Archiv der Kategorie: Comics

Einmal auf einem Comiccover zu sehen sein…!

Die Träumchen eines handelsüblichen Comicliebhabers:

♠ Besitzer eines Comicbuchladens zu sein
♣ Dort bei einem gemütlichen Käffchen und in bestem Ambiente Comics genießen
♥ In regem Austausch mit Gleichgesinnten zu stehen
♦ Dominant auf dem Cover einer geliebten Comicserie zu sehen sein

Nachdem wirf nun gemeinschaftlich in jene so phantastischen wie imaginären Gefilde gedriftet sind, lasst mich euch Ariell Johnson vorstellen: Sie ist die stolze Besitzerin eines Comicbuchladens in Philadelphia mit dem schmuckvollen Namen Amalgam Comics & Coffeehouse,Inc., der gleichzeitig als Coffeehouse sein Dasein fristet. Sie steht gleichwohl in kreativem Kontakt mit Comicfans, als auch mit Schaffenden des Geektums und – sie ist in wenigen Tagen auf einem Variantcover von Invincible Iron Man #1 zu sehen.

Als sie, 32jährig, im Dezember letzten Jahres als erste Schwarze an der Ostküste ihren Comicladen eröffnete, hätte sie sich letzteres vermutlich nicht vorgestellt. Sie, die ohne die Comicreihe „Magik“ mit Storm Dank fehlender Diversität fast das Interesse an Comics verloren hätte, ist jahrelang dennoch ihrer Passion gefolgt. Ihre Liebe zu Comics und Geektum in all seinen Facetten führte sie letztendlich auf das Cover neben Riri Williams aka Ironheart aka „neue Ironman“ und versinnbildlicht damit nicht nur, dass Leidenschaft gerne auch mal zu persönlichem Erfolg führt, sondern auch, dass die Balance der Repräsentation auch in Comics Einzug hält.

Realisiert wurde das Variant Cover für ihren Shop von der Künstlerin Elizabeth Torque.

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Batmans meets Turtles meet Ra’s al Ghul = Comicempfehlung!

Genre: Action, Superhelden
Autor: James Tynion IV
Ursprungsidee:
Peter Laird, Kevin Eastman
Illustratoren:
Freddie E. Williams II
Erscheinungsform: 
140 Seiten, Hard/Softcover, enthält Issues 1-6 (abgeschlossen)
Verlag: DC Comics / IDW Publishing / Panini
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Dank eines perfiden Plans des possierlichen Krang landen nicht nur die Turtles, sondern ausgerechnet auch Shredder samt Foot Clan in einer anderen Dimension – und landen punktgenau in Gotham City. Dort mischen sie ein Labor auf und entwenden aus sicher sehr heroischen Gründen einen wichtigen Generator, der in den falschen Händen Grausames anrichten kann. Prompt werden sie vom überlebenden Laborpersonal als Monster und Kumpanen der Foot identifiziert. Logisch, dass sofort Batman gerufen wird, um der Schildkrötenplage Herr zu werden. Dass sich das erste Aufeinandertreffen der Ritter des Rechts ein ganz klein wenig schwierig gestaltet, steht da außer Frage.

 

Screen_Shot_2015-12-09_at_11.34.24_AM.0Was klingt wie ein wahr gewordener Traum der Kinder der 80er und 90er ist auch tatsächlich und erstaunlich unterhaltsam. Wir finden hier eine stark unterhaltende Mixtur der bekannten Helden vor, die sich auch und vor allem in den dunklen Momenten nicht zu verstecken braucht. Dabei harmonieren Batman mit seinen Kumpanen wie auch Schurken und die Turtles ausgesprochen gut miteinander, die beiden Welten werden gekonnt zu einer verknüpft, was nicht unpassend oder erzwungen wirkt. Unterstützt wird dieser Eindruck von den hübschen Zeichnungen, die sowohl den Charakter der finster dreinblickenden Fledermaus, als auch die Atmosphäre der Turtles-Comics einzufangen vermögen.

Während sich die ersten Kapitel mit der Spannung zwischen den Turtles und der freundlichen Fledermaus von nebenan beschäftigen, werden die Schurken erst in den darauffolgenden richtig in Szene gesetzt. Dann, wenn die Helden endlich zusammenarbeiten, entfaltet sich das zerstörerische Potential des Feindes. Zusammen mit dem Pinguin, Ra’s al Ghul und allerlei anderem Gezücht Gothams bereitet sich Shredder auf eine kleine Mutagen-Apokalypse vor, die Gotham verschlingen soll…

batman-teenage-mutant-ninja-turtles-t-rexSowohl zwischen den Zeilen, als auch im direkten Dialog zünden die Gags, die einerseits auf der Metaebene stattfinden und andererseits in den Charakteren begründet liegen, die ebenso gut getroffen sind wie die Optik derer. Wenn Donatello einen leicht philosophisch angehauchten Monolog über seine Heimatstadt hält, horcht das Fanherz auf, wenn Michelangelo sein Videospiel in Trümmern sieht, weint es ein bisschen mit und selbst Alfred und das – zugegebenermaßen sehr gewöhnungsbedürftig anmutende – Batmobil bekommen ihre Momente. Natürlich besonders spaßig wird es, wenn die Recken mit den Gegebenheiten des jeweils anderen konfrontiert werden; Batman etwa genüsslich an einer Pizza knabbert oder Michelangelo durch die Batcave surft.

Das Crossover an sich wird durch zwei Kämpfe schön verdeutlicht: Während sich Batman gegen die Foots behaupten muss und dabei einen ersten, ehrfurchtsgebietenden Blick auf Shredder werfen kann, mühen sich andernorts die Turtles mit dem Killer Croc ab. Die Kämpfe an sich sind nett anzusehen, gehen jedoch nicht zu sehr ins Detail. Letzteres erfährt im finalen Kampf leider seinen negativen Höhepunkt: Hier wird der Endkampf derart schnell und vergleichsweise lieblos abgehandelt, dass die Masse der eigentlich hochgradig vielversprechenden Bösewichte doch arg verschwendet wird.

batman-turtlesWir reden hier nicht von den aktuellen Versionen der jeweiligen Helden, aktuelle Ereignisse stehen hier also außen vor. Der Comic funktioniert als zeitloser Einzeltitel und das ist wohl auch gut so. Ich habe die 6 Issues umfassende Geschichte mit Genuss gelesen und hoffe sehr, dass es nicht das letzte gemeinsame Abenteuer dieser edlen Recken bleibt! Batman, wie wär’s mal mit einem kleinen Ausflug nach New York?

Autor: James Tynion IV | Illustrationen: Freddie E. Williams II | Verlag: DC Comics / IDW Publishing / Panini | Format: 140 Seiten, Hard/Softcover | Bestellen

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Feenkitsch-Gemetzel: I Hate Fairyland #1

Autor, Illustrationen: Skottie Young | Verlag: Image Comics | Format: Softcover, 128 Seiten | Bestellen

Die kleine Gertrude ist ein fröhliches, liebes Mädchen – zumindest bis sie in das klebrig süße Feenland plumpst und sich bei der Gelegenheit alle Knochen bricht. Derart zugerichtet und mehr tot als lebendig fällt es ihr verständlicherweise dezent schwer, dem zauberhaften Land viel Liebe entgegenzubringen. Sie will nur eines: Schnell zurück nach Hause. Leider schafft sie es auch nach 27 Jahren noch nicht, die nötigen Aufgaben zu meistern und zu dem Masterschlüssel zu gelangen. 27 Jahre, die sie optisch nicht altern, dafür jedoch mental immer misanthropischer werden lassen. Sie flucht, rotzt, metzelt sich durch das Feenland, dass es eine wahre Freude ist dabei zuzusehen. Kein süßes Kaninchen ist vor ihr sicher, keine Methode zu blutig und kein Spruch zu tief. Kein Wunder also, dass die Königin des Reiches Gertrude unbedingt und so schnell wie möglich loswerden will. Wäre da nur nicht der heilige Vertrag, der es ihr verbietet, der „Auserwählten“ eigenhändig Schaden zuzufügen. Doch wofür gibt es Söldner? Das fröhliche Schnetzeln kann beginnen!

pilze-essenGertrudes Augen triefen von dem titelgebenden Hass, der in Form blutigen Gedärms eskaliert. Dabei bildet der putzige Zeichenstil einen schönen Kontrast zu den vollbrachten Taten und dem überbordendem Gewaltgrad, der an eine Symbiose aus „Itchy und Scratchy“, „Happy Tree Friends“ und „Wonderland“ erinnert.

Die Geschichte rund um das wie ein Fremdkörper im Happy Hippo Land wirkende Mädchen ist sehr kurzweilig erzählt und bietet Raum für einige Schmunzler gerade dann, wenn zwischen Bild, Wort und Geschichte eine Diskrepanz herrscht, die ihresgleichen sucht. Auch darüber hinaus sind einige Ideen einfach irre komisch und einfallsreich. Wem das genügt, der darf hier gerne zugreifen: Es lohnt sich. Wer allerdings mehr Tiefgang wünscht, wird sich hier eher fehl am Platze fühlen. Die Geschichte ist recht seicht, bietet zwar gute Ansatzpunkte, die jedoch nicht erforscht werden. Wie wurde Gertrude so, wie sie ist? Welche unerzählten Erlebnisse hat sie hinter sich, Irrungen, Wirrungen? Gerade die ersten Wochen böten verdammt viel Potential für abstruse Erzählungen.

Für den lustig-leichten Splatter-Comicgenuss zwischendurch ist „I Hate Fairyland“ aber auf jeden Fall lesenswert. Pro-Tipp: In der Bahn lesen, während junge Mütter neben einem sitzen. Sie werden euch lieben.

Autor, Illustrationen: Skottie Young | Verlag: Image Comics | Format: Softcover, 128 Seiten | Bestellen

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Der Iron Suit bekommt neuen Inhalt

„Es ist ein neuer Held in der Stadt. Und sie wird das Marvel-Universum im Sturm erobern.“

Marvel übt sich nach Spider-Man, Hulk, Ms. Marvel und Thor nun ein weiteres Mal um Diversität im Superheldenuniversum. Rundumerneuert wird dieses Mal Iron Man, der ab Oktober von einer afroamerikanischen jungen Frau verkörpert werden darf. Nein, Tony Stark hat sich keiner multiplen Umwandlung unterzogen, sondern wird im Zuge der Reihe „Civil War II“ den Anzug an den Nagel hängen – oder in ihm dahinscheiden, denn die genauen Umstände sind noch nicht bekannt. Und selbst wenn: Hier herrscht spoilerfreie Zone. (Wusstet ihr eigentlich, dass Aryas Direwolf Nymeria in der aktuellen 6. Staffel von Game of Thrones Königin des Mushroom Kingdoms wird? HA!)

Die neue Iron Man, die noch auf der Suche nach einem passenderen Namen ist, heißt bürgerlich Riri Williams, besitzt einen bemerkenswert hohen IQ und studiert bereits jetzt, mit 15, an dem renommierten Massachusetts Institute of Technology. Selbstverständlich hat sie sich selber auf ihrem eigenen Zimmer einen Iron Man-Anzug gebastelt, schließlich darf man nicht einfach so Iron Man werden. Dafür verantwortlich zeichnet sich Brian Michael Bendis, der bereits Miles Morales als Spider-Man auf den Weg geschickt hat.

„(…) there was a part of an audience crawling through the desert looking for an oasis when it came to representation, and now that it’s here, you’ll go online and be greeted with this wave of love. (…) I think what’s most important is that the character is created in an organic setting. We never had a meeting saying, “We need to create this character.” It’s inspired by the world around me and not seeing that represented enough in popular culture.“ Brian Michael Bendis

Ein an sich löbliches Unterfangen, doch natürlich kann es keine Ankündigung ohne kritische Stimmen geben, die beispielsweise bemängeln, dass die Figuren zwar divers werden, die kreativen Köpfe dahinter jedoch nicht. Und natürlich das allgegenwärtige, geseufzte „Muss das schon wieder sein…?“

Ich persönlich bin da noch immer zwiegespalten. Einerseits finde ich es gut, wenn man die Popularität bereits gestandener Superhelden nutzt, um Diversität einzugliedern. Andererseits bin ich nicht ganz zufrieden damit, eben jene Helden einfach mit anderen Figuren zu ersetzen. Ich sollte mich vielleicht bei einer Metzgerei bewerben, denn: Frischfleisch, ich brauche Frischfleisch!

Im Herbst wird Riri Williams offiziell in den Anzug steigen, von Bendis geschrieben und von Stefano Caselli gezeichnet.

Harley Quinn/Power Girl

Genre: Superhelden
Autor:Amanda Conner, Jimmy Palmiotti, Justin Gray
Zeichner: Stephane Roux, Elliot Fernandez, Moritat
Erscheinungsform:  148 Seiten,  Softcover
Enthält: US Harley Quinn/Power Girl 1-6
VerlagPanini / DC Comics
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Überblick

Power Girl, die herzensgute Superheldin mit dem Sinn für dezente Ausschnitte hat ihr Gedächtnis verloren. Prompt heftet sich ihr Harley Quinn an die Fersen, um sich als ihr Sidekick auszugeben und gemeinsam abstruse Abenteuer zu erleben. Prompt stolpert das ungleiche Gespann auf den obszönen Planeten Valeron, der Dank dem äußerst prüden Fiesling Oreth Odeox kurz vor der Vernichtung steht. Dort erwartet sie der sexuell sehr aktive und unter einem Bann stehende Herrscher Vartox, der in Power Girl weit mehr als nur eine Gegnerin sieht…

Die Erzählung

Diese in sechs US-Issues abgeschlossene Miniserie siedelt sich zeitlich zwischen zwei Panels von Harley Quinn #13 an, ist allerdings problemlos auch ohne diesen Kontext genießbar. Schnell wird man in die – zugegebenermaßen sehr überschaubare – Handlung gesogen, was definitiv primär an Harley Quinn liegt, die mit ihrem Humor und abstrusen Ideen allein ein Blick in den Comic wert ist. Der Kontrast zwischen ihr und Power Girl lässt die Szenen sehr dynamisch wirken, das Wechselspiel zwischen den beiden funktioniert ausgezeichnet.

Allein diese Kombination bietet Stoff für ausreichend durchgeknallte Geschichten, aber warum einfach, wenn es auch noch over-the-top gehen kann? Da bietet sich der absolut unmoralische Planet Valeron an, auf dem sie stranden und der als ihnen würdiges Setting dient. Hier treffen sie auf Raumschiffe im Phallus-Design, riesige Köpfe mit absurdem Innenleben, halbnackte Herrscher mit Pornobalken und selbstverständlich dürfen diverse Bemerkungen über die körperlichen Ausbuchtungen der Heldinnen nicht fehlen. Die bieten sich ja auch an. Irgendwie.

Tiefgründigkeit kann man hier nicht erwarten und auch pornös geht es nicht sonderlich tief, denn obwohl sowohl Vartox, als auch Harley Quinn vor sexuellen Anzüglichkeiten kaum einen Halt machen, bleibt es zwischenheldisch doch sehr züchtig. Es ist pure, knallbunte Unterhaltung, die für manche sicherlich zu albern daherkommt und doch ziemlich kurzweilig ist. Die neu kennengelernten Personen aus der anderen Welt werden recht oberflächlich präsentiert und bleiben in ihren Charakteren nebulös, doch würde ein Fokus auf jene wohl auch eher störend sein. Nicht die Charaktere stehen im Mittelpunkt, sondern die Ideen der Macher, die mit diversen Klischees spielen und einige Hommagen in den Panels verteilen.

 

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Layout und Zeichnungen

Bunt. Knallig. Abgedreht. Hatte ich „bunt“ erwähnt? Kurz: Es passt. Der Wahnsinn Harleys spiegelt sich in ihrer Mimik wieder, generell schaffen es die Zeichner, den Figuren Emotionen und Ausdruck zu verleihen. Auch hierbei sind es Details, die den Unterschied machen und hier schön in Szene gesetzt werden. Die Motive und Welten sind fantasievoll, die Körper gerade so sexy in Szene gesetzt, dass es sich nicht negativ aufgedrängt anfühlt und doch den Charakteren gerecht wird. Besonders gefallen hier die Gesichter und die Aktionen, deren Humor durch die Zeichnungen gekonnt transportiert wird.

Dass mehrere Zeichner an der Miniserie beteiligt waren, merkt man jedoch und das, finde ich, negativ: Der qualitative Unterschied ist mitunter deutlich.

Letzte Worte

Es ist definitiv kein tiefgründiges Meisterwerk, sondern ein buntes, vergnügliches Feuerwerk an je nach Geschmack abstrusen bis albernen Ideen und zwei Heldinnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade deswegen unglaublich harmonieren.

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[Comic] Suiciders

Genre: Dystopie
Autor: Lee Bermejo
Zeichner: Lee Bermejo
Erscheinungsform:  164 Seiten,  Softcover
Enthält: US Suiciders 1-6
VerlagPanini / Vertigo
Amazonlink


Überblick

Los Angeles, 30 Jahre nach dem verheerenden Beben. Die Stadt der Engel ist gespalten in New Angeles, in dem die Reichen wohnen und Lost Angeles, das die Armen behausen. Eines eint sie: Die Liebe zu den „Suiciders“, den Kämpfern, die in einer Art Gladiatorenkämpfen gegeneinander antreten. Ein blutiger Sport der Massen, der immer tödlich endet. Während die Suicders New Angeles‘ nicht nur mit Rüstungen, sondern auch biologischen Verbesserungen ausgestattet werden, rutschen die Suiciders Lost Angeles‘ in Dreck und Schlamm. Zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch ein und dasselbe Geheimnis bergen. Genau das wird durch die beiden Protagonisten, ihres Zeichens Suicider in ihrem jeweiligen Stadtteil, verkörpert.

Die Erzählung

Auf recht kryptische Weise wird der Suicider „Saint“ eingeführt, der die ersten Panels ganz ohne Worte, dafür mit offenbar hoher Religiosität füllt und dabei eine Tiefe erahnen lässt, die im krassen Gegensatz zu dem bald folgenden Kampf steht. Das gespaltene Los Angeles und somit die Welt der Suicider wird gezeigt, ohne sie dabei zu erklären, was sehr angenehm ist. Man muss nicht alle Hintergründe erfahren und das ist auch nicht gewollt.

Die Erzählweise schwankt von ruhig zu blutig und actiongeladen und fokussiert sich zunächst auf drei Figuren, aus deren Sicht zumeist nur wenige Panels lang erzählt wird, sodass die Perspektive häufig pendelt und einen leicht diffusen, aber sehr interessanten Eindruck hinterlässt.

Sehr schön werden hier diverse Geheimnisse angedeutet, eine Lüge, die den Saint umgibt und die er unter allen Umständen zu vertuschen versucht – auch wenn dies ein paar Leben kosten wird. Den ganzen Sammelband lang, der die ersten sechs Heftausgaben umfasst, bleibt man weitestgehend im Unklaren darüber, woher der Saint kommt und in welcher Verbindung er mit dem dezent tumb und brachial, aber liebevoll wirkenden Straniero steht, der sich im Schmutze Lost Angeles‘ zum Suicider herankämpft.

Insgesamt ist es unheimlich interessant und spannend dargestellt, und Dank der Erzählweise und den Sprüngen zwischen den Charakteren auch bis zuletzt sehr geheimnisvoll. Zwischen der Brutalität und dem Dreck offenbaren sich zudem einige sehr zarte Lichtmomente, die den Staub jedoch nicht rosa einfärben. Schade, dass der nächste Band noch ein wenig auf sich warten lässt.

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Layout und Zeichnungen

Kantig und mit hohem Schwarzanteil wird die brutale Storyline eindrucksvoll transportiert, wobei selbst die Schattierungen nur in ausgewählten Panels weich wirken. Die Bilder sind klar, zeigen die Brutalität in einem Maße, die für die meisten noch gut annehmbar sein dürfte. Zwar fließt Blut und es platt auch mal ein Kopf, doch ist es selten so erbarmungslos graphisch wie in einem Walking Dead oder Crossed.

Gedeckte Farben herrschen vor, wobei speziell gewisse Rottöne hervorgehoben werden. Film Noir Marke „very light“. Zwischen den beiden Stadtteilen wird vor allem farblich differenziert: Lost Angeles ist vermehrt in Brauntönen gehalten, die Bilder körniger, sodass ein heißeres, staubigeres Klima als in New Angeles angedeutet wird.

Letzte Worte

Suiciders ist einer der Comics, die ich in einem Rutsch durchlesen kann und definitiv unter meinen persönlichen Top 3 meiner letzten Monate angesiedelt ist. Er ist spannend, hochinteressant, die Charaktere wirken vielschichtig und die Geschichte stark ausgereift. Es ist schön brutal, zeigt Muskelmassen, die zwar stark übertrieben sind, jedoch dennoch authentisch wirken und trotz der Action genug Tiefgang.

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Ork-Saga #1

Genre: Fantasy
Autor: Michael Peinkofer
Illustrator: Peter Snejbjerg
Erscheinungsform:  48 Seiten,  Hardcover, Bd. 1 von 4
Erscheinungsdatum: 24.03.2016
Verlag: Cross Cult
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Überblick

Balbok und Rammar, zwei possierliche Brüder aus dem Geschlecht der Orks, überleben als einzige ihres Trupps eine Schlacht gegen garstige Gnome. Ihr weiteres Leben könnte so schön sein – würde nicht der im Kampfe abgeschlagene Kopf ihres Anführers fehlen, den sie unbedingt mit nach Hause bringen müssten, um nicht Unglück und Tod über den gesamten Stamm zu bringen. Es kommt, wie es kommen muss: Herr Häuptling ist schier empört und schickt die beiden auf eine suizidale Kopf-Rettungsmission. Dies hat der so finstere wie bärtige Zauberer Rurak in seiner Kristallkugel längst vorausgesehen und zwingt dem Orkduo bei nächster Gelegenheit flugs eine weitere Mission auf, die sie ins Reich der Spitzohren führen wird.

Und so werden Balbok und Rammar, einer intalenter als der andere, zu einem unfreiwilligen Heldenpärchen, das zumindest in diesem ersten Band bereits von einem Schlamassel in den nächsten stolpert und kaum ein Fettnäpfchen auslässt.

Die Erzählung

Einst erschuf Michael Peinkofer die beiden grünen Geschöpfe für den Fantasyroman „Die Rückkehr der Orks“ samt dessen Nachfolger, nun wurden die Figuren mit Hilfe Jan Bratensteins und den beiden Illustratoren Peter Snejbjerg (Zeichnungen und Farben) und Lars Bjørstrup (Farben) visualisiert und auf die Comicseiten adaptiert. Die Zusammenarbeit darf ich als „gelungen“ klassifizieren.

In alter Fantasyepos-Manier beginnt die Geschichte in weit zurückliegender Vergangenheit, die kollossalen Umstände erklärend, die die Welt der Orks zu der machen, die sie nun ist. Wenn man kurz darauf die dezent dekadenten Elfen kennenlernt, wähnt man sich bereits in üblicher High Fantasy, die zum Glück sehr bald auf den Kopf gestellt wird. Dann nämlich treten die beiden Hauptfiguren auf die Bildfläche. Balbok und Rammar, Orks bester Güte, nehmen sofort den Fokus ein, stechen sie Dank ihrer Statur doch aus der Masse an mächtigen Kriegern hervor und mogeln sich ob ihres einfältigen Charmes schnell in die Gunst des Lesers.

Gespickt mit manchmal mehr, manchmal weniger offensichtlichem Witz und Selbstironie nimmt die Handlung sofort Fahrt auf und zeigt kaum Längen. Wie auch, wenn die beiden Orks pausenlos vom Regen in die Traufe und wieder zurück poltern? Dabei spritzen Blut und andere Körperflüssigkeiten, Fäkalhumor ist auf eine diskrete, fast schon apart anmutende Weise vorhanden, was bei den Hauptfiguren jedoch kein Wunder sein dürfte. Diese wirken durchweg sympathisch und sowohl ihr Zusammenspiel, als auch ihre individuellen Charakterzüge machen Lust auf mehr!

In erster Linie macht der band Spaß. Er ist konsequent geschrieben und birgt trotz des eher handelsüblichen Plots doch genug Spannung und Neuigkeiten, die neugierig auf die kommenden drei Bände machen, die im Abstand von jeweils einem Jahr veröffentlicht werden. Generell sind weder Story, noch Charaktere eine Offenbarung und bedienen sich diverser Stereotype. Das ist in diesem Fall jedoch kein Manko, sondern trägt ganz im gegenteil zum Gelingen des Comics bei.

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Layout und Zeichnungen

Snejbjerg präsentiert eine gelungene Mischung aus dreckigem und putzigem Stil: Die Orks selbst wirken fast niedlich, während trotz ihrer Kulleraugen Dreck und raue Federführung ihren Zweck erfüllen. Die Gewaltdarstellung ist klar und zuweilen auch recht explizit, ohne sich daran zu ergötzen.

Auch die Farbtöne harmonieren sehr gut miteinander, wobei selten mehr als zwei Farben gleichzeitig dominieren und über der gesamten Welt ein entsättigender Grauschleier zu liegen scheint.

Letzte Worte

Dieser erste Band ist sehr kurzweilig, auch wenn er trotz der ungewohnten Protagonisten nicht groß zu überraschen weiß. Nichtsdestotrotz bin ich sehr gespannt auf die Fortsetzungen und doch sehr zuversichtlich, dass diese Reihe eine gute wird.

Orks Comic

Batgirl – Die neuen Abenteuer 1

Genre: Superhelden / Teenie
Autor: Cameron Stewart, Brenden Fletcher
Illustratoren: Cameron Stewart, Babs Tarr, Irene Koh
Erscheinungsform:  148 Seiten,  Softcover
Enthält: Batgirl 35-40, Secret Origins 10 (I)
Verlag: DC Comics / Panini Comics
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Überblick

Barbara Gordon alias Batgirl ist in Gothams hippen Außenbezirk Burnside gezogen, um dort ein semi-neues Leben zu beginnen. Ein Brand, der ihre Ausrüstung vernichtet, zwingt sie zur Gestaltung eines neuen Kostüms, sie findet nicht nur neue Freunde, sondern scheinbar auch ein brandaktuelles Smartphone und schlägt sich fortan zum Glück nicht mehr mit dem Joker, dafür jedoch mit allerlei Kleinkriminalität herum. Als Batgirl, selbstverständlich, denn so ganz kann man alte Identitäten natürlich nie ablegen. Unterstützung kann sie von ihrer alten Kumpanin Black Canary leider nicht mehr erwarten, deren Freundschaft stark gelitten hat. Wird Batgirl es schaffen, die Freundschaft zu kitten? Welche gar fürchtbaren Schurken werden sich ihr in den Weg stellen? [Spoiler: Einer glitzert. Und nein, es ist kein Vampir.] Und in welch finstre Depressionen würde sie wohl stürzen, wenn ihr Handy verloren ginge?

Im Zuge des DC’schen Rebootwahns und der unzähligen Umstylings hin zu jugendlicheren, realistischeren Versionen der Superhelden wurde auch Batgirl verändert. Zuvor stand sie unter anderem unter den Fittichen der großartigen Gail Simone, die leider, leider gegangen wurde. In diesem ersten Sammelband, der die ersten sechs Issues des Soft-Reboots und eine Geschichte der Secret Origins enthält, präsentiert sich die „neue“ Batgirl als hippe Stadtgöre, die neben dem Stress mit ihrer Doktorarbeit und Freunden auch mit Möchtegernkillern zu kämpfen hat.

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Die Erzählung

Angesprochen werden soll offensichtlich primär eine Zielgruppe: (Weibliche) Teenager, die sich mit Barbara und ihren vielfältigen Problemen im realen Leben identifizieren könnten. Ganz knapp gehöre ich nicht mehr zu dieser Zielgruppe, doch kann und will ich dem Comic daraus keinen Strick ziehen.

Wir starten mit einer latent verkaterten Barbara, die nach einer durchzechten Party auf eine raubende Bande Kleinkrimineller aufmerksam wird und sogleich versucht, die Drahtzieher ausfindig zu machen. Was klingt wie eine etwas heroischere Version der TKKG weitet sich zumindest im Laufe der Zeit zu einem größeren Ganzen aus, das seine Kreise bis in Barbaras Gehirn und ihre Vergangenheit zieht. Wir erinnern uns: Im 1988 erschienenen „The Killing Joke“ von Alan Moore wurde Barbara vom Joker derart schwer verletzt, dass sie viele Comicjahre lang in den Rollstuhl gezwungen wurde und sie zum „Oracle“ machte. Dieses Trauma wurde hier mittlerweile überwunden.

Dabei sind die Schurken, auf die sie trifft, für meine Begriffe sehr harmlos, handeln weniger intelligent als krude. Ich verstehe kaum, weshalb sie eine große Gefahr darstellen, dafür jedoch umso mehr, weshalb die Polizei Gothams ein Problem mit Batgirls Handeln hat. An mancher Stelle hakt die Erzählung und ist weniger konsequent als man es sich vielleicht erhofft. Insgesamt wirkt Batgirl weichgespült, kaum würdig, als „Superheldin“ betitelt zu werden. „Supergöre“ trifft es da tatsächlich besser. Die zahlreichen Probleme Barbaras sind allerdings plausibel dargestellt; insbesondere ihr Konflikt „Fame vs. heldenhaftes Helfen“ wird sehr schön herausgearbeitet und durch die Medien heutiger Zeit wunderbar unterstrichen.

Definitiv am gelungensten ist die Dynamik innerhalb der Geschichte und den Charakteren, sowie die erzählerische Vielfalt. Die Erzählung wirkt frisch und auf das Lesepublikum zugeschnitten, lässt kaum Langeweile aufkommen und vertuscht teilweise sogar Plotlöcher, über die man beim ersten Lesen fröhlich hinweg liest. Die letzten beiden Parts des Sammelbandes schließlich entschädigen nochmal über die sehr seichten ersten Abschnitte.

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Layout und Zeichnungen

In zwei Worten: Abwechslungsreich und erfrischend.

Die Farben knallen, die Zeichnungen passen sich dezent der jeweils aktuellen Stimmung an und gerade die Gestaltung der Panels sticht positiv hervor. Sei es die Art, wie Smartphones und mathematische Formeln eingegliedert werden, Barbaras Fähigkeit visualisiert wird, die Dynamik zwischen den Panels oder die Farbgebung: Es wirkt sehr gut durchdacht und ist spaßig anzusehen.

Letzte Worte

Mein persönlicher Fall ist das Soft Reboot nicht, da es mir wirklich zu jugendlich und trivial  in Bezug auf die Story ist. Ich denke jedoch, dass gerade – aber nicht ausschließlich – etwas jüngere Zeitgenossen ihren Spaß damit haben können. Optisch ist es hervorragend, inhaltlich hakt es.

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[Comic] Birthright

Genre: Fantasy
Autor: Joshua Williamson
Illustratoren:
Andrei Bressan, Adriano Lucas
Erscheinungsform: 
128 Seiten,  Soft/Hardcover
Enthält: Birthright #1-5, laufende Serie
Leseprobe
Verlag: Image Comics / Cross Cult |  „Birthright“ bestellen


Das Verschwinden des Jungen Mikey zerrüttet die Familie Rhodes: Der Vater, Aaron, wird bald nicht nur des Mordes an seinem Sohn verdächtigt, sondern stürzt auch in tiefe Depressionen, die Mutter, Wendy reicht verbittert und mit neuem Mann an ihrer Seite die Scheidung ein und der Bruder, Brennan, verwickelt sich verzweifelt in Prügeleien. Gänzlich gerät das Leben der zersplitterten Familie aus den Fugen, als sie ein Jahr nach Mikeys Verschwinden in das Polizeipräsidium geführt werden. Dort wird ein Mann festgehalten, der nicht von dieser Welt zu sein scheint.

Von beeindruckender Gestalt, gekleidet in barbarisch anmutender Kleidung, bestückt nicht nur mit einem prachtvollen, schwarzen Bart, sondern auch mit einem schier unendlichen Waffenarsenal. Dieser Mann ist ein Krieger, der laut eigener Aussage das Land Terrenos von einem grausamen Tyrannen befreit hat und nun vorhat, auch die Erde vor der Gewalt finsterer Mächte zu retten. Und er behauptet, eben jener verschollen geglaubter Mikey zu sein. Kann das sein? Und sind seine Absichten wirklich so nobel, wie er vorgibt?

Birthright Szene

In einer Besprechung dieses Stoffes ist nahezu jedes Wort, das über den Inhalt verloren wird, zu viel, denn tatsächlich ereignet sich die ein oder andere unvorhergesehene Wendung. Wo man zu Beginn der in zwei Haupterzählstränge geteilten Geschichte noch einen klassischen Heldenepos vermutet, wird diese Idee bald hinterrücks mit der Barbarenstreitaxt enthauptet.

Zum einen verfolgen wir die Begebenheiten in der realen Welt, in der der plötzlich aufgetauchte Recke gehörigen Unfrieden stiftet, was insbesondere der ansässigen Polizei sauer aufstößt. Von der Familientragödie der Rhodes bis zur mit der Realität verwobenen Fantasy ist es hier nur ein kleiner Schritt, doch einer, der sich lohnt, da es beiden Thematiken eine gehörige Portion Würze verleiht.

Auf der anderen Seiten erfahren wir durch die Erzählungen des Weltenreisenden von den Ereignissen seit seines – Mikeys – Verschwinden. Wir erfahren, wie er sich noch während des Spiels mit seinem Vater im Wald verirrt, dort zunächst auf ein scharlachrotes Monster, und dann glücklicherweise auf beschwingt daher kommende, zukünftige Gefährten trifft und von diesen, sowie deren Lehrmeister oder Oberhaupt, auf seine wahre Bestimmung vorbereitet wird. Der Legende nach ist Mikey der Held, der, der die Welt von allem herrschenden Übel befreien wird. Klassischer kann Fantasy kaum daher kommen und so trifft man neben allerlei Fabelwesen auch Orks an. Dass es auf Terrenos allerdings dezent blutiger zugeht als in den meisten anderen Fantasywelten, sich die Kreaturen grausamer und angsteinflößender zeigen und die kämpferischen Methoden nicht ausgeblendet werden zeigt sich hierbei schnell.

Sowohl in der unseren, als auch der fremden Welt sind die Charaktere interessant dargestellt, neben denen Mikey selbst jedoch als Person recht blass erscheint. Die Dynamik zwischen den Figuren gefällt mir sehr und Mikeys in der anderen Welt neu gewonnenen Gefährten sind bislang vielversprechend – und mit dem letzten Panel dieses Bandes bestätigt sich dieser erste Eindruck vorerst.

Stiefmütterlich behandel ich das Pacing und die Bilder. Beides ist handwerklich gut, durch das gelungene Pacing bleibt die Spannung größtenteils erhalten und die Zeichnungen unterstreichen in ihrer rauen Art den Grundtenor der Geschichte.

„Birthright“ käut wenige Klischees klassischer Fantasy wieder, zeigt sich bei seiner Interpretation äußerst ambitioniert und verleiht dem Heldenepos einen blutigen, düsteren Anstrich.

Birthright Fazit


Herzlichen Dank an Tim, der mir heldenhaft sein Exemplar überlassen hat, als ich auf Twitter nach interessantem Comicstoff gekräht habe!

[Comic] The Cape

Genre: Horror, Superhelden, Dark Fantasy
Autor: Jason Ciaramella nach einer KG von Joe Hill
Illustratoren:
Zach Howard
Erscheinungsform: 
132 Seiten,  Softcover
Enthält: The Cape #1-4, abgeschlossen
Leseprobe
Verlag: IDW/ Panini Comics |  Über den Partnerlink bestellen


Ein Cape, zusammengesetzt aus einer alten Schmusedecke und dem Marineabzeichen des im Krieg verstorbenen Vaters, ist nicht nur Teil der Superheldenverkleidung des Jungen Eric, sondern viel mehr. Dass es nämlich nicht nur superflauschig ist, sondern dem Träger auch die Fähigkeit zu fliegen verleiht, lernt Eric im denkbar günstigsten Moment: Während des Spielens mit seinem Bruder beim freien Fall von einem Baum. Er fliegt. Zumindest einen Moment lang, dann reisst das Cape und Eric findet seine Bestimmung auf dem Boden der Tatsachen wieder.

Während Eric im Krankenhaus ruht, sperrt seine Mutter das garstige Cape weg, da es den beiden Söhnen nur Flausen in den Kopf setzt. Fliegen! Man sieht ja, was der ganze Superheldenquatsch alles so anrichtet! Eskapismus wohin man blickt!

The Cape

Lange Zeit bleibt das Cape verschwunden – bis es Eric – mittlerweile ein erfolgloser Erwachsener mit just beendeter Beziehung – per Zufall im Keller seiner Mutter wiederfindet. „Ei der Daus“, denkt er sich nun, „Mein Leben ist gar trostlos, niemand nimmt mich ernst und respektiert mich, doch, oha, dieses jenes Cape wird mir den Respekt verschaffen, den ich schon immer verdient hatte! Und noch mehr…“ Dass daraus keine fidele Supermangeschichte entspringt, dürfte nun nicht mehr nur anhand des Autoren ersichtlich sein…

Der Comic findet seine Vorlage in der gleichnamigen Kurzgeschichte von Joe Hill, welche in seiner Kurzgeschichtensammlung „20th Century Ghosts“ (in der deutschen Übersetzung:“Black Box„) zu lesen ist. Zwar ähneln sich Kurzgeschichte und Comic zu Beginn sehr, nutzen teilweise die selben Formulierungen, doch geht der Comic noch einige Schritte weiter und nimmt die Vorlage nur als Sprungbrett, auf dem Charaktere und Geschichte fußen. Die Kurzgeschichte endet dort, wo der Comic erst anfängt: Bei dem ersten Todesfall.

Nein, dieser Comic erzählt keine bunte Knautschgeschichte, sondern präsentiert das Bild eines mitnichten nur körperlich gezeichneten Mannes, der in seinen psychischen Problemen nicht nur selber ertrinkt, sondern andere mit sich ins Verderben zieht. Jeglicher Pathos und Heroismus, den man gemeinhin mit einem derart wundersamen Cape verbindet, fehlt hier völlig und wird durch die hämisch grinsende Fratze eines Psychopathen überschattet. Es ist gerade zu Beginn verstörend, wobei es im Laufe der Seiten leicht wahnwitzige Züge annimmt, die mir leicht über die Maße erscheinen – was indes vielleicht auch nicht ganz unpassend für Eric ist. Dennoch gibt es ein, zwei Momente, die mir „zu viel“ sind und die durch ihre bloße Existenz die feinen Grausamkeiten menschlicher Psyche verdrängen und das ganze trivialer erscheinen lassen, als es eigentlich ist.

Der Protagonist ist ein Arschloch. Leider eines, das man nicht mal mehr aufgrund seines vielleicht doch alles erklärenden Hintergrundes sympathisch finden kann, derart tief steckt er in seiner eigenen, klebrigen Pest. Das Portrait Erics ist gelungen, wenngleich es nicht allzu sehr in die Tiefe geht. Beschrieben wird nicht primär seine Psyche, sondern die Taten. Unangenehm fällt der Blick des Lesers direkt auf den gebrochenen Kiefer der Frau, auf das fransig gewordene Cape, das einst so viel Spaß brachte und nun ein Verkünder des Unheils ist.

Insgesamt hätte „The Cape“ eine Kürzung gut getan, vielleicht wäre es passender gewesen, die ursprüngliche Kurzgeschichte statt um einige viele, nur um zwei oder drei zusätzliche Szenen zu ergänzen. Das Original ist, was den Schrecken angeht, auf den Punkt, der keiner Ausdehnung bedarf. Dafür jedoch sind die Erläuterung zu Erics Charakter gelungen und recht interessant, gerade unter Zunahme der Beleuchtung anderer Personen, die in der Kurzgeschichte nur am Rande oder gar nicht auftauchen.

Es ist ein gut zu lesender, in sich abgeschlossener Comic, den man lesen kann, aber nicht muss.Er beschreitet keine gänzlich neuen Pfade, ist auf seine Weise jedoch unterhaltsam. definitiv zu empfehlen, wer gerne über düstere Gestalten und tiefe Abgründe des Menschen liest.

Cape

 

Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles #1

Genre: Action, Superhelden
Autor: James Tynion IV
Ursprungsidee:
Peter Laird, Kevin Eastman
Illustratoren:
Freddie E. Williams II
Erscheinungsform: 
32 Seiten,  Heftchen, mtl., 6-teilige Miniserie
nächste Ausgabe: 13.01.2016
Verlag: DC Comics / IDW Publishing Sammelband bei Amazon vorbestellen


Das erste offizielle Zusammentreffen von Turtles und Batman gestaltet sich etwas schwierig: Mit der Annahme, der jeweils andere sei ein gar fürchtbarer Feind. Dank eines perfiden Plans des possierlichen Krang landen nicht nur die Turtles, sondern ausgerechnet auch Shredder samt Foot Clan in einer anderen Dimension und einer anderen Stadt, namentlich Gotham City. Dort mischen sie ein Labor auf und entwenden aus sicher sehr heroischen Gründen einen wichtigen Generator, der in den falschen Händen Grausames anrichten kann. Prompt werden sie vom überlebenden Laborpersonal als Monster und Kumpanen der Foots identifiziert. Und wen kann man in solch einem Fall besser gebrauchen als den dunklen Rächer?

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Was klingt wie ein wahr gewordener Traum der Kinder der 80er und 90er, ist auch tatsächlich und erstaunlich unterhaltsam. Wir finden hier zwar kein spritziges Sammelsurium an Kuriositäten wieder, dafür jedoch den kurzweiligen Auftakt einer doch recht düster gezeichneten Geschichte, in der sich Batman und die Turtles im ersten Augenblick alles andere als grün sind. Wer kann es Batman auch verdenken, wirken doch zumindest die Turtles nicht gerade wie die freundlichen Schildkröten aus der Nachbarschaft. Unnötige Zeit wird nicht auf die Vorstellung der einzelnen Charaktere verschwendet, die Kenntnis wird als gegeben vorausgesetzt.

Dabei harmonieren Batman mit seinem Gotham und die Turtles ausgesprochen gut miteinander, die beiden Welten werden gekonnt zu einer verknüpft, was nicht unpassend oder erzwungen wirkt. Unterstützt wird dieser Eindruck natürlich von den Zeichnungen, die sowohl den Charakter der finster dreinblickenden Fledermaus, als auch die Atmosphäre der Turtles-Comics einzufangen vermögen. Hier mangelt es zwar manchmal an räumlicher Tiefe, die Figuren wirken teilweise überdimensioniert, doch insgesamt ist es ein sehr runder Eindruck, der von der Coloration unterstützt wird.

Screen_Shot_2015-12-09_at_11.34.24_AM.0Sowohl zwischen den Zeilen, als auch im direkten Dialog zünden die Gags, die einerseits auf der Metaebene stattfinden und andererseits in den Charakteren begründet liegen, die ebenso gut getroffen sind wie die Optik derer. Wenn Donatello einen leicht philosophisch angehauchten Monolog über seine Heimatstadt hält, horcht das Fanherz auf, wenn Michelangelo sein Videospiel in Trümmern sieht, weint es ein bisschen mit und selbst Alfred und das – zugegebenermaßen sehr gewöhnungsbedürftig anmutende – Batmobil bekommen ihre Momente.

Das Crossover an sich wird durch zwei Kämpfe schön verdeutlicht: Während sich Batman gegen die Foots behaupten muss und dabei einen ersten, ehrfurchtsgebietenden Blick auf Shredder werfen kann, mühen sich andernorts die Turtles mit dem Killer Croc ab. Die Kämpfe an sich sind nett anzusehen, gehen jedoch nicht zu sehr ins Detail.

Wir reden hier nicht von den aktuellen Versionen der jeweiligen Helden, aktuelle Ereignisse stehen hier also außen vor. Der Comic funktioniert als zeitloser Einzeltitel und das ist wohl auch gut so. Die erste Ausgabe bildet den Auftakt zu einer sechsteiligen Serie, die monatlich erscheinen wird und zeigt einen guten Start, der eine gute Reihe verspricht. Ich bin definitiv gespannt darauf, wie die Turtles und Batman tatsächlich miteinander agieren werden.

 

TurtlesBatman

Crossed +100 Volume 1

Genre: Horror
Autor: Alan Moore
Ursprungsidee:
Garth Ennis
Illustratoren:
Gabriel Andrade
Erscheinungsform: 
160 Seiten,  Softcover
Enthält: Crossed +100 #1-6
VerlagAvatar Press | Für 20,24 bestellen


Inhalt

Hundert Jahre nach dem Outbreak, hundert Jahre, nachdem der erste zombieeske „Crossed“ das unschuldige Licht der Welt erblickte, hat die Welt ein anderes Gesicht bekommen. Durch die Ruinen einstiger Hochburgen menschlichen Schaffens streifen Antilopen und aus dem Zoo entlaufene Elefanten, ranken sich längst die Wurzeln allerlei Pflanzen, deren Natur sich ihr Reich immer mehr zurückerobert. Die verbliebene Menschheit hat sich Festungen erbaut, wo sie mittlerweile recht friedlich haust. Die größte Bedrohung? Hungrige Wölfe. Die Crossed dagegen sind zur Gruselgeschichte verkommen, von denen die wenigsten Menschen je einen zu Gesicht bekommen haben: Durch Inzest degeneriert und durch Kannibalismus dezimiert, haben sich die Crossed scheinbar größtenteils selber ausgerottet.

Hier folgen wir der Archivarin Future Taylor, die sich auf den Spuren der Vergangenheit durch Videoschnipsel, Berichte und Tagebucheinträge wühlt und bald einer neuartigen Religion auf die Schliche kommt, deren Pläne alles bisherige Grauen in den Schatten stellt.


 

Kritik

Der wunderbare Alan Moore (Watchmen, The Killing Joke) hat eine postapokalyptische Welt erschaffen, die wirklich fundiert erscheint und durch die „archäologischen“ Elemente mehr Tiefe erlangt. Hier möchte ich konkret empfehlen, sich die englische Originalfassung anzueignen, da im Deutschen viele Wortschöpfungen verloren gehen und unnötig verkompliziert werden. Denn Sprache entwickelt sich, auch und besonders schnell, wenn die Zivilisation, wie wir sie kennen, zu Ende geht und neu strukturiert wird. Die Grammatik scheint nun nebensächlich zu sein, das Vokabular wurde umgewälzt, sodass man sich als Leser erst einlesen muss. Das ist nicht immer einfach oder spaßig, fördert jedoch die Authentizität der Geschichte und macht sie interessanter, zumal all diese Änderung nachvollziehbar und sinnig sind.

Die Erzählweise beginnt ruhig, plätschert sachte dahin und stellt einige Charaktere vor, deren Namen man sich in weiser Crossed-Tradition ohnehin nicht wirklich merkt – aber es vielleicht sollte? Man erhält einen Einblick in die veränderten sozialen Gefüge und die Gewichtungen, die einzelne Aspekte haben: So ist Scham den eigenen Körper betreffend nicht mehr wirklich anzutreffen, die Beziehungen sind oftmals eher sexueller, denn romantischer Natur, Science Fiction wurde zur Wishful Fiction und auch vor den Religionen haben die Veränderungen nicht Halt gemacht. Eine neue Zeitrechnung ist angebrochen und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Nachdem die Crossed im Jahre 0 die Herrschaft an sich gerissen hatten , ging es bei ihnen jedoch, anders als bei den Menschen, scheinbar nicht weiter. Sie waren dort im Jetzt stark, doch evolutionstechnisch nur äußerst schwach: Wie vermehrt sich eine „Kultur“, die ihre eigenen Neugeborenen verspeist? Die derart selbstzerstörerisch ist, dass sie sich vor Lust die eigenen Arme abhackt? Der erste kalte Winter raffte viele dahin und durch mangelnde Intelligenz wird weder Getreide angepflanzt, noch Kleidung genäht. Nein, als Crossed hat man es wahrlich nicht leicht gehabt.

Doch wäre es kein Comic dieser Welt, würde man durch eben jene Infizierte nicht doch bedroht werden. Hätten sich keine Hillbilly- Crossed kleine Zufluchtsorte gesucht und, tja, gäbe es nicht besondere Infizierte, die anders sind als der minimalintellektuelle Crossed. Die einen Kult begründen und einen Plan hecken, einen Plan, der genau diese Zeit des trügerischen Frieden beinhaltet.

Es bleibt verstörend, in eindringlichen Bildern, die klar, statt künstlerisch sind und eben so viel Raum für Fantasie frei lassen, dass es unangenehm bleibt. Die Diskrepanz zwischen dem Grauen auf der einen und dem kalte Kalkül auf der anderen Seite arbeiten den Beginn des Outbreaks nochmal auf besondere Weise auf.

Ich persönlich finde, dass man sich nicht von den blutigen Bildern und der Gewalt täuschen lassen sollte, denn es ist nichtsdestotrotz eine intelligent erzählte Geschichte, die endlich wieder an die Qualität des Ursprungscomics von Garth Ennis anknüpfen kann. Ich will und kann nicht sagen, dass es ein Genuss ist, ihn zu lesen und doch lohnt es sich meiner Meinung nach sehr. Gerade durch die Erforschung der fiktiven Vergangenheit (oder Zukunft) durch Future Taylor wird nochmal ein Aspekt und eine Ebene hinein gebracht, den ich persönlich äußerst spannend finde.

Fazit

Definitiv ein Muss für unsere Comicsammlung.

Orphan Black #1

Genre: Science-Fiction
Autoren: Graeme Manson, Jody Houser, John Fawcett
Illustratoren:
Szymon Kudranski, Cat Staggs
Erscheinungsform: 
120 Seiten,  Hardcover
Enthält: Orphan Black 1-5
VerlagSplitter |  Leseprobe | Für 19,80 bestellen


Inhalt

Sarah Manning führt ein mehr oder weniger beschauliches Leben als Kleinkriminelle – bis sich vor ihren Augen jemand vor einen einfahrenden Zug wirft. Dieser Jemand ist nicht irgendwer, sondern die Polizistin Beth Childs. Und die sieht exakt so aus wie Sarah. Doch es ist nicht nur ein vermeintlicher Zwilling, sondern derer viele. Es sind Klone. Und im Gegensatz zu den Zylonen haben die Klonverantwortlichen definitiv einen Plan. Nur dass dieser Sarah nicht unbedingt gefallen wird.

Die kanadische Fernsehserie „Orphan Black“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsserien, was nicht nur dem gewollt undurchsichtigen, intelligenten Plot geschuldet ist, sondern auch der wunderbaren Hauptdarstellerin Tatiana Maslany. Diese verkörpert jeden der Klone auf derart glaubhafte Weise, dass man kaum glauben kann, dass es sich wirklich um ein und dieselbe Schauspielerin handelt.

Dies hier ist die Besprechung zur Comicadaption der Serie.


Kritik

Während die Serie bereits wenig erklärt und den Zuschauer selber denken und zusammenführen lässt, so wird dies bei den Comics noch auf die Spitze getrieben. Splitter der Story werden aneinander gereiht in einer Form, die es selber für mich als Kennerin der Serie schwierig macht, dem Faden zu folgen. Was genau vor sich geht, wer eigentlich wer ist und ob oder wie sie alle miteinander verknüpft sind, wird man durch die Comics nur schwerlich erfassen können. Zu fragmentiert zeigt sich die Erzählweise, zu skizzenhaft die Darstellungen. Die Struktur scheint sich primär an den zu richten, der die Serie kennt und sich durch den Comic weitere, tiefer gehende Informationen erhofft.

Diese bekommt man häppchenweise: Hintergründe zu den einzelnen Charakteren werden ebenso geliefert wie die Gedankengänge der diversen Klone. Hier werden die Gedanken geschickt durch verschiedene Farben und Schrifttypen den verschiedenen Charakteren zugeordnet, sodass eine Unterscheidung leichter fällt, wenn man auf diese Details achtet. Wichtig ist hierbei auch der Zeichenstil: Meines Erachtens nach ist dieser allerdings nicht fein genug. Zuweilen wirken die Klone nicht so identisch, wie man es erwarten würde, mir war beispielsweise bei einer Person nicht bewusst, dass es sich um einen weiteren Klon handelt. Zudem schwankt die Qualität der Gesichterzeichnung mitunter von Panel zu Panel; man merkt, wenn gerade ein Referenzphoto zu Rate gezogen wurde. Nichtsdestotrotz sind die Zeichnungen nicht schlecht und ich mag den skizzenhaften Charakter sehr – nur nicht unbedingt in diesem speziellen Fall.

Dieser Sammelband umfasst die ersten fünf Issues der Originalfassung, wobei jede der Ausgaben einen der Klone in den Fokus stellt und den Leser in dessen Gedankengänge eintauchen lässt. Wir folgen Sarah, Helena, Alison, Cosima und Rachel, den Klonen also, die auch in der Fernsehserie die Hauptcharaktere darstellen und die jede für sich sehr interessante Charaktere sind. Insbesondere der dezent abgedrehten Helena macht es unheimlich Spaß, zu folgen.

Insgesamt ist der Comic ein netter Mix aus Altbekanntem – so werden auch Zitate und „Stills“ aus der Show selbst verwendet – und Neuem, wobei das Altbekannte überwiegt. Unweigerlich frage ich mich: Wer hat diese Zielgruppe definiert? Der Serienkenner wird zu wenig Neues erfahren und der Newbie sich zu häufig verwirrt den Kopf kratzen. Was es allerdings zweifellos ist: Eine schöne Ergänzung für Fans mit sehr netten Zeichnungen, die den dreckig-konfusen Charme der Serie gekonnt einzufangen vermögen. Und Neulinge werden sicher neugierig gemacht, was es mit den Figuren genau auf sich hat.

Fazit

Der Comic ist kein direkter Serienklon, kriegt jedoch nur knapp die Kurve, wenn es um echte Neuigkeiten geht, nach denen sich Fans die Finger lecken würden.

 

 

„Wer rockt härter: Batman oder Superman?“ Endlich geklärt!

Dieser Kampf ist älter als jener zwischen David gegen Goliath, härter als der zwischen Cylonen und Menschen und tragischer als das Verhältnis zwischen Dr. Cox und J.D.: Batman vs. Superman.

Während es mir persönlich schon seit Jahrhunderten klar ist (It’s Batman.) bekämpfen sich die Anhänger der wandelnden Fledermaus mit jenen der omnipotenten Schmalzlocke mit leidenschaftlicher Inbrunst.

Auch Kerry Callen hat sich mit dieser weltbewegenden Thematik beschäftigt und eine Lösung entwickelt, die eines Einsteins würdig wäre: Er hat die Cover der beiden Helden genommen und den jeweils anderen durch den Battlepartner ersetzt. Wo einst Superman seine Frisur korrigierte, darf nun Batman grummeln und umgekehrt.

For decades, fans have argued who is the better superhero, Superman or Batman. It recently occurred to me that the best way to determine this is to see how they’d fare if one replaced the other on their comic covers. Will one fare better than the other? This should decide once and for all who’s superior! I selected six covers and then created six alternative images.

Ein idiotensicheres System! Nur: Wer wird tatsächlich gewinnen? Das forscht ihr am besten in Callens Blogartikel nach. Meine Lieblingsbilder habe ich hier angefügt.

Guckt euch nur mal Banes Gesichtsausdruck an! Herzallerliebst! ♥

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[Hörbuch] Locke&Key

Vor vielen, vielen Jahren, als der Blog noch jung und mein Schreibstil noch jungfräulich war, ja damals schrieb ich über einen Comic, der es mir unheimlich angetan hatte: Locke&Key von Joe Hill. Eine dezent horroreske, mystisch anmutende Geschichte um ein Haus, das geheimnisvolle Türen beherbergt, die nur durch spezielle Schlüssel geöffnet werden können. Tut man einen Schritt hindurch, verwandelt man sich: Wird größer, unterzieht sich einer Geschlechtsumwandlung oder- Nein, das solltet ihr selber lesen oder… hören. Denn die mittlerweile in sieben Bänden abgeschlossene Comicreihe wurde als Hörspiel realisiert.

Bei Audible könnt ihr das komplette, 13-stündige Hörbuch ab heute und bis zum 4. November gratis herunterladen. Für Erstkunden wird noch unfassbar freundlicherweise ein Abo mit in den Einkaufwagen gepackt, doch kann man dieses auch wieder herauslöschen. Es ist derzeit nur in englischer Sprache erhältlich, wobei über 50 Sprecher verpflichtet wurden. Unter anderem Haley Joel Osment (Entourage, The Sixth Sense), die großartige Tatiana Maslany (Orphan Black) und Kate Mulgrew (Orange Is the New Black, Star Trek: Voyager).

Die ersten zwei Stunden, die ich mir bislang zu Gemüte geführt habe, fangen die Atmosphäre der Comics gut ein und lassen Gutes hoffen. Die Sprecher machen ihre Sache bislang gut und authentisch. Vielleicht wird es das Hörspiel auch schaffen, zum Ende hin den Spannungsbogen zu halten, statt abzuflachen, wie es mir mit den Comics ergangen ist. Zu sehr drifteten diese ins Jugenddrama ab und ließen den leisen Horror auf der Strecke. Doch gerade die ersten Bände kann ich nach wie vor sehr empfehlen – und das Hörbuch bislang auch.

Den Link gibt’s hier

Zwischenzeitlich war auch von einer Serie und einem Film die Rede, doch wurden beide Projekte bereits abgebrochen und für tot erklärt. Die Rechte der Comics liegen derzeit wieder friedlich schlummernd bei IDW Comics.

[Graphic Novel] Wie zerknülltes Papier


Genre: Drama
Autoren:
 Nadar
Illustrator:
 Nadar
Erscheinungsform: 
400 Seiten, Klappenbroschur
Farben: Schwarz-Weiß
Verlag: avant-verlag
Leseprobe | Für 24,95 bestellen


Inhalt

Zwei Protagonisten stehen im Zentrum dieser Graphic Novel: Der sechzehnjährige Javi, der die Schule geschmissen hat und lieber kleinkriminelle Aufträge erledigt und der alternde Jorge, der ein Zimmer einer Pension bezieht und in einer Holzfabrik zu arbeiten beginnt. Der eine kämpft mit den unheilvollen Folgen eines missglückten Auftrags, der andere mit seiner nebulösen Vergangenheit.

Der spanische Künstler Pep Domingo alias Nadar zeichnet nicht nur ein eindringliches Bild dieser beiden Charaktere, sondern schafft es auch, deren Schicksale miteinander und mit denen kleinerer Figuren zu verweben. Es ist eine Geschichte über Schuld, Verdrängung und der verzweifelten Suche nach der eigenen Identität und dem kleinen Glück.

Die Konstellation der Figuren ergibt eine Spannung, die man zunächst nur am Rande wahrnimmt und sich immer weiter von Seite zu Seite verdichtet, diese Graphic Novel zu etwas macht, das ich kaum aus der Hand legen konnte – trotz des fehlenden Genrebezuges.

Was macht diese Graphic Novel lesenwert?

Die Bilder

Machen wir uns nichts vor. Es ist ein Comic. Die haben meistens mehr oder weniger schöne Bilder, doch darauf will ich gar nicht hinaus. Der Zeichenstil an sich ist eigen, aber sicher nicht phänomenal. Das, was die Bilder so eindringlich machen, ist die Erzählweise, die fast cineastisch wirkt. Totale und Detailansichten werden stets zum richtigen Zeitpunkt benutzt und vermögen es, die Stimmung und das Lesetempo des Lesers zu leiten, ganz ohne zwingend Worte zu benötigen. In wenigen Panels werden die Szenerien plastisch skizziert, wobei besonders die Kleinigkeit diese lebendig machen: etwa der Fokus auf Spinnen in den Ecken oder der Blick auf ein Holzpferdchen.

Die Story

Anfangs wirkt alles noch zusammenhangslos und die Verknüpfungen zeigen sich erst nach und nach im Laufe der Zeit. Man merkt schnell, dass Jorge ein Geheimnis mit sich herum schleppt, dass er irgendetwas getan hat oder noch immer tut, das nicht im Sinne der Gesellschaft ist. Die ganze Geschichte arbeitet in drei verschiedenen Zeitebenen auf die Lösung hin und das auf eine sehr spannende Art und Weise. Die Frage nach dem Was steht die ganze Zeit über im Raum und lässt, gefüttert durch kleine Details, Raum für Spekulationen.

Zu den anderen Plotsträngen scheint es zunächst keine direkte Verbindung zu geben und doch gehen sie fließend ineinander über, sind durch keine Kapitel oder auch nur Seiten getrennt, auf manches Panel aus Jorges Sicht folgt ohne Umschweife eines aus der Perspektive Javis oder einer der beiden anderen Nebenrollen, in deren Leben man kleine Einblicke erhält und die die beiden Hauptpersonen dadurch näher beleuchten.

Der ganze Plot ist spannend und gut aufbereitet, wartet mit Überraschungen auf, die auf tieferer Ebene funktionieren als die üblichen Schock- oder Überraschungsmomente.

Die Charaktere

Man lernt eine kleine Handvoll relevanter Personen kennen, die selten einem Klischee folgen. Dafür ist eine gewisse Diversität  in der Charaktergestaltung dezent und dadurch angenehm eingewoben. Mir gefällt die Charaktertiefe, die Figuren wirken lebensnah und sind größtenteils sympathisch – selbst Jorge, der sich sehr wortkarg und melancholisch gibt und dessen Schuld man am Ende vergeben kann – oder auch nicht.

Das Ende

Diese Schuldfrage beantwortet der Comic am Ende nicht. Ist Jorge ein schlechter Mensch? ie Bilder fordern dazu auf, sich die Antwort selber zu überlegen, sich zu fragen, wie man an seiner Stelle vielleicht reagieren würde. Das letzte Panel alleine lässt Platz für Interpretation, was ich sehr spannend finde.

Insgesamt ist das eine Graphic Novel, über die man sprechen kann. Man legt sie nach dem Lesen nicht schulterzuckend weg, sondern reflektiert, sie bietet interessanten Gesprächsstoff. 

Harley Quinn: Mad Love

Genre: Superschurken
Autoren:
Paul Dini, Bruce Timm, Kelley Puckett
Illustrator:
Bruce Timm, Mike Parobeck
Erscheinungsform: 
180 Seiten,  Softcover
Enthält: Batman Adv.: Mad Love 1, Batman: Harley and Ivy 1-3, Batman Adv.: 12
Verlag: Panini
Leseprobe | Für 16,99 bestellen


Inhalt

Die für die Animationsserie „Batman: The Animated Series“ Anfang der 90er erschaffene Antagonistin Harley Quinn erhielt ihren Comicauftritt in „Batman Adventure: 12“. Diese Geschichte ist in diesem Sammelband ebenso enthalten wie „Mad Love 1“, das die etwas krude Entstehung der Figur „Harley Quinn“ herausarbeitet und die Miniserie „Harley and Ivy“, in der, wer hätte es bloß gedacht, Harley gemeinsame Sache mit Poison Ivy macht.

Während die beiden anderen Geschichten eher schmückendes Beiwerk sind, ist es vor allem Mad Love, dem ein besonderer Blick gebührt: Hier wird die junge Psychologin Dr. Harleen Frances Quinzel nicht nur zur allseits bekannten Harley Quinn, sondern man erhält auch einen deutlicheren Blick auf sie als Person.

Kritik

Ich hatte es bereits angedeutet: Sowohl „Harley und Ivy“, als auch „Batman Adventure:12“ sind für mich weder Meilensteine, noch sonstwie bedeutend. Harley verkommt hier zum kleinen Mädchen, das eher stört, als der Gangstergemeinde wirklich nützlich zu sein. Natürlich: Dies gehört zu ihr, doch vermisse ich dort jeglichen Tiefgang oder weitere Eindrücke von ihr, die über diese eine Eigenschaft hinweg gehen. Immerhin: In der Miniserie mit Poison Ivy ist ein wenig mehr Humor enthalten und insbesondere ihrer beider Ausflug gen Hollywood ist zumindest einen kleinen Blick wert. Aber sonderlich spannend: Nein, nicht wirklich.

Dass Harley eher ein Hascherl ist, wird auch in Mad Love deutlich. Frau Dr. Quinzel wird im Arkham Asylum eingestellt, wo die besonders gefährlichen und abstrusen Verbrecher ihr Dasein fristen. Sie nimmt sich dem Joker an – und verfällt wenig später seinem ganz besonderen Charme und seiner Raffinesse. Schnell stellt sie sich ganz auf ihn ein, ihr Herz gebührt nur ihm. An sich genommen ist ihr Verhalten an sich bereits ein interessantes, psychologisches Phänomen. Zuletzt benutzt der Joker sie als eine Art Ausbruchsinstrument und verpflichtet sie hernach als persönliche Assistentin.

„Hascherl“ ist vielleicht zu böse ausgedrückt, schließlich hat Harley noch immer einen mehr oder minder eigenen Willen. Dennoch ist mir das Lesen dieser Geschichte unangenehm. Ich wünschte mir Harley stärker, in früheren Comics funktioniert sie als Sidekick oder hier nur in Verbindung mit dem Joker. Nicht, dass ich ausschließlich starke Frauen bräuchte – das fände ich reichlich langweilig. Aber… es ist Harley!

Diese Sammlung früherer Stories rund um Harley beleuchten ihren Charakter auf jeden Fall, ohne ihn zu sezieren. Es ist ein interessanter Einblick, auf den man verzichten kann, aber nicht muss.

Ms. Marvel #2: „Generation Fragezeichen“

Genre: Superhelden
Autoren:
G. Willow Wilson
Illustrator:
Jake Wyatt, Adrian Alphona
Erscheinungsform: 
140 Seiten,  Softcover
Enthält: Ms. Marvel (2014) 6-11
Verlag: Panini
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Inhalt

Kamala Khan aka Ms.Marvel hat sich kaum in die neue, zweite Identität eingekuschelt, da schlittert sie prompt tiefer in die Machenschaften des schurkischen Inventors hinein. Dieser hetzt boshafte, animaleske Roboter auf sie, bangend um seine Existenz und vor allem seines Vorhabens. Dieses ist, wie es sich für einen Schurken geziemt, gar teuflisch: Junge Menschen verkabelt er, sie als Energielieferanten nutzend und seine ganz eigene Idee der verrohten Jugend zu realisieren.

Mit Hilfe eines uns allen wohlbekannten Recken springt nun Ms. Marvel herbei, um die Teenager zu befreien. Was dann geschieht, ist unglaublich. [/clickbait]

Kritik

Ohne Umschweife heftet man sich als Leser wieder an Kamalas heldenhafte Fersen. Man merkt, dass das Heldinnenkostüm kein Fremdkörper mehr für sie ist, obwohl sie noch immer in den Anfängen ihrer geheimen Identität steckt. In diesem Band lernt sie, was genau sie ist, knüpft wichtige Kontakte und erfährt durch diese mehr über ihr Sein. Auf dieser Entwicklung liegt jedoch nicht der Fokus.

Rasantes Roboterknüppeln steht vielmehr im Vordergrund ebenso wie das Zusammenspiel mit zwei neuen Verbündeten: Dem teleportierenden Riesenhund Lockjaw und Wolverine. Letzteren konfrontiert sie sogleich mit einer selbstgeschriebenen FanFic, in dem er eine der beiden Hauptrollen spielt. Klassisches Fangirling kollidiert auf sehr charmanter Art mit den Aufgaben einer Superheldin.

Diesen Spagat zwischen Heroismus und Humor findet sich auch in den Zeichnungen wieder: Wie auch im Vorgänger sind es vor allem die Hintergründe, die für Schmunzler sorgen, kleine Details bringen Leben hinein und erschaffen mit dem Kontrast zum Vordergrund eine interessante Tiefe. Der Vordergrund – etwa der gerade sprechende Wolverine – ist scharf gezeichnet, während die im Hintergrund stehende und ihm lauschende Ms. Marvel fast schon karikiert wirkt. Es scheint sich alles nicht allzu ernst zu nehmen, was zu großen Teilen auch auf Figuren und Story zutrifft.

Während die Figuren plausibel bis unterhaltsam sind und auch in Sachen optischer Diversität glänzen, schlägt die Geschichte etwas ernstere Töne an, ohne dabei die positive Stimmung zu verlassen, die der Comic hinterlässt. Es dreht sich um eine faule, unnütze Generation, die in der ohnehin bereits überbevölkerten Erdbevölkerung nur Schaden verursacht. Laut Erzschurke Inventor kann die Jugend jedoch eines tun, um doch noch positiv zum Weltgeschehen beizutragen: Sich oder vielmehr die durch ihre Körperwärme produzierte Energie dem Allgemeinwohl zur Verfügung stellen. Leichte Ansätze von Gehirnwäsche, durchaus, aber auch ein Funke von Kritik nicht nur an der „Generation Why“.

Wie der erste Sammelband ist auch dieser wieder sehr unterhaltsam und kurzweilig, Ms. Marvel ist zu einer meiner Lieblingshelden avanciert, da sie herrlich natürlich und gleichzeitig heroisch ist. Hier würde ich nur leichte Abstriche in Sachen Geschichte vornehmen, da mir der Inventor noch nicht als der perfekte Gegenspieler erscheint. Roboter sind nicht ganz so meins, ebenso wenig der angedeutete Generationenkonflikt, der jedoch nun abgeschlossen zu sein scheint. Andererseits bietet die Interaktion vor allem mit Wolverine einige sehr amüsante Momente!

Es ist definitiv eine gelungene Weiterführung der ersten Issues, die an allgemeiner Qualität nichts eingebüßt haben.

Highway to Hell


Genre: Horror
Autoren:
Davide Dileo, Victor Gischler
Illustrator:
Riccardo Burchielli, Francesco Mattina
Erscheinungsform: 
148 Seiten,  Softcover
Enthält: Highway to Hell 0-4
Verlag: Panini
Leseprobe | Für 18,99 bestellen


Inhalt

Special Agents Isaac Brew und Jayesh Mirchandani sind einem Serientäter auf den Fersen, der perverse Gorefantasien auszuleben scheint: Abgeschlagene Köpfe, bestialisch entstellte und nahezu künstlerisch drapierte Leichen säumen seinen Weg auf der Route 5. Wer steckt dahinter? Ein Einzeltäter oder vielleicht gar ein ganzer Kult? Schon bald scheinen sie den Täter gefunden zu haben, einen komplett gerüsteten mann, der mit martialischen Waffen aufwartet und rein optisch den Typus „Kranker Serientäter“ perfekt zu verkörpern scheint. Doch es steckt mehr dahinter als nur die Tat eines Menschen. Und der Mann in der Rüstung ist dabei noch das kleinste Problem.

Kritik

Gerade im ersten Drittel wird eine Szenerie gewoben, die einen fesselt und aufgrund der Bilder auch graphisch nicht mehr loslässt. Hier werden zwar bereits die grauenvollen Tatorte gezeigt, doch spielt sich das Essentielle in der Fantasie ab: Wer hat die armen Hascherl derart zugerichtet, wer oder was ist zu sowas überhaupt in der Lage? Und warum? Genau wie im Horrorfilm sind es die Momente vor Entdeckung des eigentlichen Monsters, die erschrecken. Zugegeben, diese Momente sind hier nicht nur dezent blutig und erinnern an die drastischen Bilder aus dem Crossed-Universum. Der eher derbe Zeichenstil Burchiellis, der die Passagen des Jetzt visualisiert, harmoniert hervorragend mit der weicheren, realistischeren Federführung Mattinas, der sich für die Flashbacks verantwortlich zeigt. Diese bringen zunächst nur wenig Licht ins Dunkel, akzentuieren vielmehr die Schatten in dem grausamen Spiel.

Ist erstmal die Identität des „Ritters“ bekannt, das wahre Böse aufgedeckt und mit Namen bedacht, verflüchtigt sich die aufgebaute Spannung und macht einem gegenständlicheren Horror Platz. Hier stehen nun die Monströsitäten im Fokus, deren Jagd und hoffentlich baldige Vernichtung. Dennoch verkommt es zu keiner reinen Monsterjagd – wenngleich zu einem Finale, das man fast nur noch als „Gemetzel“ bezeichnen kann.

Keiner der eingeführten Charaktere scheint ein Sympathieträger sein zu wollen. Speziell Agent Isaac Brew, der sich rauchend, fluchend und anbandelnd durch die Seiten schlägt, ist keineswegs nicht nur ein „Antiheld“ oder „Bad Cop“, sondern ein Arschloch. Es passt jedoch in die Welt und Geschichte, wirkt nicht besonders aufdringlich oder aufgesetzt, sondern irgendwie natürlich.

Das alles ist in kontrastreiche, stark rot eingefärbte Bilder gekleidet, die die Geschichte gekonnt transportieren. Künstler und Autoren bilden eine Einheit, die funktioniert und der es Spaß macht, in Form des Comics beizuwohnen.

Fazit

Besonders im ersten Drittel gewinnt der Comic enorm an Substanz und ist ein schöner Horrorschmöker für Zwischendurch. Später verkommt er nicht, doch wird generischer, in seiner Erzählweise lapidarer und gleichzeitig gestreckter, inhaltlich weniger kompakt und dadurch leicht verwässert wirkend . Insgesamt macht der Comic Spaß zu lesen, wenn man sich der makaberen Bilder stellen möchte. Nicht umsonst empfiehlt Panini den Comic erst für volljährige Leser.

 

 

Praktische Redesigns von Superheldinnen

(edit: Ursprünglich wollte ich nur die Bilder teilen. Es ist dann leider ein wenig „ausgeufert“.)

Der laut eigener Aussage in Wikingergefilde hausende Illustrator Ingvard the Terrible liebt Comics. Zumindest das meiste an ihnen, denn insbesondere an den Kostüme weiblicher Superhelden hat er doch einiges auszusetzen: Sie seien unpraktisch und überdies unfassbar sexistisch. Grund genug, einigen seiner Lieblingshelden ein Umstyling zu verpassen. Die Ergebnisse seht ihr nicht nur in Auszügen hier am Ende  dieses Beitrages, sondern natürlich auch in Gänze in seinem  Tumblr oder seiner Facebookseite. Den konkreten Kommentaren zu den einzelnen Bildern vorangegangen ist ein kleines, allgemeines Statement:

I love comics and superheroes as much as the next nerd, but the women’s costumes—sweet mother of Moses!—the COSTUMES. At the very least, highly impractical. And at worst, incredibly sexist. I mean, EXTREMELY so. Honestly, I don’t know why women haven’t been a lot more angry and vocal about this kind of thing over the years. Like “Ferguson riot” angry. Don’t get me wrong, I believe that expressing one’s sexuality is a natural, healthy thing, and certainly not something to be censured or shamed, but holly hammer of Thor, there’s a time and a place for everything!

That being said, I just had to take a shot at addressing the most obvious problems. Now, I am not by any means an experienced or accomplished character designer. I am not suggesting these costume re-designs are ideal, or even very good. My main goal was to at least TRY to approach the subject of female superheroes with the degree of logic, equality, and respect they—and their readers—deserve.“

Zunächst muss ich anmerken, dass ich solche Ummodellierungen an sich sehr spannend finde. Gerade dann, wenn der Künstler, wie hier in diesem Fall geschehen, seine Gedanken und Gründe für diese oder jene Änderung nochmal erläutert. Zu dieser besonderen Problematik – Superheldinnen in sexy Outfits – jedoch  mangelt es mir an Verständnis. In einem anderen Beitrag hatte ich die Sexualisierung von Figuren bereits angesprochen und auch kurz angerissen, dass ich finde, dass der Begriff „Sexismus“ zu inflationär und unpassend benutzt wird. Superheldinnen werden meines Erachtens nach durch ihre Outfits bzw. ihr Geschlecht nicht diskriminiert (=Sexismus), sondern sexualisiert. Ihr Geschlecht ist dabei in der Erzählweise eher seltener ein die Person vermindernder, abwertender Faktor. Und ja, es nervt mich tatsächlich langsam dezent, dass beides oft gleichgesetzt wird. Zwischen diesen beiden Begrifflichkeiten und Problematiken herrschen feine, auch mEn. ethische Unterschiede.

Ich persönlich mag die Vielfalt der Superheldinnenkostüme: Es gibt definitiv mehr nackte Haut zu sehen als beim männlichen Helden, doch die Verkleidungen einzig auf ihre „Sexyness“ zu reduzieren, finde ich schade. In meinen Augen sieht es schlichtweg ansprechend aus, zumindest jedoch auf unterhaltsame Weise übertrieben (s. Power Girl und ihr Boob-Window). Durch die Kostüme ist ein Wiedererkennungswert gegeben, der beim männlichen, populären Helden oft vereinfacht ist. Superman, Batman, Aquaman, Flash: Sie tragen, auf’s Wesentliche reduziert, Ganzkörperkondome mit Accessoires. Frauen jedoch, hey, sie können immerhin zwischen Miniröcken, tiefen Ausschnitten, Strapsen, Netzstrumpfhosen und Ganzkörperkondomen wählen! Und das meine ich durchaus ernst. Der Superheld an sich ist im Mittel eine sehr auf das Körperliche fokussierte Figur mit einer Kleidung, die eben jene gekonnt unterstreicht und akzentuiert. Bei Frauen, wie auch Männern.

 

Davon ab geht der Trend, wie man nicht nur an Ms. Marvel oder auch Spider-Woman sieht, ohnehin in Richtung Alltagsrealismus. Die Kleidung wird normaler, der Identifikationsfaktor höher. Eine Entwicklung, der ich anfangs skeptisch gegenüber stand, mit der ich mich jedoch langsam angefreundet habe. Vor allem dort, wo sie das Individuelle des Helden unterstreichen und nicht in realistische Langeweile abdriften. Spider-Woman sieht schließlich noch immer ziemlich heiß aus!

Die Bilder Ingvard the Terribles möchte ich durch diese Aussagen nicht schmälern, wie gesagt finde ich seine Interpretation interessant und durchaus plausibel, nur für mich nicht bedingungslos annehmbar. Was sagt ihr denn dazu? Lieber die überarbeitete, oder die originale Version?
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