Die FAZ: Schleuder eines textgewordenen Alptraums

In der Rubrik „Fremde Federn“ der FAZ ist ein Gastbeitrag erschienen. Der Autor nennt sich Johannes Gabriel und ist laut eigenen Angaben Philosoph und Psychologe, berät Nichtregierungsorganisationen. Das Thema des Artikels lautet: „Wir verraten alles, was wir sind.“ Gegenstand der Diskussion: Die „Homo-Ehe“. Die Überschrift verrät es bereits: Der gute Herr Gabriel ist kein Freund der heutigen Entscheidung.

Wer genug Nerven hat sollte sich diesen Text unbedingt antun. Nicht etwa, weil er gut ist oder gar das verkörpert, für das unser Staat („Einigkeit und Recht und Freiheit“) eigentlich stehen sollte. Sondern weil er derart ungeheuerlich und in seiner Art absolut verleumderisch ist, dass man sonst nicht glauben würde, dass eine Zeitung es tatsächlich abgedruckt hat.

„(…) dass adoptierte Kinder ungleich stärker der Gefahr sexuellen Missbrauchs ausgeliefert sind, weil die Inzest-Hemmung wegfällt und diese Gefahr bei homosexuellen Paaren besonders hoch sei“ (…) „

Ich bin fassungslos. Das ist ein Schlag ins Gesicht für jedes paar, das Kinder adoptiert, für jeden Homosexuellen, der hier als besonders anfällig für das Ausüben sexueller Gewalt dargestellt wird, als hätte er seine – so gearteten –  Triebe nicht im Griff, wäre ein Sklave seiner eigenen Lust.

Das ist nicht das einzige erwähnenswerte Zitat dieses Textes, der eine Homophobie entblößt, die aufgrund der Art der Äußerung umso beängstigender wirkt. Hier redet jemand, der, so wie es mir scheint, durchaus intelligent ist. Der vermutlich, so wie er es formuliert, selber homosexuell ist. Dass Homophobie und Hass auch unter Homosexuellen selbst durchaus verbreitet ist, ist bekannt. Umso tragischer, dass dieser Artikel gerade aus dieser Reihe kommt.

„Wir verraten alles, was wir sind“ ist ein textgewordener Alptraum. Dass so etwas in solch einer Zeitung publiziert wird, unreflektiert, unkommentiert, ist für mich ein Unding.

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2 Kommentare

  1. Absolut widerlich.

    Gut, jeder soll frei seine Meinung äußern, schön, aber diese homphobe Meinung mit vermeintlichen Fakten zu untermauern, die einfach Blödsinn sind, ist nicht nur verwerflich, sondern gefährlich.

    Insofern hier mal für alle Interessierten ein paar echte Fakten.

    Homosexuelle Paare unterscheiden sich in ihren Erziehungsfähigkeiten und der Beziehung zu ihren Kindern nicht von heterosexuellen Paaren. Kinder homosexueller Eltern sind ebenso gut entwickelt und zufrieden wie die heterosexueller Paare.
    Link: https://www.bmjv.de/SharedDocs/Archiv/Downloads/Forschungsbericht_Die_Lebenssituation_von_Kindern_in_gleichgeschlechtlichen_Lebenspartnerschaften.pdf

    Es gibt keine Studie, die belegen könnte, dass Homosexualität einen Risikofaktor für das Begehen sexueller Straftaten darstellt.
    Link: http://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/1524838012470031

    Fantasien über sexuelle Handlungen mit Kindern bei erwachsenen Männern beziehen sich nur bei 13 % aussschließlich auf Jungen. Da etwa 10 % der Männer in Deutschland homosexuell sind, ist der Anteil erwartungsgemäß und keinesfalls ungewöhnlich hoch.
    https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-0043-100462

    Abgesehen davon ist eine sexuelle Fixierung auf männliche Jungen bei Männern eine pädophile Störung und hat nichts mit der sexuellen Orientierung im eigentlichen Sinne zu tun.

    Wahrscheinlich wusstet ihr das alles schon, aber manchmal schadet es nicht, wenn man ein paar Links zur Hand hat. 😉

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