Archiv der Kategorie: rund um Conventions

Wie eine „Farcecon“ doch noch frakking awesome wurde

Wenn Stargäste einer Convention kurzfristig absagen, ist das nie schön. Manch Fan kommt extra wegen einem bestimmten Schauspieler seiner Lieblingsserie angereist, zahlt Fahrt, Tickets und Unterkunft. Meistens halten sich die Absagen im Rahmen – bei der im Moment in Seattle stattfindenden Galacticon4 ist der Rahmen definitiv gesprengt worden. Nur wenige Tage vor Constart hat der Veranstalter selbst ganze elf Gäste, hauptsächlich vom Maincast der neuen Battlestar Galactica-Serie, von der Con gestrichen. Das kam nicht nur für die Fans überraschend, sondern auch für die Darsteller selbst. Offiziell ist von Raumstornierungen seitens der Hotels die Rede, doch darf dieses angezweifelt werden. Weiter ins Detail möchte ich hier nicht gehen – der Drops ist gelutscht und es ist zu aktuell, als dass man voreilige Urteile fällen kann.

Was tut man also als „abgesagter“ Schauspieler? Sich ein paar Tage Urlaub gönnen? Aber nein! „Chief Tyrol“-Darsteller Aaron Douglas buchte sich – man höre und staune! – in Seattle ein Hotelzimmer und  rief kurzerhand zu einem Fantreffen in den Pubs Seattles auf, deren Planung und Verlauf man unter dem Hashtag #findchief mitverfolgen konnte.

Hey all.Due to blah blah blah frakking blah I will not be attending the VoldemortCon this weekend.I am filming a…

Posted by Aaron Douglas on Donnerstag, 30. Juli 2015

Erschienen sind letztlich nicht nur „hunderte“ Fans, sondern neben Aaron Douglas auch Michael „Samuel T.Anders“ Trucco und Leah „Racetrack“ Cairns. Fotos und Autogrammwünsche waren ausdrücklich gestattet, auch ohne dafür bezahlen zu müssen- gebeten wurde nur um eine Spende völlig gleich welcher Höhe an das Kinderkrankenhaus in Vancouver oder an die Canadian Cancer Society. „There are no „sales“ going on with this, you have all spent bloody well enough on this con, both in actually money and in mental anguish.“

Natürlich kann man jetzt den Miesmacher spielen und sagen, dass das ganze aus Publicitygründen auf die Beine gestellt wurde. Aber ich denke, dass da wirklich einiges an gutem Willen hintersteckt! Bei vielen kühlen Bieren,Karaoke, lustigen Gesprächen rund um BSG und Science Fiction mit Darstellern oder Fans – das klingt einfach verdammt geil! Aaron Douglas habe ich selbst auf der letzten Fedcon auf ein Bier kennenlernen dürfen. Die ganze Aktion nehme ich ihm mehr als ab.  Momentaufnahmen von der Kneipentour kann man unter dem Hashtag, auf Aarons Profil oder seiner Facebookseite sehen.

So etwas darf es ruhig häufiger geben!

via Aarons Twitter

Cosplay ist keine Einladung

Es erscheint mir wie ein Armutszeugnis, dass das überhaupt notwendig ist: Auf der nun gestarteten Comic Con in New York wurde eine Erklärung abgegeben und Banner aufgestellt, die den Besucher und Mitarbeiter an die simple Tatsache erinnern, dass jeder Mensch mit Respekt behandelt werden soll, ob er nun in einem „sexy“ Cosplay steckt oder nicht. Die Vergangenheit hat leider oft genug gezeigt, dass ein Cosplay für mancheiner einer Einladung gleichkommt, die betreffende Person (sexuell) zu belästigen. (Teilweise geht es sicher in Richtung Rape Culture – wenngleich glücklicherweise äußerst selten mit derart krassem Ausgang oder Intention.)

(…) Remember: Cosplay is not consent. Keep your hands to yourself. If you would like to take a picture with or of another NYCC Fan, always ask first and respect that person’s right to say no. When at NYCC, be respectful, be nice, be cool and be kind to each other. (…)

Damit folgt die Con in New York dem Beispiel etwa der Emerald City ComicCon und deren Anti-Harassment Policy. Etwas, das die größte Comic Con (San Diego) noch nicht allzu enst nehmen will.

Ich persönlich bin mir der Problematik nicht ganz bewusst, wie ich ehrlich gestehen muss. Vielleicht ist dies dem Umstand geschuldet, dass die Conkultur in Amerika eine andere ist, vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich zu wenige Cosplayer persönlich kenne und noch nie direkt mit Belästigungen oder fehlendem Respekt in Verbindung mit Cosplay in Kontakt getreten bin. Doch wenn bereits kurze Röcke, die ich ja selber gerne trage, als Einladung gesehen werden, wird dies bei einer „leicht bekleideten Elfe“ wohl noch prominenter sein. Oder auch bei männlichen Conans. Ja, ich bin mir sicher, dass auch manche Frau ihre Hände nicht bei sich lassen kann und auch männliche Cosplayer mitunter belagert und genervt werden.

Ich finde es jedenfalls sehr gut, dass etwas getan wird, denn dass Cosplayer mit Belästigungen etc. zu kämpfen haben, glaube ich aufs Wort. Ich hätte nur nicht gedacht, dass eine derartige Policy wirklich notwendig ist, ist das Problem wohl schlichtweg größer, als mir bewusst war.

Ist eigentlich jemand von euch ein Cosplayer und kann mir erzählen, wie das hierzulande mit Belästigungen, Übergriffen etc. auf Cons ist und wie die Cons ggf. darauf reagieren?