1. 17. Mai 2015 | Veröffentlicht unter Messen&Conventions, RPC, RPC '15.

    RPC ’15 – meine Eindrücke

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    Die RPC, die Role Play Convention, die sich als Messe von Spielern für Spieler versteht, ist gerade zu Ende gegangen und lässt eine Vielzahl glücklicher, aber auch ratloser bis genervter Gesichter zurück. Dabei hat sich in den letzten Jahren gar nicht so viel geändert: Es ist nach wie vor laut, die Workshops und Lesungen fanden in abgesteckten Arealen mehr oder minder abseits des Hauptgeschehens statt und es gab einiges zu sehen, hören und erleben.  Ich selbst war am Samstag dort und möchte euch hier meine Eindrücke schildern.

    Ein Video habe ich auch erstellt. Mit leicht selbstironischem Einschlag.

    Pünktlich eine halbe Stunde nach Messebeginn verschlägt es meinen werten Gefährten und mich in die Messehallen, die einem, wenn man sozusagen frisch von der Gamescom vor einem 3/4 Jahr kommt, nahezu lächerlich leer vorkommen. Noch taumeln uns keine erschöpften Conbesucher entgegen, niemand, der schluchzend nach seiner Mutter ruft, nein, hier scheint alles normal, fast angenehm. Dass es aus einer der hinteren Hallen zart „Roccaaat“ ruft lasse ich lächelnd über mich ergehen. Frohen Mutes wandern wir direkt in die offenen Arme der Helden für Herzen, mit denen ich mich bald in einem Plausch wiederfinde.

    Helden für herzenDie Helden für Herzen: Das sind Cosplayer, die sich für schwer kranke  Kinder einsetzen. Als Thor, Frozens Anna oder Spiderman besuchen sie bspw. Kinderhospize oder Behindertenwerkstätten, um den Kindern ein Lächeln auf’s Gesicht zu zaubern. Sie verkleiden sich nicht nur als die jeweiligen Charaktere, sie spielen sie auch. Ich finde es ganz wunderbar, was sie leisten und habe die beiden Damen auch als sehr sympathische Menschen kennengelernt. Bist du zufällig auch ein Cosplayer? Vielleicht fasst du dir auch ein Herz? Helden werden immer gesucht! Hier geht’s zu ihrer Website.

    Kaum den Stand verlassen und ins Getümmel gestürzt, holt uns der Conalltag wieder ein, denn die wohlbekannte Duftwolke schlägt uns entgegen. Verzeihung. Aber wir sollten morgens vor dem Conbesuch einfach gesammelt und aktiv gegen das Klischee vorgehen, anstatt uns geruchstechnisch allzu sehr am gelobten Mittelalter zu orientieren. Genug des mahnenden Zeigefingers, es ist schließlich nicht so, als würde ich mich nahtlos in die Gemeinschaft einfügen. Die ersten irritierten Blicke treffen mich auch schon, als ich beim Anblick eines in ein Einhornkostüm geschmiegten Mannes laut über den Sinn und Unsinn eines Kopfdildos nachdenke. Lang und breit kann ich allerdings nicht darüber nachdenken, da ein weiterer Stand meine Aufmerksamkeit erregt:

    aetherangelegenheitenDas Amt für Aetherangelegenheiten hat seine steampunkigen Accessoirs ausgebreitet und lädt zum illustren Miteinander ein. Pfanni heißt der Mann wohl, mit dem ich mich kurz unterhalte. Dieses ominöse Amt kümmert sich um die eines Tages aufgetauchte Substanz und hat es nicht nur mit dieser, sondern auch mit Chimären und Fabelwesen zu tun. Stoff genug für eine Webserie? Auf jeden Fall erscheinen sie sehr ambitioniert, allein der RPC-Stand hat bereits Lust auf mehr gemacht. Die Website ist sicher einen Blick wert. Sobald ich mich eingehender damit befasst habe, wird sicherlich auch ein ausufernderer Beitrag über das Amt mit dem dezent sperrigen Namen folgen.

    Es folgen dann doch die erwarteten Besucher oder zumindest werde ich mir dessen bewusst, dass ich nicht einfach vor mich hin hüpfen kann, sondern tatsächlich auf fremde Füße achten muss. Die Welt ist gemein und ungerecht. Bei einer auf Leinwand übertragenen Runde LoL bleiben wir kurz hängen und lauschen den Worten eines zufälligen Passanten, der seinem Freund das Spiel erklärt. So ganz verstehe ich die Faszination noch immer nicht. Muss ich aber auch nicht – ich glaube, die drei Bühnenspieler haben das Spiel nachher gewonnen. Ich werde es vermutlich nie erfahren. Wichtiger ist mir zu dem Zeitpunkt längst das Bier und die Menschen, die ich zum eben diesem Zeitpunkt treffe: Nach dem freundlichen Leser meines Blogs, dem ich hoffentlich einige Tipps über Comicläden geben konnte, trifft  auch Georg Lucas ein, der natürlich meinen Biermord von 2013 petzen musste. Ich bitte dich, pfui! Es sind Blogleser anwesend, da möchte man einen guten Eindruck hinterlassen! Nicht, dass ich dies je getan hätte. Aber irgendwann will man damit ja anfangen.

    Doch zurück zur RPC. Die gibt es schließlich auch, aber illustre Gesellschaft kann schon mal vergessen lassen, wo man sich befindet. Es folgt ein völlig überteuerter Kaffee in nur leicht romantisch angehauchtem Nieselregen. Nicht so schön. Also führt uns unser Weg zurück hinein in die dunkle Grotte, auf der Suche nach der Künstlermeile. Künstler um Künstler zieht an unseren suchenden Augen vorbei. Schöne Bilder, Mangabilder, Skizzen. Gerne würde ich selber dort sitzen um meine Werke zu präsentieren, doch bis dahin wird noch viel Wasser den Dergel  hinunter fließen. Übrigens: So teuer sind Charakterportraits gar nicht, ein Besuch in der Künstlermeile lohnt sich für jene, die ein Portraits ihres Schützlings angefertigt haben wollen, also durchaus!

    PhantagrafieSo auch bei Melanie, die hinter einem Berg von Stiften, Blöcken, Zeichnungen und Auslegware sitzt und derart konzentriert zeichnet, dass sie mich gar nicht bemerkt. Dabei stehe ich schon seit drölf Stunden dort und warte auf eine Audienz! Gut, zugegebenermaßen bin ich selber sehr vertieft in ihre Zeichnung. Melanie „kenne“ ich bereits seit ein paar Jahren, seit sie noch ein kleiner Zeichennob war. Sie hat sich so gut entwickelt, dass selbst ich fast ein wenig stolz auf sie bin – und sie mittlerweile für Größen wie DSA oder Earthdawn arbeitet. Ich freue mich extrem über dieses lang ersehnte Gespräch und wir verbleiben mit einem Bierversprechen! Hier geht’s zu Melanies Künstlerblog.

    Cosplays gibt es erschreckend wenige zu sehen – oder bilde ich mir das nur ein? Habe ich bereits zu viele Cons besucht, ist mein Anspruch an ein Cosplay zu hoch? Vielleicht, doch vor meine Linse schaffen es nur vier. Unter ihnen zwei Jack Sparrows, die ich mit einer Interviewanfrage ein wenig überrumple. Logisch. Piratengerecht nuckeln sie schon seit einer geraumen Weile am Alkohol herum, während ihre beiden Freunde uns Fotos ihrer Flitterwochen zeigen. Auf einem verdammten Metalschiff irgendwo im südlichen Meer! Kreuzfahrt mit Bier und Metal! Mein Neid steigt bei den Erzählungen und ich hoffe, dass mir mein Freund bald mal einen Heiratsantrag macht, damit wir das Konzept kopieren können! Nicht, dass man nur deswegen heiraten würde. Oder? Lieber das Thema wechseln.

    NerdpolWir befinden uns mittlerweile wieder im Innengelände und stellen fest, dass wir eigentlich schon alles gesehen haben. Einen kurzen Abstecher schaffen wir zum Nerdpol, einer Rollenspielcommunity, die gerade Neulingen den Einstieg ins Rollenspiel erleichtern möchte und den Schwerpunkt auf Youtube gelegt hat. Kann man mal machen!

    Wir sprechen noch mit einigen mehr Leuten, gucken uns diverse Dinge an, kaufen drei Comics aus deutschen Landen, trinken nochmal überteuerten Tee, sehen Gronkh unter einer Traube Menschen ersticken und sind am Ende ein wenig überreizt…

    – was mich an einen Blogartikel Arkanils erinnert. „RPC und das schale Gefühl der Enttäuschung“ nennt sich dieser und bemängelt die Themenvielfalt der RPC, die es schwer mache, einzelne Themen tiefergehend zu behandeln. Die RPC bestünde sozusagen aus kleinen, wahllos zusammen gewürfelten Häppchen, statt aus einem satt machenden, gehaltvollen Steak. Mhm, Steak.

    Verstehen kann ich ihn. Es ist ein großer Mix aus diversen Genren und Thematiken, es ist kein wirklicher roter Faden erkennbar. Vieles wird angerissen,während anderes unter den Tisch gekehrt wird. Es ist ein riesiges Sammelsurium, ein Fundus an unterschiedlichsten Ideen. Ich selber zelebriere ein ähnliches Prinzip auf diesem Blog: Viele Themen, denn ich habe viele Interessen, versuche jedoch, die einzelnen Themen tiefer auszuleuchten. Ich mag das Konzept der RPC – an sich, denn auch ich finde, dass sie recht verwässert wirkt. Ich würde mir wünschen, dass mehr „Biss“ hinein kommt und dafür Roccat und Ähnliches fortgelassen wird. Hat nicht ohnehin jeder bereits eine Maus zu Hause? Da brauche ich niemanden, der mir eine an den Kopf schmeisst.

    Wie dem auch sei: Ich hatte meinen Spaß, gerade aufgrund der Menschen, die ich getroffen habe. Man knüpft neue Kontakte, pflegt alte und kann Networking betreiben. Neue Aussteller sind leider selten, auch interessante Workshops habe ich an jenem Samstag nicht sichten können. Ein wenig mehr Inhalt wäre auch dort schön. Kontroverse Themen, die beleuchtet werden, neue Blickwinkel… Vielleicht nächstes Jahr.

    Wart ihr dort? Wie habt ihr es erlebt?

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