1. 20. Februar 2016 | Veröffentlicht unter Gaming, rund um Gaming.

    Genderlock? Ist doch völlig ok.

    Von

    Genderlock: Das bedeutet, dass innerhalb eines Videospiels eine oder mehrere Klassen nur von Charakteren eines Geschlechts bespielt werden können. So kann man beim kommenden Sandbox-MMO Black Desert Online Jägerinnen, jedoch keine männlichen Jäger, Krieger, jedoch keine Kriegerinnen spielen. Und das sind nur zwei von vielen Beispielen, denn das Spiel setzt sowohl auf Gender-, als auch auf Racelock. Gamestars Jürgen Stöffel findet diesen Umstand „albern“ und fühlt sich in seiner spielerischen Freiheit stark beschnitten, wie er in seinem Artikel darlegt. Auf das Spiel selber und dessen besonderen Details dieses Thema betreffend möchte ich nicht näher eingehen, sondern vielmehr das Thema als solches besprechen. Aufhänger ist dieses Zitat aus dem Gamestar-Artikel.

    Nun, vielleicht will ICH ja genau sowas spielen? Vielleicht hängen mir saublöde Klischees zum Hals raus und ich will in einem Fantasy(!)-Spiel auch meiner Fantasie freien Lauf lassen, und eben auch mal ein drei Meter große Riesenweib spielen! Und mir ist auch egal, ob der Genderlock durch irgendwelche Hintergrundgeschichten im Spiel erklärt wird. Das mag in einem Fantasy-Roman gut zur Stimmung passen, aber als Rollenspieler will ich die maximale Freiheit. (Jürgen Stöffel)

    Ist die spielerische Freiheit wichtiger als die Spielwelt? Für die meisten vielleicht, für mich jedoch nicht. Ganz im Gegenteil finde ich es reizvoll, wenn nicht alles frei ist, nicht alles möglich und einem stattdessen Grenzen auferlegt werden. Gerade wenn es zur Spiel- und Hintergrundwelt passt, finde ich Details wie Genderlocks sehr interessant, denn im besten Fall trägt es zur Immersion bei. Im Mittelalter angesiedelte Spiele, in denen man auf weibliche Ritter en masse trifft? Ein MMO über die nordische Mythologie – oder auch besagtes Black Desert- , in denen man männliche Walküren spielen kann? Nein, das muss nicht sein.

    Und auch, wenn unter dem Deckmantel der Fantasy nahezu alles erlaubt ist rechtfertigt das für mich keine willkürliche bestimmte Welt, die in sich nicht schlüssig ist. Gut. Hier spricht die Weltenbauerin aus mir und da bin ich sicherlich viel strenger als ich sein müsste. Letztlich ist die Hintergrundwelt nur das Setting, in dem die eigentliche Handlung stattfindet und ist weniger wichtig als innerhalb eines Romans, in dem auch der „fantastische Realismus“ wesentlich strenger zu betrachten ist als in einem Videospiel. Schließlich zähle ich in World of Warcraft auch nicht die Ackerfelder Westfalls durch, nur um mich später darüber zu mokieren, dass die Einwohner der östlichen Königreiche gar nicht genug Brot zum leben hätten. Fantasyrollenspiele müssen nicht 100%ig realistisch sein und das zu fordern hätte schon etwas sehr putziges.

    Schnell wird bei diesen Genderlocks auch Seximus gewittert: „Was, man darf keine Kriegerinnen spielen? Wie unverschämt, sind Frauen etwa schwächer als Männer, werden sie gar zurück an den Herd gewünscht und überhaupt, sind wir wieder im Mittelalter?!“ Auch hier verweise ich gerne auf die Spielwelt an sich, in der die Verhältnisse vielleicht nicht ganz so sind wie gewünscht. Das wiederum erinnert mich an den Witcher, dem zuweilen der Mangel schwarzer Charaktere angekreidet wurde. Zu Unrecht, wie ich noch immer finde, denn warum Diversität erzwingen, wenn es die Spielwelt nicht zulässt? Und auch, wenn in Black Desert keine Kriegerinnen möglich sind, so doch immerhin eine weibliche Entsprechung dieser Klasse, namentlich die Walküre.

    Der Wunsch nach spielerischer Freiheit ist gerade bei Rollenspielen sehr groß und auch verständlich, schließlich ist es eines der Vorteile dieses Genres, bei der Charaktererschaffung seiner Fantasie möglichst freien Raum zu lassen. Doch ist es nicht auch lobenswert, dass es Spiele gibt, die alte Pfade verlassen und eigene Merkmale besitzen? Ist es nicht auch ganz interessant, selber eigens ausgestampfte Pfade zu verlassen und sich auf etwas neues einzulassen? Wird auch gemeckert, wenn seine Lieblingsklasse in einem Spiel nicht vorhanden ist? Muss jedes Spiel alles bieten, beinhalten, ermöglichen? Ich sage: nein.

    Ich habe nichts gegen eine gewisse Exklusivität, sehe weder Sexismus, noch Diskriminierung und finde es begrüßenswert, wenn man als Spieler auch mal gegen die ein oder andere Schranke prallt und sich so unter Umständen neu herausgefordert fühlt. Einer der vielen Fehler, die World of Warcraft meines Erachtens übrigens gemacht hat, ist die Aufhebung der Exklusivität fraktionsgebundener Klassen. „Einfach und beliebig“ ist für mich wirklich nicht immer besser.

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  2. 7 Kommentare

    1. Danke für den Artikel.
      Ich bin da bei dir. Letztendlich sollten Dinge die nicht sind mit Blick auf die Immersion eben auch…nicht sein. Das ist ja nicht gleich antifeministisch denn letztendlich betrifft es beide Geschlechter wenn es um Einschränkungen geht die durch den Hintergrund bedingt sind.

    2. Bin ganz bei dir. Aber die meisten regen sich einfach gerne auf darum hört man da nur Gemecker überall. ist bei dir zum Glück anders

    3. Immerhin hat man bei diesem Spiel eine Wahl was man spielt. Es gibt auch RP Spiele bei denen man der geheimnisvolle Fremde Mensch ist und fertig ist die Charakterauswahl. Ich gebe zu das ich es sehr gerne habe wenn ich mir lange Gedanken machen kann ob ich diese oder jene Rasse in männlich oder weiblich spiele und klar währe die totale Freiheit darin nicht schlecht nur auf der anderen Seite hast du auch recht das es in die Spielwelt passen muss.

    4. Verdammt! Ich bin es derart gewöhnt mir weibliche Kriegerinnen zu erstellen, dass ich nicht weiß, ob ich mich auf so etwas einlassen möchte. Womöglich muss ich sonst noch auf einen wohl geformten Männerhintern starren während ich spiele, was wiederum Neid in mir hervorruft und meinen Spaß mindert :O Ich finde es wird inzwischen generell von vielen Spielen zu viel erwartet, zu viel vorausgesetzt und vor allem – gefühlt – an allen Ecken und Enden gemeckert und herum gemäkelt. :/

    5. t-berium sagt:

      Wird von den Leuten, die diese Diversifikation fordern nicht auch vehement darauf gepocht, dass Videospiele Kunstwerke und damit genauso zu nehmen, wie vom Hersteller umgesetzt, seien? Ich meine doch, dass diese Schnittmenge doch recht groß ist.
      Gleichzeitig sieht man inzwischen überall einen Affront: Egal, ob der Duke von zwei barbusigen jungen Damen die Latte gelutscht wird, es nicht jede Ethnie in ein Spiel schafft oder nun, wie hier, bestimmte Klassen auf bestimmte Spezies und Geschlechter forciert werden.

      Man darf, vor allem bei Kunst, gerne auch mal die Heugabeln und Fackeln im Empörungsschrank lassen und eine fiktive Welt einfach mal eine fiktive Welt sein lassen. Das tut wirklich keinem weh. Im Zweifelsfall entscheide ich doch selbst, ob ich mich auf die Gegebenheiten einlassen will oder nicht. Und wenn ich mich entschließe, dass mir ein Spiel oder ein Aspekt eines Spiels nicht gefällt, werde ich doch den Teufel tun und meine subjektive Meinung in ein allgemeingültiges Gesetz pressen und damit per Shitstorm hausieren gehen. Egozentrik ist einfach dumm.

      Genauso wie ich Spaß mit dem Duke und seinem Turbo-Macho – Gehabe haben darf, ohne sein Weltbild zu teilen oder auch nur ansatzweise ein schlechtes Gewissen zu haben, darf ich auch akzeptieren, dass ich mich und meine Ansprüche nicht in jedem Spiel zu 100% erfüllt sehen werde.

      Bestimmt entgehen mir viele tolle Welten, weil ich den Anime-Stil nicht mag. Tja, mein Pech. Genauso, wie es Stöffels Pech ist, dass er keine lesbische, schwarze behinderte Kriegerin spielen darf.

    6. Alex sagt:

      Kein Argument wie die „spielerische Freiheit“ wurde in meiner langjährigen (Online)Rollenspielerfahrung so oft dazu mißbraucht willkürlich gegen das Setting und den Hintergrund zu verstoßen. Dabei empfinde ich gerade das Eintauchen und sich Anpassen an eine fremde Welt gerade als den Reiz eines Rollenspiels. Viele Macher von solchen Spielen (in vielen Fällen durchaus zutreffend als Medienkunstwerke bezeichnet) investieren unglaublich viel Kreativität in die Erschaffung einer komplexen, nachvollziehbaren Welt und implementieren eine Vielfalt an gesellschaftlichen Mechanismen und auch Sachzwängen.

      Aber diese Spieler die unbeschränkte Wahlfreiheit fordern würden sicher nicht aktzeptieren, dass ich als Charakterkonzept einen könglichen Inquisitor spielen möchte, der sie für jeden geschlachteten menschlichen NPC mit Ermittlungsverfahren und Kerkerhaft überzieht. Achso und da wir ja im Zeitalter des Minderheitenschutzes leben, natürlich auch für jeden orkischen, elfischen, zwergischen und Waldfeen NPC.

      Statt sich mit diesen Merkmalen auseinander zu setzen wird im Namen der spielerischen Freihheit einfach drüber gebügelt über das was einem nicht passt. Und gerade bei MMOs in denen gewöhnlich keine Spielleitung reglementierend eingreift, sondern lediglich die softwareseitig implementierte Spielmechanik die Grenzen aufzeigt, wird einem die Immersion regelmäßig durch solche „Querschläger“ zerschossen. WOWs schwangere lesbische Todesritterinnen sind da noch die eher harmlose Variante.

      Wenn es allen Ernstes Leute gegeben hat, die sich über den Mangel an farbigen Charakteren im Witcher aufregten, sollte man diesen Leuten entgegenhalten, dass es diskriminierend ist, dass sie nicht auch zeitgleich auf die mangelnden Behinderten, Indigenen,Homo- und Transsexuellen und sonstige mannigfaltigen Minderheiten UNSERER Welt hinweisen. Wenn man schon meint den moralischen Zeigefinger zu erheben, dann bitte richtig.

      Die gesellschaftlichen Verhältnisse in solchen Spielen (und gerade Witcher ist da ein recht gutes Beispiel) die nach unserem Verständnis sicher kritikwürdig sein können, oder gar als „barbarisch“ gebrandmarkt würden sind Dennoch Bestandteil dieser alternativen Realität in die wir während des Spielens eintauchen wollen. Der Vorteil daran ist das man diesen oft unmenschlichen Verhältnissen eben durch einen simplen Logout entfliehen kann. Hier irgendwelche realweltlichen moralischen Messlatten anlegen zu wollen, halte ich für völligen Unfug. Insbesondere da nicht wenige dieser Spielwelten unserer eigenen durchaus recht schonungslos den Spiegel vorhalten wenn man genau hinsieht.

    7. Tom sagt:

      Top. Stimme mit dem ganzen Beitrag 1:1 überein. Und WoW ist wirklich ein gutes Beispiel dafür wie der Einheitsbrei von Rassen und Klassen die Stimmung und die Vielfalt des Spieles vergiftet.

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