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[Website-Tipp] Queerly Represent Me

Mittlerweile gibt es – und hier untertreibe ich nur ganz dezent – Dutzende Videospiele. Also mindestens 100. In diesem Wust Inhalte zu finden, die einen besonders tangieren, kann da unter Umständen schwierig werden – besonders dann, wenn diese Inhalte ohnehin seltener anzutreffen sind als der ordinäre braunhaarige, kernige Videospielheld „Nathan Joel Redfield“. Sei es, dass man nach Videospielen sucht, die die eigene Neigung zu repräsentieren wissen oder man schlichtweg etwas mehr Farbe im Spiel sucht: Die Website „Queerly represent me“ bietet eine mittlerweile über 650 Titel umfassende Database mit Spielen an, die entweder LGBT-Themen oder -Figuren beinhalten.

Die Gründerin der Seite, Alayna Cole, hat die Seite Anfang dieses Jahres aus guten Gründen erstellt. Sie sagt:

There are two key reasons why Queerly Represent Me is an important and valuable resource. Firstly, the database allows members of the queer community to familiarise themselves with and access more texts that represent them. This can act as a supportive gesture to those who are comfortable with their identities, or can assist in the formation of self-identity for those who are questioning their sexuality or gender. Secondly, the site allows those who do not identify as queer to broaden the pool of games that they play or to form new understandings of games that they have already accessed, while developing empathy for the queer community and the issues we face. Additionally, the database is an important resource for those researching queer representation in games academically, journalistically, or for their personal growth.

In der Tat finde ich das eine gute Sache. Sie listet nicht nur AAA-Titel, sondern auch Nischengames auf, die diverse Genres umfassen. Stundenlanges stöbern im Spreadsheet, das die nötigen Fakten knapp zusammenfasst, ist also durchaus drin.

Und da hier gerade wahrscheinlich ophnehin jene landen, die dieses Thema interessiert, möchte ich euch einfach nochmal mein Video ans Herz legen, das ich einst, als ich noch jung war, kreiert habe und einen Rundumschlag über Homosexualität in Videospielen erteilt.

#GiveElsaAGirlfriend

Populäre Animationsfilme haben Liebespaare unterschiedlichster Couleur zu bieten: Meerjungfrau/Mensch, Mensch/Biest, Oger/Mensch, Mensch/Biene – da könnte man fast annehmen, dass es auch gleichgeschlechtliche Paare gibt. Das ist jedoch ziemlich selten der Fall. Grund genug für die Teenagerin Alexis Isabel Moncada, den Hashtag #GiveElsaAGirlfriend ins Leben zu rufen, der für mehr Repräsentation in Sachen LGBT steht. Im Fokus: Elsa aus Disneys Frozen, die noch keinen Love Interest zur Seite gestellt bekommen hat und deren Werdegang in der LGBT-Community häufig symbolisch für das Coming-Out verstanden wird.


Für die kommende Fortsetzung wünscht sich Alexis, dass Elsa statt des obligatorischen Prinzen eine Prinzessin bekommt, damit auch jungen Mädchen und Jungs gezeigt wird, dass es OK ist, sich in jemanden des selben Geschlechts zu verlieben. Mittlerweile unterstützen nicht nur Twitterer, sondern auch beispielsweise Elsas englische Stimme und Musical-Darstellerin Idina Menzel dieses Anliegen.

Ich persönlich finde, dass das an sich eine gute Sache wäre: Eine Disneyprinzessin, die nicht der heterosexuellen Norm entspricht. Allerdings würde ich es an dieser Stelle tatsächlich begrüßen, wenn Elsa unabhängig bliebe und nicht durch die Liebe definiert werden würde – wie fast alle anderen Disneyprinzessinnen vor ihr. Stattdessen könnte man auch wunderbar eine neue Hauptfigur eines neuen Films erschaffen, die etwas mehr Diversität in die Geschichten bringt.

Als Antwort auf Alexis‘ Tweet wurde bald der Hashtag #GiveCaptainAmericaABoyfriend eingeführt, der für einen Mann an Captain Americas Seite plädiert. Denn hey: Schwule oder bisexuelle Superhelden haben auch etwas für sich! Gut. Man könnte nun argumentieren, dass Cap ohnehin eifrig um Bucky bemüht ist und in ihm bereits einen Love Interest gefunden hat, doch bleibt das reine Interpretationssache und somit im Reich der Fan Fictions.

Auch diesen Hashtag finde ich an sich sehr nett, denn Caps Sexualität ist nicht ganz so klar definiert wie die vieler anderer Figuren, die manche Fans – für mich unverständlicherweise -gerne umpolen würden. Bei ihm würde es tatsächlich irgendwie Sinn machen. Allerdings würde ich persönlich einen Hashtag a’la #JustFuckingCreateDiverseCharacters auch super finden. Das Thema an der Wurzel packen und nicht auf bereits Bestehendem abstützen.

So oder so: Ich bin gespannt, ob und wenn ja wie Disney reagieren wird.

 

Das Captain America-Bild im Header ist übrigens nicht ganz so eindeutig, wie es scheint. Zum einen liegt Photoshop sehr nahe, zum anderen ist „solid dick“ auch alter Slang für „straight talk“. Und gerade deswegen steht das Bild sinnbildlich für Teile dieser Debatte.

Homosexualität in Videospielen

Ein kleiner Rundumschlag in den bunten Bereich des Gamings: Den homo- oder bisexuellen Charakteren in Videospielen. Nein, Transgendercharaktere sind für mich ein eigenes Thema, daher habe ich diese außen vor gelassen. Natürlich ist es nicht vollständig – dann wäre das Video keine zehn Minuten, sondern zehn Stunden lang geworden. Gerne dürft ihr natürlich um eure Meinung ergänzen, ich habe versucht, weitesgehend objektiv zu bleiben und in keine allzu ausschweifende Meinungsäußerung bzw. Verurteilung (der Darstellung homosexueller Charaktere in früheren Jahren) zu verfallen.


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Klassisches Märchen – mal andersrum

Vor wenigen Tagen erst habe ich mich gefragt, ob es eigentlich auch homosexuelle Pärchen in Märchen und märchenhaften Geschichten gibt. Immerhin haben wir schon eine dunkelhäutige Disneyprinzessin.

Tatsächlich wurde ich fündig und entdeckte das vor wenigen Wochen veröffentlichte, englische Kinderbuch „The Princes and The Treasure“ des Wirtschaftswissenschaftsprofessoren Jeffrey Miles, das zunächst eine handelsübliche Geschichte zu erzählen scheint. Eine schöne Prinzessin wird von einer garstigen, alten Frau entführt und zwei Prinzen ziehen aus, um sie zu retten, damit einer von ihnen möglicherweise am Ende den „größten Schatz des Landes“ heiraten kann. Dazu kommt es dann auch. Nur anders, als man es gewohnt ist.

Die Idee zu diesem Kinderbuch fand der seit fünf Jahren mit einem Mann verheiratete Miles beim Besuch eines Freizeitparks. Vor einem Schloss sah er eine Show, in der glückliche Märchenpaare miteinander tanzten und sangen. Nach strenger Mann-Frau-Paarung, versteht sich.  „Warum sind dort keine schwulen Prinzen oder lesbische Prinzessinnen? Warum kann der hübsche Prinz keinen anderen hübschen Prinzen heiraten? Warum kann die Maid in Not nicht von einer schönen Prinzessin gerettet werden?“¹ Fragen, die ihn schon seit der Kindheit beschäftigten und die letztlich dazu führten, dass er selber den Stift in die Hand nahm, um eine entsprechende Geschichte zu erschaffen. Ein Nachfolgebilderbuch ist zumindest bereits geschrieben: „The Princes and The Dragon„, in dem die beiden Prinzen eine Regenbogenfamilie gründen und Zwillinge – ein Mädchen und einen Jungen – großziehen.

Ich begrüße es sehr, dass es solche Geschichten gibt, die man einfach unaufgeregt zwischen die anderen Bilderbücher legen kann; die etwas Selbstverständliches haben, ohne gleich trocken aufklärende Ratgeber zu sein.

Beziehen kann man es bislang nur auf englisch beispielsweise über Amazon, wobei man zwischen einer Kindle Edition und der gebundenen Ausgabe wählen kann. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das Buch „König & König“ von Linda de Haan und Stern Nijland, in dem ein König verheiratet werden soll und dafür scharenweise hübsche Prinzessinnen angekarrt werden. Das Glück findet er, wer hätte es gedacht, natürlich nicht in einer von ihnen, sondern in einer anderen Person.

¹ Das komplette (englische) Interview kann man hier bei Advocate.com nachlesen.