1. 26. Juni 2015 | Veröffentlicht unter Comicdiskussionen, Comics.

    Praktische Redesigns von Superheldinnen

    Von

    (edit: Ursprünglich wollte ich nur die Bilder teilen. Es ist dann leider ein wenig „ausgeufert“.)

    Der laut eigener Aussage in Wikingergefilde hausende Illustrator Ingvard the Terrible liebt Comics. Zumindest das meiste an ihnen, denn insbesondere an den Kostüme weiblicher Superhelden hat er doch einiges auszusetzen: Sie seien unpraktisch und überdies unfassbar sexistisch. Grund genug, einigen seiner Lieblingshelden ein Umstyling zu verpassen. Die Ergebnisse seht ihr nicht nur in Auszügen hier am Ende  dieses Beitrages, sondern natürlich auch in Gänze in seinem  Tumblr oder seiner Facebookseite. Den konkreten Kommentaren zu den einzelnen Bildern vorangegangen ist ein kleines, allgemeines Statement:

    I love comics and superheroes as much as the next nerd, but the women’s costumes—sweet mother of Moses!—the COSTUMES. At the very least, highly impractical. And at worst, incredibly sexist. I mean, EXTREMELY so. Honestly, I don’t know why women haven’t been a lot more angry and vocal about this kind of thing over the years. Like “Ferguson riot” angry. Don’t get me wrong, I believe that expressing one’s sexuality is a natural, healthy thing, and certainly not something to be censured or shamed, but holly hammer of Thor, there’s a time and a place for everything!

    That being said, I just had to take a shot at addressing the most obvious problems. Now, I am not by any means an experienced or accomplished character designer. I am not suggesting these costume re-designs are ideal, or even very good. My main goal was to at least TRY to approach the subject of female superheroes with the degree of logic, equality, and respect they—and their readers—deserve.“

    Zunächst muss ich anmerken, dass ich solche Ummodellierungen an sich sehr spannend finde. Gerade dann, wenn der Künstler, wie hier in diesem Fall geschehen, seine Gedanken und Gründe für diese oder jene Änderung nochmal erläutert. Zu dieser besonderen Problematik – Superheldinnen in sexy Outfits – jedoch  mangelt es mir an Verständnis. In einem anderen Beitrag hatte ich die Sexualisierung von Figuren bereits angesprochen und auch kurz angerissen, dass ich finde, dass der Begriff „Sexismus“ zu inflationär und unpassend benutzt wird. Superheldinnen werden meines Erachtens nach durch ihre Outfits bzw. ihr Geschlecht nicht diskriminiert (=Sexismus), sondern sexualisiert. Ihr Geschlecht ist dabei in der Erzählweise eher seltener ein die Person vermindernder, abwertender Faktor. Und ja, es nervt mich tatsächlich langsam dezent, dass beides oft gleichgesetzt wird. Zwischen diesen beiden Begrifflichkeiten und Problematiken herrschen feine, auch mEn. ethische Unterschiede.

    Ich persönlich mag die Vielfalt der Superheldinnenkostüme: Es gibt definitiv mehr nackte Haut zu sehen als beim männlichen Helden, doch die Verkleidungen einzig auf ihre „Sexyness“ zu reduzieren, finde ich schade. In meinen Augen sieht es schlichtweg ansprechend aus, zumindest jedoch auf unterhaltsame Weise übertrieben (s. Power Girl und ihr Boob-Window). Durch die Kostüme ist ein Wiedererkennungswert gegeben, der beim männlichen, populären Helden oft vereinfacht ist. Superman, Batman, Aquaman, Flash: Sie tragen, auf’s Wesentliche reduziert, Ganzkörperkondome mit Accessoires. Frauen jedoch, hey, sie können immerhin zwischen Miniröcken, tiefen Ausschnitten, Strapsen, Netzstrumpfhosen und Ganzkörperkondomen wählen! Und das meine ich durchaus ernst. Der Superheld an sich ist im Mittel eine sehr auf das Körperliche fokussierte Figur mit einer Kleidung, die eben jene gekonnt unterstreicht und akzentuiert. Bei Frauen, wie auch Männern.

     

    Davon ab geht der Trend, wie man nicht nur an Ms. Marvel oder auch Spider-Woman sieht, ohnehin in Richtung Alltagsrealismus. Die Kleidung wird normaler, der Identifikationsfaktor höher. Eine Entwicklung, der ich anfangs skeptisch gegenüber stand, mit der ich mich jedoch langsam angefreundet habe. Vor allem dort, wo sie das Individuelle des Helden unterstreichen und nicht in realistische Langeweile abdriften. Spider-Woman sieht schließlich noch immer ziemlich heiß aus!

    Die Bilder Ingvard the Terribles möchte ich durch diese Aussagen nicht schmälern, wie gesagt finde ich seine Interpretation interessant und durchaus plausibel, nur für mich nicht bedingungslos annehmbar. Was sagt ihr denn dazu? Lieber die überarbeitete, oder die originale Version?
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  2. 23. August 2014 | Veröffentlicht unter Comicdiskussionen, Comics.

    The Case of Spider-Womans Ass

    Von

    Es ist wieder passiert: Eine unschuldige Superheldin wurde sexualisiert an den Coverpranger gestellt. Das zarte Pflänzchen, besser bekannt als Spider-Woman, siecht nun beschämt dahin, den Blicken geifernder Männer ausgesetzt, die ob ihres in die Höhe gereckten Hinterns nach dem Comic greifen. Um, vermutlich, im Bad zu verschwinden. Natürlich.

    Eine Diskussion entbrannte, die wohl nur die Sexismus-Debatte auszulösen vermag. Der Künstler – nennen wir ihn beschützend Milo M. oder M. Manara – wurde als Erotikkünstler entlarvt. Welch Wunder, ist er doch als Italiener prädestiniert dafür, Frauen als Objekte zu betrachten. Doch nicht nur er, auch das Coverart an sich hatte sich einer Diskussion zu stellen. Anatomisch völlig unkorrekt, in seinem Detailgrad unterirdisch und ohnehin selbst von Kindergartenkindern besser hätte gezeichnet werden sollen. Künstlerinnen wie Karine Charlebois fassten sich ein Herz und nahmen den kleinen Milo an die Hand. „So macht man das“, zwitscherte sie und zeigte ihm ihre liebevoll gezeichneten Änderungen. Yes! That’s anatomisch korrekt per Excellence!

    Nachdem sich nun etliche Weltenverbesserer zu Wort hatten melden können, schaffte es auch der Schmuddelkünstler selbst, die Aufmerksamkeit an sich zu reissen. In einem Italienisch, das einige Onlinemedien mutmaßlich richtig übersetzten, legte er ein Statement ab, das erneut für Tränen des Amusement sorgte. Doch man lässt nun Gnade walten im Falle Manara: Er kann ja auch anders! Wenn er denn wollte. Und keine Frau, sondern ein Mann im Mittelpunkt des Covers stünde. Wie hier der gute Thor.

    Ist der Fall nun beschlossene Sache? Wurde Manara endgültig der gar fürchterlichen Sexualisierung überführt? Es darf nur zu hoffen sein, dass er nie wieder seinen Finger an einen Zeichenstift legt, dieser Lümmel!

    Echt jetzt?

    Meine eigene Reaktion auf dieses „Coverdisaster“war denkbar dürftig: Ich hatte, als ich das Cover zum ersten mal gesehen hatte, einmal geblinzelt. Was man Manara auf keinen Fall absprechen kann, ist künstlerisches Verständnis. Vielleicht ist Spider-Womans Hintern tatsächlich zu stark im aufgereckten Fokus, doch man erkennt Manaras eigenen Stil – was man von vielen anderen Künstlern leider nicht unbedingt sagen kann. Anatomische Korrektheit hin oder her, für mich zählt auch die Dynamik.

    Ich persönlich sehe auch keine übermäßige Sexualisierung. Vor allem nicht in Hinblick auf den erwähnten Vergleich zum Thor-Cover. Dieses würde ich auch nicht als komplett unsexualisiert abtun. Ist es schlichtweg nicht. Männer werden anders sexualisiert als Frauen. Ja, das Cover soll erotisch und vermutlich auch provokant sein.  Ja, Manara lässt Spider-Woman aktuell aussehen, als erwarte sie hinter sich einen akuten Gangbang-Andrang und sonderlich bequem sieht ihre Pose wohl auch nicht aus. Ob sie tatsächlich unbequem ist, ist wohl eine Frage der individuellen Beweglichkeit. Schlimm finde ich das zumindest nicht.

    Allerdings hatte ich gedacht, dass der Titel eher an die weibliche Leserschaft gerichtet war. Ich glaube nicht, dass diese Zielgruppe bei dem Cover wirklich angesprochen wird. An kostenlose Werbung für diesen Comic sind sie jedoch definitiv gekommen! Wenn man einen Erotikkünstler einstellt, weiß man genau, was man will und bekommt. Insofern kann man Manara kaum einen Vorwurf machen.

    Meines Erachtens nach wird hier viel Wirbel um nichts gemacht. Was sagt ihr denn dazu? Ist Spider-Womans Hintern ein potentielles Ärgernis? Oder seht ihr das auch eher entspannt und die Sexismusdebatte in diesem Falle zu polemisch?