1. 1. November 2016 | Veröffentlicht unter Filme, Filmvorstellungen.

    It’s Strange. Doctor Strange.

    Von

    Regie: Scott Derrickson | Darsteller: Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Rachel McAdams | Studio: Disney | | Laufzeit: 130 Minuten | Vorbestellen

    Doctor Strange ist einer meiner Lieblingssuperhelden. Grund genug, pünktlich zur Premiere füßescharrend vor dem Kino aufzutauchen und jaulend an der Tür zu kratzen. Das hat mir leider ein paar Tage im Arkham Asylum eingebracht, weshalb ich erst jetzt ein paar Worte über den Film verlieren kann. Vielleicht war ich aber auch nur zu glückstrunken um zusammenhängende Sätze herauszubringen  – denn der Film hat meine Erwartungen erfüllt und mich ein kleines bisschen glücklich gemacht.

    Worum geht’s eigentlich?

    Doch, wie stets, der Reihe nach. Zu Beginn begleiten wir den Neurochirurgen Dr. Stephen Strange in den letzten Zügen seines normalen, egogeschwängerten Lebens als Arzt. Arrogant und egozentrisch wie der erfolgreiche und zugegebenermaßen  hochbegabte Dr. Strange auch ist, weint man dem Drama, das sich um seine Existenz spinnt, kaum nach: Bei einem Unfall (der selbstverständlich durch zu schnelles Fahren seiner motorisierten Penisprothese geschieht) werden Stranges Hände derart verletzt, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Verzweifelt stürzt er sich in ein Meer aus Alkohol und Verbitterung, bis er – mittlerweile verarmt und schweißgetränkt – gen Himalaya reist, um dort den sagenumwobenen Ancient One aufzusuchen, der zerstörte Gliedmaßen wieder zu heilen vermag. Es kommt, wie es bei Marvel kommen muss: Strange wird in die Geheimnisse einer für ihn bis dato fremden Macht, ja ein ungesehenes Universum eingeführt. Und das ist verdammt gut so, denn die ersten Schurken stehen bereits Schlange, um den neuen Magier gebührend zu empfangen…

    Und wie ist der Film so?

    Der Name „Doctor Strange“ steht nicht unbedingt für die albernsten Plots innerhalb des Marveluniversums und doch habe ich gut gelacht. Mein Sitznachbar Thilo ist bei einer bestimmten Szene sogar schier vom Sessel geplumpst – und ich daraufhin fast hinterher. Man muss ja Solidarität für seine Bloggerkollegen beweisen. Neben dem Humor ist es sicher auch die fantasievolle, bunt schillernde Visualisierung, die sowohl Film, als auch die Comicvorlagen ausmachen. Nicht umsonst war Doctor Strange einst in gewissen, dampfschwebenden Kreisen äußerst beliebt. Optisch unglaublich eindrucksvoll, lustig – und dennoch tiefgründig.

    Wer sind wir? Was ist die Welt – und welche Rolle nehmen wir in dieser ein? Die Fragen des Seins werden hier gerne zwischen den Zeilen besprochen oder zumindest angerissen, wobei die immerwährende Magie Teil des Kosmos‘ ist, der sich dem Zuschauer entfaltet; beinahe eine weitere Figur im Cast darstellt. Lange habe ich keinen Film mehr gesehen, der mich derart gut und über die vollen zwei Stunden hinweg unterhalten konnte. Da sehe ich auch gerne über die kleinen Unzulänglichkeiten wie etwa den mangelhaften Bösewicht und das viel zu zügig verlaufende Training Stranges hinweg. Hier bin ich Konsument, hier kaufe ich ein. Oder so.strange

    Aber hey! Wurde der comic’sche Strange denn verhunzt?!

    Doctor Strange ist und bleibt Doctor Strange. Nicht nur gab es ein paar Anspielungen auf die Comics, auch ganze Handlungsstränge wurden gekonnt übernommen. Cumberbatch mimt den Doctor in seiner liebevoll arroganten Art, die sich zu sehen lohnt, die Ancient One ist zwar ungewohnt und politisch für manche unzumutbar inkorrekt, dafür jedoch im Kern dargestellt wie in den schriftlichen Ausgaben und – ach. Hier könnte nun eine bis ins letzte Detail ausgefeilte Rezension- einer Doktorarbeit würdig – stehen, doch was ist wichtiger als mein Fazit zu diesem Film? Ich mag ihn. Sogar so sehr, dass er instant zu einem meiner liebsten Superheldenfilme aufgestiegen ist. Ihn im Kino zu sehen kann ich also wärmstens empfehlen. Er hat alles, was ein guter Film der Popkultur braucht.

    Und was sagen die anderen?

    Natürlich musste ich auch mal zu anderen Bloggern herüber blinzeln. Nicht jeder war so angetan wie ich, aber hey, man kann es nicht jedem recht machen. Eine kleine Auswahl an Kommentaren habe ich euch hier zusammengestellt. Man ist ja nicht der Nabel der Welt. Fussel sind eh nicht so mein Fall.


    „Inhaltlich fällt der Film dahinter leider deutlich zurück. Zu viele Witze und One-Liner stören den Spannungsaufbau. Antagonist Kaecilius (Mads Mikkelsen) bleibt zu blass, bekommt zu wenig Tiefe. Seine Hintergrundgeschichte wird nur angedeutet, was seine Motivation zu sehr ausdünnt. Zwischen ihm und Doctor Strange gibt es im ganzen Film nur einen längeren Dialog, der leider sehr platt bleibt. Es scheint immer mehr zum Problem von Marvel zu werden, einen überzeugenden, gut geschriebenen bösen Gegenspieler abzuliefern.“ (Lara von polygamia.de unter dem Titel „Spektakel der magischen Art. Doctor Strange“)

     

    „Die Handlung des Films ist eine Origin Story, die im Fall von Dr. Strange jedoch auch dringend nötig ist, um in den Charakter und die Welt einzuführen. Häufig empfinde ich Origin Stories als langatmig und teilweise fast überflüssig, da sie mich unnötig auf die Folter spannen. Doch durch die guten schauspielerischen Leistungen, nicht nur von Cumberbatch, ist der Film nie langweilig und erreicht eine angebrachte, dramatische Tiefe.“ (Thilo von nerd-wiki.de unter dem Titel „Dr. Strange ist eine Dimension für sich„)

     

     

    Regie: Scott Derrickson | Darsteller: Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Rachel McAdams | Studio: Disney | | Laufzeit: 130 Minuten | Vorbestellen

    Kaecilius: How long have you been at Kamar-Taj, Mister…
    Dr. Stephen Strange: Doctor.
    Kaecilius: Mister Doctor.
    Dr. Stephen Strange: It’s Strange.
    Kaecilius: Maybe. Who am I to judge?


  2. 21. Juni 2016 | Veröffentlicht unter Comics, Comicvorstellungen.

    Top 5 Doctor Strange – Comics

    Von

    Da ich zuletzt an einem Artikel über Doctor Strange gesessen habe, habe ich meine Nase wieder viel zu tief in alte Comics gesteckt, um mein Wissen ein wenig aufzufrischen. Und verdammt, war das eine gute Lektüre! Fast vergessen, was für Schätze dort verborgen liegen! Dabei sind leider zu wenige mit Doctor Strange vertraut und das, obwohl er einer der schillerndsten Figuren des Marveluniversums ist. Warum das so ist, werdet ihr zu einem späteren Zeitpunkt nochmal genauer erfahren. Um die Wartezeit zum Film ein wenig kürzer zu gestalten und einen etwaigen Einstieg zu erleichtern, möchte ich euch hier meine Lieblingscomics des Doctors vorstellen. Außer Konkurrenz sind hierbei die ersten Ausgaben, in denen Strange auftaucht und die in #115 auch seine Hintergrundgeschichte aufarbeiten: Ab #110 der „Strange Tales“ von 1963.


    Oath2

    Doctor Strange: The Oath

    Sherlock StrangeBrian K. Vaughan ist zu Recht einer meiner liebsten Comicbuchautoren. Nicht nur kombiniert er teils sehr trockenen Humor mit tiefgründiger Tragik, sondern schafft es auch, Geschichten zu weben, die die Charaktere der Figuren akzentuieren und gekonnt hervorheben. In „The Oath“ muss sich Strange den Geistern seiner Vergangenheit stellen und der Frage nachgehen, was schwerer wiegt: Das Leben seines treuen und geliebten Dieners Wong – oder die Gesundheit der gesamten Menschheit. Dass er nebenbei in die Gedankenwelten seiner Gegner eintaucht, sich seinen ärgsten Feinden gegenübersieht und selber ganz schön bluten muss, ist dabei fast Nebensache.

    Bonus: Vaughan hat die Besetzung des neuen Doctos vorausgesehen. Beweis siehe oben links. ;)

    Autor: Brian K. Vaughan | Zeichner: Marcos Martin  | Jahr: 2006 | Bestellen 


    Disturbed StrangeWhat Is It That Disturbs You, Stephen?

    Ein klassischer Strange, wenn man so will: Derart abstrakt die Panels, abstrus die Storyline und zauberhaft die Magie, dass man zwar keinen großen Faden oder gar Tiefgründigkeit sieht, dafür jedoch Spaß haben kann. Die Panels sind wunderschön in Szene gesetzt und die Farben satt – und Stranges „WTF“-Blick ist einfach köstlich! Wieder ist Wong die Damsel in Distress, dieses Mal hübsch garniert von Electra, die Strange einiges entgegenzusetzen und sichtlich Freude an dem Spiel hat. Dabei hat alles so harmlos – und seltsam – mit einem Glückskeks begonnen …

    Autor: Marc Andreyko | Zeichner: P. Craig Russell | Jahr: 1997 | Bestellen


    ShamballaInto Shamballa

    Eine wunderschön gezeichnete Graphic Novel, die in die Tiefen von Stranges Psyche eintaucht und ein einziger Spiegel, eine fleischgewordene Illusion darstellt. Es ist kein dämonischer Gegner, dem sich Strange stellen muss, sondern vielmehr er selber. Fragen werden aufgeworfen, Themen abstrahiert dargestellt, was der Geschichte nicht nur Tiefe andichtet, sondern auch tatsächlich verleiht. Eine etwas andere Superheldengeschichte, die die Figur näher beleuchtet und den Fokus auf Mystik und Geist legt.

    Autor: J.M DeMatteis | Zeichner: Dan Green | Jahr: 1986 | Bestellen – leider kaum zu kriegen. Vielleicht im Comicladen des Vertrauens!


    triumphDoctor Strange & Doctor Doom: Triumph and Torment

    Zwei Doktoren auf einem Fleck – was kann da schon schiefgehen? Doom ist hier wieder einmal auf familiärer Mission, seine Mutter aus der Hölle zu retten. Mit dabei: Strange, der sich wunderbar mit dem Fiesling zu verstehen scheint. Temporär zumindest. Munter und in bester Superheldenmanier geht es gegen Mephisto und dessen Schergen. Es ist ein nettes Spektakel mit Twists, die das Leseerleben nochmal aufwerten. Die beiden Figuren harmonieren wunderbar und auch wenn Strange hier nicht im alleinigen Mittelpunkt steht ist es doch ein Griff wert, da es ihn wieder von etwas anderer Seite beleuchtet.

    Autor: Roger Stern, Gerry Conway, Bill Mantlo | Zeichner: Mike Mignola, Kevin Nowlan | Jahr: 1974 | Bestellen


    time doom“Time Doom!” Marvel Premiere #11-14

    Wie genau wurde Strange zum Sorcerer Supreme und was hat er mit der Erschaffung des Universums zu tun? Endlich wieder Zeitreisen! Strange trifft auf Baron Mordo, Sise-Neg und Cagliostro, wir sehen Tentakel, wohnen Hypnosen bei und können einem T-Rex das Ärmchen schütteln. Einer der grundlegenden Storyarcs von Doctor Strange, die sich nicht nur aufgrund des Backgrounds lohnt, sondern in sich auch sehr unterhaltsam ist – nur nicht für Hardcore-Christen, wie zugegeben werden muss. Solch eine Geschichte war damals gar nicht so einfach zu veröffentlichen.

    Autor: Steve Englehart | Zeichner: Frank Brunner | Jahr: 1973 | Bestellen