Archiv der Kategorie: Filmvorstellungen

It’s Strange. Doctor Strange.

Regie: Scott Derrickson | Darsteller: Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Rachel McAdams | Studio: Disney | | Laufzeit: 130 Minuten | Vorbestellen

Doctor Strange ist einer meiner Lieblingssuperhelden. Grund genug, pünktlich zur Premiere füßescharrend vor dem Kino aufzutauchen und jaulend an der Tür zu kratzen. Das hat mir leider ein paar Tage im Arkham Asylum eingebracht, weshalb ich erst jetzt ein paar Worte über den Film verlieren kann. Vielleicht war ich aber auch nur zu glückstrunken um zusammenhängende Sätze herauszubringen  – denn der Film hat meine Erwartungen erfüllt und mich ein kleines bisschen glücklich gemacht.

Worum geht’s eigentlich?

Doch, wie stets, der Reihe nach. Zu Beginn begleiten wir den Neurochirurgen Dr. Stephen Strange in den letzten Zügen seines normalen, egogeschwängerten Lebens als Arzt. Arrogant und egozentrisch wie der erfolgreiche und zugegebenermaßen  hochbegabte Dr. Strange auch ist, weint man dem Drama, das sich um seine Existenz spinnt, kaum nach: Bei einem Unfall (der selbstverständlich durch zu schnelles Fahren seiner motorisierten Penisprothese geschieht) werden Stranges Hände derart verletzt, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Verzweifelt stürzt er sich in ein Meer aus Alkohol und Verbitterung, bis er – mittlerweile verarmt und schweißgetränkt – gen Himalaya reist, um dort den sagenumwobenen Ancient One aufzusuchen, der zerstörte Gliedmaßen wieder zu heilen vermag. Es kommt, wie es bei Marvel kommen muss: Strange wird in die Geheimnisse einer für ihn bis dato fremden Macht, ja ein ungesehenes Universum eingeführt. Und das ist verdammt gut so, denn die ersten Schurken stehen bereits Schlange, um den neuen Magier gebührend zu empfangen…

Und wie ist der Film so?

Der Name „Doctor Strange“ steht nicht unbedingt für die albernsten Plots innerhalb des Marveluniversums und doch habe ich gut gelacht. Mein Sitznachbar Thilo ist bei einer bestimmten Szene sogar schier vom Sessel geplumpst – und ich daraufhin fast hinterher. Man muss ja Solidarität für seine Bloggerkollegen beweisen. Neben dem Humor ist es sicher auch die fantasievolle, bunt schillernde Visualisierung, die sowohl Film, als auch die Comicvorlagen ausmachen. Nicht umsonst war Doctor Strange einst in gewissen, dampfschwebenden Kreisen äußerst beliebt. Optisch unglaublich eindrucksvoll, lustig – und dennoch tiefgründig.

Wer sind wir? Was ist die Welt – und welche Rolle nehmen wir in dieser ein? Die Fragen des Seins werden hier gerne zwischen den Zeilen besprochen oder zumindest angerissen, wobei die immerwährende Magie Teil des Kosmos‘ ist, der sich dem Zuschauer entfaltet; beinahe eine weitere Figur im Cast darstellt. Lange habe ich keinen Film mehr gesehen, der mich derart gut und über die vollen zwei Stunden hinweg unterhalten konnte. Da sehe ich auch gerne über die kleinen Unzulänglichkeiten wie etwa den mangelhaften Bösewicht und das viel zu zügig verlaufende Training Stranges hinweg. Hier bin ich Konsument, hier kaufe ich ein. Oder so.strange

Aber hey! Wurde der comic’sche Strange denn verhunzt?!

Doctor Strange ist und bleibt Doctor Strange. Nicht nur gab es ein paar Anspielungen auf die Comics, auch ganze Handlungsstränge wurden gekonnt übernommen. Cumberbatch mimt den Doctor in seiner liebevoll arroganten Art, die sich zu sehen lohnt, die Ancient One ist zwar ungewohnt und politisch für manche unzumutbar inkorrekt, dafür jedoch im Kern dargestellt wie in den schriftlichen Ausgaben und – ach. Hier könnte nun eine bis ins letzte Detail ausgefeilte Rezension- einer Doktorarbeit würdig – stehen, doch was ist wichtiger als mein Fazit zu diesem Film? Ich mag ihn. Sogar so sehr, dass er instant zu einem meiner liebsten Superheldenfilme aufgestiegen ist. Ihn im Kino zu sehen kann ich also wärmstens empfehlen. Er hat alles, was ein guter Film der Popkultur braucht.

Und was sagen die anderen?

Natürlich musste ich auch mal zu anderen Bloggern herüber blinzeln. Nicht jeder war so angetan wie ich, aber hey, man kann es nicht jedem recht machen. Eine kleine Auswahl an Kommentaren habe ich euch hier zusammengestellt. Man ist ja nicht der Nabel der Welt. Fussel sind eh nicht so mein Fall.


„Inhaltlich fällt der Film dahinter leider deutlich zurück. Zu viele Witze und One-Liner stören den Spannungsaufbau. Antagonist Kaecilius (Mads Mikkelsen) bleibt zu blass, bekommt zu wenig Tiefe. Seine Hintergrundgeschichte wird nur angedeutet, was seine Motivation zu sehr ausdünnt. Zwischen ihm und Doctor Strange gibt es im ganzen Film nur einen längeren Dialog, der leider sehr platt bleibt. Es scheint immer mehr zum Problem von Marvel zu werden, einen überzeugenden, gut geschriebenen bösen Gegenspieler abzuliefern.“ (Lara von polygamia.de unter dem Titel „Spektakel der magischen Art. Doctor Strange“)

 

„Die Handlung des Films ist eine Origin Story, die im Fall von Dr. Strange jedoch auch dringend nötig ist, um in den Charakter und die Welt einzuführen. Häufig empfinde ich Origin Stories als langatmig und teilweise fast überflüssig, da sie mich unnötig auf die Folter spannen. Doch durch die guten schauspielerischen Leistungen, nicht nur von Cumberbatch, ist der Film nie langweilig und erreicht eine angebrachte, dramatische Tiefe.“ (Thilo von nerd-wiki.de unter dem Titel „Dr. Strange ist eine Dimension für sich„)

 

 

Regie: Scott Derrickson | Darsteller: Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Rachel McAdams | Studio: Disney | | Laufzeit: 130 Minuten | Vorbestellen

Kaecilius: How long have you been at Kamar-Taj, Mister…
Dr. Stephen Strange: Doctor.
Kaecilius: Mister Doctor.
Dr. Stephen Strange: It’s Strange.
Kaecilius: Maybe. Who am I to judge?

Star Trek Beyond: 5 gute Gründe, doch noch ins Kino zu gehen

Viel spricht gegen diesen dreizehnten Star Trek-Film: Regie führt Justin Lin, der sich für „Fast and Furious“ verantwortlich zeigt und dem manche höchstens ihre Star Trek-Actionfiguren anvertrauen würden, es ist ein Film „ungerader Nummer“ und irgendwie stehen ohnehin viele Trekkies mit dem Reboot auf Kriegsfuß. Es sei zu glatt, zu neu, zu uncharmant, zu wenig Star Trek. Kann man sich Beyond dennoch ansehen? Dieser Film, in dem es Kirk und Co getrennt voneinander auf einen fremden Planeten verschlägt, in dem die Enterprise zerstört, nahezu vernichtet wird und in dem es wieder gegen einen übermächtigen Antagonisten geht? – Ich war im Kino. Und kann euch zumindest meine bescheidene Meinung darlegen:

Ja. Der Film lohnt sich. Warum? Darum:

  • Das Trio Infernale ist wieder da. Kirk, Pille, Spock, das Triforce star trekscher Macht wird hier gekonnt und in altbekannt augenzwinkernder Manier in Szene gesetzt. Wir erleben hier eine erwachende Bromance zwischen Pille und Spock live mit, können über diesen und jenen Schlagabtausch herzlich lachen und gerade diese drei Figuren sind es, die besonders Leben in die Riege der Crew einzuhauchen vermögen. Besonders betonen möchte ich an dieser Stelle Karl Urban, der Pille auf den Punkt verkörpert. Er lässt McCoy mit dessen trockenem Humor wiederaufleben, dass es eine wahre Freude ist. Pille for president!
  • Es gibt (humorvolle) Referenzen. Stein und Fels aus Pappmaché. Kirk mit zerrissenem Shirt. „Ich bin Arzt, kein …!“. Aufgeplusterte Lebensformen, die insbesondere mit Masse beeindrucken. Ein schmales Retrofeeling schiebt sich durch den Hochglanz der Optik und verbreitet ein wohliges Flair. Charmant werden Brücken zu TOS geschlagen, die unterhaltsam durch die zuweilen lose wirkende Handlung tragen. Es ist neu – und zugleich dezent alt. Und das ist gut so.
  • Die Bildgewalt ist Wahnsinn. Ja, „Buh“, Effekte sind die glitzernd triefenden Arschlöcher der Filmkultur. Doch weshalb sollte nicht etwas gewürdigt werden, das essentiell für dieses Medium ist? Sehenden Auges gehen wir ins Kino, optische Reize sind es, die uns die zwei Stunden hinweg begleiten. Wuchtig, brillant, dreckig und beeindruckend; so wird der Weltraum, wird der fremde Planet visualisiert, in all ihrer Pracht. Weltraumschlachten, die rasant und spannend wirken selbst wenn man das Ende bereits erahnt. Doch wen kümmert es, wenn man bereits auf das befreite Gelächter der Crew am Ende des Films wartet, wenn man das Ende bereits zu kennen glaubt – wenn der Weg dorthin doch das Ziel ist? Die Bilder sind schlichtweg beeindruckend und machen Spaß.
  • Die Figuren machen Spaß. Nicht nur die bereits bekannten Gesichter, auch neu hinzugekommene wie die Kriegerin Jaylah, gespielt von Sofia Boutella sind es wert, betrachtet zu werden. Es sind keine flachen Figuren, seien sie weiblich, homosexuell oder weiß; keine Abziehfigürchen, sondern Menschen mit Profil und ohne großes Klischee. Sicher: Wir finden hier Archetypen vor: Den Draufgänger, die kühle Intelligente, den Zyniker, doch sind es die Facetten, die sie zum schillern bringen. Gerade Jaylah hat mich überzeugt. Ich mag ihr Charakterkonzept, ihr Auftreten, ihren Stil. Selbst der Antagonist Krall, gespielt von Idris Elba, bildet da keine Ausnahme. er ist der bislang für mich beste Schurke des Reboots. Mit Abstand.
  • Er ist kurzweilig. Er macht Spaß. Raumschiffe werden originell eingesetzt. Ich habe mich nicht gelangweilt. Kurz: Ich fand ihn gut.

Nein,

Beyond ist keine Offenbarung. Hier werden keine philosophischen Fragen aufgeworfen oder gar tiefgründig erschürft. Auch steht eher die Optik im Vordergrund denn der Plot, der an mancher Stelle recht dünn daherkommt und bei dem Spock sicher ab und an skeptisch die Augenbraue erheben würde. Gut unterhalten gefühlt habe ich mich allemal und er hat die beiden bisherigen Filme des Reboots überholt.

Das Reboot ist noch immer, trotz aller Referenzen, nicht das „alte Star Trek“. Das will es aber auch gar nicht sein. Und das ist ok – wenn man sich darauf einlassen kann und Actionkino nicht grundsätzlich verteufelt.


Genre: Sci-Fi, Action
Regisseur: Justin Lin
Schauspieler:
 Chris Pine, Zachary Quinto, Anton Yelchin, Simon Pegg
Erscheinungsjahr:
2016
Spieldauer:
123 Minuten
Originalton: Englisch
Trailer | Vorbestellen

Warcraft: The Beginning – B-Movie im AAA-Gewand

Die Geburtsstunde des ewigen Kampfes Mensch gegen Orc endlich auf Leinwand gebannt: Die Horde fällt durch ein Portal in Azeroth ein, gestützt auf den gequälten Seelen gefangener Draenei, deren schwindendes Leben das magische Portal nährt. Die eigene, verrohte Welt hinter sich lassend erobern die Orcs erste Menschendörfer, stets unter Aufsicht des finsteren Hexenmeisters Gul’dan, dessen garstig-grüne Magie bereits beginnt, die blühende Natur zu verderben.

Unterdes sind die Menschen unter König Llane Wrynn nicht nur schockiert über die fremdartige Invasion, sondern auch über die Entdeckung des Fel; eine schreckliche Form der Magie, die das Leben vernichtet und glücklicherweise schnell vom gescheiterten Magierlehrling Khadgar aufgespürt werden konnte. Der eilig zusammengestellten Truppe um Ritter Anduin Lothar und dem dezent entrückt wirkenden Wächter Medivh gebührt nun die Ehre, Land zu Leute zu verteidigen – und zu ermessen, ob man dem orcischen Häuptling des Frostwolfclans Durotan trauen darf, dessen Erkenntnis das Schicksal beider Parteien empfindlich beeinflussen kann.

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„Hier war ich schonmal!“

Erinnert sich noch jemand an den alten Trailer zu World of Warcraft? „Sieht das geil aus!“, dachten die meisten und hofften, dass irgendwann in ferner Zukunft hoffentlich ein Film so aussehen könnte. Nun ist er da und sieht prächtiger aus als als man es sich erträumt hatte. Die Pixel haben Fliegen gelernt. Sie fliegen, hoch und weit – und stürzen doch ab, getroffen von der Nichtigkeit der Charaktere und dem blassen Erzählstil.

Zunächst jedoch staunt man über das nahezu perfekte CGI, das die Orcs zum Leben erweckt und die Orte, die man einst virtuell bereist hat und die man nun derart plastisch vor sich sieht. Sturmwind – na klar, genau dort stand ich auch! Elwynn Forest – Oh hallo, Goldshire, wo ich mein erstes Bier trank! Und dort, das ist die Schwarzfelsspitze! Wenn einem dann noch das murloc’sche Blubbern ins Ohr dringt, hat man sich irgendwie verliebt.

Reicht Verliebtsein? Nicht über eine lange Zeit hinweg. Zu wenige Anspielungen lassen sich finden, zu wenig wurde auf Details geachtet, die für Aha-Momente hätten sorgen können. Es fehlt, wie so oft, an Seele und vielleicht auch Herzblut und Selbstironie. Ein Schaf macht noch keine Herde – und viele Namen noch keinen vielschichtigen Plot.

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Ein Lvl-1 Plot

Selbst der Warcraft-Gamer wird sich bei der Vielzahl an Namen ein Smartphone zur Hand wünschen, in dem er nebenher googlen kann um sich die ganzen Verknüpfungen zu erschließen, zumal der Film nicht hundertprozentig der bekannten Lore folgt. Wenig Zeit wird sich genommen, die einzelnen Figuren zu charakterisieren, weshalb sie, so gänzlich ohne Substanz, sehr fragil wirken. Schablonenhaft wie die generische Geschichte, die sich um Verrat und Besessenheit windet und doch wieder nicht die Zeit findet, einzelne Aspekte hinreichend zu beleuchten und zu akzentuieren und sich lieber in Althergebrachtem verliert.

Dabei hat die Welt Warcrafts mehr zu bieten als gestelzt wirkende Dialoge, wirkte in seinen Spielen durchdachter und logischer als der Film, dessen Protagonisten zum Teil handeln, als hätten sie noch nie Krieg geführt. Wie unterschiedlich diese oder jene Schlacht verlaufen wäre, wenn nur eine Minute länger gedacht und geplant worden wäre … Unheimlich viel Potential wurde verschenkt und die Atmosphäre dadurch verwässert, dass weder die humorvollen Szenen pointiert, noch die anspruchsvollen substantiell genug waren. Das Schicksal der meisten der Figuren würde man mit einem Schulterzucken abtun.

Buff-Food fürs Auge

Selten steckte hinter den kopfgroßen Fäusten der Orcs mehr Wucht wie in dieser Darstellung. Brachiale Hämmer, gewaltige Äxte, riesige Muskelberge und Hauer machen die grünen und braunen Orcs zu Kampfmaschinen, denen man sich als Mensch nicht entgegenstellen will. Die Angst der menschlichen Soldaten ist verständlich, sie werden niedergeschmettert und zusammengedrückt wie Konservendosen. Die visuelle Kraft ist beeindruckend nicht nur in der Darstellung der Orcs, sondern der ganzen Welt. Es macht unheimlich Spaß, dort einzutauchen und die Magie zu erleben, die durch die Welt fließt wie in kaum einer anderen.

Diese Diskrepanz zwischen großartiger Optik und mäßiger Story lässt den Eindruck eines B-Movies im AAA-Gewand zurück, der definitiv sehenswert ist, jedoch mehr hätte sein können. Für Warcraft-Spieler ist er ein Fest für die Augen, zuweilen etwas zäh und definitiv vorhersehbar, dabei jedoch immer zumindest auf einem Mittelmaß unterhaltsam.

Hoffnung auf mehr

Obwohl ich den Plot und die Figuren nicht großartig finde, so habe ich den Film doch sehr genossen. Als langjährige WoW-Spielerin war es mir ein Fest, im Kino mit dem Greifen über die Landschaften zu fliegen und hätte das gerne auch noch stundenlang weiter genau so haben können. Die 08/15-Geschichte hätte ich fast nicht gebraucht. Es ist ein bewegter Bilderband, ein blutiger Reiseführer durch Azeroth, der auf die Orte zwar viel zu wenig eingeht, aber doch für genug verträumte Momente sorgt, dass ich hoffe: Lass es eine Fortsetzung geben. Ich will Gnomeregan und Hogger sehen, die Tauren bestaunen, Untote fürchten und mehr über den kleinen Orc erfahren, der von seiner Mutter auf dem Fluss ausgesetzt wird und später zu einem der größten – ich möchte nicht spoilern. Doch ich möchte mehr.

Fazit

„Warcraft – The Beginning“ ist kein guter Film. Er ist aber auch nicht schlecht – zumindest nicht für mich, die die Spiele gespielt hat. Mir wird zu wenig auf Hintergründe eingegangen, die Szenenwechsel erfolgen zu abrupt und ich hätte mir wesentlich mehr Anspielungen gewünscht. Für Nicht-WoWler ist der Film vermutlich nicht mehr als ein verdammt großartig aussehender B-Movie. Und trotzdem bereue ich den Kinobesuch in keinster Weise.

#teamcivilwar

Die wichtige Frage „Und, Guddy? Wie fandest du den Film „Civil War“ denn jetzt so?“  lässt mehrere Antwortmöglichkeiten zu.

Frau Klukhaits-Guddy würde sagen:

„Nun, bedenkt man die Tatsache, dass es sich lediglich um einen profanen Superheldenfilm handelt, der jeden Tiefgang vermissen lassen müsste, so wurde ich doch sehr gut unterhalten. Nicht nur ist der Film eine außerordentliche Wohltat für das Auge, nein, auch die Ohren dürfen sich Dank der gar famosen Komposition Henry Jackmans einer schönen Zeit erfreuen. Einer Zeit, die, wie wir uns alle eingestehen müssen, vertan ist, handelt es sich bei diesem Stück Filmgeschichte doch um keinen Meister seiner Zunft. Weder ist mir nun das Sein näher gebracht worden, noch fühle ich mich ausreichend in meinem Intellekt gefordert. Die Handlung ist in den beschränkten Möglichkeiten dieses Genres immerhin ausreichend vielschichtig, dass man tatsächlich halbwegs aufmerksam bleiben muss, um nicht den Faden zu verlieren. Fürderhin lässt sich zweifelsohne munkeln, dass der Film einige Anhänger um sich scharen kann.“

Frau Marvelfanguddy würde erzählen:

„Wie man mittlerweile ohne Angst hoffen kann, wurde auch dieses Mal beim Fanservice nicht gespart! Etliche kleine Anspielungen machen den Film rund, die Charaktere brillieren jeder für sich in ihrer jeweiligen Rolle und viele Details fallen einem erst beim genaueren Hinsehen auf. Das ist eine klassische Marvelverfilmung mit hohem Unterhaltungswert gerade ab der zweiten Hälfte, in denen sich die Superhelden die Klinke in die Hand geben und miteinander agieren dürfen. Vom Gefühl her war es eher „The Avengers 3“.

Frau Nerdguddy würde prahlen:

„Wie wir natürlich alle wissen, basiert Cvil War locker auf der siebenteiligen Comicreihe „Civil War“ von Mark Millar und Steve McNiven, wobei genug Änderungen vorgenommen wurden, sodass es selbst den eingefleischtesten Fans nicht allzu langweilig werden wird. Besonders die dezenten Hommagen an Comiccover oder bestimmte Szenen und Filme  lassen das Herz höher schlagen! Auch die Figur des Zemo wurde höchst interessant interpretiert und fantastisch dargestellt. Die Frage, ob es demnächst einen Nomad zu sehen geben wird, beantworte ich an dieser Stelle allerdings nicht.“

Frau Kacknoob-Guddy würde sagen:

„Naja, ich habe ja keine Ahnung von DC, aber der hier hat mir echt gut gefallen. Es gab Diskussionen über Richtig und Falsch, ein bisschen Politik und viel gescheiterte Bromance, was ich immer ziemlich nett finde. Anfangs hatte ich ein wenig den Humor vermisst, doch kommt der spätestens ab dem Zeitpunkt, in dem der Spinnenjunge anklopfen darf. Die Action war erfrischend explosionsarm, mehr Wert schien mir auf den Faustkampf gelegt worden zu sein. Auch ein Pluspunkt! Insgesamt hatte ich einfach Spaß im Kino, ohne dass ich mich vor Lachen gebogen hätte. Ach ja, außerdem bin ich #teamcap. Weil er sexy ist.“

Frau Nörgel-Guddy würde meckern:

„Der Storyline mangelt es ein wenig an Konsequenz. Erst wird stundenlang ein Zwist generiert, Konflikte erarbeitet, doch verpuffen die irgendwie ziemlich schnell. Außerdem: Ein Riesen-Ant-Man,der sich so plump bewegt wie der Marshmallow Man? Ne, das ist doof. Und so episch wie ich gedacht hatte war es irgendwie auch nicht. Außerdem hatte ich während des Films Bock auf Popcorn bekommen und mein Sitznachbar hat mich dauernd mit seinem Ellbogen geärgert. Voll doof.“

Frau Spoiler-Guddy petzt:

„Everybody dies.“

[Gastbeitrag] Batman v Superman – Schuld und Sühne

Die Passion des Clark Kent

von Stefan Servos

 

Vorsicht, kann Spuren von Spoilern enthalten.

Nach den zahlreichen schlechten Reviews (u.a. der von Guddy [Anm.d.G.: Die gar nicht so schlecht war! Nur ein bisschen.]) habe ich schon das schlimmste befürchtet, vor allem da auch Snyders letzter Superman-Film mehr durch Inszenierung und Optik bestach, als durch raffinierte Handlung. Doch was Zack Snyder mit Batman v Superman auf die Leinwand gezaubert hat ist meines Erachtens nicht mehr oder weniger als ein kleines Meisterstück! Zack Snyder inszenierte den großen Kampf zwischen Mensch und Gott als Mischung aus griechischer Tragödie und Passion Jesu Christi. Das ist auch nicht unbedingt tiefgehend, aber voller aufrechtem Pathos und zugleich die älteste aller Mythologien: Die Verantwortung der Götter für die Sünden der Menschen.

stations3-13Die Allegorie ist dabei manchmal subtil, meistens aber kaum zu übersehen, wenn einige Kameraeinstellung eindeutige Reminiszenzen an berühmte Gemälden oder Statuen von Michelangelo sind. Überhaupt drängen sich die Jesus-Parallelen auf. Alle 14 Stationen des Leidensweges Jesu werden Punkt für Punkt abgearbeitet, von dem Gerichtsprozess vor den römischen Hohepriestern, über der Begegnung mit seiner Ziehmutter, den weinenden Frauen, seiner Hinrichtung und dem zu Grabe tragen. Sogar die Heilige Lanze aus der Passionsgeschichte spielt eine entscheidendeRolle. Der Film hinterfragt den gesamten Heldenmythos und bildet damit eine angenehme Abwechslung zu den Marvel-Filme, die nur noch aus Kompromissen an den Mainstream zu bestehen scheinen und zunehmend oberflächlicher werden, was sie durch Comic-Relief auszugleichen versuchen. Batman v Superman ist wesentlich erwachsener, fordert den Zuschauer heraus und entwickelt sich im Verlauf zu einer tragisch-düsteren Oper.

batman-v-superman-dawn-of-justice-darkseidÜberhaupt brilliert der Film durch den hohen Gehalt an moralischen Fragen und einer inhaltlicher Substanz, von der die meisten Marvel-Pendants nur träumen können. Dabei ist der eigentliche Plot raffiniert verwoben mit dem oberflächlichen Plot, denn natürlich geht es nicht wirklich um den Kampf von Gut gegen Böse, sondern darum, was einen Helden ausmacht und der daraus folgenden Erkenntnis, dass es keine Helden gibt. Ein Thema, mit dem Snyder sich schon bei Watchmen (vor allem mit Dr. Manhatten) eingehend beschäftigt hat. Daher ist die Besetzung von Bruce Waynes Vater mit Jeffrey Dean Morgan (Comedian aus Watchmen) durchaus als Augenzwinkern zu verstehen.

„Wenn Gott allmächtig ist, dann ist er auch böse. Wenn er nicht böse ist, dann ist er nicht allmächtig“ – frei nach Lex Luthor

Während Ironman, Hulk, Thor und Co. Städte einfach nur dem Boden gleich machen und echte Menschen höchstens als Statisten gehandelt werden, erlauben sich die Drehbuchautoren Chris Terrio und David S. Goyer von Batman v Superman das Gedankenspiel, wie die Menschheit tatsächlich auf das Auftauchen von Göttern reagieren würde und welche moralischen Verpflichtungen Macht (die laut Lex Luthor nie unschuldig sein kann) mit sich bringt. Auf der einen Seite Bruce Wayne, auf der ewigen Suche nach Katharsis nach dem Tod seiner Eltern, auf der anderen Seite Superman, der für die Sünden der Menschen ans Kreuz genagelt wird.

In der Umsetzung wird dies durch das wunderbare Ensemble getragen. Wider aller Schmähung füllt Ben Affleck den Anzug des alternden Dark Knight perfekt aus. Und auch Henry Cavill als Erlöserfigur spielt stärker als je zuvor, wobei er starke Unterstützung durch Amy Adams als wunderbare Maria Magdalena erfährt. Über Jesse Eisenberg als wahnsinniger Lex Luthor (mit leichtem Overacting) lässt sich streiten, ich jedenfalls hatte große Freude an seinem Spiel. Und auch Gal Gadot ist als Diana Prince einfach nur hinreißend, wirkt nur im späteren Amazonen-Outfit leider etwas zu kostümiert. Dafür hat JUNKIE XL der Figur aber ein prächtiges musikalisches Leitmotiv verpasst. Herausragend auch Senatorin June Finch (großartig: Holly Hunter) in der Rolle des Pontius Pilatus, die Superman gegen ihren eigenen Willen zum Tode verurteilen muss.

Batman v Superman

Zack Snyder versteht es Emotionen, Gewalt, Details mit einer fast erotischen Ästhetik auf die Leinwand zu bringen. Die oft geäußerten Kritik, dass man dem vermeintlich konfusen Plot nicht folgen könne, kann ich in keiner Weise nachvollziehen. Ich persönlich fühlte mich in keinem Moment des Films irgendwie in der Handlung verloren. Ganz im Gegenteil hing ich an den Lippen der Charaktere und sog jedes noch so kleines Handlungsdetail in mich auf, um es zu zelebrieren. Dass surreale Traumsequenzen und Handlungssprünge manchen Zuschauer überfordern, ist kein Manko des Films, sondern das der Zuschauer, die gerne ganz in Marvelmanier alles schön vorgekaut präsentiert bekommen.

batman-v-superman-dawn-of-justice-6-rcm0x1920uUnd Kritiker, denen es in dem Film am Humor mangelt, sollten sich fragen, warum auch der Kreuzweg Christi so humorlos inszeniert ist. Zugegeben, Batman v Superman ist nicht perfekt und hat durchaus auch die eine oder andere Schwäche, beispielsweise Plotholes, die sich einfach aus der Konstellation eines Kampfes zwischen Batman und Superman ergeben, vor allem durch die überstarke Macht des Letzteren. Aber das ist ein Problem, das alle Superman-Filme für mich haben. Und von denen, die in den letzten 60 Jahren inszeniert wurden, ist dies hier ohne Zweifel der beste. Es ist auch nicht Zack Snyders stärkster Film (das ist für mich Watchmen DC), aber er kann auf jeden Fall in der Top-Liga der Comic-Verfilmungen mitspielen.- Und das trotz der oft kritisierten Tatsache, dass eine entscheidende Handlungswendung durch einen reinen Zufall herbeigeführt wird. Ist nicht der Zufall oft auch Auslöser für die größten aller Geschichten? Dass er sich dramaturgisch Zeit lässt, rechne ich dem Film hoch an und hoffe inständig auf die Veröffentlichung eines Director‘s Cut, denn der wird dann einige der Punkte der zahlreichen Handlungsstränge hoffentlich noch einmal etwas vertiefen.

Fazit:

Mit Batman v Superman erlaubt sich Zack Snyder die Inszenierung einer tiefgehenden, monumentalen Oper, bei der manche Comicfans und Kritiker auf der Strecke bleiben, was aber nicht weiter schlimm ist, da sie nicht über meinen persönlichen Filmgenuss entscheiden.


12966499_1150467771652949_2143804599_nStefan Servos, geboren 1975, entdeckte schon in Kindertagen seine Leidenschaft für das fantastische Genre. Er ist aktives Mitglied der Deutschen Tolkien Gesellschaft, spielt in seiner Freizeit „Dungeons & Dragons“ und geht regelmäßig auf Liverollenspiele. Neben seiner hauptberuflichen Arbeit als Fernsehredakteur (WDR, SWR, KABEL 1, RTL) schreibt der Diplom-Journalist regelmäßig für diverse Online- und Printmedien, unter anderem für das Magazin Geek!. Zudem hat er bereits Hintergrundbücher zu Filmen wie „Der Herr der Ringe“, „Troja“, „Alexander“ oder „Der Hobbit“ veröffentlicht. Persönlich trifft man den Betreiber diverser Fan-Websites, u.a. www.herr-der-ringe-film.de, vor allem als Vortragenden auf Conventions wie der RingCon oder der HobbitCon.

Batman V Superman: Yawn of Meh

Wenn Lex Luthor seine Puppen alias Batman und Superman tanzen und gegeneinander antreten lässt, sollte das Stoff für einen grandiosen Kinofilm geben. Nacht vs Tag, grummelnder Griesgram vs Strahlemann, Spitzohren vs. Schmalzlocke! Kurz: Wunderbar! Zumindest in der Theorie. In der Praxis sieht das ganze eher so aus: [hier könnte eine intellektuell hochwertige Formulierung stehen. Tatsächlich ist es nur ein Link zum traurigsten Video, das das Internet zu bieten hat. Seriously.] Selbstverständlich habe ich mich von so was nicht beeinflussen lassen und bin selber ins Kino gegangen. Man will ja wissen, ob man eher Team Kritiker, oder Team Zuschauer ist! (Spoiler: Ich bin in Team Guddy.)

Ich ging ins Kino… und war selten derart gelangweilt von einem Film. Die Verantwortlichen haben unheimlich viel falsch, jedoch auch einiges richtig gemacht, auch wenn Letzteres den Film als Erlebnis für mich nicht aufgewertet hat. Folgend eine kleine Ordnung meines Gedankenpotpourris – die keinesfalls so tief gehen soll wie eine ordentliche Rezension:

Das Gute

  • Die Schauspieler

Ben Affleck als Batman hat seine Sache ebenso gut gemacht wie Henry Cavill in der Rolle des Superman. Beide geben eine Darstellung des jeweiligen Helden, die zum einen ins Bild diverser Comics passt, zum anderen jedoch auch etwas Eigenständiges hat. Etwas, das zerbrechlich und angreifbar wirkt, was vor allen Dingen Superman zugute kommt. Man merkt beiden an, dass sie ihre eigenen Päckchen zu tragen haben, dass gerade Batman – offenbar auch durch den Verlust Robins vor einiger Zeit – mit sich und seiner Rolle hadert. Auch viele andere Rollen finde ich gut besetzt wie etwa Jesse Eisenberg als Lex Luthor, der zwar dezent jokeresk daherkommt, dafür jedoch sowohl für schauspielerische Glanzleistungen, als auch den dringend benötigten Humor sorgt und dem Charakter nette Facetten hinzu gibt. Einzig Jeremy Irons wird eher seinem Nachnamen, denn seinem Charakters gerecht: Mir persönlich war er nicht nur zu jung, sondern hat mich auch zu sehr an einen verkappten Iron Man erinnert.

  • Die Bilder

Ich mag es düster. Hier war es teilweise zu lange und ausdauernd düster, doch schmälert das die Bildgewalt nicht. Einige Szenen waren wunderbar arrangiert und nahezu in Perfektion aufgenommen. Ich kann mich nicht erinnern, die Todesszene Batmans Eltern (Ja, ich weiß. Huge Spoiler. Wuwu.) jemals visuell derart ansprechend gesehen zu haben. Der Mix aus Zoom, Klarheit und verstörender Dunkelheit passt in vielen Momenten und wertet die einzelnen Szenen dadurch auf.

  • Superman

Nicht nur die Darstellung, auch den Charakter selbst empfinde ich als sehr gelungen und vielschichtig umgesetzt. Den Konflikt, der sich hier aufgrund seiner vermeintlichen Göttlichkeit präsentiert, finde ich unglaublich interessant. Sehr schön finde ich die Szene, in der er deutlich resigniert in dem Gericht steht und nur den Kopf schütteln kann. Herrlich! Ich hätte fast gelacht!

  • Die Tiefgründigkeit

Diesen Punkt kann ich dem Film nicht absprechen.

  • Der Abspann

Weil Ende.

superman

Das Schlechte

  • Der fragmentierte Plot

Den Plot empfand ich als derart fragmentiert, dass es mir schwer fiel, dem ganzen zu folgen. Vergangenheiten, nicht näher erläuterte Zeitsprünge, plötzliche Traumsequenzen, undefinierbare Sprünge – nicht, dass ich kein Herz für anspruchsvolle Filme hätte, doch wirkte es auf mich nicht anspruchsvoll, sondern recht willkürlich und schlichtweg mangelhaft umgesetzt. Es scheint, als wäre zu viel Plot vorhanden, der möglichst schnell abgearbeitet werden soll und das gerne auf Kosten des Verständnisses. Der Wille war größer als das fachliche Geschick.

  • Die Charaktere und deren Entwicklung

Warum handeln die Charaktere, wie sie handeln? Warum ändert Batman nur aufgrund eines Namens derart seine Meinung, als habe jemand mit den Fingern geschnipst und damit ein paar seiner Synapsen verändert? Warum verspürt Lex einen derartigen, plötzlichen Hass auf Superman? Warum, warum, warum…? Zu viele Fragen bleiben offen, zu wenig wurde darauf gesetzt, die Charaktere plausibel agieren zu lassen, deren Handeln zu erläutern oder zumindest nachvollziehbar werden zu lassen. Auch hier wird zu viel angeschnitten, ohne dabei in die Tiefe zu gehen, zu viel Potential wird verschenkt.

  • Das Arrangement der Kampfszenen

Gerade den Actionszenen mangelt es an Dynamik. Wenn ein Kampf in der Totale gezeigt wird, ohne auch nur einmal heranzuzoomen um zumindest die Illusion von Nähe sowohl zur Situation, als auch den Figuren zu erschaffen, dann wirkt das schnell langatmig. Auch realistischer, durchaus, doch die meisten Kämpfe sind schlichtweg langatmig, langsam und langweilig dargestellt, was durch die behäbig machende Ritterrüstung Batmans noch verstärkt wird. In den Kämpfen und Schlachten liegt kein Spaß, keine Leidenschaft, sie sind weder pointiert, noch in irgendeiner Form kurzweilig. So zieht sich leider auch der alles entscheidende Kampf am Ende derart zäh, dass ich Mühe hatte, die Augen offen zu halten.

  • Der Spannungsbogen

Durch die Episodenhaftigkeit und die vielen inhaltlichen Wiederholungen der als besonders wichtig und atemberaubend deklarierten Szenen habe ich leider keinen ausgereiften Spannungsbogen gefunden. Immer dann, wenn ich dachte: „Jetzt gehts gleich los!“ flaute es schneller wieder ab als ich aus meinem körperlichen Tiefschlaf wieder erwachen konnte. Ein immer wiederkehrender Coitus Interruptus, der mich verständlicherweise recht unbefriedigt zurück ließ.

  • Die Ernsthaftigkeit

Nochmal: Ich mag ernste, düstere Stoffe. Doch das hier war definitiv „too much“. Ohne Licht kein Schatten. Hier gab es kein Licht. Die einzigen, an Humor erinnernden Momente wurden von Lex kreiert. Der Rest schwappte in einer grauschwarzen Suppe aus Tristesse, die ich in diesem Fall nicht gut gemacht finde.

 

Fazit

Ich will und kann nicht mal sagen, dass der Film als ganzes schlecht ist. Er ist einfach nur un-glaub-lich langweilig und verschenkt sehr viel Potential.

Deadpool – 5 Dinge, die ich beim Kinobesuch gelernt habe

Zur Abwechslung einmal kurz und knapp:

  • Comicfiguren dürfen Comicfiguren bleiben. Um ehrlich zu sein hat mich dieser Trend hin zum Realismus in Comicverfilmungen dezent genervt. Nolans Batman, den fast jeder mag und ob seiner düsteren Realitätsnähe gefeiert wird? Da wurde mir das Geld für den Kinobesuch zu schade. Nicht, dass Comics nicht auch realistisch sein können. Durchaus. Doch wurde es mir schlichtweg zu viel und dadurch zu dröge. Spätestens die Avengers gingen wieder davon ab, schossen jedoch leicht über das Ziel hinaus und wurden zu bunten Popcorngeschichten. Auch nicht schlecht, aber erst jetzt durch Deadpool weiß ich: Hey, es geht wirklich perfekt. Was ich mit „perfekt“ meine: Deadpool ist eine Comicfigur. Er wankelt zwischen Brutalität, humorvollen bis albernen Momenten und Tragik hin und her, behält dabei jedoch die Elemente bei, die ihn wirken lassen wie frisch aus den bunten Seiten entsprungen, was primär der Animation seiner Augen, aber auch seiner ganzen Attitüde zu verdanken ist. Ein wenig over the top, nicht immer 100% glaubwürdig, überspitzt und dabei doch charmant. Für mich ist diese Deadpool-Interpretation das perfekteste, was die Comicverfilmungsindustrie seit langer Zeit, wenn nicht gar je, hervorgebracht hat. Die perfekte Verbindung zwischen Comic und Film.
  • Man kann albern sein, ohne albern zu wirken. Teabagging. Kotzwitze. Hodengesichter. Analhumor. Dinge, die perfekt in jede Teeniekomödie passen würden und dort absolut albern wirken. Logisch: Es ist albern. Aber hier wirkt es auf mich nicht so. Nicht im negativen, kindischen Sinn. Vielmehr hat es gepasst. Wie eine Prise Salz im süßen Pfannkuchen hat dieser „Pipi-Kacka-Humor“ den Film nur unterstrichen, statt ihn beherrscht und versalzen. Auf ominöse Weise wirkt es sogar erwachsen. Vielleicht bin ich innerlich auch spontan um 20 Jahre verjüngt worden, sodass mir die tatsächliche Albernheit nicht so auffällt. Zudem ruhte man sich nicht auf altbekannte Witze aus, sondern wurde kreativ.
  • Die Aussage „Der Film nimmt sich nicht so ernst“ hat endlich wieder eine Bedeutung. Um genau zu sein ist das eine Aussage, die mich mehr und mehr genervt hat. Welcher Film nimmt sich überhaupt noch – im Sinne des Zuschauers – ernst und muss das jedes Mal erwähnt werden, nur weil irgendeine Figur einen hellen, selbstironischen Moment hat? Für mich wurde es mehr und mehr zu einer leeren Phrase. Hier jedoch passt es. Und wieder nicht. Denn natürlich nimmt er sich ernst. Alles andere wäre ein Kindertheater. Doch die selbstironischen Seitenhiebe haben Charakter und Geist, wirken nicht gekünstelt, sondern sind Teil der Charakterisierung Deadpools. Ob nun Wolverine verunglimpft wird, die X-Men, ein gewisser Green Lantern oder Ryan Reynolds selbst: Es sind mehr oder minder kluge Referenzen, gepaart mit einer gehörigen Portion Humor. Klasse.
  • Es gibt tatsächlich auch coole Teenager in Filmen. Mit Negasonic Teenage Warhead wurde eine unbekannte X-Men eingeführt, die das genervte teenagereske Augenverdrehen perfektioniert hat und lieber auf dem Handy tippt, als sich am Kampf zu beteiligen. Allerdings nervt sie nicht. Es macht vielmehr Spaß, ihr zuzusehen. Es ist nicht zu extrem. Überhaupt sind die Nebenfiguren gut besetzt, die Auswahl spannend und ich mag tatsächlich jeden einzelnen. Wahrhaftig fast eine Premiere für mich.
  • Manchmal kann man geilem Marketing auch vertrauen. Die Werbung, die im Vorfeld gemacht wurde, war stets auf dem Punkt. Witzig, originell, schier frei Deadpoolschnauze. Trotzdem hatte man Angst: Kann der Film den dadurch geschürten, hohen Erwartungen wirklich gerecht werden? Jep. Kann er. Definitiv. Er ist genau so, wie ich es erwartet hatte. Exakt. Es wurden keine falschen Versprechungen gemacht und die witzigen Szenen, die in den Trailern und Teasern gezeigt wurden, sind definitiv nicht die einzigen oder besten lustigen Szenen im Film. Gut gemacht. Wirklich gut.

Man ahnt es: Ich finde den Film gut. Er macht Spaß, ist Deadpool wie man ihn kennt und vielleicht auch liebt und hat das gewisse Extra, das ihn von anderen Filmen seiner Zunft unterscheidet. Die vielfach eingerissene, vierte Wand beispielsweise. Der wundervolle Deadpool an sich. Sexszenen, die zur Abwechslung nicht peinlich sind. Eine der genialsten Eröffnungsszenen, die ich kenne. Eine Kameraführung und Special Effects, die auf den Punkt sind. Die Metaebene. Und damn, ist Deadpool sexy. Aber das nur am Rande. Verzeihen Sie diesen unqualifizierten Kommentar, werte und hochgeschätzte Leserschaft. Doch es ist Fakt! Wirklich!

Wenn ihr Deadpool und/oder derben Humor mögt, sowie die Werbekampagne schon großartig fandet, guckt euch den Film an. Ich kann mir eigentlich kaum vorstellen, dass man unter diesen Voraussetzungen von ihm enttäuscht werden kann.

Star Wars: The Force Awakens

Ein Warnhinweis vorneweg: Ich spreche hier mit dem Herzen in den Fingerspitzen. Objektivität zu heucheln käme mir nicht in den Sinn.

Doch zurück zu Star Wars: The Force Awakens.

Ganz im Sinne des allerersten Titels ging ich mit bester Hoffnung ins Kino, erwartete jedoch lieber – man will ja nicht enttäuscht werden –  das Schlimmste: Slapstick, langatmige, politische Einblicke ohne Zauber, Hochglanzoptik. Nichts davon traf zu. Im Gegenteil, es ist genau das eingetroffen, was ich anhand der Trailer still und heimlich – denn man will ja auch mal träumen dürfen – auch erwartet hatte.

Das, verdammt nochmal, das  ist Star Wars!

Natürlich rollte die erste Träne bereits beim Vorspann über meine Wange, forciert nicht nur durch die ikonische Musik, sondern auch durch das Gefühl… dieses unbestimmte Gefühl, einem für einen selbst als Geek und Fan „historischen Moment“ beizuwohnen. Auch bei Episode I saß ich im Kino. Damals war ich 13 Jahre alt und gerade mit meiner damaligen besten Freundin in Seattle. Kein Zauber zu spüren, nicht einmal beim Vorspann, der bei diesem Glanzstück des Star Wars – Universums bekanntlich noch das Entzückendste ist.

Gestern jedoch kam die Magie nicht allein beim ersten Augenblick. Sie blieb. Bis heute.

Ich kann es sogar einigermaßen erklären: Der Film hat es geschafft, den Geist der vergangenen Weihnacht der ursprünglichen Trilogie nicht nur einzufangen, sondern ihn auch gekonnt mit Neuem zu verknüpfen, etwas Neues daraus zu formen, das heutigen Maßstäben nicht nur genügt, sondern sie übertrifft. Es ist für mich, und da stehe ich alleine auf weiter Flur, dessen bin ich mir bewusst – ein besseres „A New Hope“. Eines, das nicht nur durch die Nostalgiebrille funktioniert, sondern auch im Hier und Jetzt.

Ich saß im Kino und vergaß. Ich vergaß, auf Fehler zu achten, auf Plotlöcher oder unlogisch agierende Charaktere, ich vergaß, dass ich im Kino saß. Ich wurde in dieses Märchen hineingesogen, habe über den Humor gelacht, der manchmal feinsinnig, manchmal possierlich war, habe mich in jeden der Charaktere platonischerweise ein wenig verliebt, habe mitgelitten, mitgefiebert, gebangt, gelacht, geweint und gehofft.

Wie verloren geglaubte Puzzlestücke fügen sich die neuen Figuren in das Ensemble ein: Rey, die definitiv nicht Händchen halten muss, Finn, der bezaubernd naiv daherkommt, Kylo Renn, den ich abgrundtief gehasst habe. Letzterer, dieser Bösewicht unter vielen namhaften dieses Filmes, kommt scheinbar flach daher und bietet doch so viel Stoff für Persönlichkeitsstudien, ist vielschichtiger, als es die meisten zugeben und für mich letztlich einer der interessantesten Antagonisten der jüngeren Science-Fiction.

Der Film hat etwas über zwei Stunden gedauert, doch gemerkt habe ich diese zwei Stunden nicht. Die Zeit flog dahin, untermalt von beeindruckenden Landschaften, atemberaubenden Raumschiffen, die geballte Mystik der Macht, verwoben mit den Legenden rund um die alten Helden Solo, Organa und Skywalker. Immer wieder wird unaufgeregt auf Episode IV verwiesen, manchmal mehr, manchmal weniger offensichtlich und doch in meinen Augen immer genau zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Intensität, nie so, dass es übertrieben wirkt.

Bei näherem Hinsehen einen Tag später offenbaren sich kleine Ungereimtheiten etwa in der Storyline oder in einzelnen Charakteren, die vielleicht einen Tacken zu schnell an die Macht kamen, doch fallen sie für mich nicht oder kaum ins Gewicht.

Es ist eine Hommage, eine Liebeserklärung an einen der für mich wichtigsten Filme und sie hat mich mitten ins Herz getroffen.

Alles steht Kopf

Genre: Familienfilm, Animation
Regisseur: Pete Docter, Ronnie del Carmen
Deutsche Synchronsprecher:
 Nana Spier, Olaf Schubert, Bettina Zimmermann
Erscheinungsjahr:
2015
Spieldauer:
94 Minuten
Originalton: Englisch
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Handlung

Die elfjährige Riley hat es nicht leicht: Ihre Eltern ziehen vom wunderschönen Minnesota ins graue San Francisco. Auf Riley prallen neue Eindrücke ein, sie muss mit Verlust und Heimweh kämpfen, mit Trauer, Wut und Enttäuschung. Doch ihr selbst folgen wir nur peripher. Es sind die Emotionen in ihr, die wir personifiziert sehen und denen wir beiwohnen dürfen, wie sie, die bereits seit Rileys Säuglingszeit bei ihr sind, mit den neuen Eindrücken umgehen. Besonders Frau Freude, die Rileys Gefühle dominiert, ist um ihr Wohlergehen besorgt und schier entsetzt, als die pummelige Kummer versehentlich eine fröhliche Erinnerung Rileys berührt, ihr somit eine andere Färbung verleiht und Riley einen kleinen „Blues“ verpasst.

Ein Kette unglücklicher Ereignisse in Rileys Emotionenzentrale führt dazu, dass Freude und Kummer samt wichtiger Kernerinnerungen per Luftpost aus der Zentrale zur Erinnerungssammelstelle gesaugt werden und nun Müh und Not haben, in die Kommandozentrale zurückzukehren. Denn was wäre Rileys Leben ohne Freude?

Meine Meinung

Wäre ich eine Emotion, ich wäre zur Zeit wohl „Missfallen“, auch bekannt als „Frau Dr. Nörgel. Fast tut es mir auch leid, denn eigentlich bin ich doch so leicht zu begeistern! Wer hätte auch ahnen können, dass mir nach „Fear the Walking Dead“ ausgerechnet „Alles steht Kopf“ missfallen würde, wurde doch gerade Letzterer mit Lob schier überschüttet: Derzeit steht es bei 98% positiver Bewertung bei Rotten Tomatoes. Zu Recht, erscheint es, denn die Idee dahinter ist selten innovativ: Die Prozesse in „Herz und Hirn“ so zu visualisieren und abstrahieren, dass sie sowohl familientauglich, als auch verständlich und zu guter Letzt auch noch humorvoll sind, das hat kaum jemand zuvor in dieser Art und Weise versucht. Doch zwischen „Versuch“ und „Realisierung“ liegt ein weiter Weg. Und auf dem ist Pixar meiner Meinung nach auf halber Strecke verendet.

Nun aufzulisten, was mir alles nicht gefallen hat, wäre ein zu tristes Unterfangen. Ich könnte schreiben, dass ich die beiden Hauptpersonen Freude und Riley unerträglich fand, Kummer schrecklich dumm, Rileys ehemaligen, imaginären Freund Bing Bong zu albern und den Film über weite Strecken einfach nur öde, in weiteren Passagen erschreckend einfallslos, kindisch und flach. Die witzigen Szenen kann ich an einer Hand abzählen. Es sind die Szenen, in denen die Emotionszentralen verschiedener Menschen miteinander zu agieren versuchen oder, wie im Abspann, komplett losgelöst präsentiert werden: Spannend! (Die Katzenszene war episch!) Oder die paar wirklich wahren Witze wie dieser (frei nacherzählt):

[Freude haut zwei Boxen um, die Inhalte mit einmal „Meinungen“ und einmal „Fakten“ purzeln durcheinander auf den Boden]“Oh nein! Lass uns sie aufsammeln! Aber.. nooo! Ich kann die Plättchen nicht auseinander halten!“ – „Mach dir keine Sorgen. Das passiert hier eh andauernd.“

Hihi. So true!

Überhaupt ist das Innenleben Rileys wunderbar animiert. Von der Schaltzentrale der fünf Emotionen über die Gedankendeponie bis hin zu den vergessenen Erinnerungen, all das hat Hand und Fuß, ohne dabei zu kompliziert zu sein. Erinnerungen werden in Kügelchen verpackt, die entweder ins Langzeitgedächtnis wandern, um dort über mehr oder weniger lange Zeit archiviert zu werden, oder als Kernerinnerungen gespeichert, die persönlichkeitsbildend sind. Dass Riley mit ihrem Fantasiereich sehr mädchenhaft ist: geschenkt. Zu leugnen, dass es Mädchen gibt, die sich glitzernde Prinzessinennschlösser vorstellen, hielte ich für gewagt. Zumal Riley an sich kein Klischeemädchen ist. Nicht, dass sie mir dadurch sympathischer wird.

In diesem hübsch visualisierten Innenleben Rileys hampeln die fünf Emotionen herum und versuchen, Rileys Gedanken zu strukturieren und zu leiten. „Hampeln„, denn sonderlich kompetent wirken sie nicht, müssen sie auch nicht sein, schließlich sind es Emotionen und keine Beamten. (Das muss ich sagen, da mir eine Beamtin gerade die Pistole auf die Brust setzt und ich mit einer Kugel so schlecht tippen kann.)  Diese fünf Kollegen sind  selbstredend stark auf „ihre“ Emotion reduziert: Freude ist ein fröhliches Wesen, Kummer(speck) ein verkappter „I-Aah“, Wut ein leicht entflammbarer Zornknubbel, Angst sehr ängstlich und Ekel ist irgendwo zwischen „Disgust“ und „weiblicher Arroganz“ anzusiedeln. Zwar arbeiten sie gemeinsam, doch das Sagen hat eindeutig Freude, die insbesondere Kummer unterdrückt und vergisst, dass auch Trauer zu einem erfüllten Leben dazu gehört. Dass diese Erkenntnis sehr spät kommt, ist natürlich ganz im Sinne eines Familienfilmes, schließlich muss irgendwann gegen Ende die Moral auftreten. Immerhin ist diese originär.

Erwähnenswert ist sicher auch die Tatsache, dass die Ideen nicht allein auf Interpretation der kreativen Pixarköpfe fußen, sondern auch auf Studien realer Psychologen. So wurde Paul Ekman zu Rate gezogen, der in seinen Arbeiten sieben Basisemotionen definiert: Fröhlichkeit, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit und Überraschung. Dass Verachtung und Überraschung für „Alles steht Kopf“ gestrichen wurden, ist der Erzählbarkeit und Dramaturgie geschuldet. Auch werden diese beiden Emotionen teilweise durch die fünf übernommenen Personifikationen in deren Handeln abgedeckt.

Fazit

Insgesamt finde ich „Alles steht Kopf“ zwar originell, aber nicht halb so tiefgründig, wie es mancherorts erzählt wird. Die meisten Ideen finde ich sehr nahe liegend, leider jedoch auch nicht sonderlich unterhaltend und besonders die Passagen mit und über Bing Bong nervig. Dessen Werdegang habe ich allerdings sehr begrüßt und macht für mich sehr viel Sinn. Es ist ein schön anzusehender Film, der gänzlich andere Wege beschreitet als die meisten Animationsfilme zuvor und wohl deswegen auch so gute Kritiken einheimsen konnte, für mich jedoch nur unterer Durchschnitt bleibt.

Eine (sehr) gute Idee alleine macht noch keinen grandiosen Film.

Diese Besprechung stützt sich auf die deutsche Version, da die Kinos meiner Umgebung die OV nicht zeigen.

Ant-Man

Genre: Sci-Fi, Action
Regisseur: Peyton Reed
Darsteller:
 Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Douglas 
Erscheinungsjahr:
2015
Spieldauer:
115 Minuten
Originalton: Englisch
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Handlung

Als der intelligente Einbrecher Scott aus dem Gefängnis entlassen wird, hat er vor allen Dingen eines im Sinn: Fortan rechtschaffen leben, um nicht nur ein normales Leben führen, sondern auch seiner kleinen Tochter ein gutes Vorbild sein zu können. Dass er wenige Tage später doch noch von seinem Freund dazu überredet wird, den Safe des vermögenden Hank Pym zu knacken, steht er dort nicht etwa vor einem Sack voller Geld und Juwelen, sondern vor einem ominösen Anzug. Kaum probeweise angezogen und sich im Spiegel bewundert, entfaltet sich das wahre Potential des Anzuges: Scott schrumpft auf possierliche Ameisengröße und entwickelt eine in Relation zur neuen Körpermasse unwahrscheinliche Kräfte.

Während Scotts Odyssee durch die plötzlich viel zu große Stadt lacht sich Anzugbesitzer Hank Pym ins Fäustchen: Die Einbruchsmöglichkeit in sein Haus war von seiner Seite aus initiiert, ein krudes Rekrutierungsmanöver. Denn Scotts Diebes-Fähigkeiten werden von ihm dringend benötigt, um die Pläne der garstigen Organisation Hydra zu vereiteln, die eine zweite Version des Verkleinerungsanzuges für ihre Zwecke beanspruchen will und bereits krude Pläne damit schmiedet. Scott hat nur noch wenig Zeit, von einem semi-ordinären Kriminellen zum Superhelden Ant-Man zu werden.

Meine Meinung

Ant-Man ist nun längst nicht der bekannteste oder gar beliebteste Superheld, dennoch ist er bekanntermaßen einer der Gründungsmitglieder der Avengers und hat zumindest im Comickosmos eine kleine Bedeutung. Die ist in den Marvel Verfilmungen bislang leider untergegangen, daher freut es mich sehr, dass ihm nun die Aufmerksamkeit zuteil wird, die er verdient! Natürlich fragt man sich nach den letzten Marvelfilmen: Was kann ausgerechnet der kleine Ant-Man bieten, was nicht zuvor bereits zehnfach durch die Actionmaschinerie gejagt worden ist und man nicht von Iron Man, Captain America und Co. nicht schon imposante kennt? Kann ein neu eingeführter Superheld da überhaupt noch die Krone aufsetzen? Die Antwort ist simpel: Nein, kann er nicht. Nicht, wenn es ihm nach Größerem strebt.

Und so ist der Ameisenmann auch deutlich geerdeter. In bester Spiderman-Manier muss er sich nicht nur vom Otto Normalbürger hocharbeiten und lernen, die neuen Fähigkeiten zu zähmen und letztlich zu meistern, sondern er agiert auch in deutlich minimalistischerer Szenerie. Haupthandlungsorte sind zum einen das Labor mit dem obligatorischen Bösewicht und der anziehenden Vernichtungswaffe, zum anderen aber auch und vor allen Dingen das bodenständige Häuschen des früheren „Ant-Man 1“ Hank Pym, der nun aufgrund seines voran geschrittenen Alters den Ameisenanzug  erst an den Nagel, und nun an Scotts Schultern gehängt hat. Nicht einmal steht die unmittelbare Vernichtung der Menschheit durch fiese Aliens in unmittelbarer Aussicht, sondern zunächst „nur“ das Besitzrecht des gelben Minianzuges an Hydra.

Die Welt um Scott erscheint kleiner und das nicht nur aufgrund des Umstandes, dass er auf Augenhöhe mit dem liebenswerten Krabbelvieh ist. Dieses ist wunderbar in Szene gesetzt, sowohl optisch, als auch auf narrative Weise. Die Interaktionen mit den Ameisen wirkt erstaunlich plausibel, deuten militärisch anmutende Strukturen an und fokussieren auch auf einzelne Individuen ihrer Art, die auf ihre Weise irgendwie sympathisch wirken, ohne dass sie romantisch verklärt vermenschlicht werden.

Während die Ameisen sicher eine solide Basis für die Darstellung des Ant-Man bilden, schaffen es auch die humanoiden Charaktere, zu überzeugen. Sieht man von dem schablonenartigen Bösewicht ab, haben die anderen Personen in Scotts Umfeld Substanz. Da ist der neue Freund von Scotts Exfrau, der zunächst wie der Stereotyp des „Arschloch-Neuen-Freundes“ wirkt und wider Erwarten doch ein ganz cooler Typ ist. Oder der Minikriminelle Luis, der zwar ein Sidekick ist, aber nicht etwa durch andernorts bereits durchgekaute Albernheiten auffällt, sondern vielmehr durch witzige Einfälle glänzt und so ganz nebenbei auch den Humor des Filmes unterstreicht und in Form von Scotts ironischer Art ihren Höhepunkt findet. Ich mag es sehr, dass er von sich aus bestimmte, kitschige Momente entschärft.

Ant-Man ist nämlich vor allem eines: Ein sehr kurzweiliger, fast komödiantischer Film, der zwar Action bietet, sich jedoch nicht darauf ausruht. Hier möchte ich den Bogen zurück zur Frage schlagen, ob Ant-Man die bisherigen Marvelfilme toppen kann. Die Explosionen werden nicht größer, können es gar nicht werden und das ist den Machern vollends bewusst. Seine Sternstunden hat der Film in den geschrumpften Kämpfen. Etwa, wenn Scott durch Miniaturmodelle rennt,um Schüssen zu entfliehen  oder im Endkampf, bei dem eine Spielzeugbahn zweckentfremdet wird. Der Kontrast zur fulminanten, lauten Action innerhalb Ant-Mans Perspektive und der immer wieder eingeblendeten  Sicht der Außenwelt auf das Geschehen ist großartig!

Ebenso großartig wie die gesponnene Marvelwelt, die sich von Film zu Film immer weiter entfaltet und verdichtet. Die Figuren nehmen Bezug zueinander, spielen auf vergangene Ereignisse an, die in anderen Filmen passierten und verknüpfen all das zu einem Kinoerlebnis, das in dieser Form zur Zeit wohl nur Marvel bieten kann. Und es funktioniert! Verdichtet wird all dies durch die – bitte im Kino sitzen bleiben – after credit-scenes, die wieder einmal auf weitere Ereignisse hoffen lassen. Übrigens: Das Gesicht von „The Wasp“, die im Film einen Gastauftritt hat, wird nie gezeigt. Das lässt mich hoffen, dass sie doch noch.. ach ich will da nicht zu viel verraten.

Fazit

Als kurzweilig und erschreckend innovativ würde ich ihn beschreiben. Zwar bleibt das Storykonstrukt sehr marvelesk, der Antagonist schablonenhaft, doch die Art, wie die „kleine Welt“ visualisiert und die Action minimalisiert wird, gefällt mir sehr. Man ist keinen konträren Weg gegangen, doch hat einen guten Weg gefunden, der neben den ausgetretenen Pfaden entlang läuft und genug Abwechslung bietet. Ich möchte sogar so weit gehen, dass ich sagen würde, dass „Ant-Man“ neben „The Avengers“ die bislang beste Marvelverfilmung ist. Aber ich mag auch Ameisen. Ungelogen. Ich glaube, ich werde mir eine Anthony-Plüschfigur basteln. Natürlich in Originalgröße, damit mein Basteldilettantismus nicht groß auffällt.

 

Super Mario Bros. – The Movie? Awesome!

Kein Scherz. Ich finde diese Videospielverfilmung großartig. So sehr, dass ich nicht einmal finde, dass es eines dieser „Guilty Pleasures“ ist, von denen peinlich schnell berührte Leute hinter vorgehaltener Hand tuscheln. Ihr habt doch alle keine Ahnung! Gut. Ich streng genommen auch nicht, denn ich bin weit davon entfernt, eine professionelle Filmenthusiastin zu sein. Ich bin einfach nur eine Enthusiastin. Dafür jedoch eine mit eigenem Geschmack. Obviously.

Die Großartigkeit des Filmchens zeigt sich bereits in den groben Zügen seiner Umsetzung: Es ist alles andere als eine 1:1 Kopie des bekannten Stoffes, sondern nutzt diesen nur als Basis, um lose darauf aufbauend etwas eigenes zu erschaffen. Mutig stürzt man die Geschichte rund um Mario und Luigi um, fügt Facetten hinzu und lässt dafür andere Fakten weit hinter sich zurück. Plötzlich geht es um Dinosaurier, die sich in einem Paralleluniversum zur dominierenden und grotesk humanoid wirkenden Rasse der Erde behauptet haben. Plötzlich ist der mario’sche Pilz wirklich ein Pilz: Schleimig, irgendwie ansteckend und eklig. „Ich bin Darkwing Duck, der Pilz am Fuße des Verbrechens!“ Oder so. Nein, der Pilz ist hier keine Droge, die Marios Ego größer werden lässt.

Diese Unterschiede zur Spielevorlage halte ich für gewagt, aber unglaublich interessant. Realisiert wurde mit diesen Ideen ein Film, der kontinuierlich zwischen Trash und Müll pendelt und dabei eine überraschend gute Figur macht. Warum? Weil er mir beim Zugucken Spaß gemacht hat und noch immer macht! Weil Mario Mario Mario und Luigi Luigi Mario heißt! Weil die Prinzessin zu einer coolen Damsel in Distress wird! Weil Mario hier ironischerweise nicht springen möchte. Mein Herz verloren hatte ich spätestens an Yoshi und die Minibombe. Beide sind trotz nicht vorhandenem Plüsch oder Rosa zuckersüß, was an sich bereits eine kleine Kunst ist.

Diese Dinosaurier-Dystopie mit den grobschlächtigen, aber drolligen Goombas (Die Mundharmonika! Aaaw!)hat es mir angetan und in eine Welt entführt, die konträr zu der bunten, vergnüglichen Welt des ursprünglichen Marios ist. Hey, knallbunte Sitcom hatten wir in der kleinen Serie Ende der 80er bereits genug! (Ich danke mir selbst zum Ohrwurm. Mist.) Hier läuft Mario nicht von links nach rechts, sondern sogar auch mal von rechts nach links. Klingt komisch, ist aber so.

Der ganze Film ist ein surrealer Fiebertraum, der ganz ohne knallbunte Farben auskommt, dabei das Wagnis eingeht, sich kreativ von der Vorlage zu lösen – und im Allgemeinverständnis kläglich dabei gescheitert ist. Ich kenne kaum jemanden, der den Film nicht gerne vergessen würde – allen voran natürlich die Darsteller und Verantwortlichen selbst. Falls ihr den Film ebenfalls bereits verdrängt habt, habe ich hier den neusten Honest Trailer für euch, der, oh welch Zufall, Super Mario Bros. thematisiert. Hurra!

Und falls ihr euch den Film zulegen wollt… Tadaa.

Jurassic World


Genre: Science-Fiction, Action, Abenteuer
Regisseur: Colin Trevorrow
Darsteller:
 Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Vincent D’Onofrio
Erscheinungsjahr:
2015
Spieldauer:
124 Minuten
Originalton: Englisch
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Handlung

Zwanzig Jahre sind ins Land gestrichen, seit die Dinosaurier im ursprünglichen Jurassic Park am ein oder anderen Menschenknochen geknabbert haben. Nun wurde, geschmackvoll auf den Ruinen des alten Parks, ein neuer errichtet. Noch größer, noch gigantischer und noch atemberaubender soll er sein, um die Zuschauer an die Scheiben zu fesseln und in die Giftshops zu treiben. Was bietet sich da besser an als ein neu kreierter Supersaurier? Der Indominus Rex ist eine wundervolle Mischung aus einem T-Rex und… nein, so ganz genau will man das noch nicht sagen. Den willigen Parkbesuchern wurde er als neuste Attraktion noch nicht gezeigt und natürlich wird es auch nicht dazu kommen. Zumindest nicht im geplanten Sinne, denn Jurassic World wäre nicht Jurassic World, wenn der Indominus Rex nicht entfleuchen würde und sich, statt sich begaffen zu lassen lieber an armen Unschuldigen vergreifen würde. Denn er tötet nicht, um zu fressen… sondern… aus Spaß. Hier bitte dramatische Musik einfügen.

 

Besprechung

Die fiktive Isla Nublar ist heute wie damals Schauplatz des Geschehens rund um unbefiedertes, semiausgestorbenes Großwild. Heute wie damals ist es auch der Dummheit der Menschen – oder dem Drehbuch – zu verdanken, dass die Lage eskaliert und nicht nur wehrlose Ziegen den Carnivoren zum Opfer fallen. Es bleibt also alles beim Alten bei gleichzeitiger Politur des alten Stoffes; der Fokus liegt gleich in der ersten Einstellung auf Nostalgie und Dinosauriern. Ist es ein Kinderzimmer aus den 90ern, das man sieht oder doch die prähistorisch eingerichtete Bude eines modernes Kindes? Letzteres ist der Fall und der betreffende Junge tritt bald darauf in die wissbegierigen Fußstapfen von Tim, dem nervigen Blag Jungen aus Jurassic Park. Staunenden Auges betritt er den Jurassic World, um dort, gemeinsam mit seinem älteren Mädchenschwarm-Bruder, auch seine Tante zu besuchen, die zufällig Leiterin des Dinoparks ist.

Als Zuschauer beginnt nun der faszinierendste Teil: Der kleine Rundgang durch den Jurassic World. Man erhält wunderbaren Einblick in die Welt des Kommerzes, in der Tiere als Unterhaltungsprodukt betrachtet werden und sich der Parkbesucher als tumber Vergnügungssüchtiger präsentiert. Größer, besser, gefährlicher ist nicht nur das Motto des Parks, sondern auch das des Filmes: Gesellschaftskritik und Fanservice gehen hier Hand in Hand. Nicht, dass es ein philosophischer Film wäre, nein, er fährt klassische Popcornkinogeschütze auf. Man sieht arme Babytriceratopse, die von kleinen Menschenkindern geritten werden können und vermutlich die nächsten Monate dazu verdammt sind, blöd im Kreis herum zu laufen, man sieht den gewaltigen Mosasaurus, der in einem von fast jedem Blickwinkel aus einsehbaren Aquarium haust und für den Haifische lediglich kleine Snacks sind und man kann in einer Art hypermoderner Hamsterkugel durch die riesigen Gehege der Pflanzenfresser rollen. Zudem gibt es den T-Rex zu beobachten, sowie Velociraptoren. (Sidenote: Bedenkt man bspw. die Größe, handelt es sich eigentlich um Deinonychus‘. Aufgrund des deutlich medienwirksamer klingenden Namen des Raptors hat sich Spielberg seinerzeit jedoch dazu entschieden, die auf den Deinonychus‘ basierenden Modelle nach den Velociraptoren zu benennen.) Kurz: Hat man alles schon gesehen. Das würde weder Parkbesucher, noch Kinozuschauer von den Sitzen hauen.

Wie gut, dass der Park nun mit genmodifizierten Arten arbeiten. Man kreuze einen T-Rex mit allerlei nicht handelsüblichem Getier und erhalte einen Supersaurus, namentlich den Indominus Rex. Der I-Rex ist gefährlicher, größer und schlauer als der T-Rex – und die überbordende Intelligenz merkt man. Zumindest dann, wenn er nicht gerade zugunsten der Story einen spontanen Intelligenzabfall erlebt. I-Rex bricht nämlich aus, indem er die Wärter hinterlistig täuscht. Was folgt, ist eher mit Teil 2 der Jurassic-Trilogie zu vergleichen, denn gestorben wird viel. Es sind keine prägnanten, erzählerisch geschickt eingefädelten Tode wie im originalen Film, sondern mutet zeitweilig sogar generisch an, das Bild eines Ego-Shooters wird bewusst forciert. Spannung kommt dabei jedoch kaum auf, es ist weniger subtil und dadurch beliebig.

Neben dem I-Rex sind es die Velociraptoren, die für die nötige Dinoaction sorgen und die Dank des eingeführten Trainings eine neue Facette erhalten. Trainiert werden sie von Owen, der die vier Raptoren hingebungsvoll großgezogen hat und damit in den Genuss eines Semi-Alphastatus kommt – wenn die Raptoren gerade einen freundlichen Tag haben. Wild sind und bleiben sie, zahm geworden sind sie trotz aller Streicheleinheiten absolut nicht. Zu einer besonders ikonischen Szene diesbezüglich gibt es übrigens einige Minipersiflagen seitens realer Tierpfleger.

Die Raptoren sind übrigens, man muss es leider so sagen, die Figuren mit der glaubhaftesten Charakterentwicklung. Die menschlichen Charaktere bestehen größtenteils aus Klischees und bleiben, von einigen holprig eingeführten Sidestories, sehr eindimensional. Ist das schlecht, lenkt es ab? Nun ja. Manche Entscheidung sind selten dämlich, doch bin ich keinesfalls derart vom Sessel aufgesprungen wie ich es immer, von Zorn erfüllt, tue, wenn „Jurassic Park“-Lex mit un-fass-barer Blödheit glänzt. Insgesamt wirkt Jurassic World zwar flacher, aber dadurch nicht schlecht. Die Optik ist grandios, die vielfach bemängelten CGI-Effekte sind mir kaum bis gar nicht aufgefallen. Man hat sehr unterhaltsame Action, einen wunderschönen Park mit zumeist freundlichen Sauriern, ein wenig Heldenromantik, den obligatorischen Bösewicht und Gruselmomente. Nicht etwa, wenn das Blut derart spritzt, dass man sich fragt, ob man bei Supernatural gelandet ist. Sondern dann, wenn  man etwa sieht, wie ein armer kleiner Babytriceratops an seinem Reitsattel gepackt und von einem Flugsaurier in die Lüfte gehoben wird. Trau-rig! Erst von den Menschen von Geburt an versklavt und zum Vergnügen benutzt und jetzt auch noch weinendes Futter eines Fleischfressers! Das war ungelogen mein schrecklichster Filmmoment. Für viele war der schlimmste Moment aus völlig anderen Gründen das famose Finale. Viele beschreiben es als „over the top“ – ich finde gerade das klasse!

Kurzzusammenfassung

Charaktere: Der Umstand, dass ich sie im Fließtext kaum erwähnt habe, ist wohl Urteil genug. Ich würde sie unauffällig nennen. Es sind Stereotype, die mir nicht groß negativ, aber auch nicht positiv aufgefallen sind. Am meisten Charme hatten für mich die Raptoren.
Story: Gutes Popkornkino ohne überraschende Wendungen. Sehr unterhaltsam, jedoch erzählerisch nicht ganz rund. Die Perspektive wurde zu inkonsequent gewechselt, die Wechsel zwischen den Akten sind teilweise zu abrupt.
Bild: Für mich ein definitives Highlight. Großartige Dinosaurier, ein wunderschöner Park und ein unaufdringliches 3D.
Schönste Momente: Die komplette Einführung in den Park, zu sehen, was alles möglich wäre und eine super Umsetzung der Idee. Die Parkleiterin, wie sie sich überzeugt das Hemd knotet und versucht, resolut auszusehen. „I have a boyfriend“. Blue. Der Tod einer bestimmten Frau, die von zwei Tieren nacheinander gefressen wird.

Fazit

Lohnt sich der Kinobesuch? Ja! Mit 3D? Ja. Lohnt sich eine Doktorarbeit über den Film? Nö. Lohnt sich die Blu-Ray? Auf jeden Fall! Ist er ein „Guilty Pleasure“? Aber nein. Ist er Trash? Nein.

Photo: Universal

Ein Film mit Profil: Rubber

„Ein Profiler hätte den Ermittlungen gutgetan.“

Genre: WTF-Horror-Kunstfilm
Regisseur: Quentin Dupieux
Darsteller: Stephen Spinella, Jack Plotnick, Wings Hauser
Erscheinungsjahr: 2010
Spieldauer:
82 Minuten
Originalton: Englisch (bei französischer Produktion)
Trailer | „Rubber“ auf Amazon


Inhalt

Einer Gruppe wird eine Art Livefilm gezeigt, den sie in einer trockenen, kargen Landschaft mit Ferngläsern beobachten können. Dort, einsam und halb unter Staub begraben, erwacht ein Autoreifen zu neuem Leben. Auf wackligem Gummi blinzelt er in die Welt – nur um wenig später sein wahres Gesicht zu zeigen. Denn unter dem abgeschliffenem Profil vebirgt sich ein erbarmungsloser Killer!

Rubber-03

Kritik

Der Film beginnt mit einer Demonstration über die Willkürlichkeit der Filmemacher: Der Protagonist, Lieutenant Chad, steigt aus dem Kofferraum eines Polizeiautos, gießt ein Glas Wasser vor den mit Ferngläsern bewaffneten Zuschauern aus und beginnt einen Monolog über eben jene Willkürlichkeit, bei der er die vierte Wand durchbricht und den Zuschauer vor dem Fernseher direkt anzusprechen scheint.  Dieses Mittel – Reflektion und unterschwelige Kritik am (Hollywood)Film zieht sich durch den gesamten Streifen. Ist am Ende die ganze Handlung lediglich Kritik am Filmbusiness und dessen Willkürlichkeit?

Eingebettet in diese Rahmenhandlung, die einen immer wieder zu den Zuschauern zurückkehren lässt, dreht sich „Rubber“ um den Killerreifen Robert. In seiner Anfangssequenz noch furchtbar unbeholfen wirkend wie Bambi, der zum ersten Mal das Laufen lernt,  erlebt man sein Erwachen zum Mörder hautnah mit. Er arbeitet sich hoch: Erstes Opfer ist eine Dose, die er überfährt, es folgt ein Skorpion. Als er eine Flasche nicht überfahren kann, sie zu kompakt ist für ihn als Reifen, lernt er seine eigentliche Fähigkeit kennen: Per Telekinese kann er Objekte – und später auch Menschenköpfe – zum Zerplatzen bringen. Wenig später zählt auch ein Kaninchen zu seinen Opfern – und man sieht Robert glücklich und von fröhlicher Musik begleitet durch die Wüste schunkeln.

Robert wirkt, obwohl er keinerlei Gesicht hat um seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen,  erstaunlich emotionsgeladen. Kleinste Nuancen in seinen Bewegungen lassen dies ebenso zu wie die musikalische Untermalung. Nie hat mich ein Reifen so berührt! (Zum Glück.) Ich habe mit ihm gelitten, mich mit ihm gefreut und am Ende… tja. Am Ende hat er mir doch zu viele Menschen umgebracht.

„Rubber“ ist ein skurriler Film nicht nur über einen Killerreifen, sondern auch über Zuschauerarchetypen und fungiert nicht nur als Horrorpersiflage, sondern auch als Kritik am Filmsystem. Ob die Längen, die zwischendurch auftauchen, beabsichtigt sind? Keine Ahnung. Der Reifen nutzt sich schlichtweg mit der Zeit ab, da das Anschleichen an die Opfer stets einem gleichen Konzept folgt. Spannung kommt selten auf, dafür ist der Film wirklich niedlich. Die Idee des Films gefällt mir sehr. Sollte man zumindest mal quergeguckt haben!

The Hobbit: The Battle of the Stupid Eyebrows

Vor mir auf der großen Leinwand entfaltete sich eine wunderbare, eine fantastische Geschichte. Die Geschichte mutiger Zwerge und eines gemütlichen Hobbits vor der schönsten Kulisse, die man sich als Fantasyfreund nur vorstellen kann. Ich sah Freude, ich sah Schmerz; ich sah eine Geschichte, die mich zum Träumen brachte.

Das war 2012.

Nun, im Jahre 2014 und beim nunmehr dritten Film der Hobbitreihe, war mein Erlebnis ungleich nüchterner. Hineingeschmettert in die Handlung und vor das aufgerissene Maul eines güldenen Drachen geworfen, waren diese ersten Minuten – das Bindeglied zwischen dem zweiten und dritten Film – noch die nettesten. Ich fragte mich zwar, warum man diese zehn Minuten nicht noch in den zweiten Teil integriert hatte, aber hey, Spaß gemacht hat der kurze Kampf gegen den samtbestimmten Smaug dennoch.

Was dann folgte, war ein Film, der mich schlichtweg enttäuschte. Ein Wirrwarr in der Story, bei der ich mich gefragt habe, ob Jackson sein Handwerk, seine Erzählkunst verloren hat. Oder eher: Wann? Keine Sekunde lang habe ich mit den Zwergen gefiebert,  keine Sekunde mich mit den Menschen gefürchtet, keine Sekunde auch nur mit den Elben… was eigentlich? Hatte man mit den Elben die Zwerge hassen sollen? Viel mehr als das ist mir bei den elbischen Emotionen und der Charakterisierung nicht im Gedächtnis geblieben. Da war nichtmal mehr Platz für Arroganz oder Erhabenheit. Sie waren einfach… golden und mochten die Zwerge nicht. Ui, toll.

Was mich jedoch am meisten gestört hat, war, dass es Fantasy war. Die Art von belangloser und seichter Fantasy, die außer viel Lametta nichts zu bieten hat und die leider in den Köpfen der breiten Masse feststeckt. Es hatte, von der Optik abgesehen, D-Moviequalität. Es war generisch aufeinander nicht abgestimmter Storymüll. Gut, hier übertreibe ich. Ich kann mich vage daran erinnern, dass ich gestern, just als ich aus dem Kino gegangen bin, nicht ganz so enttäuscht gewesen bin. Irgendwie hat sich da mein Eindruck über Nacht wohl dezent verstärkt. Aber gestern hatte ich auch den Eberzwerg noch besser im Gedächtnis gehabt. Hach. Der Eberzwerg… (mit seinen unfassbar schlecht bearbeiteten Kopfstößen)

Kurz rekapituliert: Es geht um eine Schlacht, bei der fünf Armeen beteiligt sind. Um einen Zwergen, der von der Macht des Schatzes und des Drachens langsam seine Vernunft verliert (und dem ich nichts davon abgenommen habe). Um Menschen, die ihre Stadt, ihr ganzes Hab und Gut verloren haben und nun auf der Suche nach einer neuen Heimat sind. Das ist Stoff für eine großartige Geschichte! Doch man bleibt nicht bei einzelnen Personen, betrachtet die Schlachten derart oberflächlich, dass man (oder: Dass ich) keinerlei Mitgefühl aufbauen konnte. Ich hatte den Eindruck, dass die Eckpunkte einfach abgefrühstückt worden sind. Wo bleiben die epischen Schlachten? Die Heroen, die man nicht nur sieht, sondern bei deren Auftauchen und Aktionen einem eine Gänsehaut über den Rücken läuft?

Und warum hat man Alfrid, den Berater des Bürgermeisters, kreiert? Den albernen Sidekick mit den zusammengewachsenen Augenbrauen, der mich an Jar Jar Binks erinnert hat und dem man wirklich jedes optische Klischee verpasst hat. Warum musste man die bekloppte Emanzenszene einfügen, bei der die Frauen – die noch nie in ihrem Leben ein Schwert in der Hand gehalten haben – pseudoheroisch nach den Waffen greifen? Warum musste man den Ork drölfzig Sekunden lang in Andacht verharren lassen, nur damit sich zwei Liebende in Ruhe verabschieden können? Warum…?

Ach. Es ist mir eigentlich auch  egal. The Battle of the Five Armies war für mich Fantasy der Unterklasse. Und das sage ich als Fantasyfan.

Guck „The Portal“ jetzt!

Alar, ein durch die Dimensionen reisender Magier, verteleportiert sich ins Toronto des 21. Jahrhunderts. Sein Portal zurück funktioniert nicht mehr, die Halblinge sind irgendwie unfreundlich und verdammt nochmal, warum sind seine magischen Fähigkeiten hier gestört? Zum Glück entdeckt er bald eine Einrichtung, die Reisen in andere Welten verspricht. Ein magischer Ort mit sich auf wundersame Weise drehenden Türen, heiligen Artefakten, die das Bildnis eines Menschen fassen können – und Kim, eine holde Maid, die doch dezent verwirrt zu sen scheint.

10007503_265651786950263_1784707868_nZu Recht, denn dass Alar wie ein verstörter LARPer wirkt, ist obligatorisch und die Szenen, in denen er versucht, mit der Welt, wie wir sie kennen, zurecht zu kommen, sind fantastisch. Die Naivität, die Tahmoh Penikett dabei ausstrahlt, ist ebenso erfrischend wie die sympathische Darstellung der Reisefachangestellten Kims durch Erin Karpluk. Bislang war nur der Trailer bekannt, nun kann man sich nach kurzer Registrierung auch den 11minütigen Kurzfilm ansehen. Er ist zu kurz. Ich möchte eine Serie davon sehen! Zum Glück ist genau diese in Produktion. Stay tuned. Zum Beispiel auf Facebook.

Hier geht’s zum Film

Perfect Sense

„Das hat doch alles keinen Sinn!“ – Oder?

Genre: Science-Fiction, Drama
Regisseur: David Mackenzie
Darsteller: Ewan McGregor, Eva Green
Erscheinungsjahr: 2011
Spieldauer:
92 Minuten
Originalton: Englisch
Film auf Amazon


Inhalt

Ja, es ist trotz der prominent auf sämtlichen Plakaten präsentierten Lovestory eine apokalyptische Geschichte. Eine der etwas anderen Art, versteht sich, denn weder wird die Menschheit von hirnrünstigen Zombies, noch von Atomkraft bedroht. Nein, es ist eine rätselhafte Krankheit, die, ungeachtet jeglicher Vorsichtsmaßnahmen, bald die gesamte Menschheit ergreift und einem nach und nach die Sinne schwinden lässt.

Der erste Sinn, der sich sang- und klanglos verabschiedet, ist der Geruchs- bzw. Geschmacksinn. Es folgen in einigen Stunden/Tagen Abstand der Gehör- und schließlich der Sehsinn. Klingt auf den ersten Blick nicht sonderlich endzeitlich: Doch was bleibt einem noch vom Sein, wenn man letzten Endes nur noch spüren kann? Und wer sagt, dass dieser Sinn bleiben wird? Unantastbar ist er bei dieser Krankheit vermutlich nicht. Ja, ich finde, dass das eine fast noch beängstigendere Vorstellung ist als eine Zombiekalypse.

Kritik

Perfect-Sense-TrailerDie Hervorhebung der Liebesgeschichte macht hier tatsächlich Sinn, lenkt es doch den Fokus auf sowohl die großen Gefühle, als auch die winzigen Berührungen, die durch zwei Liebende mehr Bedeutung zu erhalten scheinen. Dabei ist Susan als Epidemiologin eigentlich dafür prädestiniert, den Zuschauer durch das Geschehen zu führen – doch wie soll sie dies können, wenn kein Wissenschaftler Rat weiß oder auch nur die Quelle des Geschehens benennen kann? Dagegen übernimmt Michael, mit dem sie zu Beginn des Filmes lediglich ein One Night Stand vereint, eine filmerisch wesentlich wichtigere Rolle – und das als Koch. Durch sein Wirken in der Küche werden die Auswirkungen gezeigt: Fehlt der Geschmacksinn, schalten sich die Menschen vielleicht eher um, konzentrieren sich auf Konsistenz und die Optik.

Über große Strecken hinweg ist Perfect Sense ein eher ruhiges Drama, das nur in den Höhepunkten der Epidemie Verzweiflung, überbordende Emotionen und Katastrophe ersichtlich werden lässt. Die Katastrophe gipfelt dabei in introvertierter Weise, es ist die Katastrophe des Individuums, nicht die der Masse. Lediglich, wenn eine weitere Stufe der Krankheit erreicht wird, etwa kurz vor dem Verlust des Hörsinns, drehen die Menschen im Kollektiv durch. Sie schreien aus vollster Kehle, werden aggressiv, zerstören ihr ganzes Mobiliar; als giere ihr Hirn danach, ein letztes Mal noch etwas zu hören, ein letztes Mal die Ohren zu strapazieren bevor es vorbei ist.

Die fehlende Action macht es für mich nicht langweilig, sondern im Gegenteil „angenehm“ beklemmend. Die Verflechtung von (Charakter)Drama und Apokalypse scheint mir stimmig und gut durchdacht, auch wenn es garantiert nicht Jedermanns Geschmack trifft. Zwar sind beide Protagonisten keine Sympathieträger: Im Laufe des Filmes bezeichnen sie beide sich bezeichnenderweise auch als „Mr. und Mrs. Asshole“. Dennoch sind die Charaktere in sich stimmig und wirken gerade durch die beiden Hauptdarsteller sehr lebendig.

Die feinen Nuancen, die der Film anschlägt, mag ich sehr. Dazu mag die Stimme aus dem Off für mich nicht so ganz passen, die jegliche Subtilität im Keim erstickt. Zwangsläufig denkt man darüber nach, wie es wäre, wenn einem auch nur ein Sinn verloren ginge. „Kann“ ich auf einen Sinn verzichten, auf zwei, auf drei? Wie wird es meine Wahrnehmung ändern, wie meine Beziehung? Erhalten Kleinigkeiten mehr Bedeutung? Der Film liefert keine allgemein gültige Antwort, was meines Erachtens auch eine Farce wäre.

Am Ende bleibt Dunkelheit.

After the Dark

Lasst uns doch einfach mal über die Apokalypse… reden.

Genre: Science-Fiction, Drama
Regisseur: John Huddles
Darsteller: James D’Arcy, Sophie Lowe
Erscheinungsjahr: 2014
Spieldauer:
107 Minuten
Originalton: Englisch
Film auf Amazon


Inhalt

Sie stehen kurz vor ihrem Abschluss, die gebildeten, gutaussehenden und etwas affektierten Philosophiestudenten der internationalen Schule in Jakarta. In der letzten Stunde gibt ihnen ihr Lehrer eine besondere Fragenstellung vor: Wenn just in diesem Moment ein Atomapokalypse eintreten würde und man einen Bunker zur Verfügung hätte, der exakt für ein Jahr und zehn Personen konzipiert wurde – wem gibt man einen Platz? In einer Art imaginärem Rollenspiel werden den 20 Schülern per Losverfahren zunächst je ein Beruf zugeteilt, um die Entscheidungen fundierter begründet treffen zu können. Ist ein Harfenspieler weniger wert, gerettet zu werden, als eine Gouverneurin?

Kritik

Kann das funktionieren? Eine Diskussion zu verfilmen, die genau genommen in einem einzigen Raum stattfindet und somit nicht gerade viele spannende Settings bietet? Doch, das geht. Die Vorgaben des Lehrers und die Gedankenspiele werden visualisiert, die Schüler förmlich in das neue Setting gesetzt. Drei Mal spielt der Lehrer das Gedankenexperiment durch, wobei er jedes Mal eine leicht veränderte Ausgangssituation vorgibt. So finden sich die Schüler im ersten Fall noch in einer Art Tempelarreal wieder, der Charakter definiert durch einen Beruf. Im nächsten Fall ist es eine karge Landschaft, in der der Bunker steht, wobei sich zum Beruf nun auch noch eine bestimmte Charaktereigenschaft oder ein biologischer Faktor gesellt. Zum Fortbestand der Menschheit, die aufgrund des Atomkriegs natürlich drastisch dezimiert sein würde, wäre bspw. ein unfruchtbarer Mensch vielleicht nicht ganz so „nützlich“.

Die Fragen, die sich stellen, sind durchaus interessant – und hapern an ihrer Ausführung. Solche philosophischen Fragen auf die Kinoleinwand zu bannen hat zumindest in diesem Fall nicht auf mich gewirkt, die gegebenen Antworten bzw. Lösungsvorschläge erscheinen zu flach und die dubiosen Eingriffe in das Geschehen durch den Lehrer von den Schülern zu wenig hinterfragt, was zur Eindimensionalität des Inhaltes beiträgt. Der sich erzählerisch bietende Raum ist einfach nicht groß genug, um die Fülle an philosophischen Gedanken zum Thema gebührend zu erfassen. Man kratzt an der Oberfläche, ohne abzuwägen, ohne wirklich zu diskutieren.

Es ist kein typischer Endzeitfilm, da er den Umständen entsprechend nicht miterleben lässt, sondern lediglich darüber spricht, weshalb er an Spannung, jedoch leider auch an Plausibilität mangelt. Manche Vorgabe des Lehrers ist zu sehr an den Haaren herbei gezogen. Ich möchte nicht zu konkret spoilern (und tue es wohl doch ein bisschen), doch ein Lehrer, der eine zwar imaginäre, jedoch möglicherweise triggernde Handlung an einer Schülerin durchführen möchte, ist… undenkbar. Gedankliches Rollenspiel hin oder her. Zumal diese Situation jede Relevanz zur ursprünglichen Aufgabenstellung – was tun wir im Falle einer Apokalypse – missen lässt.

Auch ist mir die Optik zu glatt. Dass sowohl Schüler, als auch Lehrer einem beliebigen Hochglanzmagazin entsprungen sein könnten, lasse ich durchgehen. Es ist Fiktion, da dürfen die Menschen gut aussehen. Doch vom Klassenzimmer über die erdachten Settings bishin zum Bunker… verdammt, ich habe noch nie einen so schönen Atompilz gesehen! Alles ist zu glatt. Jedes Staubkorn sieht gewollt drapiert aus, jeder Lens Flare Effekt schreit förmlich: „Ich will gescreenshotet werden und als Wallpaper enden!“

Zuletzt sei noch die Atmosphäre zu nennen, die sich irgendwo zwischen „spirituell“ und „angestrengt intellektuell“ bewegt. Mancher Protagonist redet mir zu sanft. Und dann gibt es da noch die Rahmenhandlung, die man jedoch erst ganz zum Schluss erfährt und keinen direkten Bezug mehr zur philosophischen Frage hat, mehr noch, sehr deplatziert wirkt. Ohne diese Rahmenhandlung wäre der Film für mich runder gewesen.

Fazit

Insgesamt ist After the Dark kein schlechter Film. Er ist innovativ und besitzt gute Ansätze, die bei mir jedoch schlichtweg die Wirkung verfehlt haben. Es werden wunderschöne Bilder geboten und Fragen, die man gut und ausführlich diskutieren kann. Leider halte ich einen Film wie diesen für die falsche Plattform, um solche Thematiken in dieser Form zu debattieren. Als Aufhänger für eine Diskussion im Freundeskreis taugt er jedenfalls allemal!

Hell – „Besonders wertvoll“?

Habt ihr „Hell“ gesehen? Nein? Gut so.

Das Filmdebut des Schweizers Tim Fehlbaum ist eine dubiose Chimäre bestehend aus Survival, Endzeit-Thriller und Texas Chainsaw Massacre. Ein blutleerer,ein trockener Film. Meines Erachtens nach. Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden sieht das ganze freilich etwas anders und gab „Hell“ das Prädikat „besonders wertvoll“. „Besonders wertvoll“: Das beinhaltet laut Bewertungskriterien Originalität, zeitkritischer Inhalt, ein gewisser Anspruch… Kunst. Interessant.

Dieses außerordentlich wertvolle Werk also handelt von einer nicht allzu fernen Zukunft im Jahre 2016, in dem die globale Erwärmung sein vorläufiges Maximum erreicht hat. Die Erde verdorrt, hinterlässt trockenen Staub und brüchige Gebeine am Wegesrand. Die Luft flirrt vor Hitze, die Sonne verbrennt Sträucher, Gräser, Haut. Man verfolgt die Spuren von drei Überlebenden dieser hyperaktiven Sonnenparty, die auf der Suche nach Wasser, Nahrung und Benzin Nena-hörend durch das verlassene Land fahren. Der größte Feind ist natürlich nicht die Sonne, sondern der Mensch. Kidnapper, Diebe, Kannibalen – die Liste an Widersachern ist lang.

Doch zurück zu dem Prädikat. Was hat dieser Film, das ihn von anderen abhebt? Eine kleine „Analyse“.

10 Dinge, an denen man einen „besonders wertvollen“ Film erkennt

  1. Der Titel birgt ein Synonym. Der ordinäre Filmgänger wird bei „Hell“ in Kombination mit dem Genre und Setting an die beliebte Hölle denken. Doch – Obacht und großes Augengezwinker – „hell“ ist auch ein Adjektiv. Verstehste? Es ist hell dort, wo die Sonne so stark scheint! Touché!
  2. Diffuse Kameraführung, Zoom auf triste Objekte, die an eine tiefere Bedeutung glauben lassen. Farben so verblichen wie die Seiten eines Mathematikbuches. Helle, sandige Töne, die künstlerisch wirken und die Szenerie zu einem Bildnis verstörender Schönheit werden lassen. So wundervolle Bilder, dass man den Ton ausmachen möchte, um sie besser genießen zu können. Den Ton ausschalten sollte man ohnehin. Dann muss man die flachen Dialoge nicht ertragen.
  3. Menschen werfen sich bedeutende Blicke zu. Blicke, die man selbst als empathischer Mensch kaum zu deuten weiß. Intellektueller Kniff des Regisseurs – oder doch eher schauspielerisches Unvermögen? Besonders eindringlich sind jene Blicke, so der Protagonist „99 Luftballons“ einwirft: Ist ihm schlecht? Ja, es sieht fast so aus, als müsse er sich aus dem Auto heraus übergeben. Eine versteckte Botschaft, eine Diffamierung Nenas? Warum sonst sollten diese Momente, immerhin auch zwei an der Zahl, so akzentuiert werden?
  4. Schwermut ist das oberste Gebot. Jedes Zucken eines Mundwinkels in höhere Gefilde kann das Verschwinden des Prädikats zur Folge haben. Die Welt ist schlecht, so schlecht. So schlecht, dass jede Freude aus den Protagonisten gesaugt wurde und auch der Zuschauer die Macht der Tristesse zu spüren bekommen soll. Schwermut: Das bedeutet Anspruch! Schade nur, dass diese tristen Themen so schnell daher rasen, dass man als Zuschauer kaum hinterher kommt. Setting: trist. Auf geht’s zum Dieb: Wie schlimm. Schnell weiter zum Kidnapping: Hach diese bösen Menschen! Huch, denkst du immer noch ans Kidnapping? Nein, los, wir reden hier bereits über die scchlimme Verletzung des einen! Lasst ihn ruhig zurück! Man kann es auch ohne ihn schaffen! – Habe ich schon erwähnt, wie schwermütig das macht? Zack, Kannibalen. Schlimm, schlimm. Wo waren wir doch gleich? Ach ja, bei den traurigen Gesichtsausdrücken. Ob ich meine eigenen Mundwinkel je wieder gen Himmel bewegen kann? Vermutlich nicht.
  5. Charakterentwicklung? No need for this. Ist die dicke Staubschicht erst einmal vom Charakter gewischt, erstrahlt er auch schon im plötzlichen, neuen Glanz. Einer so schönen, „wertvollen“ Entwicklung habe ich noch nie folgen dürfen.
  6. Sonnenbrillen werden üblicherweise mit „coolen Menschen“ assoziiert. Jegliche Verbindung zu solchen Individuum ist natürlich zu vermeiden, wenn man einen anspruchsvollen Film drehen will. Also lässt man sie einfach weg. Auch wenn die Sonne so heiß brennt, dass einem der Arm in Flammen aufgeht, sobald man ihn für zwei Stunden in der Sonne vergisst. Das menschliche Auge gewöhnt sich sehr schnell an horrende Sonneneinstrahlung, ganz bestimmt, also braucht auch niemand, der in der prallen Sonne steht, zu blinzeln oder die Augen zusammenzukneifen.
  7. Der Zuschauer soll sich offenbar noch im Kinosessel verdammt klug fühlen dürfen. Anders ist es kaum zu erklären, dass die Protagonisten sich klug wie vertrocknete Herbstblätter im Wind verhalten. Man wurde eben erst aus dem Kofferraum heraus beklaut? Macht nichts! Parken wir keine halbe Stunde weiter entfernt und verlassen es wieder, um zu dritt nach Parfum zu suchen, während das schwache Mädchen ohne Führerschein(kenntnis) im Auto sitzen bleibt! Eine adäquate Verteidigung für das Auto, denn – huch. Da fährt das Auto ja auch schon ohne uns weiter. Surprise.
  8. Schwierige Themen gehören oberflächlich und unsensibel behandelt! Kannibalentum? Jemand wird geschlachtet? Na ja, macht nichts. Man ist unter der Sonne ja auch schon ausgehärtet, da haut die Protagonistin von heute nichts mehr um. Wird lieber Zeit für einen heroischen Auftritt ohne Reue.
  9. „Los! Verfolgen wir das Auto!“ [halbe Stunde Wanderung] „Oh, hier ist ein Lager von irgendwem – und da kommt ja auch schon das Auto angebraust, das wir verfolgt haben!“ Merke: Logiklöcher in Raum und Zeit sind ein Zeichen von Qualität, denn es lässt einen philosophieren über das Raum-Zeit-Kontinuum! (Drölfzig Staffeln Star Trek wären auch zu anstrengend dafür)
  10. Langsam. Laangsam. Sind philosophische Abhandlungen spannend geschrieben? Nein. Folglich braucht man auch in einem besonders wertvollen Film keinerlei Spannung aufrecht erhalten. Verknüpft mit Schwermut, bezaubernden Bildern und staubiger Tristesse ergibt sich ein Film, der … oh, Verzeihung. Ich muss eingeschlafen sein.
  11. Bonus: Jeder, der den Film schlecht findet, hat ihn selbstverständlich einfach nur nicht verstanden.

 

Ich erwarte wahrlich kein Splatterfest, keine Gewaltorgie und kein Spannungsfeld gigantischen Ausmaßes. Ich mag sehr wohl auch ruhige Filme, Filme, die etwas „zu sagen haben“ und Filme, die einen zum Nachdenken anregen. Das hat der Film jedoch nicht geschafft. Er „rusht“ in einer bemerkenswerten Langsamkeit durch das Geschehen; und diese Diskrepanz ist etwas, das mich nicht nur irritiert, sondern gleichzeitig ärgert.

Die Prämisse ist nett, doch will „Hell“ wohl zu viel, bedient sich zu vieler Klisches, ohne gekonnt zu persiflieren und kupfert bei zu vielen Filmen ab, ohne dabei an Originalität zu gewinnen oder sie beizusteuern.

Diesen Film kann man meiner Meinung nach getrost in Treibsand werfen oder von der Sonne noch weiter ausbleichen lassen. Oder wollt ihr euch selber von der besonders wertvollen Qualität überzeugen?

Guardians of the Galaxy

Wie man sich unbeliebt macht#1: Man erzählt, dass man Guardians of the Galaxy nicht ganz soo knusprig fand.

Genre: Science-Fiction, Action, Comicverfilmung
Regisseur: James Gunn
Darsteller: Chris Pratt, Zoë Saldaña, Dave Bautista
Erscheinungsjahr: 2014
Spieldauer:
121 Minuten
Originalton: Englisch
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Inhalt

Ende der 80er verliert ein Junge seine Mutter an Krebs. Mit seinem Walkman und der Awesome Hits-Kassette rennt er schockiert aus dem Krankenhaus und wird prompt von Außerirdischen entführt, die mit ihm im Schlepptau in die Galaxie düsen. Dieser Junge heißt Peter Quill. Und er wird 26 Jahre später ein Guardian of the Galaxy sein.

Der Weg dorthin ist steinig und beginnt mit einer Metallkugel – dem Orb-  die Peter, mittlerweile unter seinem einstigen Entführer und nun Ziehvater Yondu Udonta zum Schmuggler herangereift, beschaffen soll. Doch ist nicht er alleine hinter dieser unscheinbare Kugel her: Auch Ronan, seines Zeichens fanatischer Anhänger der Weltenzerstörungstheorie (Rache wird am besten kalt auf dem zerstörten Planeten serviert) möchte dieses Kleinod in seine blaugeäderten Fänge bekommen. Eigentlich, um damit Thanos zu bezahlen, der für Ronan einen Planeten zu zerstören – bis sich später herausstellt, dass der Orb wesentlich mehr kann, als lediglich als Zahlungsmittel zu dienen.

Ein heißer Kampf um den Orb entbrennt, in dessen Zuge sich ein hyperintelligenter Waschbär, ein wenig sprachseeliges Baumwesen, ein Haudrauf und eine Assassinin Peter anschließen. Mit Widerworten zunächst, versteht sich, denn eigentlich war zu Beginn fast ein jeder der Truppe erpicht darauf, Peter aufgrund eines Kopfgeldes zu jagen oder ihm schlicht den Orb zu entluchsen. Werden sie es schaffen? Werden sie sich zusammenraufen und gemeinsam die Galaxie retten?

Kritik

Die ersten Szenen machen Lust auf mehr: Peter vermag es, Tränen zu forcieren. Zunächst, als er als Junge seine Mutter verliert und in der nächsten Szene, als er, zur Musik der 80er tanzend, kleine Reptilienwesen als Mikrofone missbraucht und eine gewisse, charmante Arschlochattitüde an den Tag legt. Leider versprach mir der Einstieg zu viel.

Gespickt mit auf mich teils angestrengt wirkenden, teils wirklich großartigen One-linern und angereichert durch Charaktere, die vermutlich in verschiedene Töpfe mit Graustufen geplumpst sind, präsentiert sich ein Film, der zwar gutes Popcornkino ist, jedoch sowohl an Story, als auch durchgehender Spannung und Witz verliert. Die Action ist nicht rasant genug, um über die flachen Antagonisten hinwegzutäuschen, die Optik nicht brillant genug, um vergessen zu lassen, dass die Assassinin Gamora so plausibel wirkt wie ein tanzendes Toastbrot und das Baumwesen Groot ist nicht… doch. Es ist in der Tat grandios genug, um mich vergessen zu lassen, dass mir Peter vorkommt wie eine schlechte Han Solo-Kopie.

Groot und der Hamster – Verzeihung, der Waschbär (übrigens jemand, der sich mit Peter um den Titel „Han Solo des neuen Filmjahrtausends“ streitet) Rocket sind zwei wirklich wunderbare Charaktere. Nicht nur von fantastischer CGI, sondern auch absolut liebenswürdig und hauptverantwortlich für den Großteil der wirklich witzigen Szenen und Zitate. Groot ist – trotz seiner Eigenheit, lediglich einen einzigen Satz „I am Groot.“ sprechen zu können – die Person, die mich am meisten berührt hat. Jeder Satz ist anders betont, von einer Mimik getragen, die wirklich ein bisschen mein Herz berührt hat. Groot freut sich, hasst, und liebt wirklich mit jeder Holzfaser seines Körpers. Großartig! Ähnliches gilt für Rocket.

Dagegen wirkt nicht nur Peter blass, sondern insbesondere die grünhäutige Gamora, die ihr Dasein bislang als herangezüchtete Auftragskillerin fristete und plötzlich, pünktlich zu Beginn des Filmes auf die Idee kommt, nun endlich den Schritt in Richtung Abnabelung von Thanos zu wagen. Ihre Charakterentwicklung ist fast so schnell wie ihre Fäuste und gipfelt, wie soll es anders sein, in einem Catfight sowie in einem… Spoiler, den ich hier nicht nennen möchte. Peter tritt übrigens in die Fußstapfen von u.a. Iron Man. Ein Held ist vermutlich nur der, der bereit ist, sich zu opfern.

Nein, der Film ist nicht schlecht. Über die Tatsache, dass er keine Story besitzt, die über ein „Bösewicht XY will die Welt vernichten, indem er Artefakt YZ benutzt! Heldenkameraden, lasst uns dies verhindern!“ hinausgeht, kann ich hinwegsehen. Ein Film muss mich unterhalten. Das hat er getan, nur manchmal etwas zu plump und zäh. Er hat für mich einige sehr schöne Momente. Gerade die Gefängnisszene finde ich genial, ebenso das Zusammenspiel der verschiedenen Figuren. Aber es fehlen für mich ein paar Funken. Einer, der mich träumen lässt. Einer, der mich endgültig mitreisst. Einer, der mein Herz langfristig berührt und einer, der mich wünschen lässt, dass der Film niemals enden möge.

Zuletzt noch eine kleine Anmerkung zur Musik: Ich bin ein großer Fan von der Musik der 80er. Ehrlich. Zumindest wenn es um Rock generell und um 80er Jahre „Trash“ geht. Daher hatte ich gehofft, dass Peters Kassette, die einige Male als musikalische Untermalung dient, meine Füße wippen lässt. Tut sie jedoch nicht. Die Musik lässt mich kalt. Hat man einfach versäumt, „bekanntere“ Musikstücke zu finden, die an die Emotionen und Erinnerungen appellieren können? Oder schrammt sie einfach nur knapp an „meiner“ Musik vorbei? Meiner Meinung nach wurde gerade dort enorm viel Potential verschenkt!

Insgesamt ist Guardians of the Galaxy ein wirklich netter und größtenteils unterhaltsamer Film, von dem ich mir jedoch aufgrund der Kritikerlorbeeren wesentlich mehr versprochen hatte. Ob es sich lohnt, ihn sich im Kino anzusehen? Definitiv! Der Schlusssatz gebührt nun auch der Optik des Films: Es war der visuell schönste bzw. best gemachteste Film, den ich je gesehen habe.


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Hänsel und Gretel – Hexenjäger



Genre: Horror-Action
Regisseur: Tommy Wirkola
Darsteller: Jeremy Renner, Gemma Arterton
Produktionsjahr: 2012
Spieldauer:
98 Minuten
Trailer
Link zum Angebot
Originalsprache: Englisch


Inhalt

Das Bild zeigt es schon: Das altbekannte und -bewährte Märchen wurde für den Film dezent umgewandelt und weiterentwickelt. Hänsel und Gretel sind nicht nur erwachsen geworden, sie jagen nun auch die warznasigen Schwestern ihrer alten Peinigerin. Und da ist auch noch die Sache mit der verhinderten Hexenmagie…

Hänsel und Gretel – Hexenjäger weiterlesen