1. 25. Februar 2016 | Veröffentlicht unter Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    In Videospielen ein personifiziertes Herz – im P&P eine linke Schlange: Meine Gesinnungen.

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    Ich bin gut! Nein, böse! Ach, ich weiß es selber nicht so genau, denn in meiner Brust schlägt nicht nur ein natürlich und selbstverständlich enorm großes Herz, nein, es ist auch noch dezent zweigeteilt. Doppelherz, sozusagen, nur auf eine denkbar abstruse Weise. Wäre ich ein D&D-Charakter, mein Spieler hätte seine liebe Mühe, mir eine Gesinnung zuzuschreiben. Zum Glück bin ich kein D&D-Charakter, die Novadi in mir wäre auch zu Recht entsetzt.

    Wie dem auch sei: Gesinnungen gibt es auch im Spiel, sei es in Videospielen mit einer gewissen Handlungsfreiheit oder eben Rollenspiele auf dem Papier. Die Option, einen Viehdieb nun auszuliefern oder aufgrund seiner Lage zu decken sei hier nur als winziges Beispiel angeführt. Die Entfaltungsmöglichkeiten in manchen Spielen ist grandios, all die Wege, die man bestreiten kann, all die unterschiedlichen Gesinnungen eines Helden – und ich wähle die gute Seite der Macht. Immer. Ich kann einfach nicht anders: Bittet mich ein armer Bauer um Hilfe, klicke ich automatisch auf die freundlichste Option: „Oh ja, mit größtem Vergnügen, hier habt Ihr außerdem noch eine Kuh und morgen helfe ich Euch obendrein bei der Apfelernte!“ Während nun also ein schillernder Regenbogen meinen Char und mich umhüllt, frage ich mich: warum? Warum kann ich nicht einmal der Böse sein? Einmal sagen: „Nä. Is‘ nich‘. Hilf‘ dir selber, Bauerntrottel – und wo wir schonmal dabei sind: her mit dem Geld!“ Einmal schwebte der Cursor sogar einige quälend langsam verstreichende Sekunden über einer mittelschweren Version. „Lass‘ mich erstmal ein Bier trinken, dann sehe ich weiter.“, nur um dann doch wieder die herzigste Antwort anzuklicken.

    Bei Rollenspiel-Videospielen denke ich mir stets, rein gewohnheitsmäßig, eine kleine Geschichte zum gewählten Helden aus – die meinetwegen auch mit der eigentlichen Story ab und an kollidieren darf, da stehe ich munter drüber. Und die ist nicht immer so nett, wie ich später tue. Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb, wähle ich meist Krieger und, seltener, Schurken/Diebe/Halunken/Halsabschneider/Angestellte bei der DB. Diese sind allein schon vom Grundsatz her moralisch nicht ganz so korrekt. Und trotzdem: ich schaffe es nicht, dies dann auch in den Gesprächsoptionen umzusetzen! Sofort meldet sich mein unnötiges Gewissen. Besonders hart wurde es bei „Black&White“, bei der man seine Untertanen und sogar seine tierischen Handlanger ohrfeigen kann. Einmal, ein einziges Mal tat ich dies – und wäre kurz darauf beinahe weinend zusammengebrochen und habe meinen Bildschirm bzw. das winzige Männchen darin um Verzeihung angefleht. Trotzdem, und das mag vielleicht verwundern, spiele ich auch liebend gerne die Spiele, in denen man von vorneherein der „Böse“ ist: Dungeon Keeper etwa, um einen ganz alten Kandidaten zu nennen. Doch selbst dort bin ich die nette Version des Bösen. Bei jedem zur Nahrung auserkorenem Küken habe ich mich persönlich entschuldigt. Noch immer höre ich ihre peinvollen Schreie im Schlaf… aber lassen wir das.

    Anders sieht es dagegen dann wieder beim ordinären P&P aus: Meine Charaktere dürfen dort gerne Schattenseiten haben und es mit der Moral nicht ganz genau nehmen. Dort ist mir das Charakterspiel wichtiger, gleichzeitig fühle ich mich distanzierter. Und das, wo ich doch die Rolle in dem Moment mit Haut und Haar verkörpere. Ob Sklavenhändler oder Schmuggler, der die finstersten Drogen  an unschuldigste Lämmer verkauft, meine Gesinnung schwankt zumeist zwischen lawful und chaotic evil. Und ja: Sie schwankt in der Tat, denn das starre System, das viele Rollenspiele predigen, ist nicht meine erste Wahl.

    Mali hinnehmen, weil der Charakter im Laufe der Zeit – oder auch je nach Situation – seine Gesinnung „ändert“? Nope. Als wesentlich realistischer erachte ich es, wenn die Grenzen fließender sind. Manch Person ändert sich im Laufe des Lebens, erlebt Dinge, die ihn straucheln oder zweifeln lassen und nicht zuletzt kann es sein, dass ich beim Thema „Kükenverspeisung“ gerechter bin als in Sachen „Baumkuschler“. Ich persönlich lasse mich ungerne in das Gesinnungs-Korsett zwängen und möchte meinen Charakteren ebenso ungerne einen Stempel aufdrücken, an den er sich zu halten hätte. Ähnliches gilt übrigens auch für meine Romancharaktere. Hoch lebe das fidele Grau! Zumindest, nunja, in Rollenspielen und Romanen. Ich muss das an dieser Stelle nochmal betonen, da mich mein rosarot eingefärbter Skyrim-Charakter bereits ängstlich ansieht. Nein, Schätzchen, keine Sorge, du bleibst „gut“.

    Die Gesinnung ist für mich Bestandteil des P&P-Charakterkonzeptes und als solcher unterliegt er nur der fiktiven Person, dessen Hintergründen und Bauteilen. Es ist für mich jedoch nicht in Werte fassbar, nicht strikt kategorisierbar. Und verdammt, jetzt bekomme ich wieder Lust, einen richtig, richtig fiesen Charakter zu spielen. Einen Al’Anfaner vielleicht, denn Klischees werden nie alt.

    Wie sieht es bei euch aus? Badass oder Pussy wie ich?


    Der Karneval der Rollenspielblogs ist eine Aktion, bei der jeder interessierte Blogger, Youtuber oder Podcaster zu einem monatlich neu ausgewähltem Thema seinen Anteil beitragen kann, sodass am Ende des Monats eine möglichst große Bandreite an Beiträgen steht, die das jeweilige Thema bestenfalls vielseitig beleuchten. Der diesmonatige Karneval wird von Neue Abenteuer organisiert und läuft unter dem Motto: "Gesinnungen".

  2. 3. Juli 2015 | Veröffentlicht unter Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    Meinungen über Rollenspieler

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    Vor geraumer Zeit endete die Umfrage zur Meinung über Rollenspieler, bei der eine, wie ich finde, große Anzahl an Leuten mitgemacht hat, danke dafür! Gewühlt habe ich mich bei der Auswertung durch etliche Liebesbriefe an die Rollenspielcommunity, allerdings auch durch einige Hasstiraden, die wenig überraschenderweise  primär die Spieler eines Systems treffen. Doch der Reihe nach.

    Kleine Randnotiz: Natürlich ist dies keine wissenschaftliche Umfrage, sondern eine Beschäftigungstherapie für alle Beteiligten. Nein Spaß. Natürlich waren sämtliche Wissenschaftler daran beteiligt. Außerdem: Die Zahlen habe ich gerundet.Falls also irgendwo über 100% erreicht wurden, wisst ihr, woran es liegt. 0;) Hier rede ich von „den Rollenspielern“, genauer gesagt bin ich natürlich selber eine. Ich wollte vom Kumpeltum „Wir sind so und so, ich gehöre zu euch!“ absehen und es vor allen Dingen auf keine persönliche Ebene schieben.

    rollenspieler statistik

    Folgend habe ich mir die Antworten der Rollenspieler und die der Nicht-Rollenspieler getrennt voneinander angesehen und dabei schnell festgestellt, dass das Bild, das die Nichtrollenspieler von RPlern haben, deutlich positiver ist als die Meinung von Rollenspielern über Rollenspieler. Natürlich muss dazu auch gesagt werden, dass der Link zur Umfrage vermutlich von jenen geteilt wurde, die sich ohnehin für die Thematik interessieren und daher potentiell Leute erreicht haben könnten, die entsprechend eher Bescheid wissen dürften als der Alrik-Normalbürger, der eventuell mehr Vorbehalte haben könnte. Zu viele Konjunktive! Wenden wir uns mal der hiesigen Statistik zu:

    nonrp2

    Die meisten von ihnen haben reale Erfahrungen in freier Wildbahn mit dem gemeinen Rollenspieler gemacht, nur wenige der Befragten stützten ihre Aussagen nur auf Hörensagen. Dabei sind – im Schnitt – die am häufigsten genannten Attribute, mit denen Spieler belegt wurden, positiv oder neutral wie bspw. lieb (35%), fantasievoll (30%), kreativ (26%) und intelligent (5%). Im Fließtext wurden bestimmte, eher negative Assoziationen wie „Stubenhocker“(21%) als liebenswerte Eigenheit dargestellt. Attestiert wird jedoch vor allem auch eines: Realitätsferne (37%). Die Flucht in fremde Welten wurde von zweien sogar als sehr besorgniserregend eingestuft, als Krankheit, die nicht jeden betrifft, aber für sie doch eine horrende Gefahr darzustellen scheint.

    Insgesamt haben eher Rollenspielersympathisanten die Umfrage ausgefüllt, der Grundtenor war in nahezu jeder Antwort trotz Nennung vereinzelter, negativer Attribute ein wohlwollender. Interessanterweise hat kaum jemand, der „überwiegend negative Erfahrungen“ angekreuzt hat, diese konkretisiert oder in Attribute gekleidet.

    Anders  sieht es bei Rollenspielern untereinander aus:

    rpler2

    Natürlich sind auch hier Kreativität (37%) und Intelligenz (36%) sehr häufig genannte Attribute, wobei sich Rollenspieler wohl insgesamt intelligenter finden als sie von außen wahrgenommen werden. Sehr häufig wurden Eigenschaften wie elitär(32%), arrogant(31%) und besserwisserisch (24%) genannt. Im Textfeld wurde einiges erläutert, ein Zitat trifft den allgemeinen Ton recht gut:

    Rollenspieler sind das schlimmste, aber auch tollste Pack der Welt. Menschen in all ihren schönen und hässlichen Facetten.

    Die gesammelten Erfahrungen sind mannigfaltiger als bei Nichtrollenspielern, da bedarf es auch keiner Umfrage, um das festzustellen. Der eher schlechte Ruf der Onlinerollenspieler (→Foren, Chat, Youtube)  spiegelt sich auch in den gegebenen Antworten wider.

    Am meisten schlägt sich die Meinung in den Antworten zu den verschiedenen Settings nieder. Die Spieler populärer Systeme (→DSA, D&D, Vampire und Konsorten) bekamen nicht nur das meiste Fett weg, ihnen galten auch die größten Lobeshymnen. Im Groben sind laut Umfrage DSAler „Regelanwälte“ und „Menschen voller Leidenschaft“, D&Dlern gebührt das Prädikat „arrogant“, aber auch „traditionsbewusst im positiven Sinne“, Shadowrun ist ein „Hort von Powergamern“ und Vampirespieler sind die „unverbesserlichen Pseudo-Emos“. Ich finde es ganz lustig zu sehen, dass einige Vorurteile scheinbar sehr tief in den Köpfen verankert sind und wie vehement speziell DSA angegangen wird. Zwei Dutzend Schimpfwörter habe ich allein aus Antworten zu DSA erhalten.

    Eigentlich alle großen Systeme (Savage Worlds,Fate, D&D und konsorten) haben halt recht Lautstarke Fangruppen die gerade im Internet häufig propagieren das ihr System am besten is“

    Gelobt wurde abseits der ausgestampften Pfade so gut wie gar kein spezielles System (mit Ausnahme von zB. Mondagor), sondern vielmehr die unbekannten Perlen im Gesamten:

    Spieler die abseits der ausgelatschten Pfade von DSA und Shadowrun spielen und neues ausprobieren. Sie sorgen dafür das neue Spiele etabliert werden und supporten ein breitgefächtertes Angebot aus dem man schöpfen kann“

    Auffällig war, dass vor allem „von unten nach oben“ oder „auf gleicher Ebene“ kritisiert wurde. DSA-Spieler kritisierten hauptsächlich andere DSA-Spieler und selten Spieler kleiner Systeme, während jene vermehrt Spieler großer Systeme ins Fadenkreuz setzten.

    Zuletzt seien noch Cons zu nennen:

    cons2

     

    Die letzte Frage hatte ich hinein genommen, da ich gerade von Conneulingen immer mal wieder gehört habe, dass sie sich auf Rollenspielconventions nicht willkommen fühlen. Konkret auf die Frage eingegangen ist jedoch kaum jemand, doch wenn, wurde die Conatmosphäre gelobt und insbesondere die RPC lobend erwähnt.

    Ich würde nicht sagen, dass untereinander Kleinkriege ausgefochten würden. Vielmehr glaube ich, dass einfach oft Unverständnis füreinander herrscht, der sich dann hochschaukelt. Was zieht man nun aus der Umfrage? Schön dass du fragst, Tastatur! Eine allgemeingültige Antwort will ich da gar nicht nennen. Vielmehr möchte ich einwerfen, dass ich das Attribut „unreflektiert“ niemals in solch einer Umfrage lesen möchte…  you know what I mean? ;)

    Meine Meinung

    Natürlich habe auch ich positive und negative Erfahrungen gesammelt, wie mit jeder anderen Hobbygruppe auch. Ob dieses oder jenes Attribut speziell auf Rollenspieler zugeschnitten ist, wage ich zu bezweifeln. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich ungerne kontroverse Rollenspielthemen auf diesem Blog poste. Da habe ich selbst mit kontroversen Gamingthemen weit weniger „Probleme“ und das, obwohl „der Gamer“ doch als Harassment-Schleuder gilt. In RP-Foren mache ich mich ebenfalls schon seit Jahren rar.

    Doch sind die unangenehmen Leute immer die, die am lautesten krähen, daher würde ich auch nicht über einen Kamm scheren. Ich mag die Rollenspielcommunity – ja, auch die des Internets, obwohl das hier vielleicht anders klingt, doch schließlich ist der Großteil umgänglich. Und Cons? Ich liebe Rollenspielcons! Vielleicht sieht man sich ja auf der Feencon kommenden Samstag! Also quasi morgen.


  3. 5. September 2014 | Veröffentlicht unter Gaming, Gamingdiskussionen, Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    [Kolumne] Ich bin nur im Real Life blass.

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    Vorneweg: Das hier wird kein tiefer ins Detail gehender oder kritisch hinterfragender Artikel. Dafür fühle ich mich in diesem Falle nicht qualifiziert genug, denn bislang habe ich mich noch nicht näher mit der Materie befasst. Ich weiß auch, dass das Thema ein heißes Eisen ist. Daher hoffe ich, dass das niemand in den falschen Hals bekommt und man es als das aufnimmt, was es ist: Eine neutrale Beobachtung meines persönlichen Generierungsverhaltens.

    Die Studie

    Hier soll es um die Hautfarben der selbst generierbaren Avatare in Spielen gehen. Auf das Thema gekommen bin ich durch diesen Artikel des Discover Magazines. Dort wird die Studie von Jong-Eun Roselyn Lee der Ohio State University vorgestellt. In Kürze: Second Life-Neulinge wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, die je eine fiktive Magazinstory vorgelegt bekam. Gruppe A las einen Artikel, in dem es hieß, dass die „coolsten Avatare“ von Second Life allesamt weiß seien, während es in der Story von Gruppe B deutlich wurde, dass die coolsten Avatare Mitglieder jeglicher Ethnie seien. Dann durften sich alle selber einen Avatar erstellen. Während die dunkelhäutigen Teilnehmer der Studie in Gruppe A ihrem Avatar eine deutlich hellere Hautfarbe verpassten als sie selber besitzen, projizierten die Teilnehmer von Gruppe B ihre eigene Ethnie stärker auf ihren Avatar. Somit liegt es nahe, dass die (nicht vorhandene) Diversität von Avataren auch das Real Life oder das eigene Empfinden in gewisser Weise beeinflusst.

    Mein Generierungsverhalten

    Um hinterfragende Studien soll es nun wie gesagt eigentlich nicht gehen. Vielleicht lese ich mich da nach meinem Spanienurlaub noch genauer ein, doch mich hat die Studie neben der Kritik auch auf etwas anderes aufmerksam gemacht: Ich erstelle mir fast ausschließlich dunkelhäutige Avatare. Um es vorweg zu nehmen: Nein, ich tue dies nicht aus politischer Korrektheit, sondern ganz im Gegenteil aus dem Grund, dass ich ganz einfach insbesondere Wüstenvölker unglaublich faszinierend finde. Seit ich mit dem P&P angefangen habe, erstelle ich mir fast nur Wüstenvölker-Charaktere. Meine beiden langlebigsten Rollenspielcharaktere sind novadischer Abstammung (Novadis: Zumeist nomadisch lebende Wüstenbewohner aus Aventurien, DSA). Auch meine beiden Skyrim-Charaktere, die ihr oben seht, sind von dunklerer Hautfarbe. Wobei ich die linke – eine Magierin – kaum spiele. Nicht nur, weil ich so gut wie nie Frauen spiele.  Ich bin einfach der Kriegertyp. (btw.: Den Kriegerartikel müsste ich beizeiten neu schreiben. Artikel aus Anfangszeiten des Bloggens sind nie schön.)

    Mich reizen helle Hauttöne in Video- und Rollenspielen einfach nicht. Man kann mir drölfzig verschiedene anbieten und ich werde doch den einzig dunklen wählen. Hin und wieder denke ich mir vielleicht: „Ach komm. Mach mal was helles“, doch sind das nur kurze Liaisons. Meine langlebigsten Charaktere sind alle dunkelhäutig oder zumindest von tiefstem, südländischem Aussehen. Dabei kann es nicht nur an meiner anfänglichen Faszination für die Wüstenvölker rühren. Gut, ich bin noch immer fasziniert, das kann ich gar nicht bestreiten. Doch brächte mich der raffiniertest erdachte Wüstenhintergrund bei einem Skyrimcharakter nicht weiter. Der Hintergrund eines Videospielcharakters verschwindet hinter den spielerischen Begebenheiten und den Quests.

    Ist es nur eine Gewohnheit? Eine schlimme zumindest sicher nicht, zumindest erkennt man meinen Avatar in MMOs immer recht gut. Allzu viele dunkelhäutige gab es weder in World of Warcraft, noch in Star Wars: The Old Republic. Doch warum eigentlich? Weil der Mensch nicht nur gerne in den Spiegel guckt, sondern auch Charaktere erstellt, die einem ähneln? Oder man aus purer Gewohnheit handelt? Weil man helle Hautfarben in unseren Breiten einfach kennt?

    Ich bin mir aktuell noch nicht sicher, ob ich dunklere Hauttöne einfach schöner finde, oder ob ich schlichtweg ein eingefahrenes Muster habe, was die Generierung von Spielercharakteren angeht. Möglicherweise erstelle ich auch unterbewusst immer den selben Helden. Ja, den selben, nicht den gleichen. Einer, der alle Abenteuer, ob Science Fiction, oder Fantasy, mit mir bestreitet? Oder ist er einfach mein Videospiel-Ich, das ich gar nicht mehr ändern kann? Wer weiß. Unbedingt ändern muss ich es nun aber nicht. Mir gefällt es so, wie es ist.

    Wählt ihr die Hautfarbe eures Avatare nach einem bestimmten Prinzip aus? Ist es immer ein ähnlicher Ton oder variiert ihr?

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  4. 30. April 2014 | Veröffentlicht unter Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    Mein Tabu im Rollenspiel

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    Kein Tabu ist allgemeingültig, jede Gruppe kann und darf es so halten wie sie will. Somit ist dies auch kein Fazit, das ich hier ziehe, sondern einfach eine Meinungsäußerung.

    Sex, Gewalt gegen Kinder oder allgemein Gewaltverherrlichung sowie möglicherweise triggernde Vergewaltigungsszenen – das sind Dinge, die in den meisten Spielrunden, denen ich bisher beigewohnt habe, ein Tabu waren. Für mich persönlich ist aber primär eine einzige Sache tabu. Eine Sache, die mich in so vielen Spielrunden bislang genervt hat, dass ich rückwärts aus einer neuen Runde herausgehen würde, würde es sich nur andeuten: Leute, die ihren Char übermächtig gestalten, ihn unerreichbar, „Imba“ werden lassen und darüber entweder Regeln, oder Authentizität vermissen.

    Das fängt bereits bei Winzigkeiten an: Wenn man „vergisst“, IC und OOC zu trennen. Das Wissen, das man als Spieler hat, auf den Charakter anwendet, sodass dieser nicht in die Falle tappt, sich nicht von dem Charmeur becircen lässt, der einen sonst sicherlich hintergehen würde und sein eigenes Wissen über Wundheilkunde in das Gehirn seines Charakters flößt. Wenn dann noch das handelsübliche Powergaming hinzukommt – namentlich all die wohl nie aussterbenden Mary Sues und Gary Stues – ist es für mich komplett in eine Tabuzone gerutscht. Charaktere, die alles können, Charaktere, die alles wissen, Charaktere, die alles sind: Nein, nein, nein!

    Nun kann man sich natürlich fragen, warum solche Charaktere vielen ein Dorn oder gar ein ganzer Dornenbusch im Auge sind. Fühlen sich die anderen Spieler etwa in ihrer Potenz beschnitten? Ist es im Grunde nur ein Aufbegehren gegen das Gefühl, im Kontrast zu dem wundervollen PG-Char ein kleines Würstchen zu sein?

    Ja, das kann natürlich sein. Schließlich reissen solche Charaktere nicht selten all die Aufmerksamkeit auf sich und begraben die Mithelden unter ihrem schweren Schatten, wo diese jämmerlich zu ersticken drohen. Ich selber gebe zumindest zu, dass ich es nicht ganz so nett finde, wenn mein hübscher Charakter mit all seinen Fehlerchen und Unzulänglichkeiten, der so liebevoll ausformuliert worden ist, keinerlei Beachtung findet. Hach, mein armer Stolz.

    In erster Linie jedoch stört es die (=meine) Immersion. Das Gefüge der Fantasywelt, wenn man so will. Ein omnipotenter Charakter beschwert die Waage auf einer Seite zu sehr, das Gefälle wird so stark, dass es die Glaubwürdigkeit über den Rand der Welt schwappen lässt. Meine persönliche Vorstellung wird nichtig gemacht durch nur eine Person, die sich meiner Logik widersetzt. Frechheit!

    Powergamende Charaktere werden immer wieder als Paradebeispiel für schlechtes Rollenspiel genommen. So weit würde ich hier gar nicht gehen, denn innerhalb dieser eigenen Welt, die sich der jeweilige Spieler dieses Charakters ersonnen hat, ist er sicher plausibel und rollenspielerisch gut kann man ihn nichtsdestotrotz darstellen. Es ist einfach nur für mich ein Tabu.

    Ich weiß, dass ich da furchtbar pingelig bin, wirklich, wirklich pingelig. Wahrscheinlich bin ich selber aufgrund dessen ein eigenes, kleines Tabu, denn Kleinkariertheit ist nicht umsonst verpönt. Zum Glück darf jeder sein eigenes Tabu in Sachen Rollenspiel hegen und pflegen, wobei die meisten „Tabu“ wohl härter definieren als ich. Was die Themen innerhalb eines Rollenspieles angeht, habe ich allerdings ansonsten keine Tabus, solange man es nicht übertreibt. Doch weder Gewalt, noch Sex finde ich als beim Rollenspiel so unpassend wie Powergaming.


  5. 5. Januar 2014 | Veröffentlicht unter Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    In den Fängen des Dungeoncrawlers

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    Ich habe gelitten. Eigentlich habe ich geleitet, doch „leiden“ passt bei diesem uralten DSA-Abenteuer, das ausgerechnet in meinem Geburtsjahr (also ~1834) erschienen ist, definitiv besser.

    Mein erstes Abenteuer als Spielleiterin führte mich also in ein ursprüngliches Aventurien. Eines, in dem die Wüste Khom noch von Raumschiffen heimgesucht wurde und die männlichen Helden Miniröcke trugen. Die Zeit der Dungeonkriecherei. Doch was genau macht diese alten Abenteuer zu einem legendär leidvollen Erlebnis? Lohnt sich ein Ausflug in die alte Abenteuerzeit nicht doch?


  6. 2. Oktober 2013 | Veröffentlicht unter Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    Die 5 goldenen Regeln des Rollenspiels

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    Die Regeln kurz gefasst:

    • Verhalte dich wie ein Meister!
    • Verteidige deine Ansichten vehement – notfalls mit verbaler Gewalt!
    • Trenne Charakter- und Spielerwissen nicht!
    • Des Charakters Übermacht ist Trumpf!
    • Du sollst Spaß haben – und sei es auf deiner Mitspieler Kosten!

     

    Dies ist ein Beitrag zum diesmonatigen Thema des Karnevals der Rollenspielblogs: “Tipps zum “besseren” Spielen“. Eventuell werde ich noch einen längeren – und ungleich ernster gemeinten – Artikel zum Thema schreiben, definitiv jedoch werde ich die Beiträge aller Teilnehmer Anfang November zusammenfassen und auswerten.

    (Nein, ich bin, während ich das spreche, nicht wütend – das ist schlichtweg…. gespielt. Die Rolle des Arschlochs, sozusagen, offensichtlich kann ich die gut. Wäre ich wirklich schlecht drauf gewesen, hätte ich kaum solche Musik im Hintergrund laufen lassen, geschweige denn, dass ich solch künstlerisch wertvolle Strichmännchen hinzugefügt hätte  ;) )


  7. 23. August 2013 | Veröffentlicht unter Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    Optische Diktatur von Fantasychars

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    Neulich habe ich zwei meiner DSA-Chars gezeichnet, die fertigen Bilder natürlich auf DeviantArt hochgeladen und bin prompt auf Gegenwehr gestoßen:

    „Dein Krieger hat kurze Haare? Komplett unglaubwürdig! Und Piercings bei der Halbelfe? Was ein Schwachsinn!“

    Verzeihung. Ich muss meine Reaktion darauf kurz mit Sternchen-Emotes demonstrieren: *blinzel* *kopfschüttel* *abwend*

    Durchaus: wenn man sich im Fantasygenre bewegt, kommt man an langen Haaren bei Männern nicht vorbei, man verheddert sich förmlich in ihnen. Mehr noch: kurze Haare sind modern und wirken fremd, fast deplatziert. Als ich damals „Outlander“ gesehen habe, hat der Hauptcharakter mit seiner Kurzhaarfrisur nicht wirklich in das Bild voller bärtiger, langhaariger Wikinger gepasst – und bei diesem Hauptcharakter handelte es sich nicht etwa um einen der einheimischen Wikinger, sondern um einen Außerirdischen. Und natürlich weiß jeder DSA-Spieler, dass sich Elfen nicht piercen. „Piercing“; was ist das überhaupt für ein Wort?! Gibt es nicht in Aventurien, ergo darf sich auch kein Chara Ringe durch die Haut stechen lassen. Dass Ohrringe auch Piercings sind – daran denkt natürlich niemand.


  8. 27. Juni 2013 | Veröffentlicht unter Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    Charisma vs. Schönheit

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    Diese Thematik ärgert mich schon seit Jahren: aus irgendeinem Grund scheinen viele Rollenspieler, denen ich begegnet bin, diese beiden Begriffe synonym zu verwenden. Warum?!

    Schnell auf Facebook nachgefragt und eine für mich schockierende Entdeckung gemacht: offenbar kenne ich die falschen Leute, denn zumindest 100% derer, die sich getraut hatten dort ihre Meinung abzugeben, sahen den Unterschied zwischen Charisma und Aussehen ganz klar vor sich. Und es ist wirklich so leicht:

    Charisma: besondere Ausstrahlung[skraft] eines Menschen

    Aussehen: äußere Erscheinung, Beschaffenheit; Erscheinungs- bild, Gesicht[sausdruck]“ [Quelle: duden.de]

    Charisma bezeichnet, grob gesagt, die innere Ausstrahlung, während das Aussehen die äußere Schönheit beschreibt. Ein Mensch mit geringem Charisma kann dennoch schön (jedoch vielleicht aufgrund mangelhafter Ausstrahlung möglicherweise dennoch unattraktiv) sein, umgekehrt kann ein weniger schöner Mensch trotzdem Dank großer Ausstrahlung hochattraktiv sein. Attraktivität vereint diese beiden und mehr („Finanzkraft“ sei hier unauffällig eingeworfen) Attribute zu einem einzigen Eindruck, den Fokus darauf legend, welches man persönlich für wichtiger erachtet.

    Nun ist es bei manchen Rollenspielensystemen, etwa bei der 3. Edition des Schwarzen Auges, der Fall, dass das Aussehen mit in den Charisma-Wert hineinfließt. Hier setze ich persönlich mich über diesen Fakt hinweg und betreibe weiterhin Wertetrennung. Es ist doch wunderbar, den Charakter differenzierter zu wissen! Bestimmen zu können, dass er zwar das Charisma einer seekranken Weinbergschnecke besitzt, aber dafür aussieht als wäre er von einem Meisterkünstler gemeisselt worden – oder meinetwegen auch umgekehrt. (Das Charisma eines Meisterkünstlers und aussehend als wäre man von einer Weinbergschnecke gemeisselt worden? Lieber weiter im Text.) Oder natürlich beides hoch oder beides „armselig“. Und ich werde jedem weiteren Chat-Rollenspieler, der mir sagen will „He! Meine Trulla hat aber „herausragendes Aussehen“, dein Char muss voll auf meinen stehen so voll so! Ach und vergiss das Charisma 5, das ist eh unwichtig so“ oder „Mein Char hat Charisma 25, sieht also total wie ein Model aus so!“ den Hals umdrehen.

    Sagt mal, bin ich denn wirklich die Einzige, die in ihren (Chat)Rollenspielen ständig mit diesem Problem zu kämpfen hat? Ich fühle mich benachteiligt! ;)


  9. 30. Juli 2012 | Veröffentlicht unter Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    [Rollenspiel] Der Charaktertod

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    Die Charaktergenerierung ist selten in nur fünf Minuten erledigt. Neben dem Regelwerk, das es zu erfüllen gibt, besteht der Löwenanteil oft aus gedanklicher Vorarbeit: was hat der neue Char für einen Hintergrund? Was sind seine Stärken und Schwächen? Was ist er überhaupt für ein Typ? Hat man den Char ersteinmal mit nicht wenig Liebe erstellt, wächst er einem schnell ans Herz. Man erlebt mit ihm Abenteuer, steht Höhen und Tiefen durch, er fungiert als Sprachrohr in die jeweilige, bespielte Welt. Der Char entwickelt sich, bekommt mehr Facetten, mehr körperliche, wie auch seelische Narben. Und dann? Gehört der Charaktertod zur Charakterentwicklung dazu? Ist er das Tüpfelchen auf dem i, der Schlussstrich, kann er zwischendurch einfach mal so passieren oder ist er undenkbar? Der Tod ist kein einfaches Thema, nicht einmal im Rollenspiel.


  10. 11. Mai 2012 | Veröffentlicht unter Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    Wortwahl im Fantasyrollenspiel

    Von

    Das Klischee


    “Seid gegrüßt, holde Maid. Darf ich Euch einen Wein kredenzen?”  Pluralis majestatis, 2. Person Plural nebst einer leicht nasalen Aussprache, mit der man sofort am Hofe vorsprechen könnte herrschen in Wohnzimmern und auf Mittelaltermärkten vor, wenn es darum geht, eine “mittelalterliche Atmosphäre” zu erzeugen. Selbst der hinterste Pirat und dreckigste Gassenbewohner spricht in blumigen Bildern und natürlich ist das Wort “Scheiße” völlig unpassend. Es hat einen romantisch verklärten Touch und vergisst darüber oft den Dreck und, noch viel wichtiger, die Diversität der einzelnen Charaktere. Grenzen sind oftmals nicht fließend, nicht scharf abgegrenzt, sondern unter den Charakterklassen bei der Sprache teilweise gar nicht erst vorhanden. Dabei ist die Wortwahl ein so wichtiger und interessanter Faktor!


  11. 9. März 2012 | Veröffentlicht unter Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    [P&P] Wie viel „Du“ steckt in deinem Char?

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    Unendliche Möglichkeiten tun sich auf, wenn man sich einen Charakter erstellt. Dabei ist es unerheblich, welches System gewählt wurde, ob eines mit 1.000, 100, oder nur einer einzigen Charaktergenerierungsregel. Man kann einen verrückten Malkavianer spielen, eine aufsteigende Hexe oder einen kleinen, pläneschmiedenden Gnom. Mutige Cyberkrieger, verschlagene Ratten oder – ja. Sich selbst.

    „Man selbst“ – das ist hier nicht wörtlich gemeint, denn wer will in einer bspw. Fantasywelt schon einen computerspielenden Verkäufer bei Aldi darstellen? Wäre auch etwas dubios: „Zum Gruße, holde Maid – was ich beruflich mache? Nun, ich äh, ziehe Waren über ein piependes Band und in meiner Freizeit spiele ich im Netzwerk.“ Verspricht keine allzuhohe Erfolgsquote bei den Damen (, Herren oder Hermaphroditen). Den eigene Charakter, zumindest die Essenz dessen, kann man in vielerlei diverse Charakterklassen integrieren. „Sich selber“ in die Rolle des Schurken oder Kriegers schlüpfen zu lassen, kann für manche sicherlich reizvoll sein und es ist auch vom rollenspielerischen Aspekt her für Anfänger eher geeignet, weiß man doch oder kann man schnell erahnen, wie man in dieser oder jener Situation reagieren würde. Ganz im Gegensatz zu einem Charakter, der ganz und gar nicht wie man selber ist, vielleicht gar konträre Moralvorstellungen hat.

    Ich persönlich habe „mich“ immer ungerne gespielt und es auch vermieden, Chars zu erstellen, die mir ähnlich sind. Mehr noch: Möglichst fernab meiner Selbst sollten sie sein. Kein Wunder also, dass spontan geschätzte 90% meiner Chars dunkle Haare und Hautfarbe haben. Das Fremde reizt mich, helle Haare und blasse Haut sehe ich tagtäglich im Spiegel. Vom Optischen ab reizt es mich, Konzepte zu verkörpern, die ich im RL nie am eigenen Leibe erleben werde. Eine toternste Geweihte von Boron, der Gottheit des Todes und Schlafes? Immer her damit! Eine auf den Boden rotzende, dreckige und brutale Dämonenjägerin mit zwei wuchtigen Schwertern, die ich im wahren Leben kaum halten könnte? Nur zu! Das macht für mich unter anderem schließlich den Reiz des Rollenspiels aus und ich setze mich in den betreffenden Spielrunden gerne über meine eigenen, körperlichen wie auch psychischen, Grenzen hinweg. Ich liebe es, mit mir selber im kleinen Zwist zu stehen, gerade in Moralfragen: Ich würde dies und das niemals tun – aber wie sieht es mit meiner Spielfigur aus?

    Natürlich steckt auch in meinen Chars viel von mir selber: Kunststück, schließlich kommen ihre Worte aus meinem Mund, ihre Gestik entspringt meinen Händen. Auch einige Schnittstellen kann und will ich nicht vermeiden, da ich sonst nur einen einzigen Char spielen würde: den mir komplett Gegensätzlichen, der nichts mit mir teilt. Das wäre auf Dauer langweilig, gerade, da ich nicht nur in einer einzigen Spielrunde spiele, sondern mehrere Systeme bespiele und dementsprechend bunt gemischte Charaktere mein eigen nennen möchte.So findet man in meinen vielzähligen Charakterbögen fast jede Art von Char. Ich habe Geweihte, vereinzelt Magier und etliche KriegerInnen, edle, verrotzte, verrückte und grausame Spielfiguren. Eine Vielfalt, die ich mag.

    Wenn man meinen Blog ein wenig verfolgt hat, weiß man, dass ich zwei Lieblingschars habe, zwei, die ich über mehrere Jahre hinweg gespielt habe bzw. spiele: einen Krieger und eine… ich kann sie noch immer nicht benennen, „Taugenichts“ trifft es wirklich ganz gut. Zum Krieger, den ich im zarten Alter von 11 erstellt habe, lässt sich schlicht eines sagen: ihn habe ich tatsächlich als mein genaues Gegenbild erstellt, und das vollkommen bewusst. Ein wenig hat sich das relativiert, da ich mich seitdem natürlich sehr stark verändert habe, mein Char sich jedoch auch, und das teilweise charakterlich in ähnlicher Richtung. Viel interessanter, das Thema betreffend, ist da der Taugenichts, Adsiniliya, die Halbelfe. Ich muss gestehen, dass sie, als ich sie erstellt habe, eine Art Wunschvorstellung von mir gewesen ist. Ich war damals ein eher trauriger, in mich gekehrter und schüchterner Mensch, der sich unter der Kurzhaarfrisur versteckt hat und gerne für einen Jungen gehalten wurde. Adsiniliya wurde dann so, wie ich selber sein wollte: selbstbewusst, hübsch, mit dem Kleidungsstil den ich immer wollte, für den ich jedoch zu „dick“ war, beliebt. Ein paar Jahre hatte ich unglaublich Spaß an dem Spiel, bis ich gemerkt habe: „Hey. Du spielst dich gerade selber.“ Denn in den Jahren wurde ich wirklich langsam so, wie ich immer sein wollte, sogar inklusive der Kleidung. Ich habe ein gezeichnetes Bild von Adsini, in der sie ein schulterfreies, weißes Oberteil, Minirock und flache Stiefel trägt – genau soetwas trage ich heutzeutage gerne. Um nicht selbstverliebt zu erscheinen: ich spreche in der Tat primär von den charakterlichen Aspekten. Der Char „Adsini“ jedenfalls wurde mir zu langweilig.

    Allerdings hing und hänge ich sehr an diesem Char, schließlich hat sie eine ausgetüftelte Hintergrundgeschichte, mit ihr habe ich viele Spielabende bestritten und sie gehört einfach zu meinen ersten Rollenspielschritten, was ein gehöriges Maß an Nostalgie beinhaltet. So wurde sie im Laufe der Zeit noch wilder, noch durchgeknallter, noch verrückter, damit ich nicht mehr das Gefühl hatte, mich einfach nur selber zu spielen. Denn in eine Kneipe gehen und lustig sein kann ich auch selber. Jetzt in diesem Moment (gut: plus 4 Stunden *g*) könnte ich aufstehen, und eine plötzlich blondierte Adsini verkörpern. Nun mag das arg meisterwillkürlich erscheinen, sich den Char einfach so anzupassen ohne ein pompös einschneidendes Erlebnis (in ihrem Falle wäre das vermutlich ein gehöriger Schlag auf den Kopf) vorweisen zu können. Im Normalfall bin ich auch sehr strikt, was die Charakterentwicklung angeht: es sollte alles Hand und Fuß haben und stimmig sein. In diesem speziellen Fall mache ich jedoch eine Ausnahme, zumal ich Adsini ohnehin nur noch online spiele. In diesem Zusammenhang passt das obige Postingbild auch sehr gut: das rechts stellt Adsini dar. Ich habe mich an keinem Foto orientiert, sondern sie so gezeichnet, wie ich sie mir vorstelle, mit der Pose, die sie gut charakterisiert: Arme ausgebreitet, breit grinsend, ein fröhlicher Halbelf. Links bin ich, vor zwei Jahren. Ein Foto, das ich heute erst wiedergefunden habe, als ich auf der Suche nach einem anderen Foto war. Ich sehe nicht aus wie Adsini (verdammt! *g*), doch der Ausdruck, der passt.

    Wie steht es denn mit euch? Spielt ihr gerne gegensätzliche Charaktere, lasst ihr nur ein wenig einfließen oder habt ihr Spaß daran, euch selber zu spielen?


  12. 6. Januar 2012 | Veröffentlicht unter Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    Würfeln – wann und wie oft?

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    Würfel sind in vielen Rollenspielsystemen unverzichtbar – ob als D20, D4, D12 oder gar D100. Talent- oder Eigenschaftsproben werden gewürfelt, ganz zu schweigen von den Kämpfen, die in dieser oder jener Gruppe zu wahren Würfelorgien ausarten. Der Würfel ist so manchen Spielers größtes Heiligtum, entscheidet er doch über den weiteren Fortbestand des Charakters: Glück oder Unglück, Sieg oder Niederlage, personifizierte Awesomeness oder Würstchen. Es kann um Leben und Tod gehen! So verwundert es nicht, dass nicht wenige zu Würfelaberglauben neigen.

    Doch wie oft sollte überhaupt gewürfelt werden? Bei jedem Hüpfer über eine Pfütze? Oder erst, wenn es hart auf hart kommt und es darum geht, ob Held XY den Pfeil nun genau ins Auge des Zyklopen schießen kann? Wie so vieles ist das geschmacks- bzw. typabhängig, dennoch schadet es nicht, ein paar Möglichkeiten des Vorgehens vorzustellen und natürlich dann auch von euch zu erfahren, was ihr präferiert.

     


  13. 16. Dezember 2011 | Veröffentlicht unter Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    Vorteil: gutaussehend

    Von

    In dem allseits bekannten Rollenspielsystem DSA gibt es seit der vierten Edition ein ausgetüfteltes, vor allen Dingen jedoch ausführliches Vor- und Nachteilesystem. Mit Generierungspunkten(GP) kauft man seinem Charakter Vorteile ein wie „Hervorragender Sinn: Gehör“, „Altersresistenz“ etc. und bekommt im Gegenzug GP, wenn man seinem Helden Nachteile wie „einarmig“ oder „Jähzorn“ besorgt. Manche dieser einkaufbaren Bausteine sind spielrelevant, andere eher nicht und „nur“ dafür da, den Helden etwas plastischer zu gestalten.

    Der Vorteil „gutaussehend“ kostet 5GP, was nicht besonders viel ist. Vielleicht deswegen landet er bei der Charaktergenerierung in fast jeder Einkaufstüte. Aventurien ist bevölkert von fast ausnahmslos mindestens gutaussehenden (und ja: ich meine „gutaussehend“ und nicht attraktiv. Dieser Vorteil wird nuneinmal, und da greife ich auf einen immensen Erfahrungsschatz zurück, in fast jedem einzelnen Fall auf das bloße Aussehen bezogen) Zweibeinern. Von Systemen, die kein solches Generierungssystem besitzen und der Held somit aussehen „darf“ wie er will, will ich gar nicht erst anfangen zu reden. Und. Das. Nervt.

    Gerade im Chatspiel wird man mit gutaussehenden Chars praktisch überschüttet. Es gibt gar kein Entkommen!  Dabei ist es völlig egal, ob es zum Charakterkonzept und dem Charakter an sich passt. Es wird nie in das Spiel eingebaut, darf niemals negativ behaftet werden und jeder andere Spieler muss wohlwollend auf die Schönheit des Helden reagieren. Ich sitze dabei im Glashaus. Meine beiden mir liebsten Chars sind gutaussehend, einer der beiden ist sogar mit einem „herausragenden Aussehen“(12GP!) gesegnet. Doch das hat bei diesem Gründe und, wie ich finde, Hand und Fuß. Zumindest bei einem der beiden. Bei dem anderen, der Halbelfe, nicht, das war jugendlicher Leichtsinn. Daher hier meine persönliche Checkliste zum Thema: „Gutaussehend – auch für meinen Char?


  14. 26. November 2011 | Veröffentlicht unter Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    Dem Char ein Gesicht geben – oder nicht?

    Von

     Im Zuge meiner Suche nach ein paar lustigen Zeichenvorlagen in Form interessanter Gesichter, habe ich mich direkt auch auch daran gemacht, ein paar Fotos für meine beiden Chat-DSA-Chars herauszusuchen, um sie visuell greifbarer zu machen. Das habe ich schon immer so gemacht. Wenn ich mir nicht irgendwelche Fotos, Zeitungsschnippsel, Malereien genommen habe, habe ich sie eben selbst gezeichnet – mit natürlich meist nicht gerade zufriedenstellendem Ergebnis.

    Doch warum eigentlich? Stellt man sich bei einem Rollenspiel nicht ohnehin alles eher vor? Sei es die handelsübliche Taverne, die man nur mit Hilfe seiner eigenen Fantasie mit Inventar, Menschen und Leben füllt? Die NPCs, die im besten Fall nur mit Tonlage und Mimik  des Spielleiters ausgestattet sind? Wir nutzen auch keine optisch greifbaren Spielpläne, Figürchen oder sonstige Accessoires, um es atmosphärischer zu gestalten. Das macht schließlich auch den Reiz aus: das Erleben von Abenteuern lediglich mit Hilfe seiner Vorstellungskraft. (was, nüchtern betrachtet, ziemlich bemitleidenswert klingt *g*)

    Auf jeden Fall: ich tue es. Ich staffiere meine Chars mit Bildchen aus.


  15. 27. September 2011 | Veröffentlicht unter Rollenspiel, Rollenspieldiskussionen.

    [Rollenspiel] Wie realistisch darf’s sein?

    Von

    Ausgerechnet bei einem Fantasyrollenspiel von „Realismus“ zu sprechen finde ich schon amüsant. Man kämpft ohne mit der Wimper zu zucken gegen hustende Orks, webt mit ernster Miene die kuriosesten Zaubersprüche und von kleinen Taschendrachen möchte ich gar nicht erst anfangen. „Fantasy“, das bedeutet zumeist ein auf klassischem Mittelalter basierendes Setting, in dem mehr oder minder magische Wesenheiten herumspazieren, Elfen und Zwerge sich grüßen oder gegenseitig in Fässer stecken und in dem man Rüstungen oder lange Roben trägt. Hier, speziell in diesem Beitrag, möchte ich den Fokus auf DSA legen, da mir sowohl das Regelwerk, als auch die entsprechende Community sehr vertraut sind.

    Wie weit sollte man sich auf das Mittelalter berufen, das natürlich Pate stand, doch eben nicht Aventurien [/insert beliebige andere Rollenspielwelt] ist? Darf man überhaupt auch neumodische Einflüsse wie etwa einen Döner oder eine entsprechende Variante, in sein Spiel etablieren? Das hier möchte ich nun nicht klären, doch diskutieren.

    Ich mag mittelalterlich angehauchte Fantasy sehr. Man kann sich an  der eigenen Historie bedienen, hat genug Anschauungsmaterial, um es sich gut vorstellen zu können. Dennoch: DSA ist für mich in erster Linie Fantasy, kein europäisches Mittelalter. Mir tut es in der Seele weh, wenn Rollenspieler zu sehr auf die Einhaltung mittelalterlicher Sachverhalte pochen. „Nein, schwarze Kleidung gab es damals doch gar nicht, Frauen trugen nicht solche Röcke und überhaupt gab es auch gar keinen Döner damals!“ Ja, das mag alles sein. Aber: ich möchte nicht im weltlichen Mittelalter spielen.

    Das gemeinte „damals“ existiert in dieser Form nicht im Rollenspiel. Ich möchte Aventurien beleben. Es gibt keine Döner, doch es gibt Teig, Fleisch und Salat – warum sollte man also keine Teigtaschen in Gareth etablieren, die man kurzerhand „Döhnherr“ nennt, weil der Verursacher dieses Rezeptes eben zufällig „Alrik Döhnherr“ hieß? (Ja, ich übertreibe hier bewusst.) Warum darf man seine Charaktere nicht so ausstatten, wie man sie gerne sehen möchte? Unabhängig davon, ob sie knielange oder knöchellange Röcke tragen, in Weiß, Schwarz oder Kackbraun? Ich rede hier schließlich nicht davon, Aventurien zu europäisieren, sondern auszuschmücken und bekannte Dinge spielerisch hinzuzuaddieren oder zu parodieren, abhängig vom gewählten Spielstil.

    Innerhalb der DSA-Welt müssen sie letztlich auch meiner Meinung nach realistisch sein. Doch es ist ein anderer Realismus als unserer, in Zeiten von Magie und anderen historischen Hintergründen beider Welten.  Solange das Mittelalterliche primäre Richtung bleibt, ist es für mich in Ordnung.

    Zu einer Art Realismus gehört mMn auch eine gewisse Vielschichtigkeit nicht nur auf einen Charakter, sondern gleich die ganze Kultur oder Profession bezogen. Es ist wahr: Kulturen haben, auch in Aventurien, gewisse Merkmale. Tulamiden sind eher leidenschaftlich, Thorwaler laut und Jäger schweigsam. Als Masse. Aber doch nicht jeder Einzelne! Guckt euch doch mal in der realen Welt um! Ist dort jeder Deutsche gleich, jeder Bauarbeiter blöd und jeder Schwede blond? Ich bitte euch! Dort wird um Realität gebettelt, sie gar zickig verlangt und hier wird in Schablonen gedacht? Ich möchte mich nie wieder für einen atypischen Krieger entschuldigen müssen! Es wird immer Gründe haben, warum man nicht so ist wie das Klischee: hier auf der Erde, aber auch dort in Aventurien und schablonenhafte Stereotypen sind mir persönlich zu langweilig und vorhersehbar, als dass sie für mich als Spielercharaktere in Frage kämen.

    In neuen Spielrunden sollte vorher abgeklärt werden, inwieweit man sich von unserem Mittelalter beeinflussen lassen will, wie „irdisch-realistisch“ man es haben möchte. Wenn sich alle darauf einigen, in einem streng mittelalterlichen Setting mit nur wenigen fantastischen Elementen spielen zu wollen, dürfen sie das gerne tun, solange ich nicht mitspielen muss. Für mich gehört zur Fantasy eben auch, sich über die Grenzen, die unser Mittelalter bietet, hinwegzusetzen und sich ganz seiner Fantasie hinzugeben.

    Mein Aventurien ist kein abgeriegelter Ort. Er ist frei und offen, zugänglich für die Gedanken und Ideen meiner Mitspieler und mir. An die Regeln und Hintergründe, die das System vorgibt, halte ich mich jedoch gerne und kenne mich dort auch sehr gut aus. Mein Dere ist kein europäisches Mittelalter. Es ist mehr als das.