutzt das (leider) natürlich für seine eigenen Zwecke.
    Ich denke aber, dass ein Teil derer, die momentan mit ihren Reakitonen über die Stränge schlägt, nur seinem Frust und seiner Wut Luft macht und sonst sehr wohl differenzieren kann zwischen Flüchtling und kriminelem Flüchtling. Aber nachdem die Berichterstattung seit Monaten das Narrativ von syrischen, hochqualifizierten Fachkräften, die unsere Gesellschaft ausschließlich bereichern würden, mantraartig wiederholte und Widerrede oder simple Fragen nach dem „Wie“ wahlweise mit „Wir schaffen das!“ oder der Platzierung des Widersprechenden in die rechte Ecke beantwortete, sind die Geschehnisse in Köln ein ziemliches Ausrufezeichen und ein Ausblick auf das, was passieren kann, wenn die Integration – warum auch immer, egal ob aus fehlenden Mitteln dafür oder fehlender Bereitwilligkeit – scheitert. Aber das wurde kleingeredet, und wurde es auch im Zuge der Berichterstattung von Köln, als scheibchenweise berichtet wurde, dass es erst a) Männer, dann b) nordafrikanische/arabische Männer, aber ganz sicher keine Flüchtlinge, c) Flüchtlinge, die aber nichts mit den Sexdualdelikten zu tun haben, waren, teils selbst dann, als bereits bekannt war, dass dem nicht so ist. So, als sei es unmöglich, dass auch Flüchtlinge kriminell sein könnten.
    Davon abgesehen spielt diese Berichterstattung inklusive Sprechverboten (Christian Pfeiffer, den ich aufgrund seiner „Killerspiel“-Ansichten normal nicht ernst nehme, äußerte sich dazu auf Phoenix) natürlich erst recht dem rechten Mob in die Hände, weil sie Wasser auf die Mühlen der „Lügenpresse“-Rufer ist. Das und der Umstand, das vermutlich kein einziger Triebtäter von Köln verurteilt werden wird, weil es niemandem nachzuweisen sein wird, dass er Person X zur Zeit Y berührt haben soll, und voilà, fertig ist die Empörung, fertig sind einfache Reaktionen ohne Blick auf das komplexe Ganze.

    Disclaimer: Das heißt nicht, dass ich der Ansicht bin, alle Flüchtlinge wären (Trieb-)Täter, oder alle Moslems/Afrikaner/Whatever, oder dass ich Asyl ablehne. Es heißt, dass es unter diesen genauso wie unter Deutschen Kriminelle gibt, und dass man einen Weg finden muss, mit diesen umzugehen, der über leere Phrasen hinausgeht.
    In Deutschland gibt es bereits mehr als genug menschenverachtende (sexuelle Gewalt trifft auch Männer) Schweine, dass man sich die Frage stellen sollte, ob man auch die Schweine anderer Gesellschaften braucht.

    PS: Kaffee nehm ich zwar nicht, sonst bin ich dabei.

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