1. 26. Mai 2016 | Veröffentlicht unter Filme, Filmvorstellungen.

    Warcraft: The Beginning – B-Movie im AAA-Gewand

    Von

    Die Geburtsstunde des ewigen Kampfes Mensch gegen Orc endlich auf Leinwand gebannt: Die Horde fällt durch ein Portal in Azeroth ein, gestützt auf den gequälten Seelen gefangener Draenei, deren schwindendes Leben das magische Portal nährt. Die eigene, verrohte Welt hinter sich lassend erobern die Orcs erste Menschendörfer, stets unter Aufsicht des finsteren Hexenmeisters Gul’dan, dessen garstig-grüne Magie bereits beginnt, die blühende Natur zu verderben.

    Unterdes sind die Menschen unter König Llane Wrynn nicht nur schockiert über die fremdartige Invasion, sondern auch über die Entdeckung des Fel; eine schreckliche Form der Magie, die das Leben vernichtet und glücklicherweise schnell vom gescheiterten Magierlehrling Khadgar aufgespürt werden konnte. Der eilig zusammengestellten Truppe um Ritter Anduin Lothar und dem dezent entrückt wirkenden Wächter Medivh gebührt nun die Ehre, Land zu Leute zu verteidigen – und zu ermessen, ob man dem orcischen Häuptling des Frostwolfclans Durotan trauen darf, dessen Erkenntnis das Schicksal beider Parteien empfindlich beeinflussen kann.

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    „Hier war ich schonmal!“

    Erinnert sich noch jemand an den alten Trailer zu World of Warcraft? „Sieht das geil aus!“, dachten die meisten und hofften, dass irgendwann in ferner Zukunft hoffentlich ein Film so aussehen könnte. Nun ist er da und sieht prächtiger aus als als man es sich erträumt hatte. Die Pixel haben Fliegen gelernt. Sie fliegen, hoch und weit – und stürzen doch ab, getroffen von der Nichtigkeit der Charaktere und dem blassen Erzählstil.

    Zunächst jedoch staunt man über das nahezu perfekte CGI, das die Orcs zum Leben erweckt und die Orte, die man einst virtuell bereist hat und die man nun derart plastisch vor sich sieht. Sturmwind – na klar, genau dort stand ich auch! Elwynn Forest – Oh hallo, Goldshire, wo ich mein erstes Bier trank! Und dort, das ist die Schwarzfelsspitze! Wenn einem dann noch das murloc’sche Blubbern ins Ohr dringt, hat man sich irgendwie verliebt.

    Reicht Verliebtsein? Nicht über eine lange Zeit hinweg. Zu wenige Anspielungen lassen sich finden, zu wenig wurde auf Details geachtet, die für Aha-Momente hätten sorgen können. Es fehlt, wie so oft, an Seele und vielleicht auch Herzblut und Selbstironie. Ein Schaf macht noch keine Herde – und viele Namen noch keinen vielschichtigen Plot.

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    Ein Lvl-1 Plot

    Selbst der Warcraft-Gamer wird sich bei der Vielzahl an Namen ein Smartphone zur Hand wünschen, in dem er nebenher googlen kann um sich die ganzen Verknüpfungen zu erschließen, zumal der Film nicht hundertprozentig der bekannten Lore folgt. Wenig Zeit wird sich genommen, die einzelnen Figuren zu charakterisieren, weshalb sie, so gänzlich ohne Substanz, sehr fragil wirken. Schablonenhaft wie die generische Geschichte, die sich um Verrat und Besessenheit windet und doch wieder nicht die Zeit findet, einzelne Aspekte hinreichend zu beleuchten und zu akzentuieren und sich lieber in Althergebrachtem verliert.

    Dabei hat die Welt Warcrafts mehr zu bieten als gestelzt wirkende Dialoge, wirkte in seinen Spielen durchdachter und logischer als der Film, dessen Protagonisten zum Teil handeln, als hätten sie noch nie Krieg geführt. Wie unterschiedlich diese oder jene Schlacht verlaufen wäre, wenn nur eine Minute länger gedacht und geplant worden wäre … Unheimlich viel Potential wurde verschenkt und die Atmosphäre dadurch verwässert, dass weder die humorvollen Szenen pointiert, noch die anspruchsvollen substantiell genug waren. Das Schicksal der meisten der Figuren würde man mit einem Schulterzucken abtun.

    Buff-Food fürs Auge

    Selten steckte hinter den kopfgroßen Fäusten der Orcs mehr Wucht wie in dieser Darstellung. Brachiale Hämmer, gewaltige Äxte, riesige Muskelberge und Hauer machen die grünen und braunen Orcs zu Kampfmaschinen, denen man sich als Mensch nicht entgegenstellen will. Die Angst der menschlichen Soldaten ist verständlich, sie werden niedergeschmettert und zusammengedrückt wie Konservendosen. Die visuelle Kraft ist beeindruckend nicht nur in der Darstellung der Orcs, sondern der ganzen Welt. Es macht unheimlich Spaß, dort einzutauchen und die Magie zu erleben, die durch die Welt fließt wie in kaum einer anderen.

    Diese Diskrepanz zwischen großartiger Optik und mäßiger Story lässt den Eindruck eines B-Movies im AAA-Gewand zurück, der definitiv sehenswert ist, jedoch mehr hätte sein können. Für Warcraft-Spieler ist er ein Fest für die Augen, zuweilen etwas zäh und definitiv vorhersehbar, dabei jedoch immer zumindest auf einem Mittelmaß unterhaltsam.

    Hoffnung auf mehr

    Obwohl ich den Plot und die Figuren nicht großartig finde, so habe ich den Film doch sehr genossen. Als langjährige WoW-Spielerin war es mir ein Fest, im Kino mit dem Greifen über die Landschaften zu fliegen und hätte das gerne auch noch stundenlang weiter genau so haben können. Die 08/15-Geschichte hätte ich fast nicht gebraucht. Es ist ein bewegter Bilderband, ein blutiger Reiseführer durch Azeroth, der auf die Orte zwar viel zu wenig eingeht, aber doch für genug verträumte Momente sorgt, dass ich hoffe: Lass es eine Fortsetzung geben. Ich will Gnomeregan und Hogger sehen, die Tauren bestaunen, Untote fürchten und mehr über den kleinen Orc erfahren, der von seiner Mutter auf dem Fluss ausgesetzt wird und später zu einem der größten – ich möchte nicht spoilern. Doch ich möchte mehr.

    Fazit

    „Warcraft – The Beginning“ ist kein guter Film. Er ist aber auch nicht schlecht – zumindest nicht für mich, die die Spiele gespielt hat. Mir wird zu wenig auf Hintergründe eingegangen, die Szenenwechsel erfolgen zu abrupt und ich hätte mir wesentlich mehr Anspielungen gewünscht. Für Nicht-WoWler ist der Film vermutlich nicht mehr als ein verdammt großartig aussehender B-Movie. Und trotzdem bereue ich den Kinobesuch in keinster Weise.


  2. 21. März 2016 | Veröffentlicht unter Comics, Comicvorstellungen.

    Ork-Saga #1

    Von

    Genre: Fantasy
    Autor: Michael Peinkofer
    Illustrator: Peter Snejbjerg
    Erscheinungsform:  48 Seiten,  Hardcover, Bd. 1 von 4
    Erscheinungsdatum: 24.03.2016
    Verlag: Cross Cult
    Leseprobe |Bei Amazon bestellen


    Überblick

    Balbok und Rammar, zwei possierliche Brüder aus dem Geschlecht der Orks, überleben als einzige ihres Trupps eine Schlacht gegen garstige Gnome. Ihr weiteres Leben könnte so schön sein – würde nicht der im Kampfe abgeschlagene Kopf ihres Anführers fehlen, den sie unbedingt mit nach Hause bringen müssten, um nicht Unglück und Tod über den gesamten Stamm zu bringen. Es kommt, wie es kommen muss: Herr Häuptling ist schier empört und schickt die beiden auf eine suizidale Kopf-Rettungsmission. Dies hat der so finstere wie bärtige Zauberer Rurak in seiner Kristallkugel längst vorausgesehen und zwingt dem Orkduo bei nächster Gelegenheit flugs eine weitere Mission auf, die sie ins Reich der Spitzohren führen wird.

    Und so werden Balbok und Rammar, einer intalenter als der andere, zu einem unfreiwilligen Heldenpärchen, das zumindest in diesem ersten Band bereits von einem Schlamassel in den nächsten stolpert und kaum ein Fettnäpfchen auslässt.

    Die Erzählung

    Einst erschuf Michael Peinkofer die beiden grünen Geschöpfe für den Fantasyroman „Die Rückkehr der Orks“ samt dessen Nachfolger, nun wurden die Figuren mit Hilfe Jan Bratensteins und den beiden Illustratoren Peter Snejbjerg (Zeichnungen und Farben) und Lars Bjørstrup (Farben) visualisiert und auf die Comicseiten adaptiert. Die Zusammenarbeit darf ich als „gelungen“ klassifizieren.

    In alter Fantasyepos-Manier beginnt die Geschichte in weit zurückliegender Vergangenheit, die kollossalen Umstände erklärend, die die Welt der Orks zu der machen, die sie nun ist. Wenn man kurz darauf die dezent dekadenten Elfen kennenlernt, wähnt man sich bereits in üblicher High Fantasy, die zum Glück sehr bald auf den Kopf gestellt wird. Dann nämlich treten die beiden Hauptfiguren auf die Bildfläche. Balbok und Rammar, Orks bester Güte, nehmen sofort den Fokus ein, stechen sie Dank ihrer Statur doch aus der Masse an mächtigen Kriegern hervor und mogeln sich ob ihres einfältigen Charmes schnell in die Gunst des Lesers.

    Gespickt mit manchmal mehr, manchmal weniger offensichtlichem Witz und Selbstironie nimmt die Handlung sofort Fahrt auf und zeigt kaum Längen. Wie auch, wenn die beiden Orks pausenlos vom Regen in die Traufe und wieder zurück poltern? Dabei spritzen Blut und andere Körperflüssigkeiten, Fäkalhumor ist auf eine diskrete, fast schon apart anmutende Weise vorhanden, was bei den Hauptfiguren jedoch kein Wunder sein dürfte. Diese wirken durchweg sympathisch und sowohl ihr Zusammenspiel, als auch ihre individuellen Charakterzüge machen Lust auf mehr!

    In erster Linie macht der band Spaß. Er ist konsequent geschrieben und birgt trotz des eher handelsüblichen Plots doch genug Spannung und Neuigkeiten, die neugierig auf die kommenden drei Bände machen, die im Abstand von jeweils einem Jahr veröffentlicht werden. Generell sind weder Story, noch Charaktere eine Offenbarung und bedienen sich diverser Stereotype. Das ist in diesem Fall jedoch kein Manko, sondern trägt ganz im gegenteil zum Gelingen des Comics bei.

    Panel orks

    Layout und Zeichnungen

    Snejbjerg präsentiert eine gelungene Mischung aus dreckigem und putzigem Stil: Die Orks selbst wirken fast niedlich, während trotz ihrer Kulleraugen Dreck und raue Federführung ihren Zweck erfüllen. Die Gewaltdarstellung ist klar und zuweilen auch recht explizit, ohne sich daran zu ergötzen.

    Auch die Farbtöne harmonieren sehr gut miteinander, wobei selten mehr als zwei Farben gleichzeitig dominieren und über der gesamten Welt ein entsättigender Grauschleier zu liegen scheint.

    Letzte Worte

    Dieser erste Band ist sehr kurzweilig, auch wenn er trotz der ungewohnten Protagonisten nicht groß zu überraschen weiß. Nichtsdestotrotz bin ich sehr gespannt auf die Fortsetzungen und doch sehr zuversichtlich, dass diese Reihe eine gute wird.

    Orks Comic


  3. 28. Februar 2016 | Veröffentlicht unter Diverser Geekkram, Dreckiger Rest.

    *klick* Die Links der Woche

    Von

     

    Traditionellerweise hat das Internet Links und Artikel zu bieten. Dankt mir später für diese Erkenntnis. Um diesen Artikeln, Neuerscheinungen und interessanten Gedankengängen fremder Menschen Raum zu bieten, möchte ich fortan jeden Sonntag Links teilen, die ich für sehr klickbar erachte.

    Heute gibt es Gaimansches auf die Ohren, Wissenswertes über Meerjungfrauen- und Warcraftsex und skurrile Gamingfakten.

    Neil Gaimans „Neverwhere“ als Hörspiel

    NeverwhereNeil Gaiman ist definitiv einer meiner Lieblingsautoren. Kein Wunder also, dass ich dezent entzückt bin, dass eines seiner Urban Fantasy Bücher – Neverwhere – von der BBC nun als Hörspiel produziert wurde. Mit bekannten Namen wie James McAvoy, Benedict Cumberbatch, Natalie Dormer, Sophie Okonedo und, ganz besonders toll, auch noch Christopher Lee. Die Story: Unter den Straßen Londons existiert noch ein anderes London mit verlassenen U-Bahnhöfen, Katakomben und Kanälen. Es ist eine krude, bizarre Nebenwelt, in der auch kuriose Gestalten hausen. Dort hinein platzt der Geschäftsmann Richard Mayhew, der doch eigentlich nur einem Mädchen helfen will… Das Hörspiel kann man sich noch fast einen Monat lang kostenlos auf der Website anhören.

    Link


    Skurriles Gaming-Wissen

    skurriles_gaming_wissenÜber 190 Seiten geballte „unnützes Wissen“ aus der Gamingwelt versammelt Jonas Weiser in diesem 190 Seiten umfassenden Buch. Der begeisterte Gamer und Gründer des  Online-Magazins NMag hat in elf Kapiteln rund 600 Fakten zusammengestellt, die von MMOs über Jump’n’Runs bishin zu Shootern jedes Genre abdecken und Skurrilitäten ebenso besprechen wie Pannen und ominöse Rekorde. Was haben fröhliche Einhörner mit Diablo lll zu tun? Gab es zum Launch von Resident Evil 6 Menschenfleisch zu kaufen? Und hat Conker eine gespaltene Persönlichkeit? Ja, das Büchlein ist kurzweilig und eignet sich hervorragend für Bahnfahrten. Guddy-approved. Außerdem sei noch die Website ans Herz gelegt, die einige Fakten nochmal hübsch aufbereitet.

    Website | Amazonlink


    „Ein Ding zuviel – oder: Nichts ändert sich“

    eindingzuviel_cover (1)Gloria hat seit Ewigkeiten kein World of Warcraft mehr gespielt und es jetzt wieder herausgekramt, auf der hoffnungsvollen Suche nach ein bisschen Rollenspiel. Ja, das gab es dort damals. Gerüchteweise. Gloria nimmt uns hier mit auf eine Reise voller abstruser Begebenheiten und Spielern, deren Vorlieben irgendwo zwischen Cybersexy und.. naja.. Cybersex schwanken. IC-Tavernen. Immer wieder amüsant.

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    „What Shipping Richonne Taught Me About Racism“

    gif-9[Spoiler The Walking Dead Season 6] Rick und Michonne haben es getan. Im Fernsehen. Einfach so. Gut, natürlich wurde weggeblendet und das für Artikelautorin Sharon eigentlich Interessante ist, dass sich hier eine Schwarze und ein Weißer zusammengetan haben. Sie, als Schwarze, erzählt hier, warum sie dieser Umstand glücklich gemacht hat, was es für sie bedeutet und was sie als jaherelange „Shipperin“ dieses Paares in der Zeit über Rassismus gelernt hat.

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    Mermaid-Sex

    tumblr_nfn0x5MIfW1tzzz5eo1_r1_500Ein Meeresbiologe wurde gefragt: Wie könnten Meermenschen eigentlich Sex haben? Ja, wenn sich Wissenschaft und Phantastik vereinen, können schonmal skurrile Artikel entstehen, die auf eine etwas verstörende art und Weise sehr interessant sind. Immerhin lernt man nebenbei nicht nur etwas über fiktives Paarungsverhalten, sondern irgendwie auch etwas über ganz reale Begebenheiten gratis dazu. Auch wenn Fische nicht unbedingt meine Lieblingstiere sind.

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  4. 1. Februar 2016 | Veröffentlicht unter Diverser Geekkram, Dreckiger Rest.

    Bastel deinen eigenen Snitch!

    Von

    Ihr kennt das: Ihr sitzt auf euren fliegenden Besen, wollt Quidditch spielen, doch ihr habt absolut keine Ahnung mehr wo ihr den Goldnen Snitch abgelegt habt? Zum Glück schafft Odin nun Abhilfe, denn mit seiner Hilfe könnt ihr den Snitch nachbauen. (Eventuell wird er nicht so funktionstüchtig sein wie gewünscht. Aber ach, Details…)

    Veröffentlicht wurde das Video auf dem Kanal Awe me, den ich vor allen Dingen für seine Man at Arms-Serie sehr schätze. Nun bin ich selber kein allzu großer Fan Harry Potters, doch hatte es mir der flinke Snitch immer angetan und diese hier vorgestellte Anleitung werde ich vielleicht beizeiten selber ausprobieren! Wenn ich doch nur nicht zwei linke Hände hätte… Aber vielleicht seid ihr da ja geschickter!


  5. 25. Januar 2016 | Veröffentlicht unter Comics, Comicvorstellungen.

    [Comic] Birthright

    Von

    Genre: Fantasy
    Autor: Joshua Williamson
    Illustratoren:
    Andrei Bressan, Adriano Lucas
    Erscheinungsform: 
    128 Seiten,  Soft/Hardcover
    Enthält: Birthright #1-5, laufende Serie
    Leseprobe
    Verlag: Image Comics / Cross Cult |  „Birthright“ bestellen


    Das Verschwinden des Jungen Mikey zerrüttet die Familie Rhodes: Der Vater, Aaron, wird bald nicht nur des Mordes an seinem Sohn verdächtigt, sondern stürzt auch in tiefe Depressionen, die Mutter, Wendy reicht verbittert und mit neuem Mann an ihrer Seite die Scheidung ein und der Bruder, Brennan, verwickelt sich verzweifelt in Prügeleien. Gänzlich gerät das Leben der zersplitterten Familie aus den Fugen, als sie ein Jahr nach Mikeys Verschwinden in das Polizeipräsidium geführt werden. Dort wird ein Mann festgehalten, der nicht von dieser Welt zu sein scheint.

    Von beeindruckender Gestalt, gekleidet in barbarisch anmutender Kleidung, bestückt nicht nur mit einem prachtvollen, schwarzen Bart, sondern auch mit einem schier unendlichen Waffenarsenal. Dieser Mann ist ein Krieger, der laut eigener Aussage das Land Terrenos von einem grausamen Tyrannen befreit hat und nun vorhat, auch die Erde vor der Gewalt finsterer Mächte zu retten. Und er behauptet, eben jener verschollen geglaubter Mikey zu sein. Kann das sein? Und sind seine Absichten wirklich so nobel, wie er vorgibt?

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    In einer Besprechung dieses Stoffes ist nahezu jedes Wort, das über den Inhalt verloren wird, zu viel, denn tatsächlich ereignet sich die ein oder andere unvorhergesehene Wendung. Wo man zu Beginn der in zwei Haupterzählstränge geteilten Geschichte noch einen klassischen Heldenepos vermutet, wird diese Idee bald hinterrücks mit der Barbarenstreitaxt enthauptet.

    Zum einen verfolgen wir die Begebenheiten in der realen Welt, in der der plötzlich aufgetauchte Recke gehörigen Unfrieden stiftet, was insbesondere der ansässigen Polizei sauer aufstößt. Von der Familientragödie der Rhodes bis zur mit der Realität verwobenen Fantasy ist es hier nur ein kleiner Schritt, doch einer, der sich lohnt, da es beiden Thematiken eine gehörige Portion Würze verleiht.

    Auf der anderen Seiten erfahren wir durch die Erzählungen des Weltenreisenden von den Ereignissen seit seines – Mikeys – Verschwinden. Wir erfahren, wie er sich noch während des Spiels mit seinem Vater im Wald verirrt, dort zunächst auf ein scharlachrotes Monster, und dann glücklicherweise auf beschwingt daher kommende, zukünftige Gefährten trifft und von diesen, sowie deren Lehrmeister oder Oberhaupt, auf seine wahre Bestimmung vorbereitet wird. Der Legende nach ist Mikey der Held, der, der die Welt von allem herrschenden Übel befreien wird. Klassischer kann Fantasy kaum daher kommen und so trifft man neben allerlei Fabelwesen auch Orks an. Dass es auf Terrenos allerdings dezent blutiger zugeht als in den meisten anderen Fantasywelten, sich die Kreaturen grausamer und angsteinflößender zeigen und die kämpferischen Methoden nicht ausgeblendet werden zeigt sich hierbei schnell.

    Sowohl in der unseren, als auch der fremden Welt sind die Charaktere interessant dargestellt, neben denen Mikey selbst jedoch als Person recht blass erscheint. Die Dynamik zwischen den Figuren gefällt mir sehr und Mikeys in der anderen Welt neu gewonnenen Gefährten sind bislang vielversprechend – und mit dem letzten Panel dieses Bandes bestätigt sich dieser erste Eindruck vorerst.

    Stiefmütterlich behandel ich das Pacing und die Bilder. Beides ist handwerklich gut, durch das gelungene Pacing bleibt die Spannung größtenteils erhalten und die Zeichnungen unterstreichen in ihrer rauen Art den Grundtenor der Geschichte.

    „Birthright“ käut wenige Klischees klassischer Fantasy wieder, zeigt sich bei seiner Interpretation äußerst ambitioniert und verleiht dem Heldenepos einen blutigen, düsteren Anstrich.

    Birthright Fazit


    Herzlichen Dank an Tim, der mir heldenhaft sein Exemplar überlassen hat, als ich auf Twitter nach interessantem Comicstoff gekräht habe!

  6. 15. Januar 2016 | Veröffentlicht unter Bücher, Bücher schreiben.

    „Wir schreiben“ – eine Essaysammlung

    Von

    Das Schreiben: Ventil für die eigenen Träume, Wünsche, Fantasien, aber auch für Ängste und Alpträume. Autor oder Schreiberling zu sein bedeutet mehr, als leere Worte auf das Papier zu kritzeln. Es kann Rettungsanker sein, in fremde Welten entführen oder reines, leidenschaftlich geführtes Hobby sein. Nicht immer steht der Autor im Fluss fideler Kreativität, oftmals hindern Blockaden, die eigenen Ansprüche oder die für einen individuell bestimmte, richtige Art zum Plotten.

    Elf Autoren habe ich gefragt: Was verbindet ihr mit dem Schreiben? Welches Unterthema lässt euer Herz höher schlagen, welche Tipps könnt ihr angehenden Autoren geben und welche kritischen Anmerkungen könnt ihr geben, um das Thema Schreiben facettenreich zu beleuchten? Herausgekommen ist eine kleine Sammlung an fundierten Essays, die jeder für sich lesenswert sind.

    Da es leider ein paar mehr Gastbeiträge geworden sind, als ich eigentlich geplant hatte, muss ich meinen eigenen Beitrag zum Thema auf den morgigen Tag auslagern. Sonst hätte ich Angst, dass mein Blog platzt. Wirklich! Das kann passieren! Habe ich gehört. Oder geträumt. Auf jeden Fall seht ihr hier elf wundervolle Beiträge zum Thema! Bei den anderen zu stöbern ist ausdrücklich erwünscht!

     


    Wolf Awert: Stiefkind Fantasy

    WolfAwert„(…)In einer Fantasywelt kann eine Figur, die ihre Welt nicht versteht, nicht bestehen. Unserer Welt muss man nicht verstehen. Es gibt es andere, die sich um einen kümmern. Organisationen, Menschen, Dinge und Geräte. Wir sind umgeben von Krücken. Das ist bequem, angenehm, aber auch gefährlich. Und deshalb ist es eine schöne Aufgabe, unserer Welt auch einmal eine andere gegenüberzustellen.(…)“

    Spricht man von der Phantastik, ist der Vorwurf des Eskapismus selten weit. Doch ist er haltbar, kann man ihn vielleicht auf andere Genre ausweiten- und wie sehr spiegelt er das reale Leben wider? Denn letztlich leben wir alle in einer Welt, die wir nur zu Teilen fassen, begreifen und erfahren können. Wolf Awert geht diesen und mehr Fragen nach und wagt interessante Ausflüge in die Phantastik unseres Lebens.

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    Mona Seiffert: Lass die Idee schlafen, damit sie träumen kann.

    Mona Nagel„(…) Also ist es wichtig, dass meine schöne glänzende Idee vom Essay über die Inkubationsphase, sich in den Höhlen und Gängen meines Unterbewusstseins herumtreibt, sich dort ein wenig die Hörner abstößt, ein paar Punkerfahrungen aufs Kreuz legt, vielleicht die große Liebe findet und mit ein paar Tätowierungen irgendwann wieder nach Hause kommt. (…)“

    Man kennt es: Man sitzt mit schwirrendem Kopf vor dem leeren Blatt oder Bildschirm und hofft auf die Geburt einer Idee, eine Eingebung, verdammt, den komplett fertigen Roman, der von den Fingerspitzen direkt in das Manuskript fließt! Das passiert nicht. Zumindest nicht so einfach. Mona Seiffert erklärt anhand der „Inkubationsphase“ sehr anschaulich die Wichtigkeit des Ruhenlassens und tritt dabei in den imaginären Dialog mit Erika Landau.

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    Alessandra Reß: Und immer wieder der Idealismus

    U„(…)Und wenn ich mich frage, ob es intelligent ist, einen solchen Text zu veröffentlichen, muss es umso mehr sein. Damit ich das Fremdsein nicht vergesse. Damit ich mir selbst nicht fremd werde. Es ist die kleine Rebellion, die sein muss, die Selbstvergewisserung, sich nicht verloren zu haben zwischen Texten, die nicht zu einem selbst gehören.(…)“

    Vom Schreiben zu leben klingt für Außenstehende im ersten Moment wie ein funkelglitzernder Traum. Dabei ist die Kluft zwischen dem, was man sich erträumt hat und dem, was die Realität bedeutet manchmal größer gedacht – und hin und wieder sind es die eigenen Ideale, die einen stolpern lassen. Alessandra Reß gibt einen kleinen Einblick in ihr Innenleben als Redakteurin und Autorin.

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    Annette Juretzki: Plotten für sprunghafte Grobmotoriker*innen

    augenq„(…)Ihr Name ist Lynn Marella Divana Thana Morina … nein, doch: Thana und sie mag hasst ihre Mutter eigentlich, weil sie Thana gegen ihren Willen verheiraten zu einer verzogenen Adelsfrau erziehen will, wie sie es selbst ist. Dabei will Thana doch einfach nur glücklich sein mit ihrer Magd zusammen sein (nee, zu Klischee) eine Schmiedin sein …(…)“

    Gut. Das war fast ein Heimspiel, denn bei „sprunghafte Grobmotoriker“ hatte ich mich gleich heimisch gefühlt. Annette Juretzki zweckentfremdet alles als Whiteboard, was nicht beim ersten Anzeichen eines Plots das Weite sucht und scheint damit erfolgreich zu sein – ein Grund mehr, Genaueres darüber zu erfahren!

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    Meara Finnegan: Meine Quelle lügt! Hoffentlich.

    Meara Finnegan„(…)Das war dann etwas irritierend, denn er war ein Bastard, angeblich ungebildet und verwildert, bis er zum Hof kam – ich hatte mir nicht ausgemalt, dass da ein solches Verhältnis bestanden hätte. Ein bisschen kam ich mir wie ein Detektiv vor, der immer predigt, man dürfe keine Theorien bilden, ohne alle Fakten zu kennen – und dann feststellt, dass er genau das gemacht hat.(…)“

    Romane mit historischem Bezug kann man einfach ohne Rücksichtnahme der Quellen und historischen Begebenheiten verfassen – man kann sich aber auch auf diese einlassen und, mehr noch, diese für seine eigenen Zwecke benutzen und so auch vermeintlich unpassende Fakten zu seinen Gunsten wenden. Meara Finnegan spricht sich hier unter Zuhilfenahme eigener Erfahrungen gegen Recherche-Kalkül und für geschickte Interpretation aus.

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    Laura Kier: Plotten? Nicht mit mir. Oder?

    Ava_ohneSchatten„(…)War ich damit endlich am Ende meiner Reise angekommen und konnte meine Texte so zum Leben erwecken, wie es meinem Naturell entsprach? Konnte ich den Pflanzen in meinem Ideengarten sagen: „Wachst, wie ihr wollt, ich werde euch nicht zurecht stutzen“? War ich ein Entdecker?(…)“

    Die Ansicht, dass es nur eine wahre Art zu plotten geben würde, ist recht weit verbreitet und kann jene, die nicht auf diese Art plotten können, hemmen oder im schlimmsten Fall ganz zum Aufhören verleiten. Laura Kier hat selbst eine Odyssee durch Schreibratgeber und Internetforen hinter sich und legt hier anschaulich nahe, dass der eigene Weg nicht bereits ausgetrampelte Pfade beinhalten muss.

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    Monica Höfkes: Weltenbau – Wer, wie, was, warum? 

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    „(…)Man beginnt also zu verfremden, hier eine Person, dort eine Stadt, gelegentlich einen ganzen Landstrich. Manchmal ist es den Autoren selbst nicht bewusst, aber in dem Moment, in dem sie die Realität verlassen, sich in Konstrukten ihrer Imagination bewegen, beginnt der Weltenbau.(…)“

    Eine der faszinierendsten Aspekte am Verfassen phantastischer Romane ist sicher der Weltenbau: Das Erschaffen fremder Welten, magischer Orte und spannender Kulturen. Weltenbau ist jedoch keine Erfindung der Phantastik, sondern reicht weit über jene hinaus. Monica Höfkes erzählt hier über ihre eigenen Erfahrungen und Ansichten den Weltenbau betreffend und wagt dabei einen Blick über den Tellerrand hinaus.

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    Sabrina Železný: Von Schreiben, Wind und Stille 

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    „(…)Als ich als Kind das erste Mal »Robinson Crusoe« las, fand ich es faszinierend, was der Kerl auf seiner einsamen Insel alles zu tun fand. Er kam zwar nicht von der Insel fort, aber gelernt hat er dort eine ganze Menge. 2015 war mein Robinson-Crusoe-Jahr.(…)“

    Stillstand: Ein Wort bei Kreativen fast so gefürchtet wie „Tribbles“ bei den Klingonen. Dabei kann Stillstand auch schlicht Ruhe bedeuten, Zeit, in sich zu gehen und sich über einige Dinge klar und bewusst zu werden. Im vergangenen Jahr hat Sabrina Železný den Stillstand schmerzlich kennengelernt und kann nun doch mit positiven Gedanken auf diese Zeit zurückblicken. Warum genau, lest ihr bei ihr.

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    Carmen Capiti: Und wofür genau musst du das wissen?

     

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    „(…)Ein Wissender hätte vielleicht kurz fragend die Augenbrauchen hochgezogen und das wäre es gewesen. Aber er oder sie hätte die Augenbrauen hochgezogen! Und solche Dinge merke ich, wie eine Erschütterung der Macht. Naja fast. (…)“

    Ob ein Tal nun 3 Kilometer oder 3,5 Kilometer breit ist, ist den meisten Lesern wohl egal – allerdings längst nicht jedem Autoren. Denn allein das Gefühl, dass etwas unvollständig, gar falsch ist, kann einem da schon beim Tippen die Fingernägel aufrollen lassen. Es ist außerdem immer schöner, wenn man mehr von der Welt weiß, mehr vielleicht als man am Ende wirklich verwendet! Oder nicht? Carmen Capiti hat da natürlich eine ganz eigene Sicht der Dinge, die sie in ihrem Beitrag erläutert.

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    Sabrina B.: Schreiben und Rollenspiel

    Arandis_Avatar„(…)Und nun? Am besten etwas Kreatives, damit der Tag nicht völlig ungenutzt bleibt. Wie wäre es denn mit Rollenspiel? Gut, auch da trifft man seltsame Leute, die einfach nicht verstehen können, dass es Menschen gibt, die Spaß an Kreativität haben. Aber man kann kreativ sein. Es kommt sogar noch besser. Rollenspiel kann für Autoren wie ein Trainingslager sein. Man merkt das nicht einmal, weil man auch noch Spaß dabei hat.(…)“

    Rollenspiel; der kleine Bruder des Romans. Zumindest sind sie sich in einigen Details und Aspekten nicht unähnlich, verlangen beide doch nach Kreativität und Einfühlungsvermögen, nach Spontaneität und Fantasie. Inwieweit man sich von dem einen oder anderen leiten und schulen lassen kann und inwieweit Prokrastination damit zusammen hängt, erklärt Sabrina aka. Araluen in diesem Beitrag.

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    Tina Skupin: Autor und Ausland

    1553-a493b681-large„(…)Am Anfang habe ich mich dabei jedes Mal gefühlt, als würde mein Hirn durch einen Korkenzieher gedreht. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Trotzdem merke ich es beim Schreiben. Ganz oft passiert es mir nämlich, dass mir für eine Szene oder für ein Gefühl der perfekte Ausdruck einfällt – auf schwedisch oder englisch, oder an ganz tollen Tagen auf spanisch. Aber auf deutsch? Nada!(…)“

    Das Leben im Ausland, sei es nur für kurze, oder für längere Zeit, ist immer anders, anders als das Gewohnte. Und es hat Auswirkungen auf das Schreiben und das Gefühl, das man als Autor hat. Andersartige Eindrücke prasseln auf einen hernieder, die Natur fühlt sich anders an, alles hat eine andere Intensität. Was genau das bedeuten kann und wie es sich äußert, verrät euch hier Tina Skupin.

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    Ich bedanke mich herzlich bei allen Autoren für ihre Texte und Gedanken zum Thema und wünsche euch Lesern viel Spaß beim Stöbern!


  7. 15. Januar 2016 | Veröffentlicht unter Bücher, Bücher schreiben.

    Gastbeitrag: Weltenbau – Wer, wie, was, warum?

    Von

    Gastbeitrag von Monica Höfkes

    »Sag mal, warum schreibst du eigentlich nur so erfundenes Zeug? «

    Eine der häufigsten Fragen, die mir von anderen gestellt wird, ist sicherlich die, warum ich bitte schön Fantasy schreibe und nicht „was Richtiges“. Dann gibt es neben der, sehr emotionalen, dass auch Fantasy etwas „Richtiges“ ist, auch noch die Antwort, dass ich einfach gerne die absolute Kontrolle über das habe, was ich da schreibe. Und wie gelingt das besser, als wirklich alles meiner Phantasie entspringen zu lassen? Dazu gehört für mich in einem großen Maße auch das, was man so schön unter „Weltenbau“ zusammenfasst. Gleichzeitig ist dies sicher auch das, was man als Fantasy wahrnimmt: fremde Welten, Kulturen, Völker… Genau so stellt man sich Weltenbau vor. Ich erschaffe mir den Mikrokosmos, in dem meine Figuren agieren, aber eben ohne die Einschränkungen unserer eigenen Welt.

    Nimmt man es jedoch etwas genauer, lässt sich der Weltenbau nicht nur auf das phantastische Genre eingrenzen. Im Grunde ist doch jeder Autor fiktionaler Texte ein Weltenschöpfer. Da mag manches Werk noch so biographisch oder historisch begründet sein, ein Gutteil entspringt immer noch der Phantasie des Schreibenden. Und ob der Weltenbau immer so ausufernd sein muss, dass wir tatsächlich von eigenen Welten, Kontinenten oder Ländern sprechen können, bezweifle ich einfach ganz offen. Eine komplett erfundene Kleinstadt im amerikanischen mittleren Westen ist in meinen Augen nicht weniger Weltenbau, denn für mich wäre es immer noch eine komplett andere Welt, da ich noch nie in einer vergleichbaren Stadt war.

    Wann also beginnt der Weltenbau, wenn nicht schon im ganz Kleinen, mit einem Städtchen, dessen Straßen und Häuser nicht weniger mit Leben gefüllt werden wollen, als seinem Pendant in einer beliebigen mittelalterlichen Fantasywelt? Aber ich schreibe nicht über Kleinstädte im amerikanischen Mittelwesten, ich schreibe Fantasy. Darum darf ich mich ganz offiziell als Weltenbauerin, als Schöpferin bezeichnen. Tolle Sache, keine Frage.

    »Ist das nicht viel zu anstrengend, das alles ausdenken? «

    Welcher innere Drang treibt mich eigentlich dazu, nicht eine bereits gegebene Welt wie die unsere zu nutzen, sondern alles von Null an neu aufzubauen? Zum einen sind es sicherlich die Ideen, die sich in meinem vollgestopften Gehirn gegenseitig auf die Füße treten und die alle eine eigene ‚Location‘ verlangen. Zum anderen ist es meine Faszination für Landkarten. Bereits als Kind, noch im Vorschulalter, konnte ich mich stundenlang mit einem Atlas beschäftigen, auch wenn ich die Namen noch nicht lesen konnte (ich schleppte den Atlas einfach immer im Haus herum und fragte meine Eltern oder Großeltern) und ich überhaupt keine genaue Vorstellung hatte, was sich wirklich dahinter verbarg. Mein damals noch nicht vorhandenes Wissen sorgte aber dafür, daß ich mir einfach etwas ausdenken konnte. Ich reiste also mit dem Finger auf der Landkarte herum und dachte mir dann das meiner Meinung nach passende Land zu den jeweiligen Namen aus. Eine perfekte Grundlage für meinen heute betriebenen Weltenbau, schließlich mache ich im Grunde nichts Anderes. Meistens habe ich einen Namen, ohne jeden weiteren Kontext. Ich reise dann mit meiner Vorstellungskraft und finde heraus, welches Land, welche Stadt, welcher Kontinent oder gar welche Welt wohl damit verbunden ist.

    Da es sich bei mir in der Regel um das handelt, was man wohl als „klassische“ Fantasy bezeichnen mag, habe ich dann die Chance, komplett bei null anzufangen. Das bedeutet nicht, einen endlosen Prolog mit der Schöpfung der Welt zu schreiben, für mich beinhaltet es, eine Historie zu schaffen. Eine glaubwürdige, in sich stimmige Abfolge von Ereignissen, die zu genau der Welt geführt haben, die sich mir zum Zeitpunkt der Romanhandlung bietet. Meistens ergibt sich das bei mir erst nach einer längeren Zeit, wenn der Schreibprozess so weit vorangeschritten ist, dass ich den Punkt erreiche, an dem ich diese Historie brauche. Dann lege ich in der Regel eine Pause ein, in der ich mir über die Entwicklung klar werde, die verschiedenen Gesellschaften und ihre Strukturen festlege und dies alles dann zu einem Gesamtbild zusammenfüge, aus dem ich dann die für die Handlung benötigten Punkte herausfische.

    Man merkt also, der Weltenbau geht bei mir Hand in Hand mit dem eigentlichen Schreibprozess einher, ist ein Resultat aus dem, was mir der Plot vorgibt und was meine Vorstellungskraft hergibt. Darum ist für mich beides auch nicht voneinander zu trennen, beides greift ineinander wie zwei Zahnräder, die dann zusammen die Handlung antreiben und zu dem führen, was ich als meine Art des Schreibens definieren würde.

    Ich empfinde diesen ganzen Schaffensprozess auch nicht als anstrengend, oder gar ermüdend. Im Gegenteil, gerade die Entwicklung eigener Welten kurbelt meine kreative Energie noch einmal an und lässt mich so manches Mal über meinen eigenen Erfindungsreichtum staunen. Weltenbau für alle? Kür, Pflicht oder doch nur Nonsens? Gehen wir noch einmal weg von den Grenzen, die uns die Genres auferlegen. Was ist mit den Romanen eines Ken Follett, einer Rebecca Gablé? Historisch, weiß doch jeder. Aber waren die beiden im Mittelalter, der Renaissance oder anderen Epochen anwesend? Sind sie Zeitzeugen gewesen? Sicherlich nicht. Sie betreiben eine Mischung aus Recherche und Weltenbau, Tatsachen vermischen sich bei ihnen mit Fiktion. Sie füllen die Lücken, die wir in unserem Wissen über vergangene Epochen haben, mit ihrer eigenen Vorstellung von dem, wie diese Zeiten ausgesehen haben.

    Auch dies ist eine Form von Weltenbau, die Phantasie nimmt den Platz von Tatsachen ein, zu denen wir ja leider keinen Zugang mehr haben. Auch wenn die historische Forschung heute sehr viele Informationen zugänglich macht, gibt es immer noch viele Lücken, insbesondere, je weiter wir in der Geschichte zurückgehen. Darum denke ich, es ist keine zu kühne Behauptung zu sagen, auch Autoren historischer Romane sind Weltenbauer.

    Warum das so ist, habe ich ja bereits ausgeführt, aber in Kurzform würde ich es so sagen: Wenn ich einer Handlung einen stimmigen Schauplatz geben will, benötigt es mehr, als ein paar exotischer Namen und Versatzstücke aus historischen Epochen. Es braucht eine lebendige, dreidimensionale Welt, in der die Figuren glaubhaft agieren und nicht wie Abziehbilder vor einem flachen Brett, auf das man lieblos einige möglichst interessant klingende Details ohne jeden Zusammenhang geklatscht hat. Und all das beinhaltet einfach guten Weltenbau.

    Guter Weltenbau kann also auch die Qualität eines Werkes ausmachen, ist gerade in der klassischen Fantasy nicht nur ein Markenzeichen, sondern eine Grundlage, ohne die kaum ein guter Roman funktionieren würde. Man kann hier einen Schwenk zu einem anderen Medium machen, in dem guter Weltenbau wichtig für das Eintauchen in die Handlung und die Identifikation mit dem eigenen Charakter ist. Ich spreche von Videospielen, genauer, Rollenspielen. Hier klappt die Immersion nur, wenn mir nicht nur ein paar Aufgaben gestellt werden, sondern mir nebenbei auch noch etwas über die Welt vermittelt wird. Ich brauche andere Charaktere, die mir weiterhelfen, mir in die Quere kommen oder einfach nur malerisch in der Gegend herumstehen. Ihre Geschichten müssen mir einen Grund geben, ihnen helfen zu wollen, mich irgendwie auf eine Art berühren, die mir das Gefühl gibt, etwas bewirken zu müssen. Ohne das bewegt man sich durch eine leblose Kulisse, bleibt der unbeteiligte Zuschauer.

    Genau so geht es mir aber auch mit Romanen. Da ist es ziemlich egal, ob es sich um Fantasy, einen Krimi, Historisches oder sogenannte Gegenwartsliteratur handelt. Hier kommen wir wieder bei meiner Behauptung an, jeder Roman würde in gewissem Maße Weltenbau beinhalten. Ein fiktionales Werk wird in niemals die Wirklichkeit eins zu eins abbilden, will es ja in der Regel auch nicht. Statt dessen halten wir der Wirklichkeit einen Spiegel vor, der manchmal etwas unscharf ist oder ein verzerrtes Bild zurück wirft. Damit wird aber auch deutlich, dass es sich nicht mehr um die tatsächliche Wirklichkeit handelt, sondern eine durch das Denken des Autors gefilterte. Meistens passiert das ganz automatisch, manchmal auch absichtlich. Kein Autor kann es sich erlauben, die Realität ohne diesen Filter wiederzugeben, man könnte sich vor Klagen wohl kaum retten. Man beginnt also zu verfremden, hier eine Person, dort eine Stadt, gelegentlich einen ganzen Landstrich. Manchmal ist es den Autoren selbst nicht bewusst, aber in dem Moment, in dem sie die Realität verlassen, sich in Konstrukten ihrer Imagination bewegen, beginnt der Weltenbau.

    Als Kernfrage könnte man formulieren, ob der Weltenbau nun Kür oder Pflicht für Autoren ist. Oder vielleicht doch nur ein lästiges Nebenprodukt der viel wichtigeren Handlungsebene, ein Nonsens, den man auch beiläufig unter den Tisch fallen lassen kann. Vielleicht lässt sich das gar nicht pauschal beantworten, aber ich würde zumindest behaupten, als Autor phantastischer Literatur kommt man kaum daran vorbei.

    Im Fazit möchte ich also festhalten: der Weltenbau muss raus aus der Kuriositätenecke, in die er durch lange Jahre des Schubladendenkens gerutscht ist. Als Autorin sage ich „Ja“ zum Weltenbau, begreife ihn als eine Erweiterung meiner Möglichkeiten, als weitere Grundlage meiner schreiberischen Tätigkeit. Hierbei spielt es auch keine Rolle, in welchem Genre ich mich bewege, so wie dies auch für andere schriftstellerische Grundlage irrelevant ist. Niemand würde die Heldenreise nur auf die Phantastik beschränken wollen, also lasst uns dies auch nicht mit dem Weltenbau tun.

    Wir sind Autoren, wir sind Schöpfer, Weltenbauer.

     


     1553-a493b681-largeMonica Höfkes, Jahrgang 1973, liebt Phantastik in all ihren Ausprägungen. Sie liest sich zwar quer durch alle Genre, bewegt sich aber als Autorin bevorzugt in den Gefilden der Fantasy, besonders in der epischen Variante. Veröffentlich hat sie bis heute nichts, was zu einem nicht geringen Teil an ihrem Hang zum Überarbeiten liegt – und am ausufernden Weltenbau, dem sie sich mit Hingabe widmet. Sie ist ein Gründungsmitglied des Tintenzirkels, einer Internetcommunity für Fantasyautoren und bastelt auch immer wieder an eigenen Webseiten, die momentan aber zugunsten des Schreibens brach liegen.

    Weiterführende LinksTintenzirkel

    Dieser Gastartikel erscheint im Rahmen der „Wir schreiben“-Essaysammlung. Weitere Artikel zu diesem Thema können hier aufgerufen werden.

  8. 15. Januar 2016 | Veröffentlicht unter Bücher, Bücher schreiben.

    Gastbeitrag: Stiefkind Fantasy

    Von

    Gastbeitrag von Wolf Awert

    Viele Leser können mit Phantastik wenig anfangen. Das gilt neben der Fantasy im engeren Sinn auch für deren Verwandte Science Fiction oder Mystik, zwischen denen die Grenzen nicht immer scharf gezogen werden können. Fantasy ist ein Nischenthema im Genrepark und wird neben Platzhirschen wie Thrillern, Kriminalgeschichten, Romanzen oder historischen Romanen, in denen von allem etwas zu finden ist, nur von einer kleinen Gruppe von Enthusiasten beachtet. Und mit wirklicher Literatur hat sie überhaupt nichts zu tun. Sagt man. Und darüber könnte man durchaus streiten.

    Unbestritten dürfte aber der fragwürdige Ruf sein, der es in die Nähe von Märchen oder Kinderbüchern versetzt, was einem so guten Kinderbuchautor wie Michael Ende die Anerkennung seiner Zunft bis zum Ende verwehrt hat. Der normale Leser kennt vielleicht den Herrn der Ringe, Harry Potter und Star Wars. Und diese Werke wahrscheinlich mehr durch Film und Fernsehen als durch die Bücher selbst. Wie sollte es auch anders sein, wenn alle Geschichten in Welten spielen, die es nie gegeben hat, nicht gibt und auch nie geben wird.

    Eskapismus lautet der eilig hingeworfene Vorwurf, den man immer wieder hört. Ein typischer Fantasyleser verweigert sich der Realität und flüchtet sich in eine Welt seiner Kindheit, wo es warm, gemütlich und ein klein wenig gruselig ist. Und als Zugabe gibt es je nach Geschmack noch ein paar Drachen oder Elfen hinzu. Wie wundervoll. Wo und unter welchen Umständen diese unsinnige Meinung einmal entstanden ist, lässt sich nur schwer recherchieren und ist die Aufgabe für einen Literaturwissenschaftler. Aber vielleicht ist es interessant, sich mit einigen der stillschweigenden Voraussetzungen auseinanderzusetzen, die sich hinter dem Vorwurf des Eskapismus verbergen:

    1. Ein Leser von Fantasyromanen ist ein Eskapist.
    2. Eskapismus ist verwerflich, denn schließlich geht es ja darum, das Leben zu bewältigen und nicht, vor ihm davonzulaufen.
    3. Es gibt keine Drachen, Elfen, Kobolde, Dämonen, Vampire, Gestaltwandler und auch keine … Hier bitte ich den Leser einfach das einzusetzen, was ihm gerade dazu einfällt.

    Ob der Vorwurf des Eskapismus auf Fantasyleser in größerem Maße zutrifft als auf andere Leser, kann ich nicht beantworten. Aber ist es nicht das Anliegen eines jeden Autors, die Leser in seine Welt zu ziehen und sie zu der ihren zu machen? Und das muss er auch, denn die oft beschworene Realität ist manchmal so unwahrscheinlich, dass sie, wenn ein Autor sie für sich reklamierte, als abstrus oder unmöglich abgestempelt würde. Ein Autor weiß das und deshalb lässt er sich zwar von der Wirklichkeit inspirieren, aber ersetzt sie dann durch eine andere höchst eigene Geschichte. Die Frage ist daher nicht mehr, ob ein Fantasyleser ein Eskapist ist, sondern ob er ein größerer Eskapist ist als jemand der Kriminalromane oder Liebesgeschichten bevorzugt.

    In jedem Vorwurf steckt die Mahnung doch besser etwas zu tun oder zu unterlassen. Für mich ist es eine Frage des Standpunkts, ob Fantasy hilft, dem Leben zu entkommen oder zu ihm zurückzufinden, und das hat sehr viel damit zu tun, wie ich das Leben wahrnehme. Wenn ich vor ihm davonlaufe, indem ich eine Aufgabe nach der anderen übernehme, die mich daran hindert, über die wirklich wichtigen Dinge im Leben nachzudenken, wenn ich mich also vom Leben jagen lasse, dann kann Fantasy mich zu den Dingen zurückbringen, die wirklich zählen. Wenn ich mich hingegen nirgendwo glücklicher fühle als inmitten der Aufgaben, die ich bewältigen möchte, dann sollte ich mich durch Fantasy nicht davon ablenken lassen.

    Ich denke, der entscheidende Gedanke könnte sein, ob ich mein Leben führe und gestalte oder ob mein Leben mich führt, mich treibt und ich nur noch reagieren kann, um nicht unterzugehen. Fantasyliteratur hat diesbezüglich einen großen Vorteil. In ihren oft an das Mittelalter angelehnte Welten hat grundsätzlich alles seine Bedeutung. Es geht um Dinge, die in der zivilisierten Welt verloren gegangen sind. Wie sehr die Verfügbarkeit von Nahrung unser Leben bestimmt. Was es bedeutet, längere Reisen langsam, zu Fuß, zu Pferd oder auf einem Wagen zu machen, der von einem Ochsen gezogen wird. Wir können es unter Umständen in der dritten Welt studieren, aber nur ganz wenige Berufsgruppen haben noch die Möglichkeit ein Gefühl dafür zu entwickeln.

    Über einen chinesischen Weisen sagte man einmal: Wenn er stand, dann stand er, wenn er saß, dann saß er und wenn er ging, dann ging er. Er tat alles so vollständig und mit seinem gesamten Bewusstsein, dass man es ihm ansah. Vom Multitasking weiß man heute, dass jeder es können sollte und auch dass es eine höchst ineffiziente Art zu arbeiten ist, weil der Verstand stets an der Oberfläche bleibt. In einer Fantasywelt kann eine Figur, die ihre Welt nicht versteht, nicht bestehen. Unserer Welt muss man nicht verstehen. Es gibt es andere, die sich um einen kümmern. Organisationen, Menschen, Dinge und Geräte. Wir sind umgeben von Krücken. Das ist bequem, angenehm, aber auch gefährlich. Und deshalb ist es eine schöne Aufgabe, unserer Welt auch einmal eine andere gegenüberzustellen.

    Eine Fantasywelt ist eine reiche Welt und vor allem ist sie langsam. Sie ist. Sie rast nicht. Und deshalb hat Fantasy eine besondere Sprache und eine etwas andere Art, die Welt wahrzunehmen und zu bewerten: Ein gewachsener Boden ist etwas anderes als ein Erdaushub. Ein Feuer ist, wie jeder Feuerwehrmann weiß, eine Urgewalt und nicht einfach das Ergebnis eines Verbrennungsprozesses. Sturm ist mehr als starker Wind und Wasser ist Nahrung und Fluch zugleich. Diese Eigenschaften verliert das Wasser, wenn es bewirtschaftet wird, obwohl es genau sie es einmal waren, die zur Bewirtschaftung geführt haben. Die Sprache, mit der das Wasser nun behandelt wird, ist nicht mehr die Sprache der Elemente, sondern die von Wirtschaft und Verwaltung. Konkretes wird ersetzt durch etwas Abstraktes.

    Und was ist mit den Drachen und Elfen und all jenen, die in ihrem Gefolge daherkommen?

    Wenn es Einigkeit darüber gäbe, was ein Drache ist, ließe sich ein Teil der Frage schnell beantworten. Frühe Bilder dieser mystischen Wesen ähneln Alligator und Waran, die es auch heute noch gibt, oder Sauriern in der Luft, zu Wasser und zu Land.

    In der chinesischen Literatur ist auch die Schlangenform üblich. Mancher meint auch, dass Drachen Elementarwesen sind, was voraussetzt, dass es auch jenseits von Mensch, Tier und Pflanze Lebewesen gibt. Das ist ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke. Ich persönlich mag die Idee, dass Drachen Symbole des Chaos sind. Aber gleichgültig, welches Bild man wählt, wir tragen das Bild des Drachen in uns, fürchten diese Wesen und bewundern sie gleichzeitig. Und tief in unserem Innern erschauern wir vor so viel Urkraft. Viele von uns. Nicht alle.

    Was Elfen angeht, habe ich meine persönliche Entscheidung getroffen. Ich muss nicht darüber spekulieren, ob es sie gibt. Es gibt sie, denn ich habe sie mehrfach gesehen und jeder, der ihnen begegnen möchte, kann das ebenfalls tun. Dazu empfehle ich einen Spaziergang an einem sonnigen Frühlingsmorgen mit einem entsprechenden Frühlingswind. Der Weg sollte über sehr trockenen Boden führen, vielleicht sogar Sand, und von Büschen und Birken alleeartig eingerahmt sein. Wenn man dann unterwegs kurz verweilt und durch die Birkenblätter hindurch dem Spiel des Lichts zuschaut, dann braucht es nicht lange und man sieht die Elfen über sich tanzen.

    Selbstverständlich kann ich das, was da geschieht, auch ohne Elfen erklären. Die Lichtphänomene gehen auf eine partikelarme, trockene, weil kalte Luft zurück, wie sie in einer klimatisch typischen Übergangszeit zwischen Polar- und Tropikluft vorkommen kann. Und Betula pendula – wenn das Wort Birke nicht beeindruckend genug klingt – bewegt sich gern und rasch im Wind. Es geht auch mit der Zitterpappel. Und ich kann auch etwas über aufsteigende Assoziationen in menschlichen Gehirn erzählen, denn es geht nicht um die Dinge, die in der Natur geschehen – die brauche uns nicht als Zuschauer und können das allein – sondern nur um das, was in unseren Köpfen passiert.

    Wie ich meine Sichtweise der Welt wähle, kann ich selbst entscheiden. Für jeden Anlass und in fast jeder Situation. Zu einem Spaziergang passen die Elfen besser als die Sprachprodukte der Wissenschaft. Und das gilt auch für einen Kuss. Wahnsinn, was da chemisch und hormonell alles in einem Menschen abläuft und ganz bestimmt wert, dass man sich damit beschäftigt. Aber frisch Verliebten fällt zwar nicht ein, Elfen um sich tanzen zu sehen, aber dafür sind sie sich sicher, dass das beste Bild für ihre Gefühl lauter Schmetterlinge sind, die in ihrem Bauch herumflattern.

    Ich möchte keine der vielen möglichen Sichtweisen missen. Man kann mit ihnen die unterschiedlichsten Dinge anstellen. Eskapismus kann dazu gehören, muss aber nicht.

    Ein letzter Gedanke soll der anderen Welt gewidmet sein. Das ist die Welt jenseits unserer Wahrnehmung, die wir allein mit unserer Fantasie füllen können.

    Für die Welt nach dem Tod bieten die Religionen ihre Geschichten an. Sie reichen von einem großen Nichts, über Wiedergeburt bis zu einem Paradies. Oft ist der Übergang mit einer Prüfung, einem Widerstand oder einem Portal verbunden. So glauben die Inuit, dass der Sterbende erst unter einem großen Fell hindurchrutschen muss.

    Aber eine andere Welt gibt es auch für Lebende und ist gefüllt mit den seltsamsten Lebewesen. Wichtel, Feen, Elben, die mal als zarte Elfen, mal als kräftige Zwerge daherkommen, als Djschin oder Dämon den Menschen bedrohen, oder einfach nur für Wunder oder Andersartigkeit stehen. Dass die Idee einer anderen Welt ganz und gar nicht weit hergeholt ist, macht ein einfacher Gedanke klar.

    Die menschliche Wahrnehmung kann mit ihren Sinnesorganen nur einen winzigen Ausschnitt von der Welt erfassen. Das sichtbare Licht liegt zwischen nicht ganz 300 und 800 Nanometer. Ultraviolettes Licht und Infrarot ist dem Menschen nicht mehr zugängig. Von Röntgenstrahlen und Radiowellen einmal ganz zu schweigen. Das erklärt auch den oft emotionalen Umgang mit der Radioaktivität, denn man fürchtet nicht, was man nicht wahrnimmt. Oder genau umgekehrt. Man fürchtet es, weil man weiß, dass es da ist, es aber erst an seinen Folgen spürt, wenn es zu spät ist. Gravitations- und Dichteunterschiede nimmt der Mensch auch nicht so recht wahr, aber da sind die Auswirkungen harmloser.

    Wir hören zwischen 20 und 20000 Hertz, worüber eine Fledermaus nur lachen kann, erkennen eine Vielzahl von Düften, brauchen dafür allerdings hohe Stoffkonzentrationen. Da ist uns jeder Hund oder Schwarzbär gewaltig überlegen, von Spezialisten wie Schmetterlingen einmal ganz abgesehen, die sich für die Paarung auf einen einzigen Lockstoff spezialisiert haben. Kurzum: Was wir wahrnehmen, ist ein verschwindend geringer Teil der Welt, in der wir leben.

    Die wirkliche Welt kennen wir also nicht. Da hilft es auch nicht, dass wir gelernt haben, unsere Wahrnehmung mit Messgeräten zu erweitern. Wir leben nicht in der Wirklichkeit, sondern schaffen uns ein Modell unserer Welt. Ist dieses Modell gut, können wir reibungsarm in unserer Welt leben. Ist es schlecht, bezeichnen wir die auftretenden Probleme als Wahnvorstellungen. Aber niemand kann bestreiten, dass es eine Welt außerhalb von Menschen gibt, zu der wir keinen Zugang haben, deren Existenz aber durchaus Folgen für uns hat.

    Die Antworten der Religionen befriedigen nur die Gläubigen, nicht unbedingt die Suchenden. Deshalb muss man auch nicht unbedingt einen Roman über Gespenster, Höllenfürsten oder Dämonen schreiben oder lesen. Aber eine spirituelle Leere will gefüllt werden. Vor allem dann, wenn man das Gefühl hat, dass Schwierigkeiten im wirklichen Leben etwas damit zu tun hat, dass man die Welt nicht richtig versteht. Ein solches Bemühen sollte man daher nicht voreilig als Eskapismus abtun.

    Darauf, dass man fiktive Welten auch ausgezeichnet als Hintergrund benutzen kann, um grundsätzliche menschliche Fragen zu behandeln, möchte ich hier nur am Rande hinweisen. Am Ende geht es bei einem Fantasyroman gar nicht um die Bewertung eines Genres, denn ein Genre ist immer eine höchst subjektive Vorliebe. Es geht einzig darum, ob ein Buch gut oder weniger gut geschrieben ist. Wie immer und überall in der Literatur.


     

    WolfAwertAb wann Wolf Awert anfing, Geschichten zu schreiben, ist nicht überliefert. Erfunden und erzählt hat er sie ab dem Zeitpunkt, an dem seine Erinnerung einsetzte. Später studierte er Geographie, Biologie, Geologie, Bodenkunde, Meterologie und Ethnologie und arbeitete danach als Umweltwissenschaftler an der Universität. Er schrieb wissenschaftliche Publikationen, Sachbücher und Lehrbücher, erfand Denkwerkzeuge und baute ein System für ein Ideenmanagement auf. Seine Berufstätigkeit führte ihn in viele Teile der Welt, wo er mehr als nur Konferenzsäle besuchte. In China bekam er 1980 zum ersten Mal Kontakt mit dem Qi Gong und Tai Chi Quan, das er heute ehrenamtlich lehrt. Heute führt Wolf Awert das geruhsame Leben eines Pensionär in der Eifel und schreibt nur noch Belletristik.
    Weiterführende Links: Facebook | Autorenwebsite

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  9. 7. Januar 2016 | Veröffentlicht unter Serien, Serienvorstellungen.

    The Shannara Chronicles – taugt’s?

    Von

    1977 erschien aus der Feder des amerikanischen Rechtsanwaltes Terry Brooks der erste Band des Shannara-Zyklus und avancierte bald zum Liebling diverser junger Erwachsener, die nach neuem Fantasystoff gierten. Nun, ein paar Jahrzehnte später, werden die Shannara Chroniken auf den Fernsehbildschirm gebracht. Ob MTV den doch dezent vorhandenen Staub von den Büchern pusten und dem Stoff zu neuem Glanz verhelfen kann? Gestern, nur einen Tag nach US-Erstausstrahlung, brachte Amazon Prime die Serie auch nach Deutschland, wo die zehn Episoden der ersten Staffel wöchentlich ausgestrahlt werden. Wer sich den Doppelauftakt angetan hat? Na, ich zum Beispiel. Und das hier ist mein erster Eindruck.

    Vorab: Es ist für Teenager und junge Erwachsene, somit gehöre ich nicht mehr zur Zielgruppe. Das allein kann ich jedoch nicht als Bewertungsmaßstab heranziehen, da ich finde, dass auch jugendliche Serien eine Daseinsberechtigung haben und dieser Umstand nicht per se ein schlechter ist. Zudem hat mich The 100 eines gelehrt: Es kann im Laufe der Zeit auch erwachsen werden. Ich persönlich sehe durchaus Potential.


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    Längst vergangene Kriege samt Massenvernichtungswaffen haben die Technologien vernichtet, die Menschenvölker dezimiert und die Überlebenden zu großen Teilen transformiert: Zu Elfen, Gnomen oder Zwergen. Dies liegt längst im Reich der Legenden ebenso wie die Dämonenkriege, die die Elfen schließlich für sich behaupten konnten. Der Ellcrys-Baum bannt seitdem die Dämonen, schützt das Elfenvolk vor deren Wiederkehr. Bis heute.

    Wir lernen die Elfenprinzessin Amberle Elessedil kennen, die entgegen aller geschlechtlicher Normen an einem Wettkampf teilnimmt, an dessen Ende sieben Hüter stehen werden, den Ellcrys-Baum zu schützen. Es gelingt ihr, als eine der sieben hervor zu gehen, doch wird sie fortan von Visionen geplagt, die den Tod eines guten Freundes durch ihre Hand und viel Blut und Schmerz beinhalten. Gleichzeitig erwacht der letzte Druide Allanon aus einem dreißigjährigen Druidenschlummer. Zum Glück, denn der Ellcrys schwächelt, erkrankt an einer mysteriösen Seuche, die durch den Druiden hoffentlich im Zaum gehalten werden kann – und durch die Hüter, die den Baumsamen an das mysteriöse Blutfeuer bringen sollen. Denn mit jedem Blatt, das fällt, erhebt sich ein Dämon aus den Tiefen der Erde. Zusammen mit Wil, einem Halbelfen mit sich als gleichsam nebulös wie gewichtig herausstellender Herkunft und der zwielichtigen Eretria, die einem Dasein als Leibeigene ausweichen will, kristallisiert sich eine kleine Gruppe mehr oder minder unerschrockener Recken heraus, die dem drohenden Unheil die Stirn bieten.

    Schnell wird deutlich, dass sich die Serie von der Buchvorlage abgrenzt und beispielsweise schneller Figuren einfügt und durch bestimmte Details ergänzt. Gleich zu Beginn erhält man „starke Frauenfiguren“, die, wäre nicht Manu Bennett als Druide Allanon zur Stelle, den männlichen Charakteren mit Leichtigkeit den Rang ablaufen würden. Gleichzeitig erstrahlt das Bild in glanzvollster High Fantasy-Optik. Satte Wälder, baumdurchwachsene Elfenstädte, durch die bis auf die Zehenspitzen durchgestylte Elfen spazieren, deren Kleider und Make-Up wie eine Mischung aus Panem und Jupiter Ascending anmuten und somit für mich zu viel des Guten sind. Es wirkt zu sauber, zu sehr auf Glamour getrimmt, was an sich jedoch vermutlich gut zum Genre passt. Gerade dadurch wirkt manche Stelle umso härter: Bis zur Unkenntlichkeit zerstörte Gesichter, zerfetzte Leiber und zumindest ein Paar nackter Frauenbrüste. Zudem überlebt nicht jeder Charakter die ersten beiden Episoden. Dieser Kontrast ist nett und macht die Szenerie einen Hauch realistischer.

    Für eine Serie des nicht gerade riesigen Spartensenders MTV ist die Optik gut geraten, die Effekte nur an mancher Stelle störend und die Maske nur selten auffallend unecht. Wunderschön sind die sterbenden Blätter, die vom Baum herab segeln, schön finster und orkenhaft der Dämon, dessen Nasenpiercings ungeahnte Dimensionen erreichen. Hübsch auch die unfreiwillige Assoziation zu den Teenage Mutant Ninja Turtles. Oder musste außer mir noch jemand an die vier Jungs denken? Nein? Ok. Mist.

    The-Shannara-Chronicles

    Leider wird gerade an zwei Punkten viel Potential verschenkt: Der mystische Hauch rund um Dämonen und Magie gilt nur für die Charaktere, für die das alles ins Reich der Legenden gehört. Für den Zuschauer jedoch wird bereits zu Beginn alles überdeutlich präsentiert. Schon bald sehen wir den ersten Dämonen in Gestalt des Dagda Mor und auch die Magie scheint mir in keinster Weise  zweifelhaft. An diesen Stellen wünschte ich mir mehr Mysterium, das einen selbst mit Fragen zurücklässt und nur nebulöse Vorahnungen gibt. Zudem erscheint die Welt klein, fast winzig. Das liegt nicht an den traumhaften Kulissen, die in der Totale wirklich eindrucksvoll in Szene gesetzt werden. Vielmehr ist es der Präsentation und dem Zusammenspiel der Handlungsstränge geschuldet. Zwar startet jeder der Hauptcharaktere an einem anderen Ort, teilweise der Topographie nach weit entfernt, doch scheinen die Reisen der Figuren innerhalb von Minuten bis Stunden erledigt zu sein. Das schafft leider den Eindruck einer, sagen wir mal, „platzsparenden“Welt.

    Vielversprechend sind die Charaktere. Deutlich sind hier Schemata der Heldenreise zu erkennen und noch wirken sie recht eindimensional, doch stehen wir auch erst am Anfang, die Personen werden unter Berücksichtigung ihrer Herkunft lediglich vorgestellt. Das Potential sehe ich in jedem von ihnen, auch in den Nebencharakteren, die bislang noch sehr kurz gekommen sind. Definitiv sind sie durchweg sympathisch und insbesondere in Eretria setze ich große Hoffnungen, was graue Charaktere betrifft.

    Insgesamt zeigt sich der Auftakt als sehr teen-orientiert, was an sich nichts Schlechtes ist. Gerade in dieser Zielgruppe wird es seine Anhänger finden und das mit Recht. Es ist klassisches High Fantasy, gewürzt mit ein bisschen Gore, netten Effekten und unterhaltsamen, wenn auch sehr seichten Plot. Ich habe das Einschalten definitiv nicht bereut und ich bin sehr gespannt darauf, was die nächsten Episoden bringen werden. Potential genug ist da.

    Trailer

    Chronicles of Shannara Fazit


  10. 13. November 2015 | Veröffentlicht unter Messen&Conventions, RC '15, RingCon.

    Das war: Die RingCon 2015

    Von

    Die RingCon des vergangenen Wochenendes soll die letzte sein und so wurde es auch zu einer Abschiedsfeier, deren Stimmung meinem Gefühl nach gedrückter war als in den Jahren zuvor. Elben, Zwerge, einige Schottenröcke Dank dem Schwerpunkt auf die neue Serie „Outlander“ (Mit dabei: Sam Heughan, Graham McTavish, Gary Lewis und Duncan Lacroix, sowohl die Autorin Diana Gabaldon) – nicht, dass die Besucher weniger Enthusiasmus zeigten. Nein, die Stimmung schlug sich viel mehr in den Gesprächen nieder.

    Frei nach Susanne, 24: „Meine dritte RingCon und jetzt ahbe ich gehört, dass sie schon die letzte sein soll? Sie hat doch noch gar nicht richtig angefangen! Sehr schade, ich hatte mich auf viele weitere Jahre mit ihr gefreut!“

    Nichtsdestotrotz wurde auch in diesem Jahr viel geboten. Logisch. Man ist schließlich nicht dort, um gelangweilt Tee zu trinken, sondern um die Gemeinschaft und die Gaststars zu genießen, die sich hier die Klinke in die Hand drücken! Game of Thrones (Finn Jones, Gemma Whelan, Ian Beattie, Carice van Houten, Amrita Acharia und Jack Gleeson) war ebenso Teil des Programms wie Harry Potter (Harry Melling und Jessie Cave) oder Buffy (Sarah Hagan). Jedes dieser Panel war auf seine eigene Art unterhaltsam, informativ oder einfach nur schön. Es wurde viel gesungen, ziemlich viel gescherzt und sicherlich schlug das ein oder andere Fanherz höher.

    Was die Organisation angeht bin ich allerdings zwiegespalten; die Kommunikation schien mitunter nicht allzu gut zu funktionieren, die Besucher ein ums andere Mal im Unklaren gelassen, was es mit Stargast XY auf sich hat und wer nun im folgenden Panel auftreten wird. Kleine Fehlerchen im ansonsten sehr erholsamen Ganzen.

     


  11. 14. Juli 2015 | Veröffentlicht unter Serien, Webseries.

    Webseries: Riftworld Chronicles – Staffel 1

    Von

    Vor einigen Monaten konnte man einen Low Budget-Kurzfilm bewundern, in dem der Magier Alar von Caer Caladh (Tahmoh Penikett; BSG, Dollhouse) aus einer anderen Dimension in unsere Welt stolpert und das Leben der Journalistin Kim (Erin Karpluk; Being Erica) dezent auf den Kopf stellt. Sie wähnt ihn als armen Rollenspielverwirrten, während er einfach nur nach Hause will. Kurz: Ein sehr amüsanter Film!

    Nun wurde die Webserie finanziert, Dank Kickstarter durch die Postproduktion gejagt und auf Youtube veröffentlicht. Die erste Staffel umfasst 8 Episoden mit im Schnitt je 5 Minuten Länge. Sie basiert auf dem Film (den man vor der Serie nicht gesehen haben muss, tatsächlich greift die Serie auf einige Elemente zurück und wiederholt auch in leicht veränderter Form die Kennenlernstory) und stellt auch auf sehr possierliche Weise die krude Beziehung zwischen Alar und Kim in den Fokus, führt die ganze Geschichte jedoch weiter aus. Eingeführt werden diverse Nebencharaktere wie der Nerd Wes und der obligatorische Bösewicht, den Assassinen Khalesh. Denn natürlich geht es nicht nur um Alars Zurechtfinden in der für ihn so fremden Welt – was nicht nur niedliche Szenen beinhaltet, sondern auch einen ziemlich ekligen Irrtum. Nein, natürlich gibt es ein großes Ganzes, eine lauernde Gefahr und auch das alte Amulett aus Kims Erbschaft spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Irgendwie… denn just wo es anfängt, die losen Fäden miteinander zu verknüpfen und innerhalb der Story an Substanz zu gewinnen, endet die Staffel in einem Cliffhanger. Verdammt!

    Sollte sich die erste Staffel als erfolgreich erweisen, steht einer zweiten nichts im Wege und ich hoffe sehr darauf, dass nicht nur eine zweite Webserienstaffel folgt, sondern eine „richtige“ Serie mit mehr Budget und längeren Episoden. Potential dafür hat es auf jeden Fall, denn Cast und Crew machen ihre Sache verdammt gut!

    Folgen könnt ihr dem Projekt bspw. auf Facebook, die Website gibt’s hier und die komplette erste Staffel in dieser Playlist:


  12. 29. Oktober 2014 | Veröffentlicht unter Filme, Filmvorstellungen.

    Guck „The Portal“ jetzt!

    Von

    Alar, ein durch die Dimensionen reisender Magier, verteleportiert sich ins Toronto des 21. Jahrhunderts. Sein Portal zurück funktioniert nicht mehr, die Halblinge sind irgendwie unfreundlich und verdammt nochmal, warum sind seine magischen Fähigkeiten hier gestört? Zum Glück entdeckt er bald eine Einrichtung, die Reisen in andere Welten verspricht. Ein magischer Ort mit sich auf wundersame Weise drehenden Türen, heiligen Artefakten, die das Bildnis eines Menschen fassen können – und Kim, eine holde Maid, die doch dezent verwirrt zu sen scheint.

    10007503_265651786950263_1784707868_nZu Recht, denn dass Alar wie ein verstörter LARPer wirkt, ist obligatorisch und die Szenen, in denen er versucht, mit der Welt, wie wir sie kennen, zurecht zu kommen, sind fantastisch. Die Naivität, die Tahmoh Penikett dabei ausstrahlt, ist ebenso erfrischend wie die sympathische Darstellung der Reisefachangestellten Kims durch Erin Karpluk. Bislang war nur der Trailer bekannt, nun kann man sich nach kurzer Registrierung auch den 11minütigen Kurzfilm ansehen. Er ist zu kurz. Ich möchte eine Serie davon sehen! Zum Glück ist genau diese in Produktion. Stay tuned. Zum Beispiel auf Facebook.

    Hier geht’s zum Film


  13. 9. September 2014 | Veröffentlicht unter Bücher, Buchvorstellungen.

    [Gewinnspiel] „Wild Cards 1: Das Spiel der Spiele“ von u.a. George R.R. Martin

    Von

    Sparte: Superhelden, Fantasy
    Verlag: Penhaligon Verlag
    Autoren:
    Daniel Abraham, George R.R. Martin, Carrie Vaughn u.a.
    Seiten:
    539
    Originalsprache: 
    Englisch
    Direkt beim Verlag bestellen
    Leseprobe

     .

    Inhalt

    Eine alternative Realität: Nach dem zweiten Weltkrieg überrollt ein außerirdischer Virus die Menschheit. Neben dem Tod der meisten Infizierten hat er auch Mutationen zur Folge. Ein geringer Prozentsatz wird zu so genannten Jokern, Menschen, die körperliche Veränderungen erlangen und wieder andere haben „ein Ass gezogen“. Asse haben Superkräfte.

    Seit dem zweiten Weltkrieg ist viel passiert. Während nun im Westen  eine Reality Show a’la „Big Brother meets American Idol“ aufgezogen wird, in der unter den Assen der „American Hero“ gesucht wird, werden im Osten Mordanschläge auf den Kalifen verübt, was Jokerterroristen n die Schuhe geschoben wird.

    Kritik

    Auch wenn sein Name prominenter auf dem Cover erscheint als der Titel – nein, weder ist George R.R. Martin alleiniger Autor, noch handelt es sich hier um seine Biographie. Autoren und Schöpfer sind einige an dieser Serie beteiligt, wobei sich scheinbar jeder für zwei oder drei der Asse und Joker verantwortlich zeigt. Denn genau dort liegen auch die Parallelen zum allseits beliebten Song of Ice and Fire: Es gibt unglaublich viele Personen, einige Perspektivträger und -wechsel. Die machen es zu Beginn recht schwer, in die Handlung einzusteigen, da auch die Handlungsorte gerne wechseln.

    georgemartinHat man sich jedoch erst an die Welt und die verschiedenen Schreibstile gewöhnt, präsentiert sich eine spannende Geschichte, die man nur ungerne weglegen möchte. Man merkt, dass verschiedene, kreative Köpfe ihre Finger im Spiel haben und sich über die Verknüpfungen austauschen, wobei, wie nicht aufgeschnappt habe, tatsächlich Martin die Hauptfäden zieht.

    Vermutlich ist „American Hero“ die einzige Castingshow, die ich mit Spannung verfolgt habe und noch weiter werde. Die Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Assen, der Zwist, die Intrigen und natürlich ihre Fähigkeiten machen bis hierher erstaunlich viel Spaß. Es hat Anleihen von den X-men, nur dass mir vielleicht ein wolverinscher Charakter fehlt. Auch wenn das „menschliche Schlagzeug“ teilweise an ihn herankommen könnte. Generell fehlt mir mancherorts der Biss. Das Arschige, Harte, das ein Kinder- von einem Erwachsenenbuch unterscheiden würde.

    Besonders gefällt mir die Idee an sich. Eine Superhelden-Reality Show, ein Konflikt in Ägypten, Asse und Joker… es ist sehr fantasievoll und interessant. Leider hinkt es meiner Ansicht nach bei der Ausführung. Die Beschreibungen bleiben vage, die Charaktere werden nicht ausreichend skizziert, wobei insbesondere die Autorin Carrie Vaughn, die für den Ann-Erzählstrang verantwortlich ist, positiv heraus sticht. Unter ihrer Federführung erhalten die Charaktere mehr Profil, die Schauplätze sind plastischer. Wenn nur der Charakter Ann nicht so nervig-dümmlich daherkommen würde.

    Insgesamt bin ich unglaublich gespannt, wie es weitergehen wird und wie die unterschiedlichen Autoren auch in Zukunft ihre losen Erzählsträhnen zu einem einzigen Zopf zusammenflechten werden. Mancher Schreibstil ist für mich zu platt, doch gleicht die Storyline an sich es wieder aus.

    Das Gewinnspiel

    wildcards2Einer von euch hat nun die Möglichkeit, einen Band der Wild Cards zu gewinnen. Dafür müsst ihr nur hier, auf Facebook, G+ oder Twitter als Antwort auf diesen Blogbeitrag schreiben, welche Superheldenfähigkeit ihr gerne hättet und ob ihr dann auch bei einem Reality Format wie „American Hero“ mitmachen würdet. Zeit habt ihr bis Donnerstag, 23:59, damit ich das Buch noch vor meinem Urlaub rausschicken kann.

     

    Sonstiges

    Die beiden Bücher wurden mir kostenlos zur Verfügung gestellt, die Bewertung des Buches erfolgte jedoch ganz klar nur nach meiner eigenen Meinung.

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  14. 3. September 2014 | Veröffentlicht unter Comics, Comicvorstellungen.

    [Webcomic] Satan Ninja

    Von

     

    Versetzen wir uns kurz in die 80er. Damals, als Arcade-Automaten noch hochmodern, Pixelgrafik der heißeste Shit und alles irgendwie voll des cheesy Glam war. Damals, als Actionhelden vor Testosteron nur so strotzten, leichtbekleidete Maiden auf ihren Retter warteten und die Bösewichter noch in knappen Strings herum liefen. Das ist das Setting des Webcomics Satan Ninja, in dem der schmächtige Nerd Eddie Dank eines mysteriösen Handschuhs Ninjakräfte erlangt und fortan in blutige Kämpfe verwickelt wird. Nachteil des Handschuhs: Er zieht die Aufmerksamkeit dämonischer Mächte auf sich. Und wenn es nach ihm ginge, hoffentlich auch bald die der Highschool-Schönheit Veronica, die sich für einen Loser wie ihn bisher nicht begeistern konnte. Dafür hat sie gerne Oralsex während der Autofahrt. Mit dem Coolsten der Schule, versteht sich.

    Autor Adam Dravian und Comiczeichnerin Jessica Safron spielen mit so ziemlich jedem Klischee, das die 80er zu bieten haben und lassen auch den ein oder anderen Seitenhieb auf jene Zeit nicht aus. Die Inspiration von Filmen wie Return of the Living Dead, Teen Wolf und The Toxic Avenger merkt man den knatschig bunten Seiten an. Bislang wird gut die Waage zwischen Action und Story gehalten, den Gewaltanteil würde ich als nicht dramatisch einschätzen, empfohlen wird der Comic trotzdem – vielleicht auch wegen des einen zu sehenden Penisses – ab 18.

    Bis jetzt sind 34 Seiten in zwei Kapiteln erschienen, weitere werden noch folgen und (fast) regelmäßig Samstags auf der offiziellen Website veröffentlicht.

    Facebook | Twitter

    satanninja

     


  15. 25. Juli 2014 | Veröffentlicht unter Filme, Trailer.

    Knights of Badassdom

    Von

    LARP-Spaß im Splattergewand mit Schauspielern aus Game of Thrones, True Blood und Firefly. Die Prämisse laut Trailer: B-movieeskes Persiflieren der LARP-Szene , ohne sich selbst dabei zu ernst zu nehmen. Worum geht’s genau? Eine Gruppe von Freunden bricht zu einem LARP, dem „Evermore“,  auf, um den frisch von seiner Freundin verlassenen, deprimierten Joe auf andere Gedanken zu bringen. Mit Hilfe eines auf eBay ersteigerten Zauberbuches schaffen sie es auch tatsächlich – nur auf gänzlich unerwartete Weise: Sie beschwören mit dem Buch aus Versehen einen Dämon, der allerlei blutiges Chaos anrichtet.

    Die Weltpremiere erfuhr er im Herbst letzten Jahres auf dem „Icon„-Festival in Tel-Aviv, Israel; die Kinopremiere folgte im Fruhjahr dieses Jahres nicht ganz auf dem Fuß, woraufhin er als Video on Demand zur Verfügung stand. Die Reaktionen waren gespalten: Die einen attestierten dem Film Schlechtheit gröbsten Ausmaßes, während die anderen ihn ob seines biergeschwängerten Humors lobten. Ein typischer Trash-Spaßfilm also, den man entweder liebt, oder hasst. Oder genauer: Ein Film für mich.

    In Deutschland wird er im Herbst als DVD erhältlich sein. Zuvor jedoch kann man ihn an einem Tag im Kino bewundern. Am 18. August wird er in 59 teilnehmenden Kinos zu sehen sein. Der Vorverkauf ist eröffnet!


  16. 24. April 2014 | Veröffentlicht unter Diverser Geekkram, Dreckiger Rest.

    „Bin ich ein Fantasyfreak?“ Zeitreisen-Guddy antwortet euch!

    Von

    Einst, als die Wiesen noch grün und Zurück in die Zukunft II wirklich noch unantastbar in der Zukunft spielte, ja, da war auch ich mal jung. Schon damals tanzte ich durch das Internet, tummelte mich in Fantasyforen, spielte Online-Rollenspiele und trieb allerlei Unsinn. Daran hat sich nichts geändert – an meiner Rechtschreibung jedoch schon.

    Ich bin gerade auf einen Test gestoßen, den ich 2001, 15jährig, geschrieben hatte. Er ist wenig ernst gemeint, aber vielleicht hilft er euch ja dennoch bei der Frage weiter, ob ihr ein Freak seid. Ich finde es süß, solche prähistorischen Funde zu sehen, die dass/das-Schwäche und die Formulierungen, die damals so legitim geklungen hatten. Aber gut – wer weiß, was ich in 13 Jahren über meinen heutigen Blog sagen werde? Lieber nicht darüber nachdenken! Trotzdem erkenne ich mich natürlich sofort wieder, so sehr hat sich mein Humor leider nicht geändert.

    Zum Test geht es hier entlang

    Habt ihr denn auch solche Fundstücke von euren Internetanfangszeiten? Und wie habt ihr beim Test abgeschnitten? :D


  17. 23. April 2014 | Veröffentlicht unter Bücher, rund um Bücher.

    Welttag des Buches – Blogger schenken Lesefreude

    Von

    [Die Gewinnerin wurde gezogen: Herzlichen Glückwunsch an Sabrina F.!] Den Tag und die damit verbundene Aktion hatte ich total vergessen, sonst würdet ihr hier jetzt keine kleine Flut an Gewinnspielen vorfinden. Wie dem auch sei: Heute ist Welttag des Buches und wie auch im letzten Jahr steht auch dieses die Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ an, bei der die teilnehmenden Blogger ihrer Meinung nach empfehlenswerte Bücher verlosen können.

    Ich habe mich für Der Kuss des Kjer entschieden. Ja, bewusst für einen Roman, der eigentlich weder in mein Beuteschema, noch auf meinen Blog passt. Romantasy? Und dann auch noch so unblutig! Tatsächlich ist dieses Buch von der Autorin Lynn Raven der einzige Romantasy-Roman, den ich bis zum Ende gelesen – nein, verschlungen – habe und den ich empfehlen kann. Besten Gewissens. Gerade weil es mal nicht „typisch Guddy“ ist.

    Was macht dieses Buch lesenswert? Trotz des Romantikanteiles wirkt es nicht besonders kitschig, die Protagonistin ist zwar das schwache, ab und an recht kratzbürstige Mädchen von nebenan, doch nicht auf die unfassbar nervende Weise, die man sonst gerne untergeschoben bekommt. Sie – Lijanas – vom obersten Heerführer des mutmaßlich tierisch-boshaften Volkes der Kjer – Mordan – entführt, knüpft natürlich im Laufe der Entführungszeit zarte Liebesbande zwischen sich und dem ach so boshaften Kjer. Dieses Stockholm-Syndrom ist glücklicherweise plausibel erzählt und kann als wirkliche Verliebtheit, statt psychologische Problematik entlarvt werden. Wenn man gutmütig ist.

    Nebenbei schaukelt sich die Rivalität zwischen Lijanas Volk der Nivard und dem der Kjer durch die Entführung weiter auf, irgendwo im Hintergrund war bereits vor Jahren eine politische Intrige rund um Mordan gesponnen worden und am Ende ist Lijanas nicht mehr die einzige, die sich auf einmal in Gefahr befindet. Eigentlich möchte ich zum Inhalt nicht zu viel sagen und den Roman als solchen nur umreissen: Es ist definitiv unterhaltsame Romantasy mit langsamer Charakterentwicklung und wesentlich mehr Inhalt als „Ich finde dich doof!“ – „Ich finde dich dööfer!“ – „Naja, eigentlich bist du ja schon ganz süß.“ – „Oh, jetzt wo du’s sagst – du auch! Ficken ?“

    Ach, mitmachen könnt ihr, indem ihr einen Kommentar hinterlasst, entweder hier im Blog oder bei den Einträgen bei Facebook und Twitter.  Auch hier könnt ihr bis zum Sonntag, 12:00 teilnehmen :)

     


  18. 17. Februar 2014 | Veröffentlicht unter Bücher, Buchvorstellungen.

    Die Geister des Landes ll: Gesichtslos

    Von

    Sparte: Phantastik
    Verlag: Ammianus-Verlag
    Autorin:
    Judith C. Vogt
    Seiten:
    320
    Originalsprache:
    Deutsch

    Website der Autorin
    Amazonlink

    Inhalt

    Nahtlos fügt sich dieser zweite Teil an den ersten an: Die soeben erst entdeckten Gesichtslosen gilt es, in ihren finsteren Plänen zu stoppen, die allerlei Mythengestalten beinhalten. Von der Eiffel im Gesamten geht es nun vor allen Dingen nach Aachen im Speziellen und die vier Freunde müssen sich gegen Nazi-Werwölfe, dubiose Operationen und die tänzelnde Pest behaupten.


  19. 8. November 2013 | Veröffentlicht unter Real Life.

    Ein Fantasyspiele-Pub in Bonn könnte Wirklichkeit werden

    Von

    Astrid und Kay haben eine Vision, die durch Crowdfunding unterstützt werden will: ein Fantasy-Pub mitten im Herzen von Bonn.“Bonn? Aber das ist mir viel zu weit weg!“ Lies trotzdem weiter, bevor du es nachher noch bereuen wirst!

    Es soll eine Kneipe werden , in der man nicht nur diverse besondere und genretypische Alkoholika wie Rauchbier und Gewürzweine trinken und entsprechende Feste feiern, sondern auch in geselliger, feuchtfröhlicher Runde ein Rollen-, Gesellschafts-, oder Tabletopspiel zocken kann. Ein Ort, an dem man als „alter Hase“ nicht nur unter Seinesgleichen sein darf, sondern auch als „frische Neugierige“ nicht ausgeschlossen wird.

    kkukKurz: es geht um gutes Bier und eine ungezwungene Geekatmosphäre in urigem Ambiente, die ich verdammt nochmal sehen und erleben will! Dabei haben die beiden tief im Genre verwurzelten Initiatoren weit mehr als nur eine fixe „We should buy a bar!“ – Idee. Der Businessplan steht in epischer Breite parat, es wurden bereits einige Kontakte zu diversen Verlagen und Fantasyinstitutionen geknüpft und Elan und Eifer sind spürbar, wenn man sich mit den beiden sympathischen Gestalten unterhält.


  20. 23. Oktober 2013 | Veröffentlicht unter Messen&Conventions, RC '13, RingCon.

    Das war die RingCon 2013

    Von

    Letztes Wochenende stand, wie auch im letzten Jahr, die RingCon in meinem Terminkalender und nur zu gerne bin ich nach Mittelerde gereist, um der Convention beizuwohnen. Pardon: schrieb ich Mittelerde? Natürlich meinte ich Bonn, genauer das Bonner Maritimhotel, in welchem die RingCon traditionellerweise stattgefunden hat. Umgeben von Orks, Elben und allerlei anderem Volk fantastischer Welten fand man sich dort in einem Geekvana wieder, dem man kaum entkommen konnte – oder gar wollte.

    Ob Panels, Vorträge (Ich empfehle, sollte er im nächsten Jahr wieder aufschlagen, Vorträge von Victor Proche, der zumindest seinen Vortrag rund im mittelerdische Kampftechniken sehr kurzweilig und informativ gestaltet hat), Workshops oder auch nur das Beisammensein mit Gleichgesinnten: für nahezu jeden war etwas dabei, das Programm gut und ausfüllend bestückt und das Hotelpersonal auf dem Congelände sehr schnell, sodass man kaum einen Krümel fallen lassen konnte, ohne dass dieser erstaunlicherweise unbemerkt und unaufdringlich(!) wieder fortgeräumt worden war.

    Hier nun meine Eindrücke der diesjährigen RingCon.