Archiv der Kategorie: Bücher schreiben

„Wir schreiben“ – eine Essaysammlung

Das Schreiben: Ventil für die eigenen Träume, Wünsche, Fantasien, aber auch für Ängste und Alpträume. Autor oder Schreiberling zu sein bedeutet mehr, als leere Worte auf das Papier zu kritzeln. Es kann Rettungsanker sein, in fremde Welten entführen oder reines, leidenschaftlich geführtes Hobby sein. Nicht immer steht der Autor im Fluss fideler Kreativität, oftmals hindern Blockaden, die eigenen Ansprüche oder die für einen individuell bestimmte, richtige Art zum Plotten.

Elf Autoren habe ich gefragt: Was verbindet ihr mit dem Schreiben? Welches Unterthema lässt euer Herz höher schlagen, welche Tipps könnt ihr angehenden Autoren geben und welche kritischen Anmerkungen könnt ihr geben, um das Thema Schreiben facettenreich zu beleuchten? Herausgekommen ist eine kleine Sammlung an fundierten Essays, die jeder für sich lesenswert sind.

Da es leider ein paar mehr Gastbeiträge geworden sind, als ich eigentlich geplant hatte, muss ich meinen eigenen Beitrag zum Thema auf den morgigen Tag auslagern. Sonst hätte ich Angst, dass mein Blog platzt. Wirklich! Das kann passieren! Habe ich gehört. Oder geträumt. Auf jeden Fall seht ihr hier elf wundervolle Beiträge zum Thema! Bei den anderen zu stöbern ist ausdrücklich erwünscht!

 


Wolf Awert: Stiefkind Fantasy

WolfAwert„(…)In einer Fantasywelt kann eine Figur, die ihre Welt nicht versteht, nicht bestehen. Unserer Welt muss man nicht verstehen. Es gibt es andere, die sich um einen kümmern. Organisationen, Menschen, Dinge und Geräte. Wir sind umgeben von Krücken. Das ist bequem, angenehm, aber auch gefährlich. Und deshalb ist es eine schöne Aufgabe, unserer Welt auch einmal eine andere gegenüberzustellen.(…)“

Spricht man von der Phantastik, ist der Vorwurf des Eskapismus selten weit. Doch ist er haltbar, kann man ihn vielleicht auf andere Genre ausweiten- und wie sehr spiegelt er das reale Leben wider? Denn letztlich leben wir alle in einer Welt, die wir nur zu Teilen fassen, begreifen und erfahren können. Wolf Awert geht diesen und mehr Fragen nach und wagt interessante Ausflüge in die Phantastik unseres Lebens.

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Mona Seiffert: Lass die Idee schlafen, damit sie träumen kann.

Mona Nagel„(…) Also ist es wichtig, dass meine schöne glänzende Idee vom Essay über die Inkubationsphase, sich in den Höhlen und Gängen meines Unterbewusstseins herumtreibt, sich dort ein wenig die Hörner abstößt, ein paar Punkerfahrungen aufs Kreuz legt, vielleicht die große Liebe findet und mit ein paar Tätowierungen irgendwann wieder nach Hause kommt. (…)“

Man kennt es: Man sitzt mit schwirrendem Kopf vor dem leeren Blatt oder Bildschirm und hofft auf die Geburt einer Idee, eine Eingebung, verdammt, den komplett fertigen Roman, der von den Fingerspitzen direkt in das Manuskript fließt! Das passiert nicht. Zumindest nicht so einfach. Mona Seiffert erklärt anhand der „Inkubationsphase“ sehr anschaulich die Wichtigkeit des Ruhenlassens und tritt dabei in den imaginären Dialog mit Erika Landau.

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Alessandra Reß: Und immer wieder der Idealismus

U„(…)Und wenn ich mich frage, ob es intelligent ist, einen solchen Text zu veröffentlichen, muss es umso mehr sein. Damit ich das Fremdsein nicht vergesse. Damit ich mir selbst nicht fremd werde. Es ist die kleine Rebellion, die sein muss, die Selbstvergewisserung, sich nicht verloren zu haben zwischen Texten, die nicht zu einem selbst gehören.(…)“

Vom Schreiben zu leben klingt für Außenstehende im ersten Moment wie ein funkelglitzernder Traum. Dabei ist die Kluft zwischen dem, was man sich erträumt hat und dem, was die Realität bedeutet manchmal größer gedacht – und hin und wieder sind es die eigenen Ideale, die einen stolpern lassen. Alessandra Reß gibt einen kleinen Einblick in ihr Innenleben als Redakteurin und Autorin.

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Annette Juretzki: Plotten für sprunghafte Grobmotoriker*innen

augenq„(…)Ihr Name ist Lynn Marella Divana Thana Morina … nein, doch: Thana und sie mag hasst ihre Mutter eigentlich, weil sie Thana gegen ihren Willen verheiraten zu einer verzogenen Adelsfrau erziehen will, wie sie es selbst ist. Dabei will Thana doch einfach nur glücklich sein mit ihrer Magd zusammen sein (nee, zu Klischee) eine Schmiedin sein …(…)“

Gut. Das war fast ein Heimspiel, denn bei „sprunghafte Grobmotoriker“ hatte ich mich gleich heimisch gefühlt. Annette Juretzki zweckentfremdet alles als Whiteboard, was nicht beim ersten Anzeichen eines Plots das Weite sucht und scheint damit erfolgreich zu sein – ein Grund mehr, Genaueres darüber zu erfahren!

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Meara Finnegan: Meine Quelle lügt! Hoffentlich.

Meara Finnegan„(…)Das war dann etwas irritierend, denn er war ein Bastard, angeblich ungebildet und verwildert, bis er zum Hof kam – ich hatte mir nicht ausgemalt, dass da ein solches Verhältnis bestanden hätte. Ein bisschen kam ich mir wie ein Detektiv vor, der immer predigt, man dürfe keine Theorien bilden, ohne alle Fakten zu kennen – und dann feststellt, dass er genau das gemacht hat.(…)“

Romane mit historischem Bezug kann man einfach ohne Rücksichtnahme der Quellen und historischen Begebenheiten verfassen – man kann sich aber auch auf diese einlassen und, mehr noch, diese für seine eigenen Zwecke benutzen und so auch vermeintlich unpassende Fakten zu seinen Gunsten wenden. Meara Finnegan spricht sich hier unter Zuhilfenahme eigener Erfahrungen gegen Recherche-Kalkül und für geschickte Interpretation aus.

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Laura Kier: Plotten? Nicht mit mir. Oder?

Ava_ohneSchatten„(…)War ich damit endlich am Ende meiner Reise angekommen und konnte meine Texte so zum Leben erwecken, wie es meinem Naturell entsprach? Konnte ich den Pflanzen in meinem Ideengarten sagen: „Wachst, wie ihr wollt, ich werde euch nicht zurecht stutzen“? War ich ein Entdecker?(…)“

Die Ansicht, dass es nur eine wahre Art zu plotten geben würde, ist recht weit verbreitet und kann jene, die nicht auf diese Art plotten können, hemmen oder im schlimmsten Fall ganz zum Aufhören verleiten. Laura Kier hat selbst eine Odyssee durch Schreibratgeber und Internetforen hinter sich und legt hier anschaulich nahe, dass der eigene Weg nicht bereits ausgetrampelte Pfade beinhalten muss.

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Monica Höfkes: Weltenbau – Wer, wie, was, warum? 

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„(…)Man beginnt also zu verfremden, hier eine Person, dort eine Stadt, gelegentlich einen ganzen Landstrich. Manchmal ist es den Autoren selbst nicht bewusst, aber in dem Moment, in dem sie die Realität verlassen, sich in Konstrukten ihrer Imagination bewegen, beginnt der Weltenbau.(…)“

Eine der faszinierendsten Aspekte am Verfassen phantastischer Romane ist sicher der Weltenbau: Das Erschaffen fremder Welten, magischer Orte und spannender Kulturen. Weltenbau ist jedoch keine Erfindung der Phantastik, sondern reicht weit über jene hinaus. Monica Höfkes erzählt hier über ihre eigenen Erfahrungen und Ansichten den Weltenbau betreffend und wagt dabei einen Blick über den Tellerrand hinaus.

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Sabrina Železný: Von Schreiben, Wind und Stille 

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„(…)Als ich als Kind das erste Mal »Robinson Crusoe« las, fand ich es faszinierend, was der Kerl auf seiner einsamen Insel alles zu tun fand. Er kam zwar nicht von der Insel fort, aber gelernt hat er dort eine ganze Menge. 2015 war mein Robinson-Crusoe-Jahr.(…)“

Stillstand: Ein Wort bei Kreativen fast so gefürchtet wie „Tribbles“ bei den Klingonen. Dabei kann Stillstand auch schlicht Ruhe bedeuten, Zeit, in sich zu gehen und sich über einige Dinge klar und bewusst zu werden. Im vergangenen Jahr hat Sabrina Železný den Stillstand schmerzlich kennengelernt und kann nun doch mit positiven Gedanken auf diese Zeit zurückblicken. Warum genau, lest ihr bei ihr.

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Carmen Capiti: Und wofür genau musst du das wissen?

 

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„(…)Ein Wissender hätte vielleicht kurz fragend die Augenbrauchen hochgezogen und das wäre es gewesen. Aber er oder sie hätte die Augenbrauen hochgezogen! Und solche Dinge merke ich, wie eine Erschütterung der Macht. Naja fast. (…)“

Ob ein Tal nun 3 Kilometer oder 3,5 Kilometer breit ist, ist den meisten Lesern wohl egal – allerdings längst nicht jedem Autoren. Denn allein das Gefühl, dass etwas unvollständig, gar falsch ist, kann einem da schon beim Tippen die Fingernägel aufrollen lassen. Es ist außerdem immer schöner, wenn man mehr von der Welt weiß, mehr vielleicht als man am Ende wirklich verwendet! Oder nicht? Carmen Capiti hat da natürlich eine ganz eigene Sicht der Dinge, die sie in ihrem Beitrag erläutert.

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Sabrina B.: Schreiben und Rollenspiel

Arandis_Avatar„(…)Und nun? Am besten etwas Kreatives, damit der Tag nicht völlig ungenutzt bleibt. Wie wäre es denn mit Rollenspiel? Gut, auch da trifft man seltsame Leute, die einfach nicht verstehen können, dass es Menschen gibt, die Spaß an Kreativität haben. Aber man kann kreativ sein. Es kommt sogar noch besser. Rollenspiel kann für Autoren wie ein Trainingslager sein. Man merkt das nicht einmal, weil man auch noch Spaß dabei hat.(…)“

Rollenspiel; der kleine Bruder des Romans. Zumindest sind sie sich in einigen Details und Aspekten nicht unähnlich, verlangen beide doch nach Kreativität und Einfühlungsvermögen, nach Spontaneität und Fantasie. Inwieweit man sich von dem einen oder anderen leiten und schulen lassen kann und inwieweit Prokrastination damit zusammen hängt, erklärt Sabrina aka. Araluen in diesem Beitrag.

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Tina Skupin: Autor und Ausland

1553-a493b681-large„(…)Am Anfang habe ich mich dabei jedes Mal gefühlt, als würde mein Hirn durch einen Korkenzieher gedreht. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Trotzdem merke ich es beim Schreiben. Ganz oft passiert es mir nämlich, dass mir für eine Szene oder für ein Gefühl der perfekte Ausdruck einfällt – auf schwedisch oder englisch, oder an ganz tollen Tagen auf spanisch. Aber auf deutsch? Nada!(…)“

Das Leben im Ausland, sei es nur für kurze, oder für längere Zeit, ist immer anders, anders als das Gewohnte. Und es hat Auswirkungen auf das Schreiben und das Gefühl, das man als Autor hat. Andersartige Eindrücke prasseln auf einen hernieder, die Natur fühlt sich anders an, alles hat eine andere Intensität. Was genau das bedeuten kann und wie es sich äußert, verrät euch hier Tina Skupin.

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Ich bedanke mich herzlich bei allen Autoren für ihre Texte und Gedanken zum Thema und wünsche euch Lesern viel Spaß beim Stöbern!

Gastbeitrag: Lass die Idee schlafen, damit sie träumen kann.

Gastbeitrag von Mona Nagel

Es ist das Wintersemester 2008 an der FH Vorarlberg, Studiengang Mediengestaltung, 3. Semester, Konzeption und Entwurfstheorie, Dozent: Hubert Matt. Während es draußen beginnt Herbst zu werden, befinde ich mich in der ersten Phase eines kreativen Prozesses, an dessen Ende – so hoffe ich – ein gut durchdachter Essay und ein akzeptables Poster stehen werden.

Seit dem ersten Moment da mein Dozent die Inkubationsphase, die zweite Phase des kreativen Prozesses beschrieben hat, faszinierte mich dieses Thema und ich fing an Informationen darüber zu sammeln. Die erste Schwierigkeit ist die Tatsache, dass das Wort „Inkubation“ aus dem Bereich der Medizin kommt, wo die „Inkubationszeit“ die Zeit angibt, die vom Infekt, dem Eindringen eines Erregers in den Körper, bis zum Auftreten der Symptome, zum Ausbruch der Krankheit, vergeht. Selbst Wikipedia – oh, du Quell des globalen Halbwissens, gepriesen seiest du! – spuckt zu diesem Thema keine weiteren Informationen aus. Aber lässt sich nicht auch damit schon etwas anfangen? Die Zeit, von dem Moment, da mir die Idee zum ersten Mal kommt und ich Informationen darüber sammle, bis zu dem Augenblick, da mir die entscheidende Erleuchtung kommt, was ich tatsächlich aus diesem Rohmaterial machen möchte. Aber wann genau wird aus der Idee eine Vision, ein Bild, ein Entwurf, den ich vor mir sehe? Und was genau passiert in der Zwischenzeit – in der Inkubationsphase? Das sind die Fragen die mich beschäftigen.

Und so beginne ich, mich wieder auf die Suche nach Informationen zu machen. Ich brauche Fakten, Aussagen, Belege! Die erste Phase des kreativen Prozesses, so lerne ich später, ist eine Phase der Spannung, wenn man neugierig ist und nach immer neuem Input sucht, begierig alles über das Thema herauszufinden was es gibt. Diese klugen Worte finde ich in einem Buch mit dem klingenden Titel „Psychologie der Kreativität“ von Erika Landau aus dem Jahre 1974. Weiter ist dort zu lesen, dass die folgende Phase, die Inkubationsphase eine unruhige und frustrierende Zeit ist, die oft von Minderwertigkeitsgefühlen begleitet wird und eine hohe Frustrationstoleranz erfordert … Wunderbar! Genau das richtige für mich, denke ich mir und nehme das Buch mit nach Hause. Wo es die nächste Zeit ganz oben auf einem Stapel auf meinem Schreibtisch thront und mir immer wieder mahnend entgegenleuchtet mit seinem orangefarbenem Einband, weil ich nur ab und an die Zeit finde einen Blick hinein zu werfen. Aber mit dem Vergehen des Monats November schrumpft die Zahl der Seiten, die ich noch zu lesen habe, und irgendwann habe ich es geschafft.

Und sitze da.

Und starre in die Luft.

Auf eine Erleuchtung wartend.

Hat die Inkubationsphase schon begonnen?

Die Kommunikation mit der Innenwelt ist wichtig für den kreativen Prozess, erinnert mich Frau Landau. Denn die Inkubationsphase vollzieht sich im Unbewussten, wenn wir unbewusst das Problem abwägen und eine Lösung zu finden versuchen. Ja, danke auch Frau Landau, das wusste ich bereits. In dieser Phase braucht die Idee Ruhe, wie ein Hefeteig, den man nicht anschauen darf bevor die Pilze in ihm genügend gegärt haben. Frau Landau hebt nur die Schultern und schaut mir zu wie ich auf meine Notizen starre. Ob sie nicht irgendwo anders eine Einbildung sein könne, frage ich höflich. Ich mag es nicht bei der Arbeit beobachtet zu werden. Nein, könne sie nicht, sonst wäre sie ja keine Einbildung mehr, bekomme ich zur Antwort. Dann könne sie zumindest nützlich sein und an meinem Weihnachtsgeschenk weiterstricken, schlage ich vor, solange ich mich zu konzentrieren versuche. Das sei der Fehler, erklärt mir Frau Landau und verweist auf ein Zitat aus ihrem Buch, indem sie Sigmund Freud zitiert, der wiederum Schiller zitiert, der wohl zu einem Freunde, der sich über mangelnde Kreativität beklagte, sagte, er ließe sich zu sehr von seinem Intellekt beherrschen, das sei dem kreativen Prozess nicht förderlich. Mit anderen Worten, man muss die Idee, an der man arbeitet, aus dem Intellekt verbannen und ins Unbewusste versetzen, wo sie mit allen möglichen anderen Erfahrungen in Berührung kommt.

Bei diesen Worten steigt in mir ein Bild auf – meine ordentlich gekleidete Hochschulidee, die aus der Oberstadt in die Slums fährt um dort in einer Hafenkneipe ein paar Bier mit einigen abgerissenen Punkerfahrungen aus meiner Jugend zu trinken. Man muss sie ziehen lassen, sage ich mir, wie es sich auch meine Eltern irgendwann wohl mal gedacht haben müssen. Frau Landau bestätigt mir diese Einstellung. Umso mehr Erfahrungen ungebunden seien, umso kreativer ist der Prozess. Werden sie nach Stereotypen geordnet kommt es zu keiner Inkubationsphase. Also ist es wichtig, dass meine schöne glänzende Idee vom Essay über die Inkubationsphase, sich in den Höhlen und Gängen meines Unterbewusstseins herumtreibt, sich dort ein wenig die Hörner abstößt, ein paar Punkerfahrungen aufs Kreuz legt, vielleicht die große Liebe findet und mit ein paar Tätowierungen irgendwann wieder nach Hause kommt. Aber ich weiß wie gefährlich diese Gegend ist. Ich selbst habe mich schon einige Male dort unten verlaufen und die ein oder andere Idee verloren. Das Unbewusste kann ein Sumpf sein, dunkel und tief, an der Oberfläche vielleicht schön grün und ein mit paar regenbogenbunt schillernden Schlieren auf dem Wasser, aber unten drunter voller Schleim, Schwebeteilchen und Schlangen.

Wer kann es mir also verübeln, dass ich unruhig werde, während meine Idee sich aus meinem Kopf zurückzieht und tiefer hinab sinkt. Ich habe ein paar Erfahrungen damit gemacht, Ideen auszubrüten. Ich weiß wie es sich anfühlt, wenn ein Gedanke, ein Vorstellung nicht mehr im Kopf ist. Wenn sie hinabrutscht und irgendwo in meinem Magen, meinem Bauch, meinen Eingeweiden liegt und ich sie nicht mehr berühren kann. Dann beginnt es in mir zu blubbern, wie eben in einem Sumpf, in dem etwas zu Boden gesunken ist und langsam vor sich hin gärt und dabei kleine Luftblasen an die Oberfläche steigen lässt, die mir als Visionen und Tagträume erscheinen.

Um mich zu beruhigen blättert Frau Landau ihr Buch durch und zeigt mir ein weiteres Zitat, dieses Mal von Carl Gustav Jung, einem der Begründer der Analytischen Psychologie, der sagt dass das Werk dem Erzeuger entwächst wie das Kind seiner Mutter. Der kreative Prozess hat „weibliche Qualitäten“, steigt aus dem Unbewussten, aus dem Bereich der Mutter auf. Dankbar nicke ich Frau Landau zu. Das sind Worte, die ich verstehe, ein Bild, das auch ich schon einige Male hatte. Eine Idee kann für das betreffende Individuum, indem sie entsteht und heranreift, wie ein Kind sein. Ein ungeborenes Kind, das unter dem Herzen schläft und von den Dingen, die wir tagtäglich in uns aufnehmen, genährt wird. Wir dürfen es nicht stören, und wollen es auch gar nicht, weil wir uns vorstellen wie es dort liegt, eingebettet, weich und warm, und sachte träumt. Träumt von den Dingen, die es irgendwann erreichen wird.

Also beruhige ich mich wieder, gehe meiner Arbeit nach und lass die Idee in mir ruhen, trage sie aus wie eine Mutter. Ab und an frage ich mich, ob ich es je schaffen könnte, einem Mann diese Vorstellung begreiflich zu machen. Ich frage Frau Landau was sie davon hält und sie verweist auf einen Vertreter der humanistischen Psychologie, Herrn Abraham H. Maslow, der sagte dass alles, was mit Imagination, Phantasie, Farbe, Poesie, Musik und Zärtlichkeit, alles wichtige Voraussetzungen der Kreativität, zu tun hat als feminin gilt. Und offenbar haben sich gerade in der Vergangenheit sehr viele Männer von diesem Bild abschrecken lassen, haben lieber die Kreativität verneint als diese feminine Seite zu zeigen. Inzwischen dürfte das zum Glück nicht mehr so sein, sage ich zu Frau Landau, auch wenn ich das nicht mit aktuellen Studien belegen kann. Sie lächelt nur, sitzt weiter auf meinem Sofa und beobachtet mich bei meiner Arbeit.

Es gibt noch einiges für mich zu tun in diesem Semester, Projekte müssen fertiggestellt, Dokumentationen geschrieben, Prüfungen abgelegt werden. Ich bin beschäftigt, manchmal zu sehr, geradezu gestresst. Und die ganze Zeit über liegt die Idee in mir, brütet leise vor sich hin und ab und an spüre ich wie sie sanft andere Ideen berührt und etwas von sich abgibt. Ich beobachte den Prozess schweigend und ohne einzugreifen. Ich weiß, dass ich mich in der Inkubationsphase befinde, und ich weiß auch, dass es mir nicht möglich ist sie vollkommen zu erfassen. Auch wenn ich gerne glaube, dass ich mein Unterbewusstsein recht gut kenne, gibt es immer noch ein paar Teile, die ich noch nie betreten habe, die sich mir nur ab und zu halbwegs offenbaren, wenn ich nachts aufwache und in der Tintenschwärze versuche eine weiße Wand anzustarren. Dann frage ich mich, welche Erfahrungen, alte Ideen, welche in mir abgespeicherten Informationen, die ich schon seit Jahren nicht mehr beachtet habe, gerade durch mein Unterbewusstsein schweben und auf meine Idee einwirken. Ich habe mich immer bemüht sie nicht einzusperren, wie es Frau Landau empfohlen hat, um möglichst kreativ zu sein, neue Verbindungen herstellen zu können. Aber wie viel davon ist inzwischen nicht mehr nur Information, sondern elementarer Bestandteil meines Ichs? Wie viel von meinem Selbst gebe ich in eine Idee, wenn ich sie tief in mir ruhen lasse? Das sind die Fragen, auf die ich bei meiner Recherche gerne eine Antwort gefunden hätte. Aber bisher scheint niemand eine klare Aussage treffen zu können, welche Kanäle sich da tatsächlich auftun, ob mehr aus der frühkindlichen Phase mit in den Prozess hineinwirkt, oder eher Bestandteile des Kurzzeitgedächtnisses. Wie weit kategorienübergreifend funktioniert die Inkubationsphase?

Diese Fragen, die sich noch immer rund um mich herum auftürmen, wachsen mir langsam über den Kopf. Ich spüre die Frustration, welche die Inkubationsphase mit sich bringt, die Unruhe die mich umtreibt, ziellos und ungeduldig. Ist es überhaupt möglich klare Antworten auf diese Fragen zu finden? Das Unbewusste trägt seinen Namen nicht umsonst. Was genau dort wirklich geschieht, wusste wahrscheinlich nicht einmal Sigmund Freud, der diesem Kind einen Namen gab. Und ob moderne Forscher mit Elektroden und langen Nadeln bewaffnet, in den Gehirnen von Tieren und Menschen herumstochernd, jemals eine eindeutige Antwort finden werden, wage ich auch zu bezweifeln. Aber was genau soll dann die Aussage meines Essays sein? Wenn ich hierauf keine Antwort geben kann, zu welchem Schluss soll ich dann kommen?

Wie ein schwarzes Loch tut sich dieser Gedanke vor mir auf und saugt das letzte bisschen Motivation aus mir heraus. Dies ist der Kern der Inkubationsphase, wenn sich alle Daten, die ich gesammelt habe, zusammenballen, von Informationsströmen aus anderen Teilen meines Bewusstseins elektrisiert werden wie Frankensteins Monster und doch noch immer nicht bereit sind endgültig zu erwachen.

Frustration überwältigt mich. Ich frage mich ob ich nicht doch das Thema wechseln, die Idee vergessen, vergraben, verdorren lassen sollte und eine andere, frischere wählen.

Gedankenverloren und müde sitze ich ein weiteres Mal in der Vorlesung und höre nur halbherzig zu, was der Dozent zu sagen weiß. Das meiste kommt mir inzwischen ziemlich bekannt vor. „Lasst die Idee schlafen, damit sie träumen kann.“ rät er uns. Ja, das habe ich getan. Ich habe sie lange schlafen lassen, habe sie durch mein Unterbewusstsein ziehen lassen, habe sie all die Erfahrungen, all das Wissen, das sich dort herumtreibt berühren lassen. Aber sie will einfach nicht aufwachen!

Und da ist es. Mit einem Schlag ist die Inkubationsphase vorbei. Was so lange in mir gewachsen ist, ist endlich reif. Wie eine Knospe geht die Idee auf und präsentiert mir eine Blüte. Das Kind wird geboren und seine ersten Worte sind:

„Ich muss erwachen um zu leben.“

Dies ist es, was ich sagen möchte, der Kern meiner Idee. Die Inkubationsphase ist wichtig, um eine Idee heranreifen zu lassen, sie muss schlafen, um zu träumen. Aber irgendwann muss sie erwachen, die Frucht muss gepflückt, das Kind geboren werden. Es muss ein Wechsel stattfinden. Und hier stehe ich im Augenblick, an der Schwelle zwischen der zweiten und der vierten Phase des kreativen Prozesses. Man nennt sie auch die dritte Phase, der Moment der Erkenntnis, der Erleuchtung. Es ist der Aha-Effekt, der mich aus der frustrierenden Inkubationsphase herausholt. Er verpasst mir einen Adrenalin-Schock, löst Freude aus und gibt mir neue Motivation. Ich habe gefunden wonach ich unbewusst die ganze Zeit gesucht habe. Ich weiß nicht wie genau ich zu diesem Ergebnis gekommen bin, aber das ist auch nicht Sinn der Sache. Der einzige Zweck der vergangenen Wochen war es, die Idee heranreifen zu lassen, um sie jetzt umzusetzen. Ich muss sie jetzt nehmen, aus ihrem Kokon, indem sie so lange geschlafen und sich entwickelt hat, herausholen und mit ihr arbeiten, von ihr lösen was nicht mehr gebraucht wird, sie schleifen wie einen Rohdiamanten.

Das ist meine Aufgabe in der vierten Phase des kreativen Prozesses, in der ich mich in dem Moment befinde, da ich nun hier an meinem Rechner sitze und fleißig versuche einen Essay zu verfassen, indem ich darstelle, was die Inkubationsphase ist. Dies ist die Phase der Arbeit, der Konzentration, wenn die Ziele klar sind und erreicht werden müssen.

Ich habe vor mehr als zwei Monaten damit begonnen, Interesse an der Inkubationsphase zu entwickeln. Ich habe Informationen und Fakten zu diesem Thema gesammelt, sie aufgenommen, verarbeitet und abgespeichert. Ich habe mich bemüht sie nicht in festgefahrene Kategorien zu verstauen, sondern sie frei durch mein Bewusstsein schweben zu lassen, damit sie sich mit anderen Daten und Erfahrungen austauschen und bereichern können. Ich habe die Idee und all die Informationen, die ich mit ihr gesammelt habe, in mein Unterbewusstsein sinken lassen, wo sie still und ruhig lagen und reifen konnten, indem sie sich mit anderen Teilen meiner Erfahrung, meines Bewusstseins, meines Wissens austauschen konnten. Die Idee hat nicht nur von diesen Dingen genommen, sie hat auch gegeben. Der Prozess dem sie unterlag ähnelt wirklich dem eines heranwachsenden Kindes im Mutterleib – Nährstoffe werden ausgetauscht um das körperliche Wachstum des Kindes zu ermöglichen. Gleichzeitig aber läuft auch ein Prozess ab, den keine Wissenschaft vollständig erklären kann, der eine emotionale Verbindung zwischen Mutter und Kind entstehen lässt, die für das Überleben und das Wohlergehen des Kindes genauso wichtig ist wie Nahrung und Wärme. Auch zwischen der Idee und ihrem Träger findet nicht nur ein Austausch von Informationen statt. Die Idee, die in der Inkubationsphase in mir schläft und heranreift, ist nicht nur ein Bündel aus Daten und Gedanken. Sie berührt Teile meines Ichs, nimmt sie in sich auf und wird somit ebenfalls zu einem Teil meines Selbst. Hier liegt auch die Gefahr, der die Idee in der Inkubationsphase ausgesetzt ist – dauert der Prozess zu lange an, wird die Verbindung zwischen Idee und Träger zu stark, zu persönlich. Irgendwann ist die Idee keine eigenständige, klar abgetrennte Einheit mehr, sondern wirklich ein fester und integraler Bestandteil meines Bewusstseins, den ich nicht weiterverarbeiten kann. Solch eine „überreife“ Idee wird für immer in mir bleiben. Ich werde aus ihre nichts Neues mehr erschaffen können. Das weiß ich aus persönlicher Erfahrung.

Aus diesem Grund ist der wichtigste Teil der Inkubationsphase nicht das Heranreifen, sondern das Erwachen. Erst wenn die Idee wieder aus dem Unterbewussten aufsteigt, kann ich mit ihr weiter arbeiten und aus ihr ein Produkt entwickeln, und so ihren Lebenszweck, den Grund ihrer Existenz, erfüllen.

Wir müssen die Idee schlafen lassen, damit sie träumen kann.

Aber wir müssen sie auch wieder aufwecken, damit sie leben kann.


Mona NagelMona Seiffert, geboren in Deutschland, angestellte Grafikerin, freie Illustratorin, Comiczeichnerin und Fantasy-Autorin, lebt und arbeitet in Österreich, zwei Kinder.

Weiterführende Links: Link zu ihrem Buch

 

Dieser Gastartikel erscheint im Rahmen der „Wir schreiben“-Essaysammlung. Weitere Artikel zu diesem Thema können hier aufgerufen werden.

Gastbeitrag: Weltenbau – Wer, wie, was, warum?

Gastbeitrag von Monica Höfkes

»Sag mal, warum schreibst du eigentlich nur so erfundenes Zeug? «

Eine der häufigsten Fragen, die mir von anderen gestellt wird, ist sicherlich die, warum ich bitte schön Fantasy schreibe und nicht „was Richtiges“. Dann gibt es neben der, sehr emotionalen, dass auch Fantasy etwas „Richtiges“ ist, auch noch die Antwort, dass ich einfach gerne die absolute Kontrolle über das habe, was ich da schreibe. Und wie gelingt das besser, als wirklich alles meiner Phantasie entspringen zu lassen? Dazu gehört für mich in einem großen Maße auch das, was man so schön unter „Weltenbau“ zusammenfasst. Gleichzeitig ist dies sicher auch das, was man als Fantasy wahrnimmt: fremde Welten, Kulturen, Völker… Genau so stellt man sich Weltenbau vor. Ich erschaffe mir den Mikrokosmos, in dem meine Figuren agieren, aber eben ohne die Einschränkungen unserer eigenen Welt.

Nimmt man es jedoch etwas genauer, lässt sich der Weltenbau nicht nur auf das phantastische Genre eingrenzen. Im Grunde ist doch jeder Autor fiktionaler Texte ein Weltenschöpfer. Da mag manches Werk noch so biographisch oder historisch begründet sein, ein Gutteil entspringt immer noch der Phantasie des Schreibenden. Und ob der Weltenbau immer so ausufernd sein muss, dass wir tatsächlich von eigenen Welten, Kontinenten oder Ländern sprechen können, bezweifle ich einfach ganz offen. Eine komplett erfundene Kleinstadt im amerikanischen mittleren Westen ist in meinen Augen nicht weniger Weltenbau, denn für mich wäre es immer noch eine komplett andere Welt, da ich noch nie in einer vergleichbaren Stadt war.

Wann also beginnt der Weltenbau, wenn nicht schon im ganz Kleinen, mit einem Städtchen, dessen Straßen und Häuser nicht weniger mit Leben gefüllt werden wollen, als seinem Pendant in einer beliebigen mittelalterlichen Fantasywelt? Aber ich schreibe nicht über Kleinstädte im amerikanischen Mittelwesten, ich schreibe Fantasy. Darum darf ich mich ganz offiziell als Weltenbauerin, als Schöpferin bezeichnen. Tolle Sache, keine Frage.

»Ist das nicht viel zu anstrengend, das alles ausdenken? «

Welcher innere Drang treibt mich eigentlich dazu, nicht eine bereits gegebene Welt wie die unsere zu nutzen, sondern alles von Null an neu aufzubauen? Zum einen sind es sicherlich die Ideen, die sich in meinem vollgestopften Gehirn gegenseitig auf die Füße treten und die alle eine eigene ‚Location‘ verlangen. Zum anderen ist es meine Faszination für Landkarten. Bereits als Kind, noch im Vorschulalter, konnte ich mich stundenlang mit einem Atlas beschäftigen, auch wenn ich die Namen noch nicht lesen konnte (ich schleppte den Atlas einfach immer im Haus herum und fragte meine Eltern oder Großeltern) und ich überhaupt keine genaue Vorstellung hatte, was sich wirklich dahinter verbarg. Mein damals noch nicht vorhandenes Wissen sorgte aber dafür, daß ich mir einfach etwas ausdenken konnte. Ich reiste also mit dem Finger auf der Landkarte herum und dachte mir dann das meiner Meinung nach passende Land zu den jeweiligen Namen aus. Eine perfekte Grundlage für meinen heute betriebenen Weltenbau, schließlich mache ich im Grunde nichts Anderes. Meistens habe ich einen Namen, ohne jeden weiteren Kontext. Ich reise dann mit meiner Vorstellungskraft und finde heraus, welches Land, welche Stadt, welcher Kontinent oder gar welche Welt wohl damit verbunden ist.

Da es sich bei mir in der Regel um das handelt, was man wohl als „klassische“ Fantasy bezeichnen mag, habe ich dann die Chance, komplett bei null anzufangen. Das bedeutet nicht, einen endlosen Prolog mit der Schöpfung der Welt zu schreiben, für mich beinhaltet es, eine Historie zu schaffen. Eine glaubwürdige, in sich stimmige Abfolge von Ereignissen, die zu genau der Welt geführt haben, die sich mir zum Zeitpunkt der Romanhandlung bietet. Meistens ergibt sich das bei mir erst nach einer längeren Zeit, wenn der Schreibprozess so weit vorangeschritten ist, dass ich den Punkt erreiche, an dem ich diese Historie brauche. Dann lege ich in der Regel eine Pause ein, in der ich mir über die Entwicklung klar werde, die verschiedenen Gesellschaften und ihre Strukturen festlege und dies alles dann zu einem Gesamtbild zusammenfüge, aus dem ich dann die für die Handlung benötigten Punkte herausfische.

Man merkt also, der Weltenbau geht bei mir Hand in Hand mit dem eigentlichen Schreibprozess einher, ist ein Resultat aus dem, was mir der Plot vorgibt und was meine Vorstellungskraft hergibt. Darum ist für mich beides auch nicht voneinander zu trennen, beides greift ineinander wie zwei Zahnräder, die dann zusammen die Handlung antreiben und zu dem führen, was ich als meine Art des Schreibens definieren würde.

Ich empfinde diesen ganzen Schaffensprozess auch nicht als anstrengend, oder gar ermüdend. Im Gegenteil, gerade die Entwicklung eigener Welten kurbelt meine kreative Energie noch einmal an und lässt mich so manches Mal über meinen eigenen Erfindungsreichtum staunen. Weltenbau für alle? Kür, Pflicht oder doch nur Nonsens? Gehen wir noch einmal weg von den Grenzen, die uns die Genres auferlegen. Was ist mit den Romanen eines Ken Follett, einer Rebecca Gablé? Historisch, weiß doch jeder. Aber waren die beiden im Mittelalter, der Renaissance oder anderen Epochen anwesend? Sind sie Zeitzeugen gewesen? Sicherlich nicht. Sie betreiben eine Mischung aus Recherche und Weltenbau, Tatsachen vermischen sich bei ihnen mit Fiktion. Sie füllen die Lücken, die wir in unserem Wissen über vergangene Epochen haben, mit ihrer eigenen Vorstellung von dem, wie diese Zeiten ausgesehen haben.

Auch dies ist eine Form von Weltenbau, die Phantasie nimmt den Platz von Tatsachen ein, zu denen wir ja leider keinen Zugang mehr haben. Auch wenn die historische Forschung heute sehr viele Informationen zugänglich macht, gibt es immer noch viele Lücken, insbesondere, je weiter wir in der Geschichte zurückgehen. Darum denke ich, es ist keine zu kühne Behauptung zu sagen, auch Autoren historischer Romane sind Weltenbauer.

Warum das so ist, habe ich ja bereits ausgeführt, aber in Kurzform würde ich es so sagen: Wenn ich einer Handlung einen stimmigen Schauplatz geben will, benötigt es mehr, als ein paar exotischer Namen und Versatzstücke aus historischen Epochen. Es braucht eine lebendige, dreidimensionale Welt, in der die Figuren glaubhaft agieren und nicht wie Abziehbilder vor einem flachen Brett, auf das man lieblos einige möglichst interessant klingende Details ohne jeden Zusammenhang geklatscht hat. Und all das beinhaltet einfach guten Weltenbau.

Guter Weltenbau kann also auch die Qualität eines Werkes ausmachen, ist gerade in der klassischen Fantasy nicht nur ein Markenzeichen, sondern eine Grundlage, ohne die kaum ein guter Roman funktionieren würde. Man kann hier einen Schwenk zu einem anderen Medium machen, in dem guter Weltenbau wichtig für das Eintauchen in die Handlung und die Identifikation mit dem eigenen Charakter ist. Ich spreche von Videospielen, genauer, Rollenspielen. Hier klappt die Immersion nur, wenn mir nicht nur ein paar Aufgaben gestellt werden, sondern mir nebenbei auch noch etwas über die Welt vermittelt wird. Ich brauche andere Charaktere, die mir weiterhelfen, mir in die Quere kommen oder einfach nur malerisch in der Gegend herumstehen. Ihre Geschichten müssen mir einen Grund geben, ihnen helfen zu wollen, mich irgendwie auf eine Art berühren, die mir das Gefühl gibt, etwas bewirken zu müssen. Ohne das bewegt man sich durch eine leblose Kulisse, bleibt der unbeteiligte Zuschauer.

Genau so geht es mir aber auch mit Romanen. Da ist es ziemlich egal, ob es sich um Fantasy, einen Krimi, Historisches oder sogenannte Gegenwartsliteratur handelt. Hier kommen wir wieder bei meiner Behauptung an, jeder Roman würde in gewissem Maße Weltenbau beinhalten. Ein fiktionales Werk wird in niemals die Wirklichkeit eins zu eins abbilden, will es ja in der Regel auch nicht. Statt dessen halten wir der Wirklichkeit einen Spiegel vor, der manchmal etwas unscharf ist oder ein verzerrtes Bild zurück wirft. Damit wird aber auch deutlich, dass es sich nicht mehr um die tatsächliche Wirklichkeit handelt, sondern eine durch das Denken des Autors gefilterte. Meistens passiert das ganz automatisch, manchmal auch absichtlich. Kein Autor kann es sich erlauben, die Realität ohne diesen Filter wiederzugeben, man könnte sich vor Klagen wohl kaum retten. Man beginnt also zu verfremden, hier eine Person, dort eine Stadt, gelegentlich einen ganzen Landstrich. Manchmal ist es den Autoren selbst nicht bewusst, aber in dem Moment, in dem sie die Realität verlassen, sich in Konstrukten ihrer Imagination bewegen, beginnt der Weltenbau.

Als Kernfrage könnte man formulieren, ob der Weltenbau nun Kür oder Pflicht für Autoren ist. Oder vielleicht doch nur ein lästiges Nebenprodukt der viel wichtigeren Handlungsebene, ein Nonsens, den man auch beiläufig unter den Tisch fallen lassen kann. Vielleicht lässt sich das gar nicht pauschal beantworten, aber ich würde zumindest behaupten, als Autor phantastischer Literatur kommt man kaum daran vorbei.

Im Fazit möchte ich also festhalten: der Weltenbau muss raus aus der Kuriositätenecke, in die er durch lange Jahre des Schubladendenkens gerutscht ist. Als Autorin sage ich „Ja“ zum Weltenbau, begreife ihn als eine Erweiterung meiner Möglichkeiten, als weitere Grundlage meiner schreiberischen Tätigkeit. Hierbei spielt es auch keine Rolle, in welchem Genre ich mich bewege, so wie dies auch für andere schriftstellerische Grundlage irrelevant ist. Niemand würde die Heldenreise nur auf die Phantastik beschränken wollen, also lasst uns dies auch nicht mit dem Weltenbau tun.

Wir sind Autoren, wir sind Schöpfer, Weltenbauer.

 


 1553-a493b681-largeMonica Höfkes, Jahrgang 1973, liebt Phantastik in all ihren Ausprägungen. Sie liest sich zwar quer durch alle Genre, bewegt sich aber als Autorin bevorzugt in den Gefilden der Fantasy, besonders in der epischen Variante. Veröffentlich hat sie bis heute nichts, was zu einem nicht geringen Teil an ihrem Hang zum Überarbeiten liegt – und am ausufernden Weltenbau, dem sie sich mit Hingabe widmet. Sie ist ein Gründungsmitglied des Tintenzirkels, einer Internetcommunity für Fantasyautoren und bastelt auch immer wieder an eigenen Webseiten, die momentan aber zugunsten des Schreibens brach liegen.

Weiterführende LinksTintenzirkel

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Gastbeitrag: Stiefkind Fantasy

Gastbeitrag von Wolf Awert

Viele Leser können mit Phantastik wenig anfangen. Das gilt neben der Fantasy im engeren Sinn auch für deren Verwandte Science Fiction oder Mystik, zwischen denen die Grenzen nicht immer scharf gezogen werden können. Fantasy ist ein Nischenthema im Genrepark und wird neben Platzhirschen wie Thrillern, Kriminalgeschichten, Romanzen oder historischen Romanen, in denen von allem etwas zu finden ist, nur von einer kleinen Gruppe von Enthusiasten beachtet. Und mit wirklicher Literatur hat sie überhaupt nichts zu tun. Sagt man. Und darüber könnte man durchaus streiten.

Unbestritten dürfte aber der fragwürdige Ruf sein, der es in die Nähe von Märchen oder Kinderbüchern versetzt, was einem so guten Kinderbuchautor wie Michael Ende die Anerkennung seiner Zunft bis zum Ende verwehrt hat. Der normale Leser kennt vielleicht den Herrn der Ringe, Harry Potter und Star Wars. Und diese Werke wahrscheinlich mehr durch Film und Fernsehen als durch die Bücher selbst. Wie sollte es auch anders sein, wenn alle Geschichten in Welten spielen, die es nie gegeben hat, nicht gibt und auch nie geben wird.

Eskapismus lautet der eilig hingeworfene Vorwurf, den man immer wieder hört. Ein typischer Fantasyleser verweigert sich der Realität und flüchtet sich in eine Welt seiner Kindheit, wo es warm, gemütlich und ein klein wenig gruselig ist. Und als Zugabe gibt es je nach Geschmack noch ein paar Drachen oder Elfen hinzu. Wie wundervoll. Wo und unter welchen Umständen diese unsinnige Meinung einmal entstanden ist, lässt sich nur schwer recherchieren und ist die Aufgabe für einen Literaturwissenschaftler. Aber vielleicht ist es interessant, sich mit einigen der stillschweigenden Voraussetzungen auseinanderzusetzen, die sich hinter dem Vorwurf des Eskapismus verbergen:

  1. Ein Leser von Fantasyromanen ist ein Eskapist.
  2. Eskapismus ist verwerflich, denn schließlich geht es ja darum, das Leben zu bewältigen und nicht, vor ihm davonzulaufen.
  3. Es gibt keine Drachen, Elfen, Kobolde, Dämonen, Vampire, Gestaltwandler und auch keine … Hier bitte ich den Leser einfach das einzusetzen, was ihm gerade dazu einfällt.

Ob der Vorwurf des Eskapismus auf Fantasyleser in größerem Maße zutrifft als auf andere Leser, kann ich nicht beantworten. Aber ist es nicht das Anliegen eines jeden Autors, die Leser in seine Welt zu ziehen und sie zu der ihren zu machen? Und das muss er auch, denn die oft beschworene Realität ist manchmal so unwahrscheinlich, dass sie, wenn ein Autor sie für sich reklamierte, als abstrus oder unmöglich abgestempelt würde. Ein Autor weiß das und deshalb lässt er sich zwar von der Wirklichkeit inspirieren, aber ersetzt sie dann durch eine andere höchst eigene Geschichte. Die Frage ist daher nicht mehr, ob ein Fantasyleser ein Eskapist ist, sondern ob er ein größerer Eskapist ist als jemand der Kriminalromane oder Liebesgeschichten bevorzugt.

In jedem Vorwurf steckt die Mahnung doch besser etwas zu tun oder zu unterlassen. Für mich ist es eine Frage des Standpunkts, ob Fantasy hilft, dem Leben zu entkommen oder zu ihm zurückzufinden, und das hat sehr viel damit zu tun, wie ich das Leben wahrnehme. Wenn ich vor ihm davonlaufe, indem ich eine Aufgabe nach der anderen übernehme, die mich daran hindert, über die wirklich wichtigen Dinge im Leben nachzudenken, wenn ich mich also vom Leben jagen lasse, dann kann Fantasy mich zu den Dingen zurückbringen, die wirklich zählen. Wenn ich mich hingegen nirgendwo glücklicher fühle als inmitten der Aufgaben, die ich bewältigen möchte, dann sollte ich mich durch Fantasy nicht davon ablenken lassen.

Ich denke, der entscheidende Gedanke könnte sein, ob ich mein Leben führe und gestalte oder ob mein Leben mich führt, mich treibt und ich nur noch reagieren kann, um nicht unterzugehen. Fantasyliteratur hat diesbezüglich einen großen Vorteil. In ihren oft an das Mittelalter angelehnte Welten hat grundsätzlich alles seine Bedeutung. Es geht um Dinge, die in der zivilisierten Welt verloren gegangen sind. Wie sehr die Verfügbarkeit von Nahrung unser Leben bestimmt. Was es bedeutet, längere Reisen langsam, zu Fuß, zu Pferd oder auf einem Wagen zu machen, der von einem Ochsen gezogen wird. Wir können es unter Umständen in der dritten Welt studieren, aber nur ganz wenige Berufsgruppen haben noch die Möglichkeit ein Gefühl dafür zu entwickeln.

Über einen chinesischen Weisen sagte man einmal: Wenn er stand, dann stand er, wenn er saß, dann saß er und wenn er ging, dann ging er. Er tat alles so vollständig und mit seinem gesamten Bewusstsein, dass man es ihm ansah. Vom Multitasking weiß man heute, dass jeder es können sollte und auch dass es eine höchst ineffiziente Art zu arbeiten ist, weil der Verstand stets an der Oberfläche bleibt. In einer Fantasywelt kann eine Figur, die ihre Welt nicht versteht, nicht bestehen. Unserer Welt muss man nicht verstehen. Es gibt es andere, die sich um einen kümmern. Organisationen, Menschen, Dinge und Geräte. Wir sind umgeben von Krücken. Das ist bequem, angenehm, aber auch gefährlich. Und deshalb ist es eine schöne Aufgabe, unserer Welt auch einmal eine andere gegenüberzustellen.

Eine Fantasywelt ist eine reiche Welt und vor allem ist sie langsam. Sie ist. Sie rast nicht. Und deshalb hat Fantasy eine besondere Sprache und eine etwas andere Art, die Welt wahrzunehmen und zu bewerten: Ein gewachsener Boden ist etwas anderes als ein Erdaushub. Ein Feuer ist, wie jeder Feuerwehrmann weiß, eine Urgewalt und nicht einfach das Ergebnis eines Verbrennungsprozesses. Sturm ist mehr als starker Wind und Wasser ist Nahrung und Fluch zugleich. Diese Eigenschaften verliert das Wasser, wenn es bewirtschaftet wird, obwohl es genau sie es einmal waren, die zur Bewirtschaftung geführt haben. Die Sprache, mit der das Wasser nun behandelt wird, ist nicht mehr die Sprache der Elemente, sondern die von Wirtschaft und Verwaltung. Konkretes wird ersetzt durch etwas Abstraktes.

Und was ist mit den Drachen und Elfen und all jenen, die in ihrem Gefolge daherkommen?

Wenn es Einigkeit darüber gäbe, was ein Drache ist, ließe sich ein Teil der Frage schnell beantworten. Frühe Bilder dieser mystischen Wesen ähneln Alligator und Waran, die es auch heute noch gibt, oder Sauriern in der Luft, zu Wasser und zu Land.

In der chinesischen Literatur ist auch die Schlangenform üblich. Mancher meint auch, dass Drachen Elementarwesen sind, was voraussetzt, dass es auch jenseits von Mensch, Tier und Pflanze Lebewesen gibt. Das ist ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke. Ich persönlich mag die Idee, dass Drachen Symbole des Chaos sind. Aber gleichgültig, welches Bild man wählt, wir tragen das Bild des Drachen in uns, fürchten diese Wesen und bewundern sie gleichzeitig. Und tief in unserem Innern erschauern wir vor so viel Urkraft. Viele von uns. Nicht alle.

Was Elfen angeht, habe ich meine persönliche Entscheidung getroffen. Ich muss nicht darüber spekulieren, ob es sie gibt. Es gibt sie, denn ich habe sie mehrfach gesehen und jeder, der ihnen begegnen möchte, kann das ebenfalls tun. Dazu empfehle ich einen Spaziergang an einem sonnigen Frühlingsmorgen mit einem entsprechenden Frühlingswind. Der Weg sollte über sehr trockenen Boden führen, vielleicht sogar Sand, und von Büschen und Birken alleeartig eingerahmt sein. Wenn man dann unterwegs kurz verweilt und durch die Birkenblätter hindurch dem Spiel des Lichts zuschaut, dann braucht es nicht lange und man sieht die Elfen über sich tanzen.

Selbstverständlich kann ich das, was da geschieht, auch ohne Elfen erklären. Die Lichtphänomene gehen auf eine partikelarme, trockene, weil kalte Luft zurück, wie sie in einer klimatisch typischen Übergangszeit zwischen Polar- und Tropikluft vorkommen kann. Und Betula pendula – wenn das Wort Birke nicht beeindruckend genug klingt – bewegt sich gern und rasch im Wind. Es geht auch mit der Zitterpappel. Und ich kann auch etwas über aufsteigende Assoziationen in menschlichen Gehirn erzählen, denn es geht nicht um die Dinge, die in der Natur geschehen – die brauche uns nicht als Zuschauer und können das allein – sondern nur um das, was in unseren Köpfen passiert.

Wie ich meine Sichtweise der Welt wähle, kann ich selbst entscheiden. Für jeden Anlass und in fast jeder Situation. Zu einem Spaziergang passen die Elfen besser als die Sprachprodukte der Wissenschaft. Und das gilt auch für einen Kuss. Wahnsinn, was da chemisch und hormonell alles in einem Menschen abläuft und ganz bestimmt wert, dass man sich damit beschäftigt. Aber frisch Verliebten fällt zwar nicht ein, Elfen um sich tanzen zu sehen, aber dafür sind sie sich sicher, dass das beste Bild für ihre Gefühl lauter Schmetterlinge sind, die in ihrem Bauch herumflattern.

Ich möchte keine der vielen möglichen Sichtweisen missen. Man kann mit ihnen die unterschiedlichsten Dinge anstellen. Eskapismus kann dazu gehören, muss aber nicht.

Ein letzter Gedanke soll der anderen Welt gewidmet sein. Das ist die Welt jenseits unserer Wahrnehmung, die wir allein mit unserer Fantasie füllen können.

Für die Welt nach dem Tod bieten die Religionen ihre Geschichten an. Sie reichen von einem großen Nichts, über Wiedergeburt bis zu einem Paradies. Oft ist der Übergang mit einer Prüfung, einem Widerstand oder einem Portal verbunden. So glauben die Inuit, dass der Sterbende erst unter einem großen Fell hindurchrutschen muss.

Aber eine andere Welt gibt es auch für Lebende und ist gefüllt mit den seltsamsten Lebewesen. Wichtel, Feen, Elben, die mal als zarte Elfen, mal als kräftige Zwerge daherkommen, als Djschin oder Dämon den Menschen bedrohen, oder einfach nur für Wunder oder Andersartigkeit stehen. Dass die Idee einer anderen Welt ganz und gar nicht weit hergeholt ist, macht ein einfacher Gedanke klar.

Die menschliche Wahrnehmung kann mit ihren Sinnesorganen nur einen winzigen Ausschnitt von der Welt erfassen. Das sichtbare Licht liegt zwischen nicht ganz 300 und 800 Nanometer. Ultraviolettes Licht und Infrarot ist dem Menschen nicht mehr zugängig. Von Röntgenstrahlen und Radiowellen einmal ganz zu schweigen. Das erklärt auch den oft emotionalen Umgang mit der Radioaktivität, denn man fürchtet nicht, was man nicht wahrnimmt. Oder genau umgekehrt. Man fürchtet es, weil man weiß, dass es da ist, es aber erst an seinen Folgen spürt, wenn es zu spät ist. Gravitations- und Dichteunterschiede nimmt der Mensch auch nicht so recht wahr, aber da sind die Auswirkungen harmloser.

Wir hören zwischen 20 und 20000 Hertz, worüber eine Fledermaus nur lachen kann, erkennen eine Vielzahl von Düften, brauchen dafür allerdings hohe Stoffkonzentrationen. Da ist uns jeder Hund oder Schwarzbär gewaltig überlegen, von Spezialisten wie Schmetterlingen einmal ganz abgesehen, die sich für die Paarung auf einen einzigen Lockstoff spezialisiert haben. Kurzum: Was wir wahrnehmen, ist ein verschwindend geringer Teil der Welt, in der wir leben.

Die wirkliche Welt kennen wir also nicht. Da hilft es auch nicht, dass wir gelernt haben, unsere Wahrnehmung mit Messgeräten zu erweitern. Wir leben nicht in der Wirklichkeit, sondern schaffen uns ein Modell unserer Welt. Ist dieses Modell gut, können wir reibungsarm in unserer Welt leben. Ist es schlecht, bezeichnen wir die auftretenden Probleme als Wahnvorstellungen. Aber niemand kann bestreiten, dass es eine Welt außerhalb von Menschen gibt, zu der wir keinen Zugang haben, deren Existenz aber durchaus Folgen für uns hat.

Die Antworten der Religionen befriedigen nur die Gläubigen, nicht unbedingt die Suchenden. Deshalb muss man auch nicht unbedingt einen Roman über Gespenster, Höllenfürsten oder Dämonen schreiben oder lesen. Aber eine spirituelle Leere will gefüllt werden. Vor allem dann, wenn man das Gefühl hat, dass Schwierigkeiten im wirklichen Leben etwas damit zu tun hat, dass man die Welt nicht richtig versteht. Ein solches Bemühen sollte man daher nicht voreilig als Eskapismus abtun.

Darauf, dass man fiktive Welten auch ausgezeichnet als Hintergrund benutzen kann, um grundsätzliche menschliche Fragen zu behandeln, möchte ich hier nur am Rande hinweisen. Am Ende geht es bei einem Fantasyroman gar nicht um die Bewertung eines Genres, denn ein Genre ist immer eine höchst subjektive Vorliebe. Es geht einzig darum, ob ein Buch gut oder weniger gut geschrieben ist. Wie immer und überall in der Literatur.


 

WolfAwertAb wann Wolf Awert anfing, Geschichten zu schreiben, ist nicht überliefert. Erfunden und erzählt hat er sie ab dem Zeitpunkt, an dem seine Erinnerung einsetzte. Später studierte er Geographie, Biologie, Geologie, Bodenkunde, Meterologie und Ethnologie und arbeitete danach als Umweltwissenschaftler an der Universität. Er schrieb wissenschaftliche Publikationen, Sachbücher und Lehrbücher, erfand Denkwerkzeuge und baute ein System für ein Ideenmanagement auf. Seine Berufstätigkeit führte ihn in viele Teile der Welt, wo er mehr als nur Konferenzsäle besuchte. In China bekam er 1980 zum ersten Mal Kontakt mit dem Qi Gong und Tai Chi Quan, das er heute ehrenamtlich lehrt. Heute führt Wolf Awert das geruhsame Leben eines Pensionär in der Eifel und schreibt nur noch Belletristik.
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Gastbeitrag: Autor und Ausland

Ein Gastbeitrag von Tina Skupin

Und Elche.“
Was?“ Ich starre mein Gegenüber verdattert an. Gerade haben wir darüber geredet, wie ich schreibe. „Laptop“ und „Kaffee“ hatten wir. Aber wie passen da Elche rein?
Du hast doch gesagt, du wohnst in Schweden. Und da gibt’s doch Elche, oder?“, erklärt er jetzt.
Ja, schon. Aber doch nicht beim Schreiben!“

Ich weiß nicht, wie viele Gespräche dieser Art ich in den letzten Jahren geführt habe. Manche Leute scheinen zu glauben, ich sitze in einem Holzhaus mitten in der schwedischen Einöde mit See und einem Boot am Steg und schreibe, während draußen in einer Tour Elche am Fenster vorbeiziehen. Ach was! Ich wohne in einem Vorort von Stockholm, in einem supermodernen Viertel mit Zentralheizung und extraschnellem Internet – und ohne Elche! Aber heißt das, dass mein Leben als Autor ganz unberührt davon ist, dass ich im Ausland lebe? Absolut nicht!

Jag heter – lost in translation

Es beginnt mit der Sprache. Ich schreibe auf deutsch (mit einigen englischsprachigen Experimenten). Das ist meine Muttersprache, es ist die Sprache, in der ich mich am besten ausdrücken und artikulieren kann. Aber sobald ich meinen Schreibtisch verlasse, wird um mich herum eine andere Sprache gesprochen. Innerhalb von Sekunden muss ich umstellen, auf Schwedisch oder auch auf englisch. Am Anfang habe ich mich dabei jedes Mal gefühlt, als würde mein Hirn durch einen Korkenzieher gedreht. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Trotzdem merke ich es beim Schreiben. Ganz oft passiert es mir nämlich, dass mir für eine Szene oder für ein Gefühl der perfekte Ausdruck einfällt – auf schwedisch oder englisch, oder an ganz tollen Tagen auf spanisch. Aber auf deutsch? Nada!

Dunkelheit, Eis und Fels

Und das mit dem Korkenzieher trifft nicht nur die Sprache selbst. Im fremden Land ist nichts so, wie man es kennt. Sogar die Natur spielt verrückt. Der Wald hier besteht nicht aus Rotbuchen, so wie es richtig ist, sondern aus Nadelhölzern. Und überall liegen diese riesigen Steine rum! Und das Wetter erst!

Ich ziehe im März nach Schweden. In Deutschland hat gerade der Frühling begonnen, am Flughafen von Stockholm erwartet mich mein Freund -und Schnee. Es schneit noch fast den gesamten Monat lang, bevor der Frühling sich endlich rantraut. Es ist kalt – aber wunderschön, und wenn das Eis im Sonnenlicht glitzert, glaubt man fast, die Elfen auf den Wegen tanzen zu sehen.

Dann, endlich Frühling! Die Tage werden länger und länger, bis im Sommer die Nächte nur noch vier Stunden dauern, vier Stunden, während denen man den letzten Schimmer der Sonne hinter dem Horizont von Westen nach Osten wandern sehen kann, wo sie sich wieder erhebt. Um drei Uhr morgen ist es schon wieder taghell. Im Winter kehrt sich das um, Nachmittags um vier ist es stockdunkel. Ich habe davon gelesen, aber nichts kann die persönliche Erfahrung ersetzen. Wenn man um 2 Uhr Nachmittags das winzige Sonnenbällchen beobachtet, das gerade aufgegangen ist, und schon wieder zu verlöschen droht, dann versteht man, warum die Wikinger sich davor fürchteten, dass die Sonne eines Tages von einem Wolf gefressen würde und gar nicht mehr aufgeht.

Ich kann euch eines sagen: nichts bereitet so auf das Schreiben von Fiktion vor, als wenn sich Sonne und Mond anders verhalten, als man es gewohnt ist!

Auswandern heißt buchstäblich, sich über den eigenen Horizont zu bewegen. Und nichts erweitert den Horizont so sehr wie das Auswandern. Natürlich kann man sich einen Teil davon durch Reisen holen. Aber das ist nicht dasselbe. Die Ausgesetztheit und die Intensität ist eine ganz andere. Wenn man nie von zuhause weg war, ist alles, was man von zuhause kennt, das Normale. Und dann kommt man woanders hin und da werden Sachen komplett anders gemacht: In Deutschland holt man Katzen aus den Bäumen, in Schweden besoffene Elche. Die Schweden zelebrieren in Läden das Nummernziehen und Schlangestehen mit einem fast religiösem Ernst. Sonntags sind die Geschäfte geöffnet, aber in den Sommerferien ist Stockholm wie ausgestorben, weil jeder, wirklich jeder, Urlaub macht.* Eine andere Welt, ein anderes Leben, und fremde Menschen und Kulturen – in denen man sich bei näherem Hinsehen doch wiederfindet. Der Erfahrungsschatz, aus dem man als Autor schöpfen kann, wird durch das Leben im Ausland viel reicher und bunter.

Natürlich hat das Leben im Ausland auch Schattenseiten. Ein Besuch auf den Messen ist eine halbe Weltreise, Autorentreffen in meiner Sprache kann ich eigentlich nur im Urlaub machen. Aber das ist alles nicht so schlimm. Denn eigentlich lebe ich gar nicht in einem fremden Land. Ich lebe in zweien.

Zwei neue Welten

Und das zweite, da befinden wir uns grade: das Internet.

Es ist acht Uhr dreißig. Grad hab ich meine Tochter in die Dagis (Kindergarten) gebracht. Ich hole mir meinen Kaffee und schalte den Computer an: Eine Nachricht aus Österreich mit dem Lektorat für eine meiner Kurzgeschichten. Kommentare auf meinem Blog. Und Joe aus Luxemburg hat geschrieben. Wir haben früher in der gleichen Stadt gewohnt, bevor er nach Amsterdam und ich nach Stockholm ab bin. Dank Facebook haben wir den Kontakt seitdem gehalten. Ich beantworte die Nachrichten, lade mir das Lektorat runter. Dann mache ich noch eine schnelle Recherche zum Thema „Bauweise der Langboote aus der Wikingerära“ und spreche ein Mittagessentreffen ab, bevor ich das Wlan abschalte und mich an mein Schreiben mache.

Das Internet ist für mich das allerwichtigste Werkzeug, und ich gehöre zu denen, die lieber auf ihr Dessert als auf ihr W-Lan verzichten würden. Über das Internet führe ich einen Großteil meiner Recherchen durch. Ich kommuniziere mit meinen Freunden und meinen Fans (mit allen 6). Die Guddy kenne ich aus dem Internet, ebenso wie einige Autoren. Ich könnte mir nicht vorstellen, wie es gewesen sein muss, vor den Zeiten des Internets ein Autor im Ausland gewesen zu sein.

Allerdings… „bevor ich das Wlan abschalte und mich an mein Schreiben mache“… Viel zu oft mache ich das W-Lan nicht aus, und vergeude dann Stunden auf Facebook oder mit sinnlosen Kontroversen. Das sind die realen Gefahren dieser Welt, genauso wie „in einer Warteschlange erfrieren“ eine reale Gefahr in Schweden ist. Und deswegen werde ich mich im Sommer für eine Woche zurückziehen, zu einer Bekannten, die einen alten Bauernhof auf dem Land hat. Da kann ich dann schreiben und auf den See hinausblicken. Und wehe, es gibt keine Elche!

*Eigentlich nicht „ausgestorben“, die Schweden werden nur gegen Touristen ausgetauscht. Wenn ich im Sommer in die Innenstadt fahre, spreche ich immer schwedisch. Dann freuen sich die Touris wie ein Schnitzel, dass sie einen echten Schweden gesehen haben).
** Ein Faktor, über den ich nicht geschrieben hab, der aber wahnsinnig wichtig für mich als Autor und Mutter ist: bezahlbare und exzellente Kindergärten, die nicht nur pädagogisch top sind, sondern deren Mitarbeiter nicht komplett überlastet sind und Zeit haben, richtig auf die Kinder einzugehen.

 


 

1553-a493b681-largeTina Skupin, Jahrgang 1977, wuchs in Völklingen an der Saar auf. Nach einem Zwischenstopp in Halle lebt sie mittlerweile mit Partner und Töchterchen in Stockholm. Tina hat einen Doktortitel in Stadtökologie, ist ein Marvelgirl und Rollenspielerin. Außerdem hält sie die Absetzung von Firefly für eine der großen Tragödien unserer Zeit.
Sie schreibt „Geschichten für Nerds“, vor allem Urban Fantasy und Science Fiction, außerdem alle anderen schönen komischen Unteruntergenres, die nicht bei drei auf dem nächsten Baum sind.

Ihre Hobbys (für die nie genug Zeit bleiben) sind mittelalterliches Schwertfechten (Langschwert) klettern (trotz Höhenangst) und lesen (natürlich). Persönlich trifft man sie auf Twitter, Facebook, oder auf ihrem Blog (ich lebe wirklich im Internet).

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Gastbeitrag: Schreiben und Rollenspiel

Gastbeitrag von Sabrina B.

Es gibt viel zu tun! Lassen wir es liegen! Oder so ähnlich.

Welcher Autor kennt das nicht? Da sitzt man vor seinem Manuskript und will die Kreativität fließen lassen und nichts passiert. Schlimmstenfalls kommt noch jemand herein und stellt seltsame Fragen, die einem auch nicht weiter helfen.

Schreibst du schon wieder?“ Warum machst du das eigentlich? Überlass das doch den richtigen Schriftstellern.“

Richtige Schriftsteller. Das müssen ja wirklich überirdische Wesen sein, wenn sie so anders sind als Menschen, die gerne schreiben. Aber gut, man weiß ja mittlerweile, dass einige Mitmenschen es nie verstehen werden. Irgendwie ist die Schreiblaune aber nun auch verflogen. Und nun? Am besten etwas Kreatives, damit der Tag nicht völlig ungenutzt bleibt. Wie wäre es denn mit Rollenspiel? Gut, auch da trifft man seltsame Leute, die einfach nicht verstehen können, dass es Menschen gibt, die Spaß an Kreativität haben. Aber man kann kreativ sein. Es kommt sogar noch besser. Rollenspiel kann für Autoren wie ein Trainingslager sein. Man merkt das nicht einmal, weil man auch noch Spaß dabei hat.

Ihr habt das noch nie ausprobiert, weil ihr für so aufwendige Hobbys keine Zeit habt? Dann will ich euch Autoren mal auf den Geschmack bringen und zeigen, dass das nicht nur eine zeitfressende Prokrastination ist, sondern aktives Schreibtraining.

Jetzt geht es los!

IdeeWer Rollenspiel betreiben möchte, dem stehen viele Möglichkeiten offen. Die Hartgesottenen gehen direkt in die Vollen und wenden sich dem LARP – Live Action Role Playing – zu. Hier stellen sie ihren Charakter und seine Eigenschaften direkt selbst in voller Person und Gewandung dar. Gereizt hat mich das immer. Bisher hat es sich einfach nicht ergeben. Gut, ich gebe es zu. Man findet immer eine Ausrede, wenn man sich erst überwinden muss.

Für Leute, die sich gerne mit Regeln und Spielwerten auseinander setzen, ist sicher das Pen&Paper etwas. Hat man das meist recht umfangreiche Regelwerk einmal verstanden, ergeben sich hier wunderbare Spielrunden voller Abenteuer und Heldentaten.

Schreibt man lieber und lässt die Kreativität so richtig fließen, fühlt man sich sicher im Foren-Rollenspiel wohl oder beim Onlinerollenspiel, wo dem Spielavatar Leben und Charakter eingehaucht werden.

Ich möchte mich hier vor allem auf Onlinerollenspiel und Pen&Paper festlegen. Mit anderen Varianten hatte ich bisher wenig Berührung.

Beim Pen&Paper wühlt man sich zunächst durch ein möglichst dickes Regelwerk mit zahlreichen Wertetabellen. Einer übernimmt die Rolle des Spielleiters und führt die Gruppe anhand einer vorgefertigten Kampagne durch ein Abenteuer oder er lässt seiner Phantasie freien Lauf und denkt sich alle Gemeinheiten und deren Geschichten selbst aus. Sind die Helden anhand von Charakterbögen gebastelt und hat sich jeder Spieler ein paar Gedanken zur Biografie gemacht, kann es auch schon losgehen. Der Abenteuerrunde stehen zahlreiche Abende mit Erdnussflipsorks, Gummibärchen-Helden und umgekippter Cola bevor. Eines ist sicher. Alle werden leiden und ihren Spaß haben.

Beim Onlinerollenspiel geht es dafür nicht ganz so gesittet zu. Die einzigen Regeln, die es gibt, liefert das Onlinerollenspiel selbst, in dem man sich bewegt, nennt es sich nun World of Warcraft, Rift oder Guild Wars. Gespielt wird via Chat. Oft treffen sich die Charaktere einfach zu netten Gesprächen, die rasch das Ausmaß einer Dailysoap annehmen können, oder kleinen Erkundungstouren. Manchmal erleben sie aber auch spannende und dramatische Abenteuer. Dank mangelnden Regelwerkes ergeben sich große Freiheiten und Raum für Dynamik. Schwierigkeiten sind natürlich auch vorprogrammiert, wenn ein Haufen Diven aufeinander trifft und in jedem Rollenspieler steckt eine Diva, ob er es zugibt oder nicht.

Sei kreativ!

Der Autor sitzt vor seinem Rechner, das Manuskript ist seit guten zwei Stunden geöffnet und… leer. Die Katzen bei Youtube sind auch einfach zu süß.

Was? Natürlich schreibe ich… jetzt… in diesem Moment… Schau mal! Das Kätzchen ist in die Vase gekrabbelt, wie niedlich!…  Zwei weitere Stunden später… Immerhin ein Satz steht mittlerweile und sieht gar nicht mal so schlecht aus. Wobei, so richtig gut klingt das Verb jetzt auch nicht und erst die Formulierung… GELÖSCHT. Es ist auch immer wieder erstaunlich, wie sauber die Wohnung mit einem Mal wird, wenn es gilt ein neues Kapitel zu schreiben. Manchmal drängt sich regelrecht der Verdacht auf, dass Autoren alles tun, um das Schreiben zu vermeiden.

Versuchen wir uns die gleiche Szene einmal während einer Runde beim Pen&Paper vorzustellen.

Spielleiter: „Vor euch steht auf einem Podest eine wirklich schwer aussehende Kiste mit einem dicken Vorhängeschloss.“

Erwartungsvoll sieht der Spielleiter seine Mitspieler an und ist gespannt, was sie jetzt tun. Man kommt rasch überein, dass der Dieb vorgehen soll, um das Schloss zu knacken und vorher nach Fallen Ausschau zu halten. Alle sehen den Dieb an. Der schaut gerade auf seinem Tablet Katzenvideos bei Youtube. Endlich hat die Gruppe seine Aufmerksamkeit. Er fängt an zu grübeln. Er trinkt ein Glas Cola, dann noch ein Bier. Endlich beginnt er zu sprechen, sagt aber sofort, dass er das lieber noch einmal anders formulieren will. Eigentlich muss er ohnehin noch auf die Toilette und der Tisch könnte auch abgewischt werden. Als endlich alles zu seiner Zufriedenheit gesäubert ist – sogar das Bett des Gastgebers ist gemacht und darunter der Staub weg gesaugt – versucht der Dieb es noch einmal. Aber er findet einfach nicht die richtigen Worte.

Krieger: Mir reicht’s. Ich nehme meine Axt und hau das Ding klein, wenn der Dieb nicht aus dem Knick kommt.

Gesagt getan. Krieger zieht seine Axt, drischt auf das Schloss ein, Kettenblitzfalle löst aus – Ende der Heldengruppe.

Das ist sicher nicht ganz das Ende, dass sich die Spielrunde gewünscht hat. Sicher wäre das Abenteuer anders ausgegangen, wenn der Dieb einfach einmal los gelegt hätte. Dann hätte der Krieger auch nicht die Geduld verloren.

Sitzt ein Autor in seinem kleinen Kämmerlein vor dem PC und versucht, seine Kreativität in Worte zu bannen, ist er mit diesem Problem meist recht allein. Im Idealfall stört ihn niemand und er kann sich seine Zeit frei einteilen, wenn nicht gerade gefräßige Deadlinemonster versuchen durch die Tür zu brechen. Diese beschauliche Ruhe ist aber tückisch. Sie verleitet den Autor dazu, eben rein gar nichts zu tun oder beständig mit sich selbst zu hadern. Und das Ende vom Lied ist nach einem acht Stunden Tag eine leere Seite. Dafür ist die Wohnung sauber und man hat echt niedliche Katzen gesehen. Nur will der Autor das gar nicht, auch wenn erledigte Hausarbeit etwas für sich hat. Eigentlich will er eine Geschichte erzählen.

Kreativ sein unter Zeitdruck. Das ist etwas, was man beim Rollenspiel lernt und einfach können muss irgendwann. Beim Pen&Paper ist die Geduld der Mitspieler nicht unendlich. So ein Spielabend ist nun einmal auch zeitlich begrenzt. Irgendwann brauchen selbst gut trainierte Studenten ihren Schlaf von Familienvätern und -müttern mal ganz abgesehen. Das Schöne ist aber, dass den Mitspielern die Formulierung völlig egal ist. Hauptsache man hat eine gute Idee und kann sie der Gruppe halbwegs verständlich vermitteln. Ich habe es bisher selten erlebt, dass im Pen&Paper tatsächlich als Charakter gesprochen wurde. Meist wird beraten und dem Charakter entsprechend Handlungen beschrieben. Man kommt sich einfach etwas dämlich vor, seinen besten Kumpel, der im wahren Leben vielleicht Türsteher ist, mit „holde Maid“ anzusprechen, weil er gerade eine Elfenpriesterin spielt und man selbst einen Barden, obwohl man weder Singen noch Dichten kann. Auch wenn es sehr amüsant ist, wenn alle derart in ihren Rollen aufgehen. Das gesprochene Wort klingt anders, da wir einfach spontan drauf los reden, als das geschriebene, wo wirklich an jeder Formulierung bis zur Perfektion gefeilt wird. Papier ist eben geduldig, braucht keinen Schlaf, liegt in der Regel nur so herum und hat damit alle Zeit der Welt im Gegensatz zu Mitspielern.

Mitspieler sorgen bei der Kreativität automatisch für Zeitdruck und das bringt wirklich positive Ergebnisse. Ich besitze zahlreiche Chatmitschriften aus diversen Onlinerollenspielen. Selbst nach Überarbeitung (Ausmerzen überflüssiger Chatkanäle oder Kommentare) und Formatierung können an einem Abend ziemlich einfach 3000 bis 5000 Worte zustande kommen. Das meiste davon ist reiner Dialog. Gut, man hat nicht allein daran geschrieben. Was aber zählt, ist die Geschichte. Durch den Chat ist die Wortzahl einer Antwort begrenzt. Die Chats in Onlinerollenspielen sehen keine unendlichen Monologe vor. Zudem sollte man sich mit der Antwort nicht so viel Zeit lassen. Schließlich warten die Spielpartner auf Antwort, denn nichts ist nerviger, als ein Spielpartner, der eine viertel Stunde oder länger für einen Satz braucht. Aber das beste von allem: Einmal abgeschickt, lässt sich die Antwort nicht mehr ändern. Sie steht einfach da und wird von anderen gelesen. Damit muss man dann als Autor und Rollenspieler leben. Anfangs hast du Hemmungen. Du zögerst mit der Antwort, kontrollierst sie vor dem Abschicken dreimal auf Rechtschreibung und schreibst vor allem kurze, harmlose Sätze, damit bloß niemand etwas findet, das vielleicht nicht so gut formuliert ist. Aber irgendwann wächst das Selbstvertrauen. So schlimm kann das Geschriebene nicht sein. Denn die Leute spielen gerne mit dir, loben deine Ideen, vielleicht sogar deine Art zu schreiben. Längst hast du gesehen, dass in Sachen Schreibstil so ziemlich alles vertreten ist. Manche Antworten lassen sich kaum lesen, andere erscheinen als wahre Kunstwerke. Doch das Wie interessiert auch hier nicht wirklich. Wichtiger ist der Spaß, den alle haben. Ehe du es dich versiehst, reicht auf einmal der Platz im Chat nicht mehr und mehrere Nachrichten werden benötigt, um den eigenen Part zu beschreiben. Immer schneller werden neue Antworten gepostet, die Geschichten immer größer, die Abenteuer immer phantastischer. Du bist im Rollenspiel angekommen und kreativ, ohne dich von lästigen Zweifeln plagen zu lassen.

Wenn du es jetzt noch schaffst, diesen kreativen Fluss auch beim Schreiben als Autor zum Fließen zu bringen, dann hat sich der Ausflug ins Rollenspiel nicht nur um des Spaßes Willen gelohnt.

Plots und Charaktere

BlablaDas Herzstück jeder guten Geschichte sind die Charaktere, finde ich. Der Plot kann noch so banal sein. Wenn die Charaktere interessant sind, kann die Geschichte trotzdem fesseln. Die Charaktererstellung kann zu einer wahren Kunst werden. Rollenspieler vor allem Spielleiter sehen sich sehr oft damit konfrontiert. Denn der liebgewonnene Charakter soll ja nicht nur die Summe seiner Werte und seiner Ausrüstung sein. Er soll leben. Nicht umsonst reden Rollenspieler von ihren Charakteren meist so, als wären es eigenständige Personen aus ihrem Freundeskreis. Verallgemeinerungen wie „mein Prota“ kommen da nicht vor. Der Charakter hat einen Namen und eine Geschichte.

Was unterscheidet hierbei einen guten von einem schlechten Rollenspieler? Um das heraus zu finden, fordere seinen Charakter einfach zum Duell heraus. Ein guter Rollenspieler erkennt die Stärken eines anderes Charakters an und akzeptiert Schwächen bei seinen eigenen – kurz, er kann verlieren, wenn die Situation es gebietet. Ein schlechter Rollenspieler ist dazu nicht fähig, was sehr anstrengend sein kann. Spielleiter haben damit auch ihre liebe Not. Will man solche Charaktere auch nur den Hauch einer Schwierigkeit entgegen setzen, muss man schon Altdrachen, Halbgötter und Welten zerstörende Katastrophen auffahren, damit sie wenigstens mit einem Kratzer aus der Situation heraus gehen.

Im Pen&Paper gestaltet sich das etwas einfacher. Hier gibt es klare Regeln und Werte. Die Würfel haben das letzte Wort – Ende der Diskussion.

Dieser Mangel an Verlustbereitschaft liegt mit Sicherheit daran, dass man den eigenen Charakter einfach zu sehr mag. Er ist ein guter Freund. Jemand, in den man viel Zeit investiert hat, um sein Aussehen, seinen Charakter und seine Vorgeschichte zu gestalten. Jemand, mit dem man Abenteuer erlebt hat. Natürlich will niemand, dass dieser gute Freund einmal schlecht dasteht. Manchmal habe ich das Gefühl, Autoren könnten sich davon eine Scheibe abschneiden.

Nein! Natürlich nicht von der Unsitte überirdische Supercharaktere zu erschaffen, die wirklich alles, was sie anpacken, meisterhaft lösen. Ich meine die Liebe zum Detail und zum Charakter. Autoren reden von ihren Charakteren oft nur als „die Protas“ und gehen sehr distanziert mit ihnen um. Rollenspieler machen allein schon aus der Wahl des Namens eine Wissenschaft.

Bevor der Autor am Plot herum werkelt, sollte er sich einfach einmal Zeit für seine Charaktere nehmen und sie kennen lernen. Ich lerne meine Charaktere am liebsten über ihre Vorgeschichte kennen. Dann weiß ich auch, wie sie heute sind. Denn unsere Geschichte bestimmt unsere Gegenwart. Deshalb halte ich mich nur ungern mit verallgemeinernden Steckbriefen auf. Letztlich verraten sie mir nichts, was ich nicht schon wüsste. Der nächste Schritt ist dann das Rollenspiel. Wie reagiert der Charakter auf seine Umwelt? Wie spricht er? Wie fühlt es sich an, eine Person zu spielen, die charakterlich meilenweit von einem selbst entfernt ist?

Ich will nicht sagen, dass Rollenspieler die besseren Charaktere basteln als Autoren. Mit Sicherheit nicht. Was mir da schon alles untergekommen ist… Allein darüber ließe sich ein ganzer vielleicht sogar unterhaltsamer Blog schreiben. Aber ich glaube, dass Rollenspieler anders an die Charaktergestaltung heran gehen und somit lebendigere Charaktere erschaffen können. War man eine Weile im Rollenspiel unterwegs, sieht man im Charakter nicht mehr nur ein Werkzeug, das zum Funktionieren einer Geschichte benötigt wird, sondern tatsächlich eine Persönlichkeit, die auch gerne einmal ihren eigenen Willen hat. Und dieser Sichtwechsel kann einer Geschichte nur gut tun. Dialoge werden zum Beispiel lebendiger, weil lebendige Charaktere an ihnen beteiligt sind.

Hach ja, die lieben Plots. Ich kann euch sagen. Das funktioniert nur in der Literatur. Kreativ sind sie beide, Autoren und Rollenspieler. Der Autor hat aber einen großen Vorteil: Er darf seine Geschichte allein schreiben. Als leidenschaftlicher Plotter fürs Rollenspiel musste ich eine bittere Lektion lernen: Drehbücher taugen nur für den Kamin. Die Mitspieler halten sich eh nicht dran, finden immer das größte Fettnäpfchen oder die kleinste Nische, an die du trotz aller Überlegungen wirklich nicht gedacht hast. Und am Ende bekommst du eine völlig andere Geschichte, musstest alles anpassen und das, was dir wichtig erschien, interessiert eigentlich niemanden oder wurde gar nicht erst zur Sprache gebracht.

Hier ein Beispiel: Während eines Abenteuers im Onlinerollenspiel sollte die Abenteurergruppe bei Ausgrabungen helfen. Doch es gab ein Problem. Dort, wo die Ausgrabungsstätte hätte sein sollen, hatten sich Echsenmenschen angesiedelt. In meiner spielleiterischen Naivität hatte ich mir vorgestellt, wie die Gruppe einen Abgesandten schickt und versucht mit den Echsenmenschen zu verhandeln. Daraufhin hätte es vielleicht einen Kampf Champion gegen Champion gegeben. Die Gruppe hätte wichtige Infos von den Echsenmenschen bekommen und keine Ahnung, vielleicht sogar doch noch den Schatz gefunden… Ach ne, Moment. Einen Schatz gab es nicht, nur einen Sarkophag mit einem sehr hungrigen Vampir darin. Egal.

Was passierte tatsächlich?

Wutschnaubend stürmte der Mob das Lager. Dumm gelaufen, dass die Echsenmenschen mehrere Feuerschamanen in ihren Reihen hatten und einen Champion. Es entstand das absolute Chaos und am Ende hatte das Ausgrabungsteam mehr Arbeit als vorher und die Gruppe mehr Verletzte als nötig. Den entscheidenden Hinweis konnte ihnen der oberste Schamane natürlich auch nicht mehr geben, da er von mehreren Pfeilen durchbohrt im Dreck lag.

Ja, man kann als Autor seine Kreativität im Rollenspiel ausleben und tolle Geschichten planen und ausspielen. Aber man sollte vorsichtig sein und nicht zu viele Erwartungen haben. Mitspieler sind eine unkontrollierbare Chaosquelle. Es wird nie so laufen, wie man es sich dachte. Das Beste ist, man plant gar nicht so genau, sondern setzt sich lediglich Eckpunkte und reagiert dann direkt auf das Geschehen. Mittlerweile handhabe ich das als Spielleiter genauso. Das schont die Nerven. Ein Problem ergibt sich dabei natürlich für meine Rolle als Autor. Ich bin es mittlerweile kaum noch gewohnt eine Geschichte in all ihren Details zu durchdenken. Das merke ich immer wieder. Plötzlich sitzt man da und weiß nicht mehr wie es weiter geht. Mir fehlt sozusagen der Input der Mitspieler, die im Rollenspiel mir den Teil der Geschichte liefern, den ich nicht vorbereitet habe. In beiden Richtungen ist es schwierig dabei die Balance zu wahren. Für den Autor ist es blöd, wenn er plötzlich nicht mehr weiter weiß. Rollenspieler sind genervt von Spielern, die aufs Verderben ihrem Plot folgen und ihn durchsetzen wollen unabhängig davon, was andere Leute tun.

Hier ein BeispielWir leiteten eine Forschungsakademie. Ein Mitglied wurde entführt. Es dauerte eine Weile, bis dies bekannt war. Nun zog also ein Suchtrupp los und versuchte eine Spur zu finden – Fehlanzeige. Sämtliche Versuche endeten im Nirgendwo. Schließlich tauchte urplötzlich ein Charakter auf – ein Twink (Charakter neben dem gespielten Hauptcharakter, der in der Regel später erstellt wurde und seltener bespielt wird) der Spielerin des Entführten – um dem Suchtrupp den Hinweis zu geben, dass seine Affaire ein Amulett besäße, mit dem sich der Charakter aufspüren ließe. Die Szene hatte mehrere Haken.

  1. Warum taucht dieser Typ plötzlich auf und erzählt die Geschichte dem Suchtrupp, den er nicht kennt, tatsächlich völlig ungefragt?

  1. Besagter Typ gehörte rassentypisch der gegnerischen Fraktion an und wir befanden uns in Sichtweite unserer Fraktionshauptstadt. Dumme Idee dorthin zu gehen. Aber man besitzt ja einen tollen dunklen Mantel, der einen tarnt…

  2. Aha, es ist also egal, was der Suchtrupp tat. Er würde den Entführten nicht finden. Die Spielerin wollte, dass die Affaire – ein Kerl nebenher, also der Charakter – das tolle Amulett benutzt und den Entführten rettet. So ein düsteres Versteck nach adrenalinüberladener Actionrettung eignet sich dann auch hervorragend für horizontale Akrobatikeinlagen. Schließlich sollte mit der Aktion die im Sande verlaufende Beziehung gerettet werden.

  3. Das Dumme an der Sache: Die Affaire war offiziell gar nicht in der Stadt, sondern in einem völlig anderen Landstrich unterwegs. Spielerin der Affaire hatte auch wenig Lust auf das Ganze, aber das ist eine andere Geschichte. Zudem war das Amulett wohl längst nutzlos, da die Affaire die für den Zauber nötigen Haare aus dem Amulett längst entfernt hatte. Gut, das wusste die Spielerin des Entführten noch nicht.

Das Ende vom Lied? Die Spielerin des Entführten mobilisierte ihren realen Lebenspartner und dessen Charaktere, sowie ihre eigenen Twinks und so brachten sie in einer Zweimann-Aktion nach neuem Drehbuch die Sache über die Bühne – großes Kino, vor allem für den Rest der Gilde, die eigentlich an dem Abenteuer teil haben wollte.

Wir sehen also: Zu viel Plot schadet dem Rollenspiel. Dafür schadet zu wenig Plot einer Geschichte, wie jeder Autor weiß, der mal wieder vor seinem Manuskript sitzt und nicht weiß, wie es weiter gehen soll.

Aus Rollenspiel Geschichte machen

Nach zahllosen emotionalen Stunden im Rollenspiel drängt sich immer mehr der Gedanke auf, dass man all das nieder schreiben muss. Was die Charaktere alles erlebt haben! Das taugt für eine richtig gute Geschichte. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen – nur bedingt.

Das Positive ist, dass man lebendige Charaktere, mitreißende Dialoge und wahrscheinlich einen wirklich guten Plot mit seinen Freunden geschaffen hat. Eigentlich sollte sich das doch super in eine Geschichte verpacken lassen.

Ich hatte mehrfach damit angefangen und muss sagen, es gibt einige Stolpersteine, auch wenn die Grundidee wirklich gut ist.

Die Charaktere, die wir im Rollenspiel geschaffen haben, sind idealerweise mit all ihren Eigenschaften in die Welt integriert, in der gespielt wird. Ihr seht das Problem? Wenn wir also keine Fanfiktion schreiben wollen, müssen wir eine neue Welt kreieren, die in vielen Gesetzmäßigkeiten der Rollenspielwelt entspricht, dennoch so anders ist, dass ein unbedarfter Leser keine Parallelen ziehen kann, selbst wenn er die Rollenspielwelt auswendig kennt. Manchmal mögen Charakterkonzepte recht universell sein. Spätestens bei der gespielten Geschichte findet man sich aber in der Rollenspielwelt wieder, die zu großen Teilen, die Handlung beeinflusst hat. Findige Autoren können mit diesem Problem umgehen. Der eigene Charakter lässt sich leicht anpassen und einigen Autoren geht Worldbuilding gut von der Hand. Vielleicht entscheidet man sich auch einfach für eine Fanfiktion. Dann gibt es das Problem gar nicht erst.

Das zweite Problem ist da schon schwerwiegender. An der Geschichte war nicht nur unser eigener Charakter beteiligt, sondern noch mindestens ein anderer. Diesen anderen Charakter kennen wir gar nicht so genau, zumindest nicht so wie unseren eigenen. Selbst wenn der Spieler des Charakters so nett ist und uns alle Informationen überlässt. Er wird ein Fremder für uns bleiben, in den wir uns nicht richtig hinein versetzen können. Wir steuern damit auf eine Geschichte zu mit einem wirklich starken Hauptcharakter – unserem eigenen – und recht blassen Nebencharakteren. Ich für meinen Teil komme mir dann auch wie ein Dieb vor, selbst wenn ich mir die Erlaubnis der Spieler einhole, ihren Charakter in einer Geschichte zu verwenden. Das einzige, was wirklich hilft in meinen Augen, ist neue Charaktere für die Geschichte zu erstellen. Dabei kann man sich an den Rollenspielcharakteren orientieren und gewisse Grundzüge oder Plotaufgaben übernehmen. Aber es sollten eigene sein, die man lieb gewinnt und kennen lernt. Dann kann es doch noch eine gute Geschichte werden.

Trotzdem eignet sich das Rollenspiel hervorragend als Musenbrunnen. Bei so vielen kreativen Leuten, die zusammen Spaß haben, können nur gute Ideen bei heraus kommen.

In der Kürze liegt die Würze

Zum Abschluss noch ein positiver Aspekt des Rollenspiels für Autoren.

Wie oft schreibt man als Autor und schreibt und schreibt und schreibt. Drei Seiten später stellt man fest, dass die Handlung keinen Schritt weiter gekommen ist, dafür ist die Taverne bis auf den rostigen Nagel genau beschrieben. Das kann toll sein und ist manchmal auch gewollt. Oft möchte der Autor aber eigentlich einfach erzählen, findet aber nicht den richtigen Absprung, um mit der Handlung fort zu setzen oder nicht die richtigen Worte, um zu beschreiben, was er vor seinem inneren Auge sieht.

Beim Rollenspiel kann man gut üben sich knapp und präzise auszudrücken. Egal in welcher Form des Spiels. Kein Mitspieler hat Lust auf lange Monologe und wie oben bereits erwähnt, ist der Platz in Chats oft begrenzt. Also lernen Rollenspieler sich kurz und prägnant auszudrücken und mit möglichst wenig Worten so viel Information wie möglich zu übermitteln. Das geht oft zu Lasten des Stils. Letztlich erreicht man aber , was man möchte. Für einen ersten Schritt ist das sicher auch hilfreich für Autoren, die sich gerne in Beschreibungen verzetteln. Beim Bearbeiten lassen sich die Sätze noch feilen und polieren.

So, nun bin ich am Ende angekommen. Ihr geht jetzt schön spielen und ich habe die Wahl: Ich könnte an meiner Geschichte weiter schreiben oder Rollenspiel machen. Vielleicht putze ich einfach auch noch ein bisschen.

Wir werden sehen.

Euch auf jeden Fall noch viel Spaß beim Spielen und natürlich auch beim Schreiben.

Eure Araluen


Arandis_AvatarEigentlich hört Araluen auf den Namen Sabrina und kommt aus Jena. Nach etwas längerer Orientierungsphase bin ich ziemlich glücklich mit meiner Ausbildung zum Mikrotechnologen im zweiten Lehrjahr und vor allem mit meiner Familie. Zu meinen Hobbys zählen unter anderem Schreiben, Brettspiele und Rollenspiel.

Das Rollenspiel ist meine Leidenschaft, fast noch mehr wie das Schreiben. Araluen geht auf meinen allerersten Rollenspielcharakter zurück. Es folgten viele weitere Abenteuer in der kreativen Welt. Mal bin ich Spieler, aber auch sehr oft Spielleiter, da ich einfach zu gerne plotte und Charaktere leiden lasse. Einen Keks zur Belohnung gibt es aber am Ende immer.

Dieser Gastartikel erscheint im Rahmen der „Wir schreiben“-Essaysammlung. Weitere Artikel zu diesem Thema können hier aufgerufen werden.

Mein NaNo 2015

Überraschung: Der November ist vorbei und damit einhergehend auch der für mich vermutlich schreibintensivste Monat des Jahres! Dies wird nun auch der letzte Beitrag zum NaNo ’15 sein, versprochen, doch Revue passieren lassen möchte ich ihn trotzdem. Immerhin hat er meine letzten Wochen beherrscht!

Begonnen hatte ich pünktlich am 1. November mit Restalkohol im Blut, jedoch jungfräulich mit einem halbgaren Plot im Kopf, ein paar mehr oder minder hübschen Charakteren und einem Plan, der größtenteils leer war. „Wunderbar!“, zwitscherte ich damals also naiv, „Der ganze Restplot und die Kapitelaufteilung wird schon irgendwie von selbst kommen!“ Ich schrieb also fröhlich vor mich hin. Und das eigentlich sogar ganz gut, zumindest wenn man nach den reinen Zahlen geht: Ich war kein einziges Mal im Rot, lag also nie unter Soll und hatte im Schnitt jeden Tag mindestens 1.667 Wörter geschrieben.

Nano2015

Es folgten Tage und Wochen der absoluten Euphorie. Ganz im Ernst: Es ist ein verdammt geiles Gefühl, zu wissen, dass man wirklich jeden Tag an die 2k Wörter schreiben kann, die nicht nur aus „Bla“, „Gurkensalat“ oder „Gurkenblalat“ bestehen! Zumal ich mit dem Tintenzirkel auch eine Community gefunden habe, in der man den NaNo richtiggehend zelebrieren kann. Dort gibt es einen eigenen, für Nichtmitglieder nicht einsehbaren Bereich, in dem man Romanthreads anlegen und täglich einen Schnipsel mit maximal 200 Wörtern posten kann. Meinen persönlichen Liebling kann ich eben posten: Er ist einer der am wenigsten atmosphärischen Schnipsel, aber er beinhaltet Blut, vulgäre Sprache und zumindest ein klitzekleines Bisschen Gewalt, also fasst es den Roman schon ganz gut zusammen. Oder so. (Und nein. Es ist keine Romantasy und kein Erotikroman, da kann Damura noch so oft Schwanz in den Mund nehmen. Also, das Wort. Finde die Anführungsstrich-Taste nicht. Sorry. Außerdem ist dieser Schnipsel gut für Google. Penis.)

Gebannt beobachtete sie den Blutstropfen, der über seine Schläfe rollte, sich in seinen Bartstoppeln teilte und in seinem Mundwinkel verendete, wo er ihn mit der Zungenspitze aufleckte – und sofort angewidert die Oberlippe kräuselte. Kätzchen.
(…)
Sie könnte das Blut von ihnen [den Lippen] lecken, die Konturen mit der Zunge nachzeichnen… ihr Blick glitt tiefer über sein blutbespritztes Oberteil, das die darunter liegenden Muskeln erahnen ließ, über den flachen Bauch weiter hinab. (…)
„Zeig mir deinen Schwanz.“
„Was?!“ Er hob nicht nur den Blick, sondern auch in genervter Skepsis eine Augenbraue. „Ich bin mir nicht sicher, ob du so viel Großartigkeit ertragen könntest.“
Sie lachte leise. „Zu winzig, ihn zu zeigen?“
„So unfassbar winzig, dass du noch ein paar Schritte Abstand nehmen solltest, um ihn vollständig sehen zu können.“
(…)
Sie lehnte sich an ihn, legte die Hand auf seinen Bauch und grub ihre Fingerspitzen unter seinen Hosenbund. (…)
Ohne Vorwarnung schnellte seine Hand vor, packte ihr Gelenk und verdrehte es hart (…)
„Hör mir mal zu, Mädchen.“ Zorn loderte in seinen unnatürlich hellen Augen und sein Griff brannte sich in ihre Haut. „Wenn du noch einmal versuchst, mich anzutatschen, wird es dein Blut sein, das an meinen Händen kleben wird!“

Geschrieben habe ich insgesamt knapp über 60k Wörter, was über 200 Seiten entspricht. Die Worte mussten schnell fließen, meinen inneren Lektor hatte ich in den Urlaub geschickt – sonst hätte ich wohl nur die Hälfte geschafft.

Aber: Ist das gut? Masse statt Klasse? Eigentlich nein. Hierbei vielleicht doch: Ja. Man hat ein Gerüst, an dem man arbeiten kann, eine Skizze, die es auszuarbeiten gilt. Meine Zeichnungen sind auch nicht von Beginn an detailliert. Ich bin froh, dass ich so schnell geschrieben habe, denn so sind mir einige Plotlöcher zumindest zeitlich früher aufgefallen. Einige Szenen werde ich streichen müssen.

Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie viel mir das Schreiben wirklich bedeutet. Mehr als der Blog, mehr als das Zeichnen mir je bedeutet hat. Und das, obwohl das hier mein erstes Projekt ist, das über 200 Seiten geht und mein zweites überhaupt. Meine erste Kurzgeschichte habe ich im Oktober geschrieben. Doch das Schreiben brodelt seit Jahren in mir, nur getraut hatte ich mich nie. Und das, liebe Kinder, ist dumm. Wenn ihr früh den Drang verspürt, zu schreiben, just fucking do it! Man wird nicht jünger, sondern nur älter.

Der November war eine Achterbahnfahrt für mich, eine Fahrt voller unglaublicher Höhen, jedoch auch unglaubliche Tiefen. Selbstzweifel ist da nur eine dieser Tiefen gewesen. Dabei verliert man leider manchmal das Ziel aus den Augen und den Spaß am Schreiben selbst.

Insgesamt hat mir der NaNo viel über mich selbst gelehrt. Ich bin noch immer unheimlich gefrustet, aber Frust treibt irgendwie auch an. Und irgendwann werde ich ein „Ende“ (Huch. Da sind sie ja, die Anführungsstriche, schön euch zu sehen!) drunter setzen. Vielleicht erst 2078. Aber das Ende wird ohnehin nur für mich sein.

Das kreative Leben aufräumen

Langjährige Leser kennen folgende Aussage von mir bereits: „Ich kann alles und nichts.“ Gerne verbunden mit einem traurigen oder wahlweise auch bösem Smiley. Daran hat sich leider nichts geändert: Ich zeichne recht gut, aber nicht gut genug, um es professionell machen zu können. Ich blogge, aber nicht gut genug, um erfolgreich zu sein. Ich schreibe, aber nicht gut genug, um mein Lieblingsbuch zu veröffentlichen. Und so weiter und so fort.

Dabei würde es bereits helfen, mich in ein Thema bedingungslos hineinzuhängen. Zu zeichnen, und das täglich. Skizzen anfertigen, Studien, üben, lernen. Mache ich nicht. Oder schreiben: Ausreichend plotten, täglich schreiben, mir Tipps holen, regelmäßig in Foren abhängen. Das ist es nämlich auch: Ich bin keiner Community zugehörig. Nicht wirklich. Ich bin zwar in mancher Community vertreten, aber eher wie ein Gespenst: Manchmal aktiv, manchmal nicht, zumindest nicht derart, dass ich wirklich dabei wäre und als richtiges Mitglied angesehen würde. Und das finde ich unglaublich schade. Wirklich, wirklich schade.

Darum habe ich beschlossen, mich auf zwei Dinge zu beschränken: Auf das Bloggen und das Schreiben. Ich werde weiterhin (seltener)zeichnen, jedoch mit keinerlei weiterführenden Ambitionen mehr und mich in keinen Zeichnercommunities mehr herum treiben oder Aufträge annehmen. Wenn ich besser werde: Fein. Aber ich mache mir da keine Illusionen mehr. Youtuben: Nur noch, wenn es einem Blogbeitrag dient. Es ist mir einfach zu viel geworden und ich war in zu vielen Communities vertreten. Man könnte nun sagen: „Ach, das kostet doch alles nicht soo viel Zeit, mach doch alles!“ Aber Communitypflege kostet Zeit. Und die möchte ich in das Schreiben und die dortigen Communities investieren, um die Kontakte dort zu intensivieren und zu festigen.

Natürlich bleibe ich mit den Leuten, die ich bereits durch Youtube oder das Zeichnen kennengelernt habe, in Kontakt. Aber nicht mehr, um mich dort mit irgendetwas „Youtubigem“ zu befassen. Also: Tschüss, Youtube und tschüss, Zeichnen und hallo, Schreiberhobby.

Das als kleines Update. Nicht, dass sich irgendwann jemand beschwert, dass ich nur noch blogge und nichts anderes mehr mache. (Wenn ich an einem Roman arbeite, könnt ihr das schließlich nicht sehen. Surprise! ;) )

Für den Blog habe ich bereits einige Dinge geplant, Artikelreihen etc., für die ich nun jetzt auch deutlich mehr Zeit haben werde. Für mich fühlt sich diese Entscheidung definitiv richtig an.

(Hobby-)Autoren anwesend?

… dann ist vielleicht der Na(tional) No(vel) Wri(ting) Mo(nth), kurz NaNoWriMo, etwas für euch! Bei diesem seit 1999 jährlich stattfindenden Projekt schreiben die Teilnehmer  im November einen Roman. Zumindest 50.000 Wörter, denn das ist das eigentliche Ziel: Innerhalb dieses einen Monats pro Tag im Schnitt 1667 Wörter am Tag zu schaffen.

Zu gewinnen gibt es nichts. Bis auf die Ehre, versteht sich, und das Gefühl, es geschafft zu haben. Für mich persönlich ist der NaNo eine gute Möglichkeit, mich zu motivieren. Ein lyrischer Arschtritt, der im letzten Jahr hervorragend geklappt hat: Damals habe ich fast 60.000 Wörter geschrieben.

Die meisten organisieren sich in Foren, manche kämpfen auch alleine oder schließen sich in kleinen Gruppen mit Randomautoren auf der offiziellen Website kurz.

Ich habe noch keine Ahnung, wie ich das schaffen soll, denn ich habe doch so viel zu tun im November!

  • Studieren
  • Bloggen
  • Endlich wieder mal ein paar Youtubevideos fabrizieren
  • Zeichnen
  • Arbeiten
  • Freunde treffen
  • Feiern gehen
  • Schlafen wäre zugegebenermaßen auch noch ganz nett. Aber das ist optional.

Immerhin habe ich zumindest die ersten Kapitel des Plots fertig! Die Charaktere stehen, einige Szenen sind bereits verbildlicht in meinem Kopf entstanden und gezeichnet habe ich das Cover auch schon. Ihr seht es oben im Header. Ist es nicht wunderschön?

Bullshit! Natürlich werde ich keine Romantasy schreiben!* Nein, der richtige Arbeitstitel lautet „Das Flüstern der Verstoßenen“, Hauptfigur ist ein unglücklich magisch Begabter und natürlich werde ich im Bereich Grim&Gritty werkeln. Es wird hässlich, blutig und brutal. Logisch. Mehr verraten werde ich allerdings nicht, da ich noch nicht weiß, ob ich es „geheim“ unter einem Pseudonym veröffentlichen oder wirklich öffentlich damit hausieren gehen werde. Sollte es fertig werden. Irgendwann. Vielleicht. Eventuell.

Doch ich bin zuversichtlich! Drückt mir die Daumen!

Und falls ihr auch beim NaNo mitmachen solltet: Erzählt doch mal ein bisschen! Ist es euer erster? In welchem Genre werdet ihr schreiben? Und habt ihr schon fertig geplottet?

Wie genau man an den NaNo heran geht, bleibt jedem selber überlassen. Viele schwören darauf, in dieser Zeit dem „inneren Lektor“ Urlaub zu geben. Ziel sei es nicht, den perfekten Roman zu verfassen- das ist innerhalb dieser kurzen Spanne ohnehin utopisch – sondern überhaupt zu schreiben und es in Angriff zu nehmen. Überarbeiten kann man später. „Just go with the flow, baby!

Mein Nano Account ist übrigens der hier. Unglaublich gepflegt.

 

*Ich hatte Spaß zu „covern“. Ich weiß, ich kann meine Professionalität kaum selber ertragen.  Solltet ihr auch mal probieren!  Ein kitschiges „Damsel in Distress“, musste auch mal sein.

Horror2

Sci-Fi2

 

Drei Sätze aus drei Kapiteln

Roland hat mich beworfen. Mit einem „Stöckchen“, wie es in Bloggerkreisen so schön heißt. Logisch, dass ich mich dem sofort und ohne zu zögern angenommen habe erst mal lange gezögert, es dann vergessen und es erst nach einigen Wochen aufgegriffen habe. Also quasi jetzt. Und da wir jetzt im Jetzt sind, werde ich euch nun, wie es das gute Stöckchen verlangt, die jeweils ersten Sätze der ersten drei Kapitel meines aktuellen Schreibprojekts vortragen. Wir hatten auf diesem Blog selten so viel Spaß!

Für mich ist das allerdings wirklich ein kleiner Striptease. Ich kann über mein Leben vloggen, Bilder meiner Katze, meines Lieblingsbieres (Hint: Es ist nicht Alt!) oder meinen Outfits zeigen, aber Sätze meiner schriftstellerischen Ergüsse? Nope. Nope, nope, nope. Es geht so weit, dass ich mir vermutlich ein männliches Pseudonym zulegen werde, damit mich niemand mit meinen Büchern in Verbindung setzen wird. Geschichten schreiben – es ist für mich irgendwie intim. Weil man immer ein Stück von einem selbst mit einbaut und meine Geschichten auch immer ein wenig an der Grenze des guten Geschmacks kratzen oder sogar darüber hinaus gehen. (Ja. Ich mag Grim&Gritty, blutige Geschichten, Gewalt und kontroverse Themen.) Und ganz wahrscheinlich auch deswegen, weil ich es „ganz gut“ machen möchte. Meine Zeichnungen? Drauf geschissen. Dort weiß ich, dass ich damit keinen Cent verdienen kann. Aber hier…

Schon gemerkt, dass ich um den heißen Brei herum schreibe? Dammit! Dann also hier und ohne weitere Umschweife die jeweils ersten Sätze der ersten drei Kapitel.

Kapitel 1

Die Spuren, die sie im Wüstensand hinterlassen hatten, waren längst verweht.

Unter uns gesagt: Erste Sätze zu schreiben ist grausam. Schrecklich. Niemand will es und dennoch muss man es tun! Ein Roman kann schließlich schlecht mit dem zweiten Satz anfangen, da der zweite ohne vorangegangenen immer der erste sein wird. Verrückt. In der Überarbeitung werde ich die ersten Sätze aber wohl auch ganz rauswerfen.

Kapitel 2

Tief schnitt die Klinge durch das Fleisch, zeichnete über dem Herzen einen Ring aus hervorquellenden Blutstropfen.

Ich mag Blut. Ist so schön rot. Und nein, ich schreibe keinen Vampirroman.

 

Kapitel 3

Die Sonnenstrahlen fielen in den Wagen hinein, erleuchteten Spuren aus schwebendem Staub und gaben den Blick frei auf am Rand gestapelte Kisten, ein Fass und etwas, das von einem weißen Laken bedeckt war.

Btw. der Einstieg in eine meiner Lieblingsszenen! Hihi! 

Dabei fällt zweifellos auf: Erste Sätze alleine finde ich recht substanzlos. Mir fehlt der Kontext, die Stimmung. Aus reiner Neugierde habe ich mal in Bücher meiner Lieblingsautoren hineingeschnüffelt: Aye. Erste Sätze alleine finde ich doof.

Aber vielleicht ja nicht die ersten Sätze von euch? Ich fordere Beweise! Vor allen Dingen natürlich von folgenden drei Bloggern, denen ich das Stöckchen nun zuwerfe: Der Möchtegernautorin (trotz Urlaub), die Weltenschmiede (Auch im Urlaub. Gna!) und… tja. Da hört’s bei mir auch schon auf. Ich habe keine Ahnung, ob und wenn ja wer von euch schreibt. Ja, ich habe zu wenige Autoren in meinem engeren Dunstkreis(außer natürlich die Vogts. Aber die habe ich letztens erst behelligt!).  Also falls es jemand tut: Fühl dich getaggt.

Außerdem rede ich leider sehr selten über dieses Thema, da mir die Gesprächspartner fehlen bzw. ich so wenige aus diesem Bereich kenne. Falls ihr also selber auch schreibt: Quatscht mich ruhig an!

Eure Geschichten aus der Kindheit – die Auswertung

Nie hätte ich gedacht, dass so viele Leute daran teilnehmen und mir ihre Geschichten schicken würden: 61 waren es am Ende, die mir insgesamt 342 Seiten Text zugeschicht haben. Ich las von Elfenkriegern, die gegen mutierte Spinnen kämpfen mussten, ich erfuhr von Teenagern, die in fremde Welten eingetaucht sind und dort Abenteuer erlebten und ich las auch nicht selten vom Tod, der vielerorts thematisiert wurde.

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Die komplette Grafik

Ich hatte unglaublich viel Spaß beim Lesen, gerade auch da die Schreibstile natürlich sehr kindlich geprägt waren, was man als Kinderlose eher selten zu Gesicht bekommt. Die ganzen Fehlerchen und unlogischen Wendungen innerhalb der Geschichte sind einfach zu süß – Verzeihung an all die Kinderautoren da draußen! Ein paar Zitate werde ich noch einstreuen, den Rest habe ich visualisiert – als reiner Text wäre es denke ich zu langatmig geworden. Die Inhalte der Geschichten werde ich vermutlich bald zu einer einzig großen Geschichte zusammenschustern. Macht euch dann auf sprechende Katzenkommissare mit einer Immunität gegen Zombies gefasst, die mit Hilfe radioaktiver Socken gegen Alieneinhörner kämpfen!

Besonders schön fand ich, mit wie viel Einfallsreichtum ans Werk gegangen worden ist. Von all den technischen Schnitzern abgesehen, könnte man aus diesen alten Geschichten mit etwas reiferem Schreibstil großartige Romane fertigen, ganz ehrlich. Die Kreativität ist teilweise enorm. Ich finde es schade, dass doch einige mit dem Schreiben ganz aufgehört haben. Sei es, dass die Zeit fehlt, die Motivation oder die Ideen. Vielleicht gucken sich manche einfach nochmal ihre alten Texte durch und überlegen sich, ob sie damit nicht nochmal neu anfangen oder die Ideen als Grundlage für etwas Neues herholen wollen?

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Eure Geschichten aus der Kindheit – die Auswertung weiterlesen

Habt ihr als Kinder/Jugendliche Geschichten geschrieben? Dann her damit!

Habe gerade mal wieder durch meine alten Unterlagen geblättert und bin dabei auf meine alten Geschichten (allesamt natürlich Fantasy) gestoßen. Ich hatte früher schon einmal einen Blogbeitrag darüber geschrieben und die allererste Seite einer dieser Geschichten gezeigt, doch um meine eigenen soll es hier nur sekundär gehen.

Ich fände es nämlich unglaublich interessant, wie es in der Bloggerlandschaft in Sachen Kinderhobbyautoren aussieht. Blogger (und natürlich Rollenspieler!) gelten immerhin als relativ schreibaffin, da wird doch etwas zu finden sein. Ich möchte eure kreativen Ergüsse sammeln! Schickt mir die besten Szenen eurer (Kurz)Geschichten von damals, erzählt mir kurz, worum es geht oder schreibt mir, wie ihr das insgesamt gehalten habt:

  • Habt ihr euch ganze Welten ersonnen?
  • Science-Fiction, Fantasy oder ganz ordinäre Liebesromane?
  • Wann habt ihr damit begonnen und wann wieder aufgehört? Oder seid ihr immer noch dabei, habt euer Hobby gar zum Beruf gemacht?
  • Fan Fictions oder auf bereits existierenden fiktiven Welten basierend geschrieben?
  • War es eine einzige Geschichte oder waren es 100?

Natürlich sammle ich all das, werte es aus und werde Teile dessen dann in Form eines Blogpostings veröffentlichen. Wer mir etwas schickt (ob in den Kommentaren selbst oder per Mail bleibt dabei euch überlassen) muss also damit rechnen, dass ich es in irgendeiner Form auf diesem Blog oder Youtube veröffentlichen werde. Dafür brauche ich dann natürlich nicht nur euer Einverständnis, sondern  auch  Pseudonym/Realname und Links (Blog, Twitter…) von euch, um euch dann entsprechend würdigen zu können!

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Wie schreibe ich ein Hohlbeinbuch – in 5 Schritten

(Bild via) Wolfgang Hohlbein – der deutsche Fantasyautor speziell der 90er Jahre, der nicht nur meine Kindheit verzaubert hat, sondern gleich die vieler Fantasyliebhaberzöglinge. Der, dessen Bücher oftmals auch in zweifacher Ausführung (schwarze Hardoverserie + irgendein Softcover) in meinen Regalen standen und gleich nicht nur ein, sondern gleich zwei Regalbretter damit einnahm. Ein Autor, den ich ob seines grandiosen Schreibstils, seiner Fantasie, seiner bezaubernden Charaktere schier vergötterte. Er war mein großes Idol. Ich wollte so werden wie er – nur in weiblicher Ausführung und ohne Bart, bitte.

Ich hatte sie alle: Märchenmond, Märchenmonds Kinder, Märchenmonds Kindeskinder und Märchenmonds Stiefenkel der Mutter seiner Katze, ich besaß 13, Midgard, das Druidentor, und wie sie noch alle hießen und ich besaß ein von ihm selbst signiertes Buch. Damals, auf der Feencon in Bonn, irgendwann zwischen 2002 und 2004, traf ich ihn vor Aufregung zitternd und bat um ein Autogramm. Dieses Buch war mein heiliger Gral.

Nun, das war einmal. Mittlerweile kann ich kaum mehr eines seiner Bücher lesen, ohne mir alle zeilenlang an den Kopf zu greifen, vor fremdbezogener Scham rot zu werden oder das Buch, von einem „Oh mein Gott….“ untermalt wieder fortzulegen. Die Bücher sind ein wandelndes, in sich geschlossenes Klischee, nebst zwar fantasievoller, doch darum nicht weniger unlogischer Handlung  finden sich Fragmente, die „typisch Hohlbein“ sind. Die einen nennen das romantisch verklärt „Es ist wie nach Hause kommen…“, andere verdrehen die Augen ob der zahlreichen Abkupferung Hohlbeins seiner Selbst von Buch zu Buch. Immerhin: er ist damit erfolgreich und manch einer wäre gerne ein Autor mit solchen Auflagen. Warum eigentlich „wäre gerne“? Es ist doch so einfach! Man muss nur wenige Punkte beachten und schon kann man selber ein Buch Marke Hohlbein verlegen lassen! Die beste Nachricht: ihr könnt es hier und jetzt lernen!

Wie werde ich zum Hohlbein: in 5 Schritten.

Wie schreibe ich ein Hohlbeinbuch – in 5 Schritten weiterlesen