Archiv der Kategorie: Comicvorstellungen

Batmans meets Turtles meet Ra’s al Ghul = Comicempfehlung!

Genre: Action, Superhelden
Autor: James Tynion IV
Ursprungsidee:
Peter Laird, Kevin Eastman
Illustratoren:
Freddie E. Williams II
Erscheinungsform: 
140 Seiten, Hard/Softcover, enthält Issues 1-6 (abgeschlossen)
Verlag: DC Comics / IDW Publishing / Panini
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Dank eines perfiden Plans des possierlichen Krang landen nicht nur die Turtles, sondern ausgerechnet auch Shredder samt Foot Clan in einer anderen Dimension – und landen punktgenau in Gotham City. Dort mischen sie ein Labor auf und entwenden aus sicher sehr heroischen Gründen einen wichtigen Generator, der in den falschen Händen Grausames anrichten kann. Prompt werden sie vom überlebenden Laborpersonal als Monster und Kumpanen der Foot identifiziert. Logisch, dass sofort Batman gerufen wird, um der Schildkrötenplage Herr zu werden. Dass sich das erste Aufeinandertreffen der Ritter des Rechts ein ganz klein wenig schwierig gestaltet, steht da außer Frage.

 

Screen_Shot_2015-12-09_at_11.34.24_AM.0Was klingt wie ein wahr gewordener Traum der Kinder der 80er und 90er ist auch tatsächlich und erstaunlich unterhaltsam. Wir finden hier eine stark unterhaltende Mixtur der bekannten Helden vor, die sich auch und vor allem in den dunklen Momenten nicht zu verstecken braucht. Dabei harmonieren Batman mit seinen Kumpanen wie auch Schurken und die Turtles ausgesprochen gut miteinander, die beiden Welten werden gekonnt zu einer verknüpft, was nicht unpassend oder erzwungen wirkt. Unterstützt wird dieser Eindruck von den hübschen Zeichnungen, die sowohl den Charakter der finster dreinblickenden Fledermaus, als auch die Atmosphäre der Turtles-Comics einzufangen vermögen.

Während sich die ersten Kapitel mit der Spannung zwischen den Turtles und der freundlichen Fledermaus von nebenan beschäftigen, werden die Schurken erst in den darauffolgenden richtig in Szene gesetzt. Dann, wenn die Helden endlich zusammenarbeiten, entfaltet sich das zerstörerische Potential des Feindes. Zusammen mit dem Pinguin, Ra’s al Ghul und allerlei anderem Gezücht Gothams bereitet sich Shredder auf eine kleine Mutagen-Apokalypse vor, die Gotham verschlingen soll…

batman-teenage-mutant-ninja-turtles-t-rexSowohl zwischen den Zeilen, als auch im direkten Dialog zünden die Gags, die einerseits auf der Metaebene stattfinden und andererseits in den Charakteren begründet liegen, die ebenso gut getroffen sind wie die Optik derer. Wenn Donatello einen leicht philosophisch angehauchten Monolog über seine Heimatstadt hält, horcht das Fanherz auf, wenn Michelangelo sein Videospiel in Trümmern sieht, weint es ein bisschen mit und selbst Alfred und das – zugegebenermaßen sehr gewöhnungsbedürftig anmutende – Batmobil bekommen ihre Momente. Natürlich besonders spaßig wird es, wenn die Recken mit den Gegebenheiten des jeweils anderen konfrontiert werden; Batman etwa genüsslich an einer Pizza knabbert oder Michelangelo durch die Batcave surft.

Das Crossover an sich wird durch zwei Kämpfe schön verdeutlicht: Während sich Batman gegen die Foots behaupten muss und dabei einen ersten, ehrfurchtsgebietenden Blick auf Shredder werfen kann, mühen sich andernorts die Turtles mit dem Killer Croc ab. Die Kämpfe an sich sind nett anzusehen, gehen jedoch nicht zu sehr ins Detail. Letzteres erfährt im finalen Kampf leider seinen negativen Höhepunkt: Hier wird der Endkampf derart schnell und vergleichsweise lieblos abgehandelt, dass die Masse der eigentlich hochgradig vielversprechenden Bösewichte doch arg verschwendet wird.

batman-turtlesWir reden hier nicht von den aktuellen Versionen der jeweiligen Helden, aktuelle Ereignisse stehen hier also außen vor. Der Comic funktioniert als zeitloser Einzeltitel und das ist wohl auch gut so. Ich habe die 6 Issues umfassende Geschichte mit Genuss gelesen und hoffe sehr, dass es nicht das letzte gemeinsame Abenteuer dieser edlen Recken bleibt! Batman, wie wär’s mal mit einem kleinen Ausflug nach New York?

Autor: James Tynion IV | Illustrationen: Freddie E. Williams II | Verlag: DC Comics / IDW Publishing / Panini | Format: 140 Seiten, Hard/Softcover | Bestellen

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Feenkitsch-Gemetzel: I Hate Fairyland #1

Autor, Illustrationen: Skottie Young | Verlag: Image Comics | Format: Softcover, 128 Seiten | Bestellen

Die kleine Gertrude ist ein fröhliches, liebes Mädchen – zumindest bis sie in das klebrig süße Feenland plumpst und sich bei der Gelegenheit alle Knochen bricht. Derart zugerichtet und mehr tot als lebendig fällt es ihr verständlicherweise dezent schwer, dem zauberhaften Land viel Liebe entgegenzubringen. Sie will nur eines: Schnell zurück nach Hause. Leider schafft sie es auch nach 27 Jahren noch nicht, die nötigen Aufgaben zu meistern und zu dem Masterschlüssel zu gelangen. 27 Jahre, die sie optisch nicht altern, dafür jedoch mental immer misanthropischer werden lassen. Sie flucht, rotzt, metzelt sich durch das Feenland, dass es eine wahre Freude ist dabei zuzusehen. Kein süßes Kaninchen ist vor ihr sicher, keine Methode zu blutig und kein Spruch zu tief. Kein Wunder also, dass die Königin des Reiches Gertrude unbedingt und so schnell wie möglich loswerden will. Wäre da nur nicht der heilige Vertrag, der es ihr verbietet, der „Auserwählten“ eigenhändig Schaden zuzufügen. Doch wofür gibt es Söldner? Das fröhliche Schnetzeln kann beginnen!

pilze-essenGertrudes Augen triefen von dem titelgebenden Hass, der in Form blutigen Gedärms eskaliert. Dabei bildet der putzige Zeichenstil einen schönen Kontrast zu den vollbrachten Taten und dem überbordendem Gewaltgrad, der an eine Symbiose aus „Itchy und Scratchy“, „Happy Tree Friends“ und „Wonderland“ erinnert.

Die Geschichte rund um das wie ein Fremdkörper im Happy Hippo Land wirkende Mädchen ist sehr kurzweilig erzählt und bietet Raum für einige Schmunzler gerade dann, wenn zwischen Bild, Wort und Geschichte eine Diskrepanz herrscht, die ihresgleichen sucht. Auch darüber hinaus sind einige Ideen einfach irre komisch und einfallsreich. Wem das genügt, der darf hier gerne zugreifen: Es lohnt sich. Wer allerdings mehr Tiefgang wünscht, wird sich hier eher fehl am Platze fühlen. Die Geschichte ist recht seicht, bietet zwar gute Ansatzpunkte, die jedoch nicht erforscht werden. Wie wurde Gertrude so, wie sie ist? Welche unerzählten Erlebnisse hat sie hinter sich, Irrungen, Wirrungen? Gerade die ersten Wochen böten verdammt viel Potential für abstruse Erzählungen.

Für den lustig-leichten Splatter-Comicgenuss zwischendurch ist „I Hate Fairyland“ aber auf jeden Fall lesenswert. Pro-Tipp: In der Bahn lesen, während junge Mütter neben einem sitzen. Sie werden euch lieben.

Autor, Illustrationen: Skottie Young | Verlag: Image Comics | Format: Softcover, 128 Seiten | Bestellen

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Harley Quinn/Power Girl

Genre: Superhelden
Autor:Amanda Conner, Jimmy Palmiotti, Justin Gray
Zeichner: Stephane Roux, Elliot Fernandez, Moritat
Erscheinungsform:  148 Seiten,  Softcover
Enthält: US Harley Quinn/Power Girl 1-6
VerlagPanini / DC Comics
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Überblick

Power Girl, die herzensgute Superheldin mit dem Sinn für dezente Ausschnitte hat ihr Gedächtnis verloren. Prompt heftet sich ihr Harley Quinn an die Fersen, um sich als ihr Sidekick auszugeben und gemeinsam abstruse Abenteuer zu erleben. Prompt stolpert das ungleiche Gespann auf den obszönen Planeten Valeron, der Dank dem äußerst prüden Fiesling Oreth Odeox kurz vor der Vernichtung steht. Dort erwartet sie der sexuell sehr aktive und unter einem Bann stehende Herrscher Vartox, der in Power Girl weit mehr als nur eine Gegnerin sieht…

Die Erzählung

Diese in sechs US-Issues abgeschlossene Miniserie siedelt sich zeitlich zwischen zwei Panels von Harley Quinn #13 an, ist allerdings problemlos auch ohne diesen Kontext genießbar. Schnell wird man in die – zugegebenermaßen sehr überschaubare – Handlung gesogen, was definitiv primär an Harley Quinn liegt, die mit ihrem Humor und abstrusen Ideen allein ein Blick in den Comic wert ist. Der Kontrast zwischen ihr und Power Girl lässt die Szenen sehr dynamisch wirken, das Wechselspiel zwischen den beiden funktioniert ausgezeichnet.

Allein diese Kombination bietet Stoff für ausreichend durchgeknallte Geschichten, aber warum einfach, wenn es auch noch over-the-top gehen kann? Da bietet sich der absolut unmoralische Planet Valeron an, auf dem sie stranden und der als ihnen würdiges Setting dient. Hier treffen sie auf Raumschiffe im Phallus-Design, riesige Köpfe mit absurdem Innenleben, halbnackte Herrscher mit Pornobalken und selbstverständlich dürfen diverse Bemerkungen über die körperlichen Ausbuchtungen der Heldinnen nicht fehlen. Die bieten sich ja auch an. Irgendwie.

Tiefgründigkeit kann man hier nicht erwarten und auch pornös geht es nicht sonderlich tief, denn obwohl sowohl Vartox, als auch Harley Quinn vor sexuellen Anzüglichkeiten kaum einen Halt machen, bleibt es zwischenheldisch doch sehr züchtig. Es ist pure, knallbunte Unterhaltung, die für manche sicherlich zu albern daherkommt und doch ziemlich kurzweilig ist. Die neu kennengelernten Personen aus der anderen Welt werden recht oberflächlich präsentiert und bleiben in ihren Charakteren nebulös, doch würde ein Fokus auf jene wohl auch eher störend sein. Nicht die Charaktere stehen im Mittelpunkt, sondern die Ideen der Macher, die mit diversen Klischees spielen und einige Hommagen in den Panels verteilen.

 

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Layout und Zeichnungen

Bunt. Knallig. Abgedreht. Hatte ich „bunt“ erwähnt? Kurz: Es passt. Der Wahnsinn Harleys spiegelt sich in ihrer Mimik wieder, generell schaffen es die Zeichner, den Figuren Emotionen und Ausdruck zu verleihen. Auch hierbei sind es Details, die den Unterschied machen und hier schön in Szene gesetzt werden. Die Motive und Welten sind fantasievoll, die Körper gerade so sexy in Szene gesetzt, dass es sich nicht negativ aufgedrängt anfühlt und doch den Charakteren gerecht wird. Besonders gefallen hier die Gesichter und die Aktionen, deren Humor durch die Zeichnungen gekonnt transportiert wird.

Dass mehrere Zeichner an der Miniserie beteiligt waren, merkt man jedoch und das, finde ich, negativ: Der qualitative Unterschied ist mitunter deutlich.

Letzte Worte

Es ist definitiv kein tiefgründiges Meisterwerk, sondern ein buntes, vergnügliches Feuerwerk an je nach Geschmack abstrusen bis albernen Ideen und zwei Heldinnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade deswegen unglaublich harmonieren.

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[Comic] Suiciders

Genre: Dystopie
Autor: Lee Bermejo
Zeichner: Lee Bermejo
Erscheinungsform:  164 Seiten,  Softcover
Enthält: US Suiciders 1-6
VerlagPanini / Vertigo
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Überblick

Los Angeles, 30 Jahre nach dem verheerenden Beben. Die Stadt der Engel ist gespalten in New Angeles, in dem die Reichen wohnen und Lost Angeles, das die Armen behausen. Eines eint sie: Die Liebe zu den „Suiciders“, den Kämpfern, die in einer Art Gladiatorenkämpfen gegeneinander antreten. Ein blutiger Sport der Massen, der immer tödlich endet. Während die Suicders New Angeles‘ nicht nur mit Rüstungen, sondern auch biologischen Verbesserungen ausgestattet werden, rutschen die Suiciders Lost Angeles‘ in Dreck und Schlamm. Zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch ein und dasselbe Geheimnis bergen. Genau das wird durch die beiden Protagonisten, ihres Zeichens Suicider in ihrem jeweiligen Stadtteil, verkörpert.

Die Erzählung

Auf recht kryptische Weise wird der Suicider „Saint“ eingeführt, der die ersten Panels ganz ohne Worte, dafür mit offenbar hoher Religiosität füllt und dabei eine Tiefe erahnen lässt, die im krassen Gegensatz zu dem bald folgenden Kampf steht. Das gespaltene Los Angeles und somit die Welt der Suicider wird gezeigt, ohne sie dabei zu erklären, was sehr angenehm ist. Man muss nicht alle Hintergründe erfahren und das ist auch nicht gewollt.

Die Erzählweise schwankt von ruhig zu blutig und actiongeladen und fokussiert sich zunächst auf drei Figuren, aus deren Sicht zumeist nur wenige Panels lang erzählt wird, sodass die Perspektive häufig pendelt und einen leicht diffusen, aber sehr interessanten Eindruck hinterlässt.

Sehr schön werden hier diverse Geheimnisse angedeutet, eine Lüge, die den Saint umgibt und die er unter allen Umständen zu vertuschen versucht – auch wenn dies ein paar Leben kosten wird. Den ganzen Sammelband lang, der die ersten sechs Heftausgaben umfasst, bleibt man weitestgehend im Unklaren darüber, woher der Saint kommt und in welcher Verbindung er mit dem dezent tumb und brachial, aber liebevoll wirkenden Straniero steht, der sich im Schmutze Lost Angeles‘ zum Suicider herankämpft.

Insgesamt ist es unheimlich interessant und spannend dargestellt, und Dank der Erzählweise und den Sprüngen zwischen den Charakteren auch bis zuletzt sehr geheimnisvoll. Zwischen der Brutalität und dem Dreck offenbaren sich zudem einige sehr zarte Lichtmomente, die den Staub jedoch nicht rosa einfärben. Schade, dass der nächste Band noch ein wenig auf sich warten lässt.

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Layout und Zeichnungen

Kantig und mit hohem Schwarzanteil wird die brutale Storyline eindrucksvoll transportiert, wobei selbst die Schattierungen nur in ausgewählten Panels weich wirken. Die Bilder sind klar, zeigen die Brutalität in einem Maße, die für die meisten noch gut annehmbar sein dürfte. Zwar fließt Blut und es platt auch mal ein Kopf, doch ist es selten so erbarmungslos graphisch wie in einem Walking Dead oder Crossed.

Gedeckte Farben herrschen vor, wobei speziell gewisse Rottöne hervorgehoben werden. Film Noir Marke „very light“. Zwischen den beiden Stadtteilen wird vor allem farblich differenziert: Lost Angeles ist vermehrt in Brauntönen gehalten, die Bilder körniger, sodass ein heißeres, staubigeres Klima als in New Angeles angedeutet wird.

Letzte Worte

Suiciders ist einer der Comics, die ich in einem Rutsch durchlesen kann und definitiv unter meinen persönlichen Top 3 meiner letzten Monate angesiedelt ist. Er ist spannend, hochinteressant, die Charaktere wirken vielschichtig und die Geschichte stark ausgereift. Es ist schön brutal, zeigt Muskelmassen, die zwar stark übertrieben sind, jedoch dennoch authentisch wirken und trotz der Action genug Tiefgang.

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Ork-Saga #1

Genre: Fantasy
Autor: Michael Peinkofer
Illustrator: Peter Snejbjerg
Erscheinungsform:  48 Seiten,  Hardcover, Bd. 1 von 4
Erscheinungsdatum: 24.03.2016
Verlag: Cross Cult
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Überblick

Balbok und Rammar, zwei possierliche Brüder aus dem Geschlecht der Orks, überleben als einzige ihres Trupps eine Schlacht gegen garstige Gnome. Ihr weiteres Leben könnte so schön sein – würde nicht der im Kampfe abgeschlagene Kopf ihres Anführers fehlen, den sie unbedingt mit nach Hause bringen müssten, um nicht Unglück und Tod über den gesamten Stamm zu bringen. Es kommt, wie es kommen muss: Herr Häuptling ist schier empört und schickt die beiden auf eine suizidale Kopf-Rettungsmission. Dies hat der so finstere wie bärtige Zauberer Rurak in seiner Kristallkugel längst vorausgesehen und zwingt dem Orkduo bei nächster Gelegenheit flugs eine weitere Mission auf, die sie ins Reich der Spitzohren führen wird.

Und so werden Balbok und Rammar, einer intalenter als der andere, zu einem unfreiwilligen Heldenpärchen, das zumindest in diesem ersten Band bereits von einem Schlamassel in den nächsten stolpert und kaum ein Fettnäpfchen auslässt.

Die Erzählung

Einst erschuf Michael Peinkofer die beiden grünen Geschöpfe für den Fantasyroman „Die Rückkehr der Orks“ samt dessen Nachfolger, nun wurden die Figuren mit Hilfe Jan Bratensteins und den beiden Illustratoren Peter Snejbjerg (Zeichnungen und Farben) und Lars Bjørstrup (Farben) visualisiert und auf die Comicseiten adaptiert. Die Zusammenarbeit darf ich als „gelungen“ klassifizieren.

In alter Fantasyepos-Manier beginnt die Geschichte in weit zurückliegender Vergangenheit, die kollossalen Umstände erklärend, die die Welt der Orks zu der machen, die sie nun ist. Wenn man kurz darauf die dezent dekadenten Elfen kennenlernt, wähnt man sich bereits in üblicher High Fantasy, die zum Glück sehr bald auf den Kopf gestellt wird. Dann nämlich treten die beiden Hauptfiguren auf die Bildfläche. Balbok und Rammar, Orks bester Güte, nehmen sofort den Fokus ein, stechen sie Dank ihrer Statur doch aus der Masse an mächtigen Kriegern hervor und mogeln sich ob ihres einfältigen Charmes schnell in die Gunst des Lesers.

Gespickt mit manchmal mehr, manchmal weniger offensichtlichem Witz und Selbstironie nimmt die Handlung sofort Fahrt auf und zeigt kaum Längen. Wie auch, wenn die beiden Orks pausenlos vom Regen in die Traufe und wieder zurück poltern? Dabei spritzen Blut und andere Körperflüssigkeiten, Fäkalhumor ist auf eine diskrete, fast schon apart anmutende Weise vorhanden, was bei den Hauptfiguren jedoch kein Wunder sein dürfte. Diese wirken durchweg sympathisch und sowohl ihr Zusammenspiel, als auch ihre individuellen Charakterzüge machen Lust auf mehr!

In erster Linie macht der band Spaß. Er ist konsequent geschrieben und birgt trotz des eher handelsüblichen Plots doch genug Spannung und Neuigkeiten, die neugierig auf die kommenden drei Bände machen, die im Abstand von jeweils einem Jahr veröffentlicht werden. Generell sind weder Story, noch Charaktere eine Offenbarung und bedienen sich diverser Stereotype. Das ist in diesem Fall jedoch kein Manko, sondern trägt ganz im gegenteil zum Gelingen des Comics bei.

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Layout und Zeichnungen

Snejbjerg präsentiert eine gelungene Mischung aus dreckigem und putzigem Stil: Die Orks selbst wirken fast niedlich, während trotz ihrer Kulleraugen Dreck und raue Federführung ihren Zweck erfüllen. Die Gewaltdarstellung ist klar und zuweilen auch recht explizit, ohne sich daran zu ergötzen.

Auch die Farbtöne harmonieren sehr gut miteinander, wobei selten mehr als zwei Farben gleichzeitig dominieren und über der gesamten Welt ein entsättigender Grauschleier zu liegen scheint.

Letzte Worte

Dieser erste Band ist sehr kurzweilig, auch wenn er trotz der ungewohnten Protagonisten nicht groß zu überraschen weiß. Nichtsdestotrotz bin ich sehr gespannt auf die Fortsetzungen und doch sehr zuversichtlich, dass diese Reihe eine gute wird.

Orks Comic

Batgirl – Die neuen Abenteuer 1

Genre: Superhelden / Teenie
Autor: Cameron Stewart, Brenden Fletcher
Illustratoren: Cameron Stewart, Babs Tarr, Irene Koh
Erscheinungsform:  148 Seiten,  Softcover
Enthält: Batgirl 35-40, Secret Origins 10 (I)
Verlag: DC Comics / Panini Comics
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Überblick

Barbara Gordon alias Batgirl ist in Gothams hippen Außenbezirk Burnside gezogen, um dort ein semi-neues Leben zu beginnen. Ein Brand, der ihre Ausrüstung vernichtet, zwingt sie zur Gestaltung eines neuen Kostüms, sie findet nicht nur neue Freunde, sondern scheinbar auch ein brandaktuelles Smartphone und schlägt sich fortan zum Glück nicht mehr mit dem Joker, dafür jedoch mit allerlei Kleinkriminalität herum. Als Batgirl, selbstverständlich, denn so ganz kann man alte Identitäten natürlich nie ablegen. Unterstützung kann sie von ihrer alten Kumpanin Black Canary leider nicht mehr erwarten, deren Freundschaft stark gelitten hat. Wird Batgirl es schaffen, die Freundschaft zu kitten? Welche gar fürchtbaren Schurken werden sich ihr in den Weg stellen? [Spoiler: Einer glitzert. Und nein, es ist kein Vampir.] Und in welch finstre Depressionen würde sie wohl stürzen, wenn ihr Handy verloren ginge?

Im Zuge des DC’schen Rebootwahns und der unzähligen Umstylings hin zu jugendlicheren, realistischeren Versionen der Superhelden wurde auch Batgirl verändert. Zuvor stand sie unter anderem unter den Fittichen der großartigen Gail Simone, die leider, leider gegangen wurde. In diesem ersten Sammelband, der die ersten sechs Issues des Soft-Reboots und eine Geschichte der Secret Origins enthält, präsentiert sich die „neue“ Batgirl als hippe Stadtgöre, die neben dem Stress mit ihrer Doktorarbeit und Freunden auch mit Möchtegernkillern zu kämpfen hat.

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Die Erzählung

Angesprochen werden soll offensichtlich primär eine Zielgruppe: (Weibliche) Teenager, die sich mit Barbara und ihren vielfältigen Problemen im realen Leben identifizieren könnten. Ganz knapp gehöre ich nicht mehr zu dieser Zielgruppe, doch kann und will ich dem Comic daraus keinen Strick ziehen.

Wir starten mit einer latent verkaterten Barbara, die nach einer durchzechten Party auf eine raubende Bande Kleinkrimineller aufmerksam wird und sogleich versucht, die Drahtzieher ausfindig zu machen. Was klingt wie eine etwas heroischere Version der TKKG weitet sich zumindest im Laufe der Zeit zu einem größeren Ganzen aus, das seine Kreise bis in Barbaras Gehirn und ihre Vergangenheit zieht. Wir erinnern uns: Im 1988 erschienenen „The Killing Joke“ von Alan Moore wurde Barbara vom Joker derart schwer verletzt, dass sie viele Comicjahre lang in den Rollstuhl gezwungen wurde und sie zum „Oracle“ machte. Dieses Trauma wurde hier mittlerweile überwunden.

Dabei sind die Schurken, auf die sie trifft, für meine Begriffe sehr harmlos, handeln weniger intelligent als krude. Ich verstehe kaum, weshalb sie eine große Gefahr darstellen, dafür jedoch umso mehr, weshalb die Polizei Gothams ein Problem mit Batgirls Handeln hat. An mancher Stelle hakt die Erzählung und ist weniger konsequent als man es sich vielleicht erhofft. Insgesamt wirkt Batgirl weichgespült, kaum würdig, als „Superheldin“ betitelt zu werden. „Supergöre“ trifft es da tatsächlich besser. Die zahlreichen Probleme Barbaras sind allerdings plausibel dargestellt; insbesondere ihr Konflikt „Fame vs. heldenhaftes Helfen“ wird sehr schön herausgearbeitet und durch die Medien heutiger Zeit wunderbar unterstrichen.

Definitiv am gelungensten ist die Dynamik innerhalb der Geschichte und den Charakteren, sowie die erzählerische Vielfalt. Die Erzählung wirkt frisch und auf das Lesepublikum zugeschnitten, lässt kaum Langeweile aufkommen und vertuscht teilweise sogar Plotlöcher, über die man beim ersten Lesen fröhlich hinweg liest. Die letzten beiden Parts des Sammelbandes schließlich entschädigen nochmal über die sehr seichten ersten Abschnitte.

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Layout und Zeichnungen

In zwei Worten: Abwechslungsreich und erfrischend.

Die Farben knallen, die Zeichnungen passen sich dezent der jeweils aktuellen Stimmung an und gerade die Gestaltung der Panels sticht positiv hervor. Sei es die Art, wie Smartphones und mathematische Formeln eingegliedert werden, Barbaras Fähigkeit visualisiert wird, die Dynamik zwischen den Panels oder die Farbgebung: Es wirkt sehr gut durchdacht und ist spaßig anzusehen.

Letzte Worte

Mein persönlicher Fall ist das Soft Reboot nicht, da es mir wirklich zu jugendlich und trivial  in Bezug auf die Story ist. Ich denke jedoch, dass gerade – aber nicht ausschließlich – etwas jüngere Zeitgenossen ihren Spaß damit haben können. Optisch ist es hervorragend, inhaltlich hakt es.

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[Comic] Birthright

Genre: Fantasy
Autor: Joshua Williamson
Illustratoren:
Andrei Bressan, Adriano Lucas
Erscheinungsform: 
128 Seiten,  Soft/Hardcover
Enthält: Birthright #1-5, laufende Serie
Leseprobe
Verlag: Image Comics / Cross Cult |  „Birthright“ bestellen


Das Verschwinden des Jungen Mikey zerrüttet die Familie Rhodes: Der Vater, Aaron, wird bald nicht nur des Mordes an seinem Sohn verdächtigt, sondern stürzt auch in tiefe Depressionen, die Mutter, Wendy reicht verbittert und mit neuem Mann an ihrer Seite die Scheidung ein und der Bruder, Brennan, verwickelt sich verzweifelt in Prügeleien. Gänzlich gerät das Leben der zersplitterten Familie aus den Fugen, als sie ein Jahr nach Mikeys Verschwinden in das Polizeipräsidium geführt werden. Dort wird ein Mann festgehalten, der nicht von dieser Welt zu sein scheint.

Von beeindruckender Gestalt, gekleidet in barbarisch anmutender Kleidung, bestückt nicht nur mit einem prachtvollen, schwarzen Bart, sondern auch mit einem schier unendlichen Waffenarsenal. Dieser Mann ist ein Krieger, der laut eigener Aussage das Land Terrenos von einem grausamen Tyrannen befreit hat und nun vorhat, auch die Erde vor der Gewalt finsterer Mächte zu retten. Und er behauptet, eben jener verschollen geglaubter Mikey zu sein. Kann das sein? Und sind seine Absichten wirklich so nobel, wie er vorgibt?

Birthright Szene

In einer Besprechung dieses Stoffes ist nahezu jedes Wort, das über den Inhalt verloren wird, zu viel, denn tatsächlich ereignet sich die ein oder andere unvorhergesehene Wendung. Wo man zu Beginn der in zwei Haupterzählstränge geteilten Geschichte noch einen klassischen Heldenepos vermutet, wird diese Idee bald hinterrücks mit der Barbarenstreitaxt enthauptet.

Zum einen verfolgen wir die Begebenheiten in der realen Welt, in der der plötzlich aufgetauchte Recke gehörigen Unfrieden stiftet, was insbesondere der ansässigen Polizei sauer aufstößt. Von der Familientragödie der Rhodes bis zur mit der Realität verwobenen Fantasy ist es hier nur ein kleiner Schritt, doch einer, der sich lohnt, da es beiden Thematiken eine gehörige Portion Würze verleiht.

Auf der anderen Seiten erfahren wir durch die Erzählungen des Weltenreisenden von den Ereignissen seit seines – Mikeys – Verschwinden. Wir erfahren, wie er sich noch während des Spiels mit seinem Vater im Wald verirrt, dort zunächst auf ein scharlachrotes Monster, und dann glücklicherweise auf beschwingt daher kommende, zukünftige Gefährten trifft und von diesen, sowie deren Lehrmeister oder Oberhaupt, auf seine wahre Bestimmung vorbereitet wird. Der Legende nach ist Mikey der Held, der, der die Welt von allem herrschenden Übel befreien wird. Klassischer kann Fantasy kaum daher kommen und so trifft man neben allerlei Fabelwesen auch Orks an. Dass es auf Terrenos allerdings dezent blutiger zugeht als in den meisten anderen Fantasywelten, sich die Kreaturen grausamer und angsteinflößender zeigen und die kämpferischen Methoden nicht ausgeblendet werden zeigt sich hierbei schnell.

Sowohl in der unseren, als auch der fremden Welt sind die Charaktere interessant dargestellt, neben denen Mikey selbst jedoch als Person recht blass erscheint. Die Dynamik zwischen den Figuren gefällt mir sehr und Mikeys in der anderen Welt neu gewonnenen Gefährten sind bislang vielversprechend – und mit dem letzten Panel dieses Bandes bestätigt sich dieser erste Eindruck vorerst.

Stiefmütterlich behandel ich das Pacing und die Bilder. Beides ist handwerklich gut, durch das gelungene Pacing bleibt die Spannung größtenteils erhalten und die Zeichnungen unterstreichen in ihrer rauen Art den Grundtenor der Geschichte.

„Birthright“ käut wenige Klischees klassischer Fantasy wieder, zeigt sich bei seiner Interpretation äußerst ambitioniert und verleiht dem Heldenepos einen blutigen, düsteren Anstrich.

Birthright Fazit


Herzlichen Dank an Tim, der mir heldenhaft sein Exemplar überlassen hat, als ich auf Twitter nach interessantem Comicstoff gekräht habe!

[Comic] The Cape

Genre: Horror, Superhelden, Dark Fantasy
Autor: Jason Ciaramella nach einer KG von Joe Hill
Illustratoren:
Zach Howard
Erscheinungsform: 
132 Seiten,  Softcover
Enthält: The Cape #1-4, abgeschlossen
Leseprobe
Verlag: IDW/ Panini Comics |  Über den Partnerlink bestellen


Ein Cape, zusammengesetzt aus einer alten Schmusedecke und dem Marineabzeichen des im Krieg verstorbenen Vaters, ist nicht nur Teil der Superheldenverkleidung des Jungen Eric, sondern viel mehr. Dass es nämlich nicht nur superflauschig ist, sondern dem Träger auch die Fähigkeit zu fliegen verleiht, lernt Eric im denkbar günstigsten Moment: Während des Spielens mit seinem Bruder beim freien Fall von einem Baum. Er fliegt. Zumindest einen Moment lang, dann reisst das Cape und Eric findet seine Bestimmung auf dem Boden der Tatsachen wieder.

Während Eric im Krankenhaus ruht, sperrt seine Mutter das garstige Cape weg, da es den beiden Söhnen nur Flausen in den Kopf setzt. Fliegen! Man sieht ja, was der ganze Superheldenquatsch alles so anrichtet! Eskapismus wohin man blickt!

The Cape

Lange Zeit bleibt das Cape verschwunden – bis es Eric – mittlerweile ein erfolgloser Erwachsener mit just beendeter Beziehung – per Zufall im Keller seiner Mutter wiederfindet. „Ei der Daus“, denkt er sich nun, „Mein Leben ist gar trostlos, niemand nimmt mich ernst und respektiert mich, doch, oha, dieses jenes Cape wird mir den Respekt verschaffen, den ich schon immer verdient hatte! Und noch mehr…“ Dass daraus keine fidele Supermangeschichte entspringt, dürfte nun nicht mehr nur anhand des Autoren ersichtlich sein…

Der Comic findet seine Vorlage in der gleichnamigen Kurzgeschichte von Joe Hill, welche in seiner Kurzgeschichtensammlung „20th Century Ghosts“ (in der deutschen Übersetzung:“Black Box„) zu lesen ist. Zwar ähneln sich Kurzgeschichte und Comic zu Beginn sehr, nutzen teilweise die selben Formulierungen, doch geht der Comic noch einige Schritte weiter und nimmt die Vorlage nur als Sprungbrett, auf dem Charaktere und Geschichte fußen. Die Kurzgeschichte endet dort, wo der Comic erst anfängt: Bei dem ersten Todesfall.

Nein, dieser Comic erzählt keine bunte Knautschgeschichte, sondern präsentiert das Bild eines mitnichten nur körperlich gezeichneten Mannes, der in seinen psychischen Problemen nicht nur selber ertrinkt, sondern andere mit sich ins Verderben zieht. Jeglicher Pathos und Heroismus, den man gemeinhin mit einem derart wundersamen Cape verbindet, fehlt hier völlig und wird durch die hämisch grinsende Fratze eines Psychopathen überschattet. Es ist gerade zu Beginn verstörend, wobei es im Laufe der Seiten leicht wahnwitzige Züge annimmt, die mir leicht über die Maße erscheinen – was indes vielleicht auch nicht ganz unpassend für Eric ist. Dennoch gibt es ein, zwei Momente, die mir „zu viel“ sind und die durch ihre bloße Existenz die feinen Grausamkeiten menschlicher Psyche verdrängen und das ganze trivialer erscheinen lassen, als es eigentlich ist.

Der Protagonist ist ein Arschloch. Leider eines, das man nicht mal mehr aufgrund seines vielleicht doch alles erklärenden Hintergrundes sympathisch finden kann, derart tief steckt er in seiner eigenen, klebrigen Pest. Das Portrait Erics ist gelungen, wenngleich es nicht allzu sehr in die Tiefe geht. Beschrieben wird nicht primär seine Psyche, sondern die Taten. Unangenehm fällt der Blick des Lesers direkt auf den gebrochenen Kiefer der Frau, auf das fransig gewordene Cape, das einst so viel Spaß brachte und nun ein Verkünder des Unheils ist.

Insgesamt hätte „The Cape“ eine Kürzung gut getan, vielleicht wäre es passender gewesen, die ursprüngliche Kurzgeschichte statt um einige viele, nur um zwei oder drei zusätzliche Szenen zu ergänzen. Das Original ist, was den Schrecken angeht, auf den Punkt, der keiner Ausdehnung bedarf. Dafür jedoch sind die Erläuterung zu Erics Charakter gelungen und recht interessant, gerade unter Zunahme der Beleuchtung anderer Personen, die in der Kurzgeschichte nur am Rande oder gar nicht auftauchen.

Es ist ein gut zu lesender, in sich abgeschlossener Comic, den man lesen kann, aber nicht muss.Er beschreitet keine gänzlich neuen Pfade, ist auf seine Weise jedoch unterhaltsam. definitiv zu empfehlen, wer gerne über düstere Gestalten und tiefe Abgründe des Menschen liest.

Cape

 

Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles #1

Genre: Action, Superhelden
Autor: James Tynion IV
Ursprungsidee:
Peter Laird, Kevin Eastman
Illustratoren:
Freddie E. Williams II
Erscheinungsform: 
32 Seiten,  Heftchen, mtl., 6-teilige Miniserie
nächste Ausgabe: 13.01.2016
Verlag: DC Comics / IDW Publishing Sammelband bei Amazon vorbestellen


Das erste offizielle Zusammentreffen von Turtles und Batman gestaltet sich etwas schwierig: Mit der Annahme, der jeweils andere sei ein gar fürchtbarer Feind. Dank eines perfiden Plans des possierlichen Krang landen nicht nur die Turtles, sondern ausgerechnet auch Shredder samt Foot Clan in einer anderen Dimension und einer anderen Stadt, namentlich Gotham City. Dort mischen sie ein Labor auf und entwenden aus sicher sehr heroischen Gründen einen wichtigen Generator, der in den falschen Händen Grausames anrichten kann. Prompt werden sie vom überlebenden Laborpersonal als Monster und Kumpanen der Foots identifiziert. Und wen kann man in solch einem Fall besser gebrauchen als den dunklen Rächer?

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Was klingt wie ein wahr gewordener Traum der Kinder der 80er und 90er, ist auch tatsächlich und erstaunlich unterhaltsam. Wir finden hier zwar kein spritziges Sammelsurium an Kuriositäten wieder, dafür jedoch den kurzweiligen Auftakt einer doch recht düster gezeichneten Geschichte, in der sich Batman und die Turtles im ersten Augenblick alles andere als grün sind. Wer kann es Batman auch verdenken, wirken doch zumindest die Turtles nicht gerade wie die freundlichen Schildkröten aus der Nachbarschaft. Unnötige Zeit wird nicht auf die Vorstellung der einzelnen Charaktere verschwendet, die Kenntnis wird als gegeben vorausgesetzt.

Dabei harmonieren Batman mit seinem Gotham und die Turtles ausgesprochen gut miteinander, die beiden Welten werden gekonnt zu einer verknüpft, was nicht unpassend oder erzwungen wirkt. Unterstützt wird dieser Eindruck natürlich von den Zeichnungen, die sowohl den Charakter der finster dreinblickenden Fledermaus, als auch die Atmosphäre der Turtles-Comics einzufangen vermögen. Hier mangelt es zwar manchmal an räumlicher Tiefe, die Figuren wirken teilweise überdimensioniert, doch insgesamt ist es ein sehr runder Eindruck, der von der Coloration unterstützt wird.

Screen_Shot_2015-12-09_at_11.34.24_AM.0Sowohl zwischen den Zeilen, als auch im direkten Dialog zünden die Gags, die einerseits auf der Metaebene stattfinden und andererseits in den Charakteren begründet liegen, die ebenso gut getroffen sind wie die Optik derer. Wenn Donatello einen leicht philosophisch angehauchten Monolog über seine Heimatstadt hält, horcht das Fanherz auf, wenn Michelangelo sein Videospiel in Trümmern sieht, weint es ein bisschen mit und selbst Alfred und das – zugegebenermaßen sehr gewöhnungsbedürftig anmutende – Batmobil bekommen ihre Momente.

Das Crossover an sich wird durch zwei Kämpfe schön verdeutlicht: Während sich Batman gegen die Foots behaupten muss und dabei einen ersten, ehrfurchtsgebietenden Blick auf Shredder werfen kann, mühen sich andernorts die Turtles mit dem Killer Croc ab. Die Kämpfe an sich sind nett anzusehen, gehen jedoch nicht zu sehr ins Detail.

Wir reden hier nicht von den aktuellen Versionen der jeweiligen Helden, aktuelle Ereignisse stehen hier also außen vor. Der Comic funktioniert als zeitloser Einzeltitel und das ist wohl auch gut so. Die erste Ausgabe bildet den Auftakt zu einer sechsteiligen Serie, die monatlich erscheinen wird und zeigt einen guten Start, der eine gute Reihe verspricht. Ich bin definitiv gespannt darauf, wie die Turtles und Batman tatsächlich miteinander agieren werden.

 

TurtlesBatman

Crossed +100 Volume 1

Genre: Horror
Autor: Alan Moore
Ursprungsidee:
Garth Ennis
Illustratoren:
Gabriel Andrade
Erscheinungsform: 
160 Seiten,  Softcover
Enthält: Crossed +100 #1-6
VerlagAvatar Press | Für 20,24 bestellen


Inhalt

Hundert Jahre nach dem Outbreak, hundert Jahre, nachdem der erste zombieeske „Crossed“ das unschuldige Licht der Welt erblickte, hat die Welt ein anderes Gesicht bekommen. Durch die Ruinen einstiger Hochburgen menschlichen Schaffens streifen Antilopen und aus dem Zoo entlaufene Elefanten, ranken sich längst die Wurzeln allerlei Pflanzen, deren Natur sich ihr Reich immer mehr zurückerobert. Die verbliebene Menschheit hat sich Festungen erbaut, wo sie mittlerweile recht friedlich haust. Die größte Bedrohung? Hungrige Wölfe. Die Crossed dagegen sind zur Gruselgeschichte verkommen, von denen die wenigsten Menschen je einen zu Gesicht bekommen haben: Durch Inzest degeneriert und durch Kannibalismus dezimiert, haben sich die Crossed scheinbar größtenteils selber ausgerottet.

Hier folgen wir der Archivarin Future Taylor, die sich auf den Spuren der Vergangenheit durch Videoschnipsel, Berichte und Tagebucheinträge wühlt und bald einer neuartigen Religion auf die Schliche kommt, deren Pläne alles bisherige Grauen in den Schatten stellt.


 

Kritik

Der wunderbare Alan Moore (Watchmen, The Killing Joke) hat eine postapokalyptische Welt erschaffen, die wirklich fundiert erscheint und durch die „archäologischen“ Elemente mehr Tiefe erlangt. Hier möchte ich konkret empfehlen, sich die englische Originalfassung anzueignen, da im Deutschen viele Wortschöpfungen verloren gehen und unnötig verkompliziert werden. Denn Sprache entwickelt sich, auch und besonders schnell, wenn die Zivilisation, wie wir sie kennen, zu Ende geht und neu strukturiert wird. Die Grammatik scheint nun nebensächlich zu sein, das Vokabular wurde umgewälzt, sodass man sich als Leser erst einlesen muss. Das ist nicht immer einfach oder spaßig, fördert jedoch die Authentizität der Geschichte und macht sie interessanter, zumal all diese Änderung nachvollziehbar und sinnig sind.

Die Erzählweise beginnt ruhig, plätschert sachte dahin und stellt einige Charaktere vor, deren Namen man sich in weiser Crossed-Tradition ohnehin nicht wirklich merkt – aber es vielleicht sollte? Man erhält einen Einblick in die veränderten sozialen Gefüge und die Gewichtungen, die einzelne Aspekte haben: So ist Scham den eigenen Körper betreffend nicht mehr wirklich anzutreffen, die Beziehungen sind oftmals eher sexueller, denn romantischer Natur, Science Fiction wurde zur Wishful Fiction und auch vor den Religionen haben die Veränderungen nicht Halt gemacht. Eine neue Zeitrechnung ist angebrochen und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Nachdem die Crossed im Jahre 0 die Herrschaft an sich gerissen hatten , ging es bei ihnen jedoch, anders als bei den Menschen, scheinbar nicht weiter. Sie waren dort im Jetzt stark, doch evolutionstechnisch nur äußerst schwach: Wie vermehrt sich eine „Kultur“, die ihre eigenen Neugeborenen verspeist? Die derart selbstzerstörerisch ist, dass sie sich vor Lust die eigenen Arme abhackt? Der erste kalte Winter raffte viele dahin und durch mangelnde Intelligenz wird weder Getreide angepflanzt, noch Kleidung genäht. Nein, als Crossed hat man es wahrlich nicht leicht gehabt.

Doch wäre es kein Comic dieser Welt, würde man durch eben jene Infizierte nicht doch bedroht werden. Hätten sich keine Hillbilly- Crossed kleine Zufluchtsorte gesucht und, tja, gäbe es nicht besondere Infizierte, die anders sind als der minimalintellektuelle Crossed. Die einen Kult begründen und einen Plan hecken, einen Plan, der genau diese Zeit des trügerischen Frieden beinhaltet.

Es bleibt verstörend, in eindringlichen Bildern, die klar, statt künstlerisch sind und eben so viel Raum für Fantasie frei lassen, dass es unangenehm bleibt. Die Diskrepanz zwischen dem Grauen auf der einen und dem kalte Kalkül auf der anderen Seite arbeiten den Beginn des Outbreaks nochmal auf besondere Weise auf.

Ich persönlich finde, dass man sich nicht von den blutigen Bildern und der Gewalt täuschen lassen sollte, denn es ist nichtsdestotrotz eine intelligent erzählte Geschichte, die endlich wieder an die Qualität des Ursprungscomics von Garth Ennis anknüpfen kann. Ich will und kann nicht sagen, dass es ein Genuss ist, ihn zu lesen und doch lohnt es sich meiner Meinung nach sehr. Gerade durch die Erforschung der fiktiven Vergangenheit (oder Zukunft) durch Future Taylor wird nochmal ein Aspekt und eine Ebene hinein gebracht, den ich persönlich äußerst spannend finde.

Fazit

Definitiv ein Muss für unsere Comicsammlung.

Orphan Black #1

Genre: Science-Fiction
Autoren: Graeme Manson, Jody Houser, John Fawcett
Illustratoren:
Szymon Kudranski, Cat Staggs
Erscheinungsform: 
120 Seiten,  Hardcover
Enthält: Orphan Black 1-5
VerlagSplitter |  Leseprobe | Für 19,80 bestellen


Inhalt

Sarah Manning führt ein mehr oder weniger beschauliches Leben als Kleinkriminelle – bis sich vor ihren Augen jemand vor einen einfahrenden Zug wirft. Dieser Jemand ist nicht irgendwer, sondern die Polizistin Beth Childs. Und die sieht exakt so aus wie Sarah. Doch es ist nicht nur ein vermeintlicher Zwilling, sondern derer viele. Es sind Klone. Und im Gegensatz zu den Zylonen haben die Klonverantwortlichen definitiv einen Plan. Nur dass dieser Sarah nicht unbedingt gefallen wird.

Die kanadische Fernsehserie „Orphan Black“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsserien, was nicht nur dem gewollt undurchsichtigen, intelligenten Plot geschuldet ist, sondern auch der wunderbaren Hauptdarstellerin Tatiana Maslany. Diese verkörpert jeden der Klone auf derart glaubhafte Weise, dass man kaum glauben kann, dass es sich wirklich um ein und dieselbe Schauspielerin handelt.

Dies hier ist die Besprechung zur Comicadaption der Serie.


Kritik

Während die Serie bereits wenig erklärt und den Zuschauer selber denken und zusammenführen lässt, so wird dies bei den Comics noch auf die Spitze getrieben. Splitter der Story werden aneinander gereiht in einer Form, die es selber für mich als Kennerin der Serie schwierig macht, dem Faden zu folgen. Was genau vor sich geht, wer eigentlich wer ist und ob oder wie sie alle miteinander verknüpft sind, wird man durch die Comics nur schwerlich erfassen können. Zu fragmentiert zeigt sich die Erzählweise, zu skizzenhaft die Darstellungen. Die Struktur scheint sich primär an den zu richten, der die Serie kennt und sich durch den Comic weitere, tiefer gehende Informationen erhofft.

Diese bekommt man häppchenweise: Hintergründe zu den einzelnen Charakteren werden ebenso geliefert wie die Gedankengänge der diversen Klone. Hier werden die Gedanken geschickt durch verschiedene Farben und Schrifttypen den verschiedenen Charakteren zugeordnet, sodass eine Unterscheidung leichter fällt, wenn man auf diese Details achtet. Wichtig ist hierbei auch der Zeichenstil: Meines Erachtens nach ist dieser allerdings nicht fein genug. Zuweilen wirken die Klone nicht so identisch, wie man es erwarten würde, mir war beispielsweise bei einer Person nicht bewusst, dass es sich um einen weiteren Klon handelt. Zudem schwankt die Qualität der Gesichterzeichnung mitunter von Panel zu Panel; man merkt, wenn gerade ein Referenzphoto zu Rate gezogen wurde. Nichtsdestotrotz sind die Zeichnungen nicht schlecht und ich mag den skizzenhaften Charakter sehr – nur nicht unbedingt in diesem speziellen Fall.

Dieser Sammelband umfasst die ersten fünf Issues der Originalfassung, wobei jede der Ausgaben einen der Klone in den Fokus stellt und den Leser in dessen Gedankengänge eintauchen lässt. Wir folgen Sarah, Helena, Alison, Cosima und Rachel, den Klonen also, die auch in der Fernsehserie die Hauptcharaktere darstellen und die jede für sich sehr interessante Charaktere sind. Insbesondere der dezent abgedrehten Helena macht es unheimlich Spaß, zu folgen.

Insgesamt ist der Comic ein netter Mix aus Altbekanntem – so werden auch Zitate und „Stills“ aus der Show selbst verwendet – und Neuem, wobei das Altbekannte überwiegt. Unweigerlich frage ich mich: Wer hat diese Zielgruppe definiert? Der Serienkenner wird zu wenig Neues erfahren und der Newbie sich zu häufig verwirrt den Kopf kratzen. Was es allerdings zweifellos ist: Eine schöne Ergänzung für Fans mit sehr netten Zeichnungen, die den dreckig-konfusen Charme der Serie gekonnt einzufangen vermögen. Und Neulinge werden sicher neugierig gemacht, was es mit den Figuren genau auf sich hat.

Fazit

Der Comic ist kein direkter Serienklon, kriegt jedoch nur knapp die Kurve, wenn es um echte Neuigkeiten geht, nach denen sich Fans die Finger lecken würden.

 

 

[Graphic Novel] Wie zerknülltes Papier


Genre: Drama
Autoren:
 Nadar
Illustrator:
 Nadar
Erscheinungsform: 
400 Seiten, Klappenbroschur
Farben: Schwarz-Weiß
Verlag: avant-verlag
Leseprobe | Für 24,95 bestellen


Inhalt

Zwei Protagonisten stehen im Zentrum dieser Graphic Novel: Der sechzehnjährige Javi, der die Schule geschmissen hat und lieber kleinkriminelle Aufträge erledigt und der alternde Jorge, der ein Zimmer einer Pension bezieht und in einer Holzfabrik zu arbeiten beginnt. Der eine kämpft mit den unheilvollen Folgen eines missglückten Auftrags, der andere mit seiner nebulösen Vergangenheit.

Der spanische Künstler Pep Domingo alias Nadar zeichnet nicht nur ein eindringliches Bild dieser beiden Charaktere, sondern schafft es auch, deren Schicksale miteinander und mit denen kleinerer Figuren zu verweben. Es ist eine Geschichte über Schuld, Verdrängung und der verzweifelten Suche nach der eigenen Identität und dem kleinen Glück.

Die Konstellation der Figuren ergibt eine Spannung, die man zunächst nur am Rande wahrnimmt und sich immer weiter von Seite zu Seite verdichtet, diese Graphic Novel zu etwas macht, das ich kaum aus der Hand legen konnte – trotz des fehlenden Genrebezuges.

Was macht diese Graphic Novel lesenwert?

Die Bilder

Machen wir uns nichts vor. Es ist ein Comic. Die haben meistens mehr oder weniger schöne Bilder, doch darauf will ich gar nicht hinaus. Der Zeichenstil an sich ist eigen, aber sicher nicht phänomenal. Das, was die Bilder so eindringlich machen, ist die Erzählweise, die fast cineastisch wirkt. Totale und Detailansichten werden stets zum richtigen Zeitpunkt benutzt und vermögen es, die Stimmung und das Lesetempo des Lesers zu leiten, ganz ohne zwingend Worte zu benötigen. In wenigen Panels werden die Szenerien plastisch skizziert, wobei besonders die Kleinigkeit diese lebendig machen: etwa der Fokus auf Spinnen in den Ecken oder der Blick auf ein Holzpferdchen.

Die Story

Anfangs wirkt alles noch zusammenhangslos und die Verknüpfungen zeigen sich erst nach und nach im Laufe der Zeit. Man merkt schnell, dass Jorge ein Geheimnis mit sich herum schleppt, dass er irgendetwas getan hat oder noch immer tut, das nicht im Sinne der Gesellschaft ist. Die ganze Geschichte arbeitet in drei verschiedenen Zeitebenen auf die Lösung hin und das auf eine sehr spannende Art und Weise. Die Frage nach dem Was steht die ganze Zeit über im Raum und lässt, gefüttert durch kleine Details, Raum für Spekulationen.

Zu den anderen Plotsträngen scheint es zunächst keine direkte Verbindung zu geben und doch gehen sie fließend ineinander über, sind durch keine Kapitel oder auch nur Seiten getrennt, auf manches Panel aus Jorges Sicht folgt ohne Umschweife eines aus der Perspektive Javis oder einer der beiden anderen Nebenrollen, in deren Leben man kleine Einblicke erhält und die die beiden Hauptpersonen dadurch näher beleuchten.

Der ganze Plot ist spannend und gut aufbereitet, wartet mit Überraschungen auf, die auf tieferer Ebene funktionieren als die üblichen Schock- oder Überraschungsmomente.

Die Charaktere

Man lernt eine kleine Handvoll relevanter Personen kennen, die selten einem Klischee folgen. Dafür ist eine gewisse Diversität  in der Charaktergestaltung dezent und dadurch angenehm eingewoben. Mir gefällt die Charaktertiefe, die Figuren wirken lebensnah und sind größtenteils sympathisch – selbst Jorge, der sich sehr wortkarg und melancholisch gibt und dessen Schuld man am Ende vergeben kann – oder auch nicht.

Das Ende

Diese Schuldfrage beantwortet der Comic am Ende nicht. Ist Jorge ein schlechter Mensch? ie Bilder fordern dazu auf, sich die Antwort selber zu überlegen, sich zu fragen, wie man an seiner Stelle vielleicht reagieren würde. Das letzte Panel alleine lässt Platz für Interpretation, was ich sehr spannend finde.

Insgesamt ist das eine Graphic Novel, über die man sprechen kann. Man legt sie nach dem Lesen nicht schulterzuckend weg, sondern reflektiert, sie bietet interessanten Gesprächsstoff. 

Harley Quinn: Mad Love

Genre: Superschurken
Autoren:
Paul Dini, Bruce Timm, Kelley Puckett
Illustrator:
Bruce Timm, Mike Parobeck
Erscheinungsform: 
180 Seiten,  Softcover
Enthält: Batman Adv.: Mad Love 1, Batman: Harley and Ivy 1-3, Batman Adv.: 12
Verlag: Panini
Leseprobe | Für 16,99 bestellen


Inhalt

Die für die Animationsserie „Batman: The Animated Series“ Anfang der 90er erschaffene Antagonistin Harley Quinn erhielt ihren Comicauftritt in „Batman Adventure: 12“. Diese Geschichte ist in diesem Sammelband ebenso enthalten wie „Mad Love 1“, das die etwas krude Entstehung der Figur „Harley Quinn“ herausarbeitet und die Miniserie „Harley and Ivy“, in der, wer hätte es bloß gedacht, Harley gemeinsame Sache mit Poison Ivy macht.

Während die beiden anderen Geschichten eher schmückendes Beiwerk sind, ist es vor allem Mad Love, dem ein besonderer Blick gebührt: Hier wird die junge Psychologin Dr. Harleen Frances Quinzel nicht nur zur allseits bekannten Harley Quinn, sondern man erhält auch einen deutlicheren Blick auf sie als Person.

Kritik

Ich hatte es bereits angedeutet: Sowohl „Harley und Ivy“, als auch „Batman Adventure:12“ sind für mich weder Meilensteine, noch sonstwie bedeutend. Harley verkommt hier zum kleinen Mädchen, das eher stört, als der Gangstergemeinde wirklich nützlich zu sein. Natürlich: Dies gehört zu ihr, doch vermisse ich dort jeglichen Tiefgang oder weitere Eindrücke von ihr, die über diese eine Eigenschaft hinweg gehen. Immerhin: In der Miniserie mit Poison Ivy ist ein wenig mehr Humor enthalten und insbesondere ihrer beider Ausflug gen Hollywood ist zumindest einen kleinen Blick wert. Aber sonderlich spannend: Nein, nicht wirklich.

Dass Harley eher ein Hascherl ist, wird auch in Mad Love deutlich. Frau Dr. Quinzel wird im Arkham Asylum eingestellt, wo die besonders gefährlichen und abstrusen Verbrecher ihr Dasein fristen. Sie nimmt sich dem Joker an – und verfällt wenig später seinem ganz besonderen Charme und seiner Raffinesse. Schnell stellt sie sich ganz auf ihn ein, ihr Herz gebührt nur ihm. An sich genommen ist ihr Verhalten an sich bereits ein interessantes, psychologisches Phänomen. Zuletzt benutzt der Joker sie als eine Art Ausbruchsinstrument und verpflichtet sie hernach als persönliche Assistentin.

„Hascherl“ ist vielleicht zu böse ausgedrückt, schließlich hat Harley noch immer einen mehr oder minder eigenen Willen. Dennoch ist mir das Lesen dieser Geschichte unangenehm. Ich wünschte mir Harley stärker, in früheren Comics funktioniert sie als Sidekick oder hier nur in Verbindung mit dem Joker. Nicht, dass ich ausschließlich starke Frauen bräuchte – das fände ich reichlich langweilig. Aber… es ist Harley!

Diese Sammlung früherer Stories rund um Harley beleuchten ihren Charakter auf jeden Fall, ohne ihn zu sezieren. Es ist ein interessanter Einblick, auf den man verzichten kann, aber nicht muss.

Ms. Marvel #2: „Generation Fragezeichen“

Genre: Superhelden
Autoren:
G. Willow Wilson
Illustrator:
Jake Wyatt, Adrian Alphona
Erscheinungsform: 
140 Seiten,  Softcover
Enthält: Ms. Marvel (2014) 6-11
Verlag: Panini
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Inhalt

Kamala Khan aka Ms.Marvel hat sich kaum in die neue, zweite Identität eingekuschelt, da schlittert sie prompt tiefer in die Machenschaften des schurkischen Inventors hinein. Dieser hetzt boshafte, animaleske Roboter auf sie, bangend um seine Existenz und vor allem seines Vorhabens. Dieses ist, wie es sich für einen Schurken geziemt, gar teuflisch: Junge Menschen verkabelt er, sie als Energielieferanten nutzend und seine ganz eigene Idee der verrohten Jugend zu realisieren.

Mit Hilfe eines uns allen wohlbekannten Recken springt nun Ms. Marvel herbei, um die Teenager zu befreien. Was dann geschieht, ist unglaublich. [/clickbait]

Kritik

Ohne Umschweife heftet man sich als Leser wieder an Kamalas heldenhafte Fersen. Man merkt, dass das Heldinnenkostüm kein Fremdkörper mehr für sie ist, obwohl sie noch immer in den Anfängen ihrer geheimen Identität steckt. In diesem Band lernt sie, was genau sie ist, knüpft wichtige Kontakte und erfährt durch diese mehr über ihr Sein. Auf dieser Entwicklung liegt jedoch nicht der Fokus.

Rasantes Roboterknüppeln steht vielmehr im Vordergrund ebenso wie das Zusammenspiel mit zwei neuen Verbündeten: Dem teleportierenden Riesenhund Lockjaw und Wolverine. Letzteren konfrontiert sie sogleich mit einer selbstgeschriebenen FanFic, in dem er eine der beiden Hauptrollen spielt. Klassisches Fangirling kollidiert auf sehr charmanter Art mit den Aufgaben einer Superheldin.

Diesen Spagat zwischen Heroismus und Humor findet sich auch in den Zeichnungen wieder: Wie auch im Vorgänger sind es vor allem die Hintergründe, die für Schmunzler sorgen, kleine Details bringen Leben hinein und erschaffen mit dem Kontrast zum Vordergrund eine interessante Tiefe. Der Vordergrund – etwa der gerade sprechende Wolverine – ist scharf gezeichnet, während die im Hintergrund stehende und ihm lauschende Ms. Marvel fast schon karikiert wirkt. Es scheint sich alles nicht allzu ernst zu nehmen, was zu großen Teilen auch auf Figuren und Story zutrifft.

Während die Figuren plausibel bis unterhaltsam sind und auch in Sachen optischer Diversität glänzen, schlägt die Geschichte etwas ernstere Töne an, ohne dabei die positive Stimmung zu verlassen, die der Comic hinterlässt. Es dreht sich um eine faule, unnütze Generation, die in der ohnehin bereits überbevölkerten Erdbevölkerung nur Schaden verursacht. Laut Erzschurke Inventor kann die Jugend jedoch eines tun, um doch noch positiv zum Weltgeschehen beizutragen: Sich oder vielmehr die durch ihre Körperwärme produzierte Energie dem Allgemeinwohl zur Verfügung stellen. Leichte Ansätze von Gehirnwäsche, durchaus, aber auch ein Funke von Kritik nicht nur an der „Generation Why“.

Wie der erste Sammelband ist auch dieser wieder sehr unterhaltsam und kurzweilig, Ms. Marvel ist zu einer meiner Lieblingshelden avanciert, da sie herrlich natürlich und gleichzeitig heroisch ist. Hier würde ich nur leichte Abstriche in Sachen Geschichte vornehmen, da mir der Inventor noch nicht als der perfekte Gegenspieler erscheint. Roboter sind nicht ganz so meins, ebenso wenig der angedeutete Generationenkonflikt, der jedoch nun abgeschlossen zu sein scheint. Andererseits bietet die Interaktion vor allem mit Wolverine einige sehr amüsante Momente!

Es ist definitiv eine gelungene Weiterführung der ersten Issues, die an allgemeiner Qualität nichts eingebüßt haben.

Highway to Hell


Genre: Horror
Autoren:
Davide Dileo, Victor Gischler
Illustrator:
Riccardo Burchielli, Francesco Mattina
Erscheinungsform: 
148 Seiten,  Softcover
Enthält: Highway to Hell 0-4
Verlag: Panini
Leseprobe | Für 18,99 bestellen


Inhalt

Special Agents Isaac Brew und Jayesh Mirchandani sind einem Serientäter auf den Fersen, der perverse Gorefantasien auszuleben scheint: Abgeschlagene Köpfe, bestialisch entstellte und nahezu künstlerisch drapierte Leichen säumen seinen Weg auf der Route 5. Wer steckt dahinter? Ein Einzeltäter oder vielleicht gar ein ganzer Kult? Schon bald scheinen sie den Täter gefunden zu haben, einen komplett gerüsteten mann, der mit martialischen Waffen aufwartet und rein optisch den Typus „Kranker Serientäter“ perfekt zu verkörpern scheint. Doch es steckt mehr dahinter als nur die Tat eines Menschen. Und der Mann in der Rüstung ist dabei noch das kleinste Problem.

Kritik

Gerade im ersten Drittel wird eine Szenerie gewoben, die einen fesselt und aufgrund der Bilder auch graphisch nicht mehr loslässt. Hier werden zwar bereits die grauenvollen Tatorte gezeigt, doch spielt sich das Essentielle in der Fantasie ab: Wer hat die armen Hascherl derart zugerichtet, wer oder was ist zu sowas überhaupt in der Lage? Und warum? Genau wie im Horrorfilm sind es die Momente vor Entdeckung des eigentlichen Monsters, die erschrecken. Zugegeben, diese Momente sind hier nicht nur dezent blutig und erinnern an die drastischen Bilder aus dem Crossed-Universum. Der eher derbe Zeichenstil Burchiellis, der die Passagen des Jetzt visualisiert, harmoniert hervorragend mit der weicheren, realistischeren Federführung Mattinas, der sich für die Flashbacks verantwortlich zeigt. Diese bringen zunächst nur wenig Licht ins Dunkel, akzentuieren vielmehr die Schatten in dem grausamen Spiel.

Ist erstmal die Identität des „Ritters“ bekannt, das wahre Böse aufgedeckt und mit Namen bedacht, verflüchtigt sich die aufgebaute Spannung und macht einem gegenständlicheren Horror Platz. Hier stehen nun die Monströsitäten im Fokus, deren Jagd und hoffentlich baldige Vernichtung. Dennoch verkommt es zu keiner reinen Monsterjagd – wenngleich zu einem Finale, das man fast nur noch als „Gemetzel“ bezeichnen kann.

Keiner der eingeführten Charaktere scheint ein Sympathieträger sein zu wollen. Speziell Agent Isaac Brew, der sich rauchend, fluchend und anbandelnd durch die Seiten schlägt, ist keineswegs nicht nur ein „Antiheld“ oder „Bad Cop“, sondern ein Arschloch. Es passt jedoch in die Welt und Geschichte, wirkt nicht besonders aufdringlich oder aufgesetzt, sondern irgendwie natürlich.

Das alles ist in kontrastreiche, stark rot eingefärbte Bilder gekleidet, die die Geschichte gekonnt transportieren. Künstler und Autoren bilden eine Einheit, die funktioniert und der es Spaß macht, in Form des Comics beizuwohnen.

Fazit

Besonders im ersten Drittel gewinnt der Comic enorm an Substanz und ist ein schöner Horrorschmöker für Zwischendurch. Später verkommt er nicht, doch wird generischer, in seiner Erzählweise lapidarer und gleichzeitig gestreckter, inhaltlich weniger kompakt und dadurch leicht verwässert wirkend . Insgesamt macht der Comic Spaß zu lesen, wenn man sich der makaberen Bilder stellen möchte. Nicht umsonst empfiehlt Panini den Comic erst für volljährige Leser.

 

 

The unbeatable Squirrel Girl!

Genre: Superhelden
Autoren:
 Ryan North
Illustratoren:
Erica Henderson
Erscheinungsform: 
112 Seiten,  Softcover
Enthält: The Unbeatable Squirrel Girl 1-5
Verlag: Marvel
Für 14,00 vorbestellen


Inhalt

Doreen Green ist eigentlich ein ganz normales Mädchen. Ein  bisschen Tomboy, ein bisschen zu größenwahnsinnig, ein wenig tierverliebt und einen großen Hintern hat sie auch. Das hat auch seinen Grund, denn irgendwo muss man seinen Eichhörnchenschweif ja auch verstecken! Doreen ist nämlich Squirrel Girl, proportional ausgestattet mit der Stärke und Schnelligkeit eines Eichhorns. Gemeinsam mit ihrem Sidekick Tippy sagt sie Superschurken wie dem garstigen Jäger Kraven, der in seiner Leoleggins ein wenig aussieht wie ein verunglückter Zirkusdompteur, den Kampf an. Mit geballter Eichhornkraft, versteht sich, denn die sollte man auf keinen Fall unterschätzen!

Photo-Jan-11-5-56-50-PM-1024x437Neulich, im Comiclager, stieß ich auf die wunderbare Comicwelt des Squirrel Girls und nahm sofort einen kleinen Stapel dessen mit. Dabei kannte ich sie zuvor kaum, war lediglich auf die vier Variantcovers der ersten Issues und auf ein putziges Cosplayvideo aufmerksam geworden, die allesamt Lust auf mehr gemacht hatten. Nicht, dass Squirrel Girl ein neuer Charakter wäre, tatsächlich existiert sie schon seit 1992, hat bereits Wolverine gehörig den Hintern versohlt (s. New Avengers Vol. 2 #15) und sich ihren Zusatz „Unbeatable“ redlich verdient.

Nun hat sie Anfang dieses Jahres eine eigene Serie bekommen und unter Erica Hendersons Zeichenfeder auch einen neuen Look. Nicht sexy sollte es sein, sondern so, wie sich die Künstlerin ein Eichhornmädchen vorstellt: Knuffig, robuster als die 08/15 zierliche Superheldin und aufgeweckt, was sich sehr gut in ihrer Mimik widerspiegelt. Insgesamt ist der Stil sehr comiclastig und bunt, dynamisch nicht nur innerhalb der Action, sondern auch in ruhigeren Abschnitten. Es ist keine düstere Dystopie und kein melancholischer Batman, sondern kurzweiliger Spaß.

qci5g6m7k6xacdp7derxUnd ja, es macht verdammt viel Spaß! Die Seiten sind voller Witz in Wort und Bild, die Charaktere mannigfaltig statt inspirationslose Abziehbildchen anderer Helden und die Methoden Squirrel Girls ausgefallen und dadurch spannend zu lesen. Auch die Art, wie sie sich ihren Widersachern nähert: Tipps zur Bekämpfung findet sie in Deadpool’s Guide to Super Villains, in dem die  Schurken charakterisiert und deren Stärken und Schwächen aufgezeigt werden. Unter den Superheldenkarten findet man übrigens zu 99% Karten von Deadpool selbst, wie er sich im Spiegel grinsend thumbs up gibt. Überhaupt gibt es einige Referenzen zu anderen Comics und Superhelden und wenn Tippy in einem „Anzug“ bestehend aus der Maske und dem Handschuh Iron Mans ins Weltall fliegt, hat es etwas unfassbar Possierliches!

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Die Dynamik zwischen den Eichhörnchen, Doreen und den Nebencharakteren hat es mir absolut angetan und vor allem Doreens Wesen ist etwas, das ich herausragend finde. Ich mag auf liebenswerte Art größenwahnsinnige Charaktere sehr. Wobei, wieso eigentlich größenwahnsinnig? Sie ist nunmal unschlagbar! Akzentuiert wird diese fiktive Persönlichkeit noch durch die Leserbriefe und vor allem die Antworten seitens Ryans und Ericas, die am Ende der Heftchen zu finden sind. Eines noch, bevor ich zum völlig überraschenden Fazit komme: Hier ist die englische Version wirklich die einzig richtige Wahl. Es gibt einfach zu viele Wortspiele, die in der Übersetzung verloren gingen.

Fazit

The unbeatable Squirrel Girl hat für mich etwas Außergewöhnliches. Die Heldin, die Geschichte, der Humor sticht unter den vielen anderen Comicserien deutlich hervor. Vielleicht wirken Eichhörnchen nicht, als könnten sie Grundlage eines Superhelden sein – aber hier wird deutlich gezeigt, dass sie sehr wohl super sein können.

Teenage Mutant Ninja Turtles #6: „Vier Freunde“


Genre: Action
Autoren:
Erik Burnham, Mike Costa, Barbara Kesel
Illustratoren:
Mike Henderson, Marley Zarcone
Erscheinungsform: 
108 Seiten,  Softcover
Enthält: The Micro Series 5-8
VerlagPanini Comics Leseprobe
Für 12,99 bestellen


Inhalt

Einer alten Tradition folgend stellt die Micro Series von 2012 pro Ausgabe einen Charakter in den Fokus. Nachdem die Ausgaben 1-4 die vier Turtles vorgestellt haben, werden nun in den Ausgaben 5-8, die hier in diesem Band zusammengefasst werden, vier ihrer Verbündeten vorgestellt: Casey Jones, Splinter, April und Fugitoid.

Während sich Splinter zurück an sein früheres Leben in Japan erinnert, lernen wir aus Casey Jones‚ Sicht über dessen zerrütteten Familienverhältnisse, folgen April in die zwielichtigen Abteilungen des Stockgen Labs und erfahren mehr über die Hintergründe des Androiden Fugitoid. Vier in sich abgeschlossene Geschichtchen, die einen tieferen Einblick in den Kosmos der Ninjaschildkröten gewähren.

Kritik

Die vier Geschichten wurden von verschiedenen Autoren und Künstlern realisiert, dennoch schwankt die Qualität in keinster Weise. Natürlich – und auch zum Glück – unterscheiden sich die Zeichenstile jedoch, unterstreichen jeder für sich die Inhalte. Die Vergangenheit Splinters wird in schmutzigen Farben gehalten und es ist auch keine, die allzu viel rosa Zuckerwatte verspricht. Immerhin taucht auch Oroku Saki auf, und wer das ist, muss an dieser Stelle vermutlich nicht erklärt werden. Oder doch: Er ist oder wird Shredder, das sympathische Kerlchen mit den Käsereibenschultern. [Funfact: Die Rüstung war tatsächlich von diesem Küchengerät inspiriert.] Splinter wird hier Raum gegeben, seine väterlichen Eigenschaften werden durch negativere ergänzt, die zu großen Teilen in seiner Jugend verankert sind.

caseyjonesEin besonderes Schätzchen ist in meinen Augen die zweite Geschichte, dieses Mal aus der Zeichenfeder von Mike Henderson. Hier steht ein junger Casey Jones im Mittelpunkt, dessen familiärer Background alles andere als quietschfidel ist und der sich im wahrsten Sinn des Wortes durchs Leben schlagen muss. Definitiv ist es keine leichte Kost, nichts, bei dem man wirklich „Spaß“ beim Lesen hat. Dafür lässt die Geschichte an sich keinen Raum. Die Alkohol- und Aggressionsprobleme des Vaters, die Krankheit der Mutter, ihre Aussage, Casey möge seinem Vater gegenüber immer den Schwächeren geben, damit dieser sich besser fühle… alles nicht so schön. Schlecht ist sie allerdings keinesfalls, im Gegenteil. Sie ist auf eine sehr graue Weise emotional und hart, lässt dabei allerdings keinen der relevanten  Charaktere wirklich schlecht erscheinen.

Im Gegensatz dazu sind die kommenden Stories rund um April und Fugitoid nicht nur lustig gezeichnet, sondern auch ebenso gut gelaunt erzählt. Gerade Aprils Part ist in meinen Augen auch nicht besonders gut, sondern belanglos. Im Gegensatz zu den anderen drei Geschichten zeigt diese auch keine wirklich neue oder tiefer gehende Facette Aprils und auch das Setting ist keines, das mich besonders interessiert. Der ehemals menschliche Fugitoid reisst es am Ende des Bandes wieder raus. Das Charakterkonzept alleine ist ein sehr interessantes und wird hier dem Leser hervorragend transportiert.

Insgesamt gefällt mir dieser Band sehr gut, da er Figuren beleuchtet, die ich ohnehin sehr schätze. Die Welt der Turtles wurde in den letzten Jahren bei IDW wieder einmal ein wenig überarbeitet und durch die Bände erhält man einen sehr guten Einblick über die neuen Geschehnisse. In Amerika ist auch längst die achtteilige Mikroserie rund um die Schurken veröffentlicht. Ich hoffe doch sehr, dass auch diese es nach Deutschland schafft.

Kamala Khan ist die neue „Ms. Marvel“ – Bd. 1

Genre: „Superhelden“
Autor:
 G. Willow Wilson
Illustrator:
Adrian Alphona
Erscheinungsform: 
124 Seiten,  Softcover, Band 1 von ?
Enthält: Ms. Marvel (2014) 1-5
VerlagPanini Comics 
Amazonlink Leseprobe


Bis 2012 war sie Ms. Marvel: Carol Danvers, ein blondes, optisches All-American Girl. Dann, nach Mar-Vells a.k.a. Captain Marvels Tod übernahm sie dessen Superheldenidentität und der Name „Ms. Marvel“ schien Geschichte.

Doch nicht für lange. Bereits Ende 2013 wurde bekannt, dass im Zuge des allgemeinen Umbruchs jemand Neues Ms. Marvels Nachfolge antreten würde. Die Wahl war ungewöhnlich und wurde kontrovers aufgenommen, passt jedoch hervorragend in die momentan herrschende Suche nach mehr Diversität: Kamala Khan, sechzehnjährige Tochter einer pakistanischen Einwandererfamilie. Ms. Marvel ist fortan eine Muslima mit eigener Heftreihe, die zum jetzigen Zeitpunkt bereits 15 amerikanische Ausgaben umfasst. Die ersten 5 Ausgaben hat Panini Comics nun in deutscher Übersetzung herausgegeben.

Handlung

Kamala wächst als Teenager zwischen den Welten auf: Als muslimische Amerikanerin steht sie zwischen zwei Stühlen, scheint zu keiner hundertprozentig zu gehören. Für ihre Familie ist sie nicht konservativ genug, während sie von ihren Mitschüler nicht selten mit Klischees beworfen wird, was in Teilen auch auf ihre geekigen Hobbies zurückzuführen ist. So schreibt sie Fan Fictions, spielt Rollenspiele und ist Fan der – in ihrer Welt schließlich auch real existierenden – Superhelden. Ihre Lieblingsheldin ist Captain Marvel. Und in genau die scheint sie sich während einer schiefgelaufenen Partynacht zu verwandeln.

Dem zugrunde liegt das – bei Ms. Marvel nicht näher erläuterte –  Crossover „Infinity„. In dieser Heftreihe zündet Black Bolt eine Bombe, welche überall auf der Welt den Terrigen-Nebel freisetzt. Menschen, welche das Inhuman-Gen in sich tragen, bekommen durch den Kontakt mit dem Nebel Superkräfte. Von alldem weiß Kamala natürlich nichts und muss fortan, ähnlich wie einst Spiderman,  alleine zusehen, wie sie mit den neu erworbenen Kräften umzugehen hat. Und das ist im normalen Teenager-Alltag alles andere als einfach.

Kritik

ms marvelDie Aufmerksamkeit, die die neue Ms. Marvel bereits vor Veröffentlichung der ersten Ausgabe erfahren hat, kommt natürlich nicht von ungefähr. Zwar ist sie nicht die erste muslimische Superheldin (man beachte etwa Dust von den X-Men), doch die erste, die als Titelheldin fungieren darf. Wer hier nun einen klischeebeladenen,  harsch demonstrierenden Krampf erwartet, wird hier allerdings nicht fündig werden. Die Religion soll nur eine Facette Kamalas sein und nicht das, was sie alleine ausmacht. Zwar werden Erwartungen bedient – so werden die gläubigen Eltern strenger dargestellt und etwa die Essensgebote thematisiert – doch wirkt es nicht plakativ, sondern natürlich. Dass die Autorin G. Willow Wilson nicht nur vor einiger Zeit selbst zum Islam konvertiert ist und somit keine Außenstehende mehr ist, sondern auch einige Muslime und diverse Ansichten kennt, merkt man deutlich. Die Religion nimmt eine angenehme Nebenrolle ein und erdrückt den eigentlichen Plot nicht, sondern dient als Unterstützung des Charakters.

Der steckt in einer Identitätskrise zwischen Freunden, Familie und den Kulturen. Die Verwandlung geschieht auf eigenen Wunsch hin, als sie, im wahrsten Sinne des Wortes benebelt, Captain Marvel, Captain America und Iron Man vor sich sieht. Kamala beteuert, Captain Marvel sein zu wollen. Beliebt, hübsch, das Böse bekämpfend. Angekommen in ihrer Welt. Der Wunsch wird prompt erfüllt, die drei nebulösen Gestalten verschwinden zurück im Nebel und lassen Kamala in Captain Marvels Gestalt inklusive Superkräften zurück. Aber ist das alles? Ist sie nur dann „super“, wenn sie eine lange blonde Mähne hat, die im Wind wehen kann und lange Beine, an denen sich sexy Overknees schmiegen? Ist es so erstrebenswert, tatsächlich jemand anderes zu sein und dafür seine eigene Identität zu verleugnen? Das zum Glück nicht, denn das wäre definitiv ein Schritt in die falsche Richtung. Sie ist zur Verwandlungskünstlerin geworden, kann Gliedmaßen, Körpergröße, die ganze Gestalt verändern. Die Captain Marvels ist lediglich temporär, auch wenn es sie zugegebenermaßen zunächst sehr reizt, in Gestalt des Vorbildes zu agieren. Dass sie letztlich sich selbst treu bleibt, ist obligatorisch.

kamala khan unicornMit diesen Fähigkeiten weiß sie zunächst natürlich wenig anzufangen und hat in den ersten Ausgaben viel damit zu tun, zu trainieren. Wenn man die dilettantischen Versuche mit ihrem dezent bekifft anmutenden Freund wirklich „Training“ nennen darf. Wofür sie ihre Kräfte einsetzen will, ist jedoch sofort klar, denn das ist schließlich das, was sie nicht nur in ihren Fan Fictions bereits betreibt, sondern auch von ihren Eltern beigebracht bekommen hat: Hilfsbereitschaft, selbst wenn es heißt, sich selber zu gefährden, die Schwachen zu schützen und an das Allgemeinwohl zu denken. Wenn nicht jetzt, wann dann?

In den ersten Einzelausgaben sind es kleine Rettungsaktionen, die zum Teil sogar schiefgehen. Keine Endbosse, wie man sie von den „Originalen“ gewöhnt ist. Der Fokus liegt noch auf Kamalas Person, ihrem Alltag und ihrer Art, mit der Verwandlung und der neuen Verantwortung umzugehen, dort hineinzuwachsen. In späteren Ausgaben, das hat die Autorin versprochen, wird es auch Interaktionen mit anderen Superhelden geben, die schließlich ebenfalls durch Jersey flattern. Dass aus dem pubertierenden Nerd in nicht allzu ferner Zukunft eine schlagkräftige Ms . Marvel werden wird, davon gehe ich stark aus!

Fazit

Die Story ist sehr kurzweilig und führt neben Kamala auch interessante Nebenfiguren ein, über die ich ebenfalls gerne mehr erfahren würde und die über ausgearbeitete Hintergrundgeschichten zu verfügen scheinen. Eine Feel good – Coming of Age – Superhero-Symbiose die echt cool ist, um mal tief in die Anglizismuskiste zu greifen. Sie ist an ein jugendliches Publikum gerichtet, doch ich denke, dass sich auch ältere Semester gut mit der neuen Ms. Marvel anfreunden können. Die Zeichnungen Adrian Alphonas runden das ganze gekonnt ab, bilden eine gute Mischung aus überzeichneten, humorvollen Passagen und rauer Federführung, der es an Dynamik nicht mangelt.

Fotos: Panini Comics

ElfQuest: The Final Quest Vol. 1


Genre: FantasyAbenteuer
Autor:
 Wendy&Richard Pini
Illustrator:
Wendy Pini; Coloration:  Sonny Strait
Erscheinungsjahr:
2015
Erscheinungsform: 
192 Seiten,  Softcover, Band 1 von ?
Verlag: Dark Horse Books
Amazonlink


Inhalt

[The Final Quest ist die neuste Reihe innerhalb des Elfquest-Universums. Wer wissen will, was Elfquest überhaupt ist, den verweise ich zu diesem Video von mir und natürlich auf die offizielle Seite.]

Nach den Ereignissen in Shards  sollte eigentlich Ruhe eingekehrt sein, doch leider sind es wieder die Menschen, die mit dem Frieden nicht so ganz einverstanden sind. Der Sohn des Grohmul-Djun, Angrif Djun giert nicht nur nach Macht, sondern auch und vor allen Dingen nach Unsterblichkeit. Diese erhofft er sich vom blondgelockten Wolfreiter Mender, der nicht nur heilen, sondern Körper auch verändern und dementsprechend altersresistent gestalten kann. Zudem ist es auch der magische Palast der Hohen, der Veränderungen innerhalb der Sippen forciert.

Kritik

Elfquest ist meine erste große Comicliebe, insofern kann ich hier absolut nicht objektiv sein: Ich liebe Elfquest und bekomme regelmäßig beim Lesen der bekannten Werke eine Gänsehaut. Dennoch möchte ich euch hier The Final Quest vorstellen und ein wenig näher beleuchten. Unter der rosaroten Brille, versteht sich, dessen müsst ihr euch bewusst sein.

In dem vorliegenden ersten Band enthalten sind die Issues 1-6 inklusive dem prologartigen Special und den Covern der einzelnen Ausgaben im Anhang. In Amerika bislang erschienen sind 8 Issues, der neunte ist auf dem Weg der Veröffentlichung. Nahtlos reiht es sich an Hidden Years an und beinhaltet direkte Verknüpfungen nicht nur zu dieser Reihe, sondern ebenso zu seinen Vorgängern: Als Neuling hier einzusteigen, halte ich für eine denkbar schlechte Wahl. Hier wäre es definitiv besser, mit den klassischen Abenteuern in der Elfenwelt zu beginnen, die den Anfang der kompletten Reihe markieren und die große Reise der Wolfsreiter auf der Flucht vor den Menschen und der Suche nach anderen Elfenstämmen zeigen. Lesen kann man alle bisherigen Publikationen mit Ausnahme der final Quest auf der ofiziellen Website. Für lau. Fangt doch mit The Original Quest an!

RuffelSkywiseFinal Quest jedenfalls gibt nach all den anderen – nicht immer „guten“ – Künstlern, die Elfquest bislang neben Wendy Pini mit Zeichnungen versorgt haben, ein Back to the Roots- Feeling. Wendy Pini zeichnet sich endlich wieder verantwortlich für die Zeichnungen und das steigert die Qualität meiner Meinung nach erheblich. Es gibt ein Wiedersehen mit einigen tot geglaubten Charakteren sowie mit Charakteren, die tatsächlich gestorben sind – in der Erinnerung oder mit Hilfe des Palastes. Die Frage, woher Teir stammt, wer seine Eltern sind, wird geklärt und somit sein loser Handlungsfaden in das großen Geflecht geknüpft. Dabei beginnt der Band ruhig und würdevoll. Die Elfen werden in ihrer natürlichen Umgebung gezeigt, sodass man auch nach einiger Zeit der Elfquestabstinenz gut einsteigen und in die Welt der beiden Stämme – Cutters und Embers – eintauchen kann.

Positiv

  • Das ewige Thema „Leben und Tod“, der Kreislauf wird durch die Geburten und Todesfälle gut unterstrichen und passen gut hinein. Durch den Tod der beiden Elfen wird deutlich gemacht, dass es kein Zuckerschlecken ist. Denn nein, es handelt sich nicht nur um Redshirts. Durch die beiden Geburten indes wird der Zugang der Elfen zum Thema Leben klarer und das Detail rund um Moonshade läutet eine ganz andere Ära von ihrer Seite aus ein, die ich mir so nicht erwünscht hätte. Und das ist gut. Endlich eine traurige Liebesgeschichte, die ihre Hofnungslosigkeit nicht aus den bekannten Puzzlestücken zusammen setzt
  • Nicht nur der Zeichenstil, auch die Geschichte selbst ist „back to the roots“. Alte Storyelemente werden aufgegriffen, ohne sie abzunutzen oder zu kopieren. Elfquest hat vor rund 40 Jahren mit der Gefangenschaft eines Elfen und einem schwierigen Erkennen begonnen und genau das tut es auch jetzt. Ember opfert sich gewissermaßen für ihren Stamm, gibt sich in die Hände des Grohmul Angrif, damit sich ihre Wolfsreiter in Sicherheit begeben können
  • Die Beziehungen finde ich großartig. Es ist nicht das klassische Schema, nicht die klassischen Probleme, die auftauchen, sondern solche, die aus der Kultur der Elfen entspringen. Konflikte zwischen dem Weg der Wolfsreiter und der unweigerlichen Veränderung steht ebenso im raum wie das Erkennen, das zwar vom Leser gerne mit Liebe gleichgesetzt wird, aber davon absolut nicht abhängt und, wie in diesem Fall, auch zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt kommen kann.
  • Ich persönlich bin absolut zufrieden mit der Dynamik, die in den ersten sechs Issues herrscht. Actionlastige Momente sind ebenso vorhanden wie die ruhigen, in denen „nur geredet wird“.Gerade in den Actionsequenzen trumpft Wendy Pini auf, kann mit ihren Panels überzeugen. Die Geschichte ist spannend, denn ich bin mir wirklich nicht sicher, wie es enden wird, was vor allen Dingen die inneren Konflikte betrifft.
  • Vollkommene Zufriedenheit bei mir als Elfquestfan: Endlich wieder neue Abenteuer, endlich sehen, wie es mit den Elfen weitergeht, endlich wieder Elfquest, so wie es sein soll!!
  • Strongbow! ♥ Ember! ♥ Teir! ♥ Freetouch! ♥ Ehm ja. Verzeihung.

Negativ

  • [Kleiner Spoiler] Mit der Art, wie eine der beiden Elfen gestorben ist, bin ich unzufrieden. Es war so… sinnlos auf die denkbar ungünstigste Art: Es war nicht nur selbstverschuldet, sondern sogar gewollt. Kein Suizid, doch wir kennen ja die Einstellung der Go-Backs, heroisch im Kampf zu sterben. Doch warum dort? Warum nicht in einer Schlacht, die wirklich zählt? Es war so… häh? Nö, nicht einverstanden.
  • [Kleiner Spoiler] Meines Wissens nach sind Elfendamen zwei Jahre lang schwanger. Dass das Erkennen also aufgeschoben wird, nur um zu verhindern, dass das Kind unter widrigen Umständen groß wird oder die Frau in der härtesten Episode schwanger ist… Hm. Gerade weil ein Krieg bevor steht, wäre doch eine Schwangerschaft gut. Wer weiß, ob das mit dem Erkennen überhaupt so astrein aufgeschoben werden kann oder es beide überleben? Die Fruchtbarkeit der Elfen ist solch ein zartes Pflänzchen…
  • Brokeback-Pose. Tsts, Wendy, und dann noch solch eine extreme! ;)

ember

Insgesamt bin ich also höchst zufrieden. Ich hatte ja auch lange genug auf neuen Stoff gewartet! Die einzelnen Ausgaben zu bestellen gestaltete sich für mich als Nichtkreditkartenbesitzerin eben etwas schwierig. Volume 2 der Sammelausgabe wird erst 2016 erscheinen, doch so lange werde ich nicht mehr warten können, zumal ich mich auch selber immer bei der offiziellen ElfQuest-Facebookseite spoiler (JA, ich tue es gerne!). Also müssen die Einzelbände wohl bei Ebay bestellt werden. (Schon getan! Bis Band 8 zumindest, der neunte wird erst noch erscheinen). Sollen ElfQuestfans also hier zugreifen? Definitiv! Ist es etwas für Neueinsteiger? Nein. Zumindest nicht, bevor ihr nicht die früheren Comics auf der Website nachgelesen und euch etwas EQ-Wissen angehäuft habt!

Es sprach: Guddy, ein Fan.

Badlands: Band 1. Kuckuckskind

Genre: Abenteuer
Autor:
Eric Corbeyran
Illustrator:
Piotr Kowalski
Erscheinungsjahr:
2015
Erscheinungsform: 
48 Seiten,  Hardcover, Band 1 von 3
Verlag: Splitter-Verlag
Leseprobe AmazonlinkOriginalsprache: Französisch


Inhalt

Perla Ruiz-Tenguillo ist im Amerika des 19. Jahrhunderts auf den Spuren ihres Ahnen Hernan unterwegs. Eine von den Indianern verborgen gehaltene, unsichtbare Welt gilt es, zu entdecken, einem mysteriösen Würfels die Geheimnisse zu entlocken, die er birgt, und nebenbei noch garstigen Wesenheiten zu begegnen, die im Zwischenreich umher kreuchen und Perla nicht unbedingt wohlgesonnen sind. Andererseits… verübeln kann man es ihnen nicht.

Kritik

Der wilde, wilde Westen präsentiert sich hier in schönen, teilweise ausufernden Bildern, die das spröde Wesen der Prärien und Wüstenabschnitte gekonnt einzufangen wissen. Unweigerlich fühlt man sich in die Cowboyfilme der 60er zurück versetzt, in denen Schießereien und knallharte Jungs an der Tagesordnung waren und auch der ein oder andere Rollbusch durch das Bild gehüpft ist.

Die stimmigen Zeichnungen der Westernidylle sind das eine, die Zeichnung der Charaktere das andere. Die Gruppe um Perla, bestehend aus Stereotypen wie den weichen Wissenschaftler und den spröden, dezent spirituellen Indianer, dessen Name „Viele-Tode“ zumindest viel verspricht, ist ganz nett, weiß es aber trotz putzig inszenierter Kabbeleinheiten untereinander nicht, mich zu überzeugen. Dafür ist Perla eine Damsel out of Distress. Oder nein, nicht ganz: Sie zieht sich nur selber aus dem selbst auferlegten Distress an den Haaren wieder heraus.

westernIhre Attitüde ist die eines typischen Revolverhelden, der sein Geld versoffen hat und aufgrund dessen nur ein paar Münzen für den halben Stoff der Oberbekleidung erübrigen konnte. Ja, Perla ist ziemlich sexy und das beißt sich mit der ansonsten recht authentischen Optik, es will mir nicht ganz ins Bild passen. Andererseits schlägt sie mit ihrem Auftreten die Brücke zwischen Oldschool-Western und handelsüblichen Comics. Das, was mich an Perla primär stört, ist Folgendes: Ich finde sie un-fass-bar unsympathisch. Zumindest im vorliegenden ersten Band bleibt sie für mich formlos, eine Aneinanderreihung von negativen Aktionen und Eigenschaften, die vielleicht mit dem nächsten Band ein tieferes Ganzes ergeben können. Dann, wenn sie durch Rückblenden oder ruhigere Momente etwas mehr Profil gewinnen könnte.

Dafür spricht mich die Story an sich umso mehr an. Die Suche nach einer anderen, geisterhaften Ebene, durchwirkt von Sagen und Legenden, denen auf wunderbare Weise Leben eingehaucht wird, bilden eine verdammt gute Grundlage. Hey, es geht um Archäologisches! Zumindest peripher. Gleich von der ersten Seite an brennt man darauf, zu erfahren, was es mit dem ominösen Würfel auf sich hat, möchte wissen, was die Schattenwesen mit der ganzen Sache zu tun haben – und wie gefährlich sie wirklich sind oder noch werden können. Denn der Showdown… nun, davon hätte ich mir deutlich mehr versprochen.

An sich ist Badlands recht spannend, bezieht seine Spannung bei mir in erster Linie durch das, was man noch nicht weiß statt aus dem, was aktuell wirklich passiert. Und das, obwohl einer der Gruppe von den anderen getrennt wird und sich seines Schicksals nicht mehr ganz so sicher sein kann.

Zusammengefasst ist der Comic flüssig und gut zu lesen, doch bildet er wohl nur die Grundlage für die beiden folgenden Bände, die noch eine Schippe mehr drauflegen müssen, um die komplette Geschichte zu einer wirklich guten werden zu lassen. Eine klassischerweise noch unreife Einführung mit einer leider auf mich sehr unsympathisch wirkenden Heldin. Das Westernthema ist auf alle Fälle eine willkommene Abwechslung für mich.