review

[Gastbeitrag] Batman v Superman – Schuld und Sühne

Die Passion des Clark Kent

von Stefan Servos

 

Vorsicht, kann Spuren von Spoilern enthalten.

Nach den zahlreichen schlechten Reviews (u.a. der von Guddy [Anm.d.G.: Die gar nicht so schlecht war! Nur ein bisschen.]) habe ich schon das schlimmste befürchtet, vor allem da auch Snyders letzter Superman-Film mehr durch Inszenierung und Optik bestach, als durch raffinierte Handlung. Doch was Zack Snyder mit Batman v Superman auf die Leinwand gezaubert hat ist meines Erachtens nicht mehr oder weniger als ein kleines Meisterstück! Zack Snyder inszenierte den großen Kampf zwischen Mensch und Gott als Mischung aus griechischer Tragödie und Passion Jesu Christi. Das ist auch nicht unbedingt tiefgehend, aber voller aufrechtem Pathos und zugleich die älteste aller Mythologien: Die Verantwortung der Götter für die Sünden der Menschen.

stations3-13Die Allegorie ist dabei manchmal subtil, meistens aber kaum zu übersehen, wenn einige Kameraeinstellung eindeutige Reminiszenzen an berühmte Gemälden oder Statuen von Michelangelo sind. Überhaupt drängen sich die Jesus-Parallelen auf. Alle 14 Stationen des Leidensweges Jesu werden Punkt für Punkt abgearbeitet, von dem Gerichtsprozess vor den römischen Hohepriestern, über der Begegnung mit seiner Ziehmutter, den weinenden Frauen, seiner Hinrichtung und dem zu Grabe tragen. Sogar die Heilige Lanze aus der Passionsgeschichte spielt eine entscheidendeRolle. Der Film hinterfragt den gesamten Heldenmythos und bildet damit eine angenehme Abwechslung zu den Marvel-Filme, die nur noch aus Kompromissen an den Mainstream zu bestehen scheinen und zunehmend oberflächlicher werden, was sie durch Comic-Relief auszugleichen versuchen. Batman v Superman ist wesentlich erwachsener, fordert den Zuschauer heraus und entwickelt sich im Verlauf zu einer tragisch-düsteren Oper.

batman-v-superman-dawn-of-justice-darkseidÜberhaupt brilliert der Film durch den hohen Gehalt an moralischen Fragen und einer inhaltlicher Substanz, von der die meisten Marvel-Pendants nur träumen können. Dabei ist der eigentliche Plot raffiniert verwoben mit dem oberflächlichen Plot, denn natürlich geht es nicht wirklich um den Kampf von Gut gegen Böse, sondern darum, was einen Helden ausmacht und der daraus folgenden Erkenntnis, dass es keine Helden gibt. Ein Thema, mit dem Snyder sich schon bei Watchmen (vor allem mit Dr. Manhatten) eingehend beschäftigt hat. Daher ist die Besetzung von Bruce Waynes Vater mit Jeffrey Dean Morgan (Comedian aus Watchmen) durchaus als Augenzwinkern zu verstehen.

„Wenn Gott allmächtig ist, dann ist er auch böse. Wenn er nicht böse ist, dann ist er nicht allmächtig“ – frei nach Lex Luthor

Während Ironman, Hulk, Thor und Co. Städte einfach nur dem Boden gleich machen und echte Menschen höchstens als Statisten gehandelt werden, erlauben sich die Drehbuchautoren Chris Terrio und David S. Goyer von Batman v Superman das Gedankenspiel, wie die Menschheit tatsächlich auf das Auftauchen von Göttern reagieren würde und welche moralischen Verpflichtungen Macht (die laut Lex Luthor nie unschuldig sein kann) mit sich bringt. Auf der einen Seite Bruce Wayne, auf der ewigen Suche nach Katharsis nach dem Tod seiner Eltern, auf der anderen Seite Superman, der für die Sünden der Menschen ans Kreuz genagelt wird.

In der Umsetzung wird dies durch das wunderbare Ensemble getragen. Wider aller Schmähung füllt Ben Affleck den Anzug des alternden Dark Knight perfekt aus. Und auch Henry Cavill als Erlöserfigur spielt stärker als je zuvor, wobei er starke Unterstützung durch Amy Adams als wunderbare Maria Magdalena erfährt. Über Jesse Eisenberg als wahnsinniger Lex Luthor (mit leichtem Overacting) lässt sich streiten, ich jedenfalls hatte große Freude an seinem Spiel. Und auch Gal Gadot ist als Diana Prince einfach nur hinreißend, wirkt nur im späteren Amazonen-Outfit leider etwas zu kostümiert. Dafür hat JUNKIE XL der Figur aber ein prächtiges musikalisches Leitmotiv verpasst. Herausragend auch Senatorin June Finch (großartig: Holly Hunter) in der Rolle des Pontius Pilatus, die Superman gegen ihren eigenen Willen zum Tode verurteilen muss.

Batman v Superman

Zack Snyder versteht es Emotionen, Gewalt, Details mit einer fast erotischen Ästhetik auf die Leinwand zu bringen. Die oft geäußerten Kritik, dass man dem vermeintlich konfusen Plot nicht folgen könne, kann ich in keiner Weise nachvollziehen. Ich persönlich fühlte mich in keinem Moment des Films irgendwie in der Handlung verloren. Ganz im Gegenteil hing ich an den Lippen der Charaktere und sog jedes noch so kleines Handlungsdetail in mich auf, um es zu zelebrieren. Dass surreale Traumsequenzen und Handlungssprünge manchen Zuschauer überfordern, ist kein Manko des Films, sondern das der Zuschauer, die gerne ganz in Marvelmanier alles schön vorgekaut präsentiert bekommen.

batman-v-superman-dawn-of-justice-6-rcm0x1920uUnd Kritiker, denen es in dem Film am Humor mangelt, sollten sich fragen, warum auch der Kreuzweg Christi so humorlos inszeniert ist. Zugegeben, Batman v Superman ist nicht perfekt und hat durchaus auch die eine oder andere Schwäche, beispielsweise Plotholes, die sich einfach aus der Konstellation eines Kampfes zwischen Batman und Superman ergeben, vor allem durch die überstarke Macht des Letzteren. Aber das ist ein Problem, das alle Superman-Filme für mich haben. Und von denen, die in den letzten 60 Jahren inszeniert wurden, ist dies hier ohne Zweifel der beste. Es ist auch nicht Zack Snyders stärkster Film (das ist für mich Watchmen DC), aber er kann auf jeden Fall in der Top-Liga der Comic-Verfilmungen mitspielen.- Und das trotz der oft kritisierten Tatsache, dass eine entscheidende Handlungswendung durch einen reinen Zufall herbeigeführt wird. Ist nicht der Zufall oft auch Auslöser für die größten aller Geschichten? Dass er sich dramaturgisch Zeit lässt, rechne ich dem Film hoch an und hoffe inständig auf die Veröffentlichung eines Director‘s Cut, denn der wird dann einige der Punkte der zahlreichen Handlungsstränge hoffentlich noch einmal etwas vertiefen.

Fazit:

Mit Batman v Superman erlaubt sich Zack Snyder die Inszenierung einer tiefgehenden, monumentalen Oper, bei der manche Comicfans und Kritiker auf der Strecke bleiben, was aber nicht weiter schlimm ist, da sie nicht über meinen persönlichen Filmgenuss entscheiden.


12966499_1150467771652949_2143804599_nStefan Servos, geboren 1975, entdeckte schon in Kindertagen seine Leidenschaft für das fantastische Genre. Er ist aktives Mitglied der Deutschen Tolkien Gesellschaft, spielt in seiner Freizeit „Dungeons & Dragons“ und geht regelmäßig auf Liverollenspiele. Neben seiner hauptberuflichen Arbeit als Fernsehredakteur (WDR, SWR, KABEL 1, RTL) schreibt der Diplom-Journalist regelmäßig für diverse Online- und Printmedien, unter anderem für das Magazin Geek!. Zudem hat er bereits Hintergrundbücher zu Filmen wie „Der Herr der Ringe“, „Troja“, „Alexander“ oder „Der Hobbit“ veröffentlicht. Persönlich trifft man den Betreiber diverser Fan-Websites, u.a. www.herr-der-ringe-film.de, vor allem als Vortragenden auf Conventions wie der RingCon oder der HobbitCon.

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26 Gedanken zu „[Gastbeitrag] Batman v Superman – Schuld und Sühne“

  1. Interessante Review, die ich auch gerne so stehen lassen kann! :)
    Nur eines stößt mir, wie so oft, etwas sauer auf:

    „Dass surreale Traumsequenzen und Handlungssprünge manchen Zuschauer überfordern, ist kein Manko des Films, sondern das der Zuschauer, die gerne ganz in Marvelmanier alles schön vorgekaut präsentiert bekommen.“
    Damit stellst du eine Behauptung auf, die den Zuschauer,der nicht deine Meinung teilt, herabwürdigt und ihn als dezent tumb dastehen lässt.
    Ich bspw. muss nicht alles vorgekaut bekommen. Ich mag nicht nur die Action der Avengers, sondern auch das Fordernde bspw. der Watchmen.
    Mich „überforderten“ die vielen Sprünge, da ich den Film nicht sonderlich gut gemacht fand. Der Plot war meines Erachtens nach nicht sauber durchdacht, weshalb ich gedanklich häufig abgeschweift bin. Bin ich Schuld? Vielleicht. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass der Film nicht jeden Geschmack trifft.
    Und das ist nicht unbedingt Schuld des Zuschauers.

    Aber das („Ihr mochtet den Film ja nur (nicht), weil ihr doof seid, ätsch!“) ist ein Punkt, der mich zZt generell bei vielen Meinungsäußerungen und Reviews nervt, daher springe ich gerade hier auch so darauf an.

    Ansonsten sehr schön geschrieben! Mit dem Christentum/der Bibel kenne ich mich absolut nicht aus, daher sind auch jegliche Metaphern diesbezüglich an mir vorbei gegangen.

  2. Ich denke, dass Traumsequenzen und Handlungssprünge tatsächlich ein Stilmittel sind und kein Manko des Films, und das sicherlich manche Zuschauer überfordert hat. Ich gebe zu, dass ich das ein kleines bisschen polemisch formuliert habe, um zu provozieren. Sonst würde die Diskussion doch gar keinen Spaß machen. ;-)

    1. Das war ganz eindeutig ein Stilelement! Nur eines, das man mMn besser hätte realisieren können. Aber ich stecke da nicht drin. Hätte ich es gefilmt, hätte man sich ob der pupsend herum hüpfenden Einhörner, auf denen Batman reitet, beschwert, also… ;)

  3. Damals haben alle gejammert, dass sich Matrix, gerade in Teil 2 und 3, zu sehr in seiner Jesus Allegorie verloren hat. Ich fand das damals in Hinsicht auf Matrix‘ Philosophie immer besonders passend und perfekt gewählte Bildlichkeit für den „Auserwählten“. Und ja, ich fand auch Matrix 2 und 3 genial. Auch wenn sich gerade der Dritte etwas zu sehr in der Optik des Duells zwischen Neo und Smith verloren hat. Aber was in 2 und 3 noch alles an Themen behandelt wurde, ging wohl am „Standardzuschauer“ auch vorbei….sorry ;)

    Doch mit Bibel Metaphorik zu jonglieren ist imo das einfachste, was man in einem Film machen kann. Dazu braucht es keine 1 in Religion oder tiefgründige Bibelkenntnis. Und einer Jesus-Figur wie Superman die tatsächliche Leidensgeschichte Jesu auf zu drücken und dabei jedoch einige von Supermans Fähigkeiten bzw. „Vorgaben“ aus den Comics komplett mit Füßen zu treten finde ich weniger gelungen.
    Dass sich Superman z.B. Jesus-artig opfert würde nur dann seine volle Tragik und emotionale Last entfalten, wenn es überhaupt nötig wäre und nicht auf dem Hintergrund vollkommener Verblödung passieren würde. Snyder war in diesem Film ganz groß darin Dinge mit der (Kryptonit-)Brechstange zurecht zu biegen. Wenn Superman schon beschließt den Kryptonit-Speer in den Kampf einzubringen, dann würde er ihn mit seiner gottgleichen Intelligenz, die ihm immer wieder bescheinigt wird, sicherlich auf die Idee kommen den Speer an die unverwundbare Amazone weiter zu geben, die gegen seine Macht immun ist, yes?

    Aber nein, Jesus-Man ist leider noch nicht mal schlau genug bei seiner Konfrontation mit Batman zu Beginn des Kampfes die richtigen Worte zu finden, um Batman von seiner Unschuld zu überzeugen. Was KEIN Problem gewesen wäre. Ist ja nicht so, als hätte Batman ihn zum Schweigen bringen können. Aber hier liegt natürlich die Sillyness der Grundprämisse des Films begraben. Ein Kampf zwischen Batman und Superman würde so nicht stattfinden. Punkt. Dementsprechend musste er an den Haaren herbei gezogen und teilweise lächerlich wirken. Ich sage nicht, dass man das gar nicht hätte hinbekommen können, aber Snyder hats (für mich) nicht geschafft.

    Worauf ich hinaus will: In einem Fan Service namens Batman vs. Superman erwarten die Fans einen Comicfilm, der Spaß macht und das visuelle Medium voll ausnutzt. Und das in erster Linie. Der Stoff darf natürlich auch tiefgründiger sein, aber dafür durfte sich Snyder doch schon bei dem tiefgründigeren Material von Watchmen austoben. Musste jetzt hier mit Gewalt der Jesus-Schlüpfer drüber? Ich kann auch in Darkwing Duck Jesus Bilder unterbringen. Aber nur weil man es kann, heißt es nicht, dass man es sollte…

    Ich werde mir den Film definitiv nochmal mit anderer Erwartungshaltung anschauen, besonders mit der angekündigten 30 Minuten längeren Director’s Cut-Fassung. Denn schlecht war der Film ganz sicher nicht. Doch Synders krampfhafter Spagat zwischen Fan Service und symbolischer Überfrachtung zwecks persönlichem Watchmen-Stempel und deplatziertem Arthouse-Anspruch hat mich, wie auch die Fans, in der Mitte zerissen. Ich bin gespannt, ob ich meine mittlere Wertung noch nach oben, oder, was ich eher glaube nach unten korrigieren werde.

    Die missratene Story, bzw. die Dummheit der Akteure, wiegen für mich noch einfach zu schwer.
    Der planlos durch die Stadt rennende „Superdetektiv“ Batman, der seinen unterbelichteten Mitarbeitern erst mal per Handy die Erlaubnis geben muss, dass sie im Falle einer Apokalypse ihren Schreibtisch verlassen dürfen. Der, seit die Kryptonier auf dem Planeten sind, noch nicht in seinem Batwing sitzt, obwohl Metropolis nur einen Steinwurf entfernt ist… das war mir alles viel zu konstruiert und albern.

    Und ich denke, dass sich Snyder für seine Watchmen-Vorgehensweise, sprich vor Symbolik triefende Bilder, viele Einzelszenen etc. einfach das falsche Material ausgesucht hat. Ich sage nicht, dass es nicht gut ist, einen Stoff mal neu zu interpretieren oder mit neuen Topoi zu füllen, doch Full Blown Bibel zu starten nur weil Supermans Killer im Film vorkommt? For me 2 much. Fans erwarten einfach was anderes. Sie wollen geile DC Action, die es mit der von Marvel absolut aufnehmen kann. Dafür sind Comicfilme für mich da. (Und auch Marvel zeigt ja, dass sie mit Guardians oder Deadpool nicht immer „oberflächlicher“ werden müssen; wobei die Frage ist, was Stefan hier mit oberflächlich meint, denn sowohl Marvel als auch DC machen Comics… und die sind erst mal ziemlich oberflächlich, weil es ursprünglich mal bunte Bildchen für Kinder waren…)

    Das Stefan sich hier in einer „monumentalen Oper“ sieht ist gut und schön, aber Opern können auch verdammt langatmig und öde sein. Da kommt für mich, wie gesagt, die Frage auf, ob man dieses „Gewand“ über Leder- und Strumpfhosen-Träger stülpen muss. Sicherlich auch einfach Geschmackssache.

    1. Wenn ich mir das so durchlese, könnte man auch einen Film namens „Thiloman v Stefman – Dawn of Enmity“ drehen :D Untertitel: „Wie Batman ihre Bromance auf Messers Schneide stellte“!

      Ok, vielleicht dramatisiere ich ein bisschen über.
      Vielleicht.

      1. haha, in der Tat überdramatisiert. Nichts kann unsere Bromance jemals ins Wanken bringen. Nicht nur weil sie eternal ist, sondern, weil wir Erwachsene sind… ;)

    2. @ Nerd Wiki: Das unterschreibe ich sowas von und trifft den Nagel mit Volldampf auf den Kopf! Nur, dass ich mir das Geld spare und nicht nochmal reingehen werde. ^^

  4. Opern kommen manchem sicherlich langatmig und öde vor, haben aber auch ein ausgewähltes Publikum, welche diese Art der Darbietung schätzen

  5. Sehr interessanter und lesenswerter Beitrag, danke dafür. Ich bin vollkommen anderer Meinung, ich mochte den Film nicht. Zugegeben, die Parallelen zur Bibel und zu Jesus‘ Geschichte sind interessant – kann ich aber aufgrund meiner fehlenden Bibelkenntnisse nicht weiter kommentieren oder beurteilen. Dennoch denke ich, wie Guddy, dass man da erzähltechnisch einfach viel mehr hätte herausholen können. Ein Fokus auf Supermans Heldenmythos wäre sicher interessant gewesen und hätten die Aspekte, die du so lobst, vermutlich besser herausgestellt. Diesen Fokus hatte der Film meiner Meinung nach aber nicht, oder er konnte ihn mir zumindest nicht gut vermitteln, durch die sprunghafte Handlung und die wirren Motive der einzelnen Figuren. Generell habe ich das Gefühl, der Film hat sich übernommen indem, was er erzählen wollte.

  6. Ein provokativ geschriebener aber jetzt nicht uninteressanter Beitrag.
    Die Jesusanalogie wäre mir so nicht aufgefallen, aber jetzt, wo du es sagst… Ja, doch, nachträglich betrachtet durchaus erkennbar. Hast schon Recht.
    Mich hat der Film nicht überfordert, aber irgendwann dann eher ein wenig gelangweilt und manche Plotholes waren für mich so groß, dass man darin eine Galaxie verstecken könnte. (Meine Kritik war ja, wie du aus den Kommentaren bei Guddys Rezi weißt, eher dramaturgischer als inhaltlicher Natur ^^) – sprich: Auch wenn ich dir in vielen Punkten folgen kann, hat er mir trotzdem nicht gefallen, aber das ist ja legitim :).
    Und das „Lanze aus der Bibel“-Motiv erklärt für mich zwar, wieso Batman ausgerechnet einen blöden Speer basteln musste, aber ich hätte es trotzdem gerne besser intrinsisch motiviert innerhalb des Films selbst ausgeführt gesehen statt in einer Erklärung :D

    1. Man kann übrigens auch von Farben überfordert sein, von zu viel Action. Oder, wie hier, von zu viel Plotholes, die es einem schwer machen, dabei zu bleiben. Insofern passt das Wort finde ich dennoch sehr gut, ohne dass man sich gleich als dumm outen müsste.

      1. Stimmt, man kann von so ziemlich allem überfordert sein, wenn es „zu viel“ ist (mich persönlich überfordern immer zu viele coole Eissorten, wenn ich höchstens drei Kugeln essen darf und ich habe einen Uniabschluss :P ).
        Mein Problem war eher, dass ich irgendwann den Kritiker im Kopf nicht mehr abschalten konnte. Ich schaue ja durchaus auch anspruchsvolle Filme (den von dir mal rezensierten Philosophenfilm mit dem Apokalypse-Szenario, die Verfilmung von Turings Leben…). Aber wenn der Anspruch des Films darin besteht, dass ich alle Logikfehler, die mir auffallen, gewaltsam schönreden muss während des Schauens… okay, dann wäre ich auch irgendwann überfordert, weil ich davon furchtbares Kopfweh kriegen würde :/
        Aber dauernd hatte ich dieses: „Warum macht er das?“ und „Gerade eben kritisiert er Superman dafür, dass er Dinge kaputtmacht und lockt das Monster dahin, wo beleuchtete Bürogebäude in seiner eigenen Stadt sind?“ und lauter solche Fragen im Kopf.

        Wobei ich sagen muss, dass ich mich erst u.a. durch deine Rezi überhaupt getraut habe, zu sagen, dass mir der Film nicht gefallen hat, Guddy. Und… ich finde es toll von dir, dass hier eine Gegendarstellung stehen darf. Das zeigt Größe <3
        Als der Film vorbei war, schaute ich meinen Freund ängstlich an und wartete auf sein Urteil. Ich nahm mir fest vor: Wenn es ihm gefallen hat, werde ich es nicht zerreden. Oder jedenfalls nicht sofort.
        Aber er fragte mich: "Was war das denn gerade?" Und ich musste erleichtert lachen, weil ich nicht die Einzige war, die ihn doof fand.
        Im Internet noch schlimmer, man will ja keinen Shitstorm provozieren.

        Wie gesagt: Ich weiß jetzt etwas mehr darüber, wieso der Film so ist, wie er ist. Und ich finde es sehr interessant, provokant geschrieben, aber hey, wir sind alle schon große Jungs und Mädchen, wir müssen Leute mit anderer Meinung nicht mehr mit Sand bewerfen und so :).
        Insofern: Mein Horizont ist bereichert, aber ich mag den Streifen trotzdem nich

        1. Im Prinzip läuft es auf die willing suspension of disbelief hinaus, die bei jedem Menschen anders ist. Ich erlebe bei Filmen oft eine derart starke Immersion, dass ich beispielsweise doofes Verhalten von Charakteren gar nicht hinterfrage, sondern einfach aktzeptiere. Immerhin erlebe ich täglich viele Beispiele für doofes Verhalten im Alltag mit anderen Menschen ;-) Deswegen erlebe ich manchmal Filme viel intensiver als ander Zuschauer, die sagen: Der hat sich total unlogisch verhalten.. oder warum haben die das jetzt gemacht. Ich aktzeptiere es übrigens total, wenn man den Film nicht mag. #peace

          1. Ist doch alles gut :).
            Bei mir ist das Gegenteil der Fall. Ich bin gar nicht in der Lage, einfach das Gesamtbild auf mich wirken zu lassen, weil ich automatisch immer Details herauspicke („Hast du gesehen, dass als Bruce Wayne da und dort entlangkam, in der dritten Reihe auf der Party von Lex Luthor ganz hinten xy los war?“). Da kann ich gar nichts dafür, so betrachte ich die Welt und entsprechend auch Filme.
            Wenn dann immer mehr Details, die mir in den Blick fallen, keinen Sinn ergeben, dann ist die Immersion für mich kaputt und ich versuche zwar, sie wieder zu kitten, aber wenn dann das nächste störende Detail in mein Blickfeld gerät, ist sie kaputt, ehe ich sie auch nur etwas reparieren konnte ;D.
            Aber ich finde gerade darum die Diskussion so interessant. Verschiedene Wahrnehmungsbesonderheiten bedingen ja auch verschiedene Sichtweisen auf Filme, Bücher etc.

          2. „Immerhin erlebe ich täglich viele Beispiele für doofes Verhalten im Alltag mit anderen Menschen“

            Klasse Spruch! Das sehe ich genauso. Wir sind Menschen und wir sind mit Fehler belastet. Wir verrennen uns manchmal und machen Unsinniges. Für einen Beobachter wirkt es dann doof, blöd, idiotisch o. ä. aber für uns jedoch in dem Moment nicht.

          3. Darf ich ihn auch mittelmäßig finden? :) Was Du vorher beschrieben hast, mit der Immersion, geht mir übrigens auch so. Bei manchen Filmen ist man so von der „Gesamtatmosphäre“ überwältigt oder es hat einfach eine so stimmige Seite in Schwingung gebracht, dass man über sehr vieles hinweg sehen kann.

          4. Darf ich ihn auch mittelmäßig finden? :) Was Du vorher beschrieben hast, mit der Immersion, geht mir übrigens auch so. Bei manchen Filmen ist man so von der „Gesamtatmosphäre“ überwältigt oder es hat einfach eine so stimmige Seite in Schwingung gebracht, dass man über sehr vieles hinweg sehen kann.

  7. Sehr gute Review! Ich teile die Meinung des Verfassers. Die Ähnlichkeiten zu Jesus‘ Leidensweg war mir gar nicht so bewusst aber da ist wirklich was dran. Eigentlich ist es offensichtlich, wenn man es mal gesagt bekommt. ;) Danke für den tollen Text.

    BvS ist ein missverstandener, unterschätzter Film und erst der Anfang einer großen, über Jahre hinweggehender Geschichte. Das größte Problem für BvS war, dass die meisten Zuschauer den typischen Marvel-Klamauk erwartet und alles andere als das erhalten haben. DC ist viel dunkler, ernster, ikonischer und verlangt wesentlich mehr Aufmerksamkeit von seinen Lesern. Ich bin mir sicher, dass der Film in einigen Jahren, spätestens nach Justice League 2, wesentlich besser verstanden wird. Der Film bezog sich sehr oft auf seine Comicvorlagen und hat dafür einiges auf die Mütze bekommen. Einzelne Sprüche wurden oft als „bedeutungsschwanger“ bezeichnet aber mit „ohne Substanz“ bewertet. Die „bedeutungsschwangeren“ Sprüche waren meistens Zitate aus Comics und hatten für Leser und Fans der Werke eine hohe Bedeutung. Der Film lieferte sogar einige Bilder, die 1:1 aus den Comics übernommen wurden.

    Abschließend muss ich gestehen, dass mein Kopf sehr tief im DC Universum steckt. Das ältestes Comic-Artefakt in meiner Sammlung ist ein Batman Comic aus dem Jahre 1986. Das gibt mir vielleicht einen anderen Blick auf den Film und ich sehe deswegen auch kaum Plotholes.

    1. Naja, Klaus. Ich habe ihn verstanden, ich kenne die Hintergründe, mag es düster – doch das ist alles kein Garant dafür, dass man den Film auch mag.
      Ich fand ihn schlecht umgesetzt und gerade in Hinblick auf den Plot sehr, sehr schwach.
      Natürlich kann man nun unter dem Deckmantel des „Das soll so!“ und „Der ist halt total tiefgründig so!“ vieles schönreden. Muss man aber nicht.

      Ich finde es toll, dass er dir und anderen so gefallen hat, doch unterstellt anderen, die den Film nicht mochten, doch keine Unverständnis/Blödheit oder dergleichen.

      Danke! :)

      1. Ich habe niemandem Blödheit oder sonst was unterstellt. Ich habe nur geschrieben, dass der Film missverstanden wird. Das ist alles. Wenn das jemand so verstanden hat, dann tut es mir leid. Das war nicht meine Absicht.

        Ich habe auch nix schöngeredet. Ich wurde durchgehend sehr gut von dem Film unterhalten. Aufgrund der Kritiken bin ich sogar schon enttäuscht in den Film rein und wurde positiv überrascht. Ich habe den Film auch nicht schön zu reden. Mein Glück und Seelenfrieden hängt nicht von der Qualität oder dem Erfolg eines Films ab.

    2. Klaus, danke für deine Zustimmung. Vielleicht ist es sogar ganz gut, wenn die DC Verfilmungen beim Mainstream-Publikum nicht so gut ankommen, wie die Marvel-Verfilmungen. Und was die die Quotes angeht, muss ich dir Recht geben. Ohne die Comic-Vorlagen auf dem Schirm zu haben, haben sich viele Dialoge aus BvS sofort ins Gedächnis gebrannt, weil sie einfach so deep waren.

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