1. 6. November 2016 | Veröffentlicht unter Bücher, Bücher schreiben.

    Der Nanit – ein wahnsinniges Wesen.

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    Mancheiner von euch wird bereits dem ein oder anderen von ihm begegnet sein – meist auf Facebook oder einem anderen sozialen Netzwerk, in dem sich die Ergüsse rund um den Nano („HaHA! Im November werde ich 50k Wörter schreiben und ich werde jeden Tag meine Fortschritte posten!“) von jetzt auf gleich schlagartig gemehrt haben. Denn jedes Jahr zur selben Zeit Ende Oktober kriecht er aus seinem Loch: Der Nanit. Dieses possierliche Wesen gehört zur Gattung des Homo Autoricus und zeichnet sich in der Regel durch Augenringe, akute Mordgelüste („Was ist eigentlich das beste Gift, um jemanden möglichst spurlos umbringen zu können? Ich äh – frage für meinen Plot!“) und ein plötzlich erstarktes Mitteilungsbedürfnis aus.

    Doch was passiert mit einem Naniten während des Novembers?

    Der gemeine Nanit verfällt etwa zwischen Mitte Dezember und September, längstens jedoch bis Ende Oktober in eine Winterruhe, aus der er nur ab und an flüchtig mit einem Jaulen des Schreckens („Oh my fucking god! In zehn Monaten – also quasi morgen! – ist schon wieder NaNo! Und ich habe noch gar keinen Plot!!11³²“) erwacht. Kündigt sich der NaNo dann endlich akut an, gecshieht ein Andrang auf die offizielle Website, der diese ad hoc in die Knie zwingt. Der Nanit legt sich fiebrig ein Profil an, sucht, hektisch geworden, nach einem geeigneten Plot für sein Vorhaben und stellt am Ende vor Aufregung fiepend ein Posting online: „Leute! Sorry! Die nächsten Wochen über wird mein soziales Leben nicht existent sein! NaNo startet!“ Ein Singsang geht durch das Internet, eine ewige Litanei, die aus eilig getippten Wörtern, vorfreudigen Schwätzereien und dem Versprechen, den NaNo zu bezwingen, besteht.

    Es ist der 31. Oktober. Einen Moment lang hält die Welt den Atem an. 

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    Phase 1: Euphorie

    tumblr_m9fp59cwza1rynk4uo1_500In der Gemeinschaft ist der Nanit besonders stark. Zwar schreibt er zumeist alleine, doch ist es der Austausch mit seinesgleichen, der ihm Kraft gibt. Das gemeinsame Erleben steht ebenso im Vordergrund wie das Schreiben des Romans.

    tumblr_inline_mjucnjezsd1qz4rgpZu Beginn fließen die Wörter. 1.667 pro Tag? Ha, nichts leichter als das! Vergessen sind die Beschwerden vom letzten Jahr wie die Geburtswehen vor dem zweiten Kind. Das hat die Evolution dem Naniten geschickt eingefädelt, warum sonst sollte  er dem Wahnsinn ein zweites Mal die Stirn bieten wollen? Die ersten Erfolge werden auf Facebook gepostet. Was uns flugs zur zweiten Phase führt:

    Phase 2: Defensive

    giphy-1So selbstbewusst und nanofixiert der Nanit auch auftritt, so schnell genervt ist auch seine Umgebung. NaNo hier, NaNo dort, der Internetnutzer an sich kann nicht allzu viel damit anfangen, dass der Nanit jeden einzelnen Tag ominöse Zahlen samt Textschnipsel postet. Gerne wird das Unverständnis mit kritischem Geschmank wie „Bissl egozentrisch, wa? Kümmer dich mal um hungernde Pizzabrötchen in Bielefeld! oder „Das ist doch sinnlos. Warum im NaNo schreiben, wenn man doch das ganze Jahr hat?“ Oder, noch besser: „50k? Schaffst du doch eh nicht!“

    tumblr_inline_mh3tcgikgw1qmw06nDer Nanit an sich redet sehr gerne über seinen Plot, seine Figuren und seine Fortschritte. Das schöne am November ist schließlich auch, dass man eine Plattform hat, auf der man frei über seine Leidenschaft reden kann. Doch ist es auch eine Phase, in der man sich besonders verletzlich macht. 50k in vier Wochen zu schreiben hat nicht automatisch intellektuell anspruchsvolle Texte zur Folge. Dennoch wagen es manche, diese Rohversionen online zu stellen. Und das ist gut so.

    Phase 3: Enteuphorisierung

    tumblr_lt6me5gzdy1r08o7qDer erste kreative Schub ist vorbei, die ersten und besten Plotideen abgefrühstückt, die Flamme leuchtet nicht mehr ganz so lichterloh. 1.667 Wörter erscheinen plötzlich wie ein unlösbares Unterfangen. Wo sind all die Ideen hin, die man bis vor kurzem noch hatte? Wie soll der Plot weitergehen? Und warum verdammt benehmen sich die Protagonisten so komisch?! 

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    Phase 4: Panik

    giphy-2Etwa Mitte November stellt sich beim Naniten die gefürchtete Krise ein. Man kommt nicht mehr in den Flow, vielleicht ist man sogar ein, zwei oder gar fünf Tage hinterher. Kurz: Man ist in den roten Zahlen.

    Selbstzweifel. Stresspickel. Noch mehr Selbstzweifel. Wahrscheinlich ist der pure Stress der Naniten der Grund dafür, dass der Verkauf von Weihnachtsschokolade in diesem Zeitraum rapide ansteigt.

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    Phase 5: Wahnsinn

    phoebe_stop_the_madnessWörter! Sätze! Kommata! Wörter, fucking Wörter! Wir befinden uns im letzten Drittel des Novembers. Alles, was der Nanit bis dato noch an Restleben übrig hatte, ist auf ein Minimum geschrumpft – und damit ist nicht Freizeit gemeint. Die wurde spätestens am 5. November bereits aufgegeben.

    Die Gehirnaktivität eines handelsüblichen Naniten ist massiv gesunken. Aktive Arreale: Im fiktionalen Bereich. Der Nanit erinnert sich nun besser an die Namen der Katze der Großmutter seiner drölften Nebenfigur als an den Namen seines Lebenspartners. Moment. Wo ist der eigentlich?!

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    Phase 6: Mobilisierung der letzten Kräfte

    tumblr_inline_mhm6ygnsmu1qz4rgpDie letzten Tage sind angebrochen. Sieg oder Niederlage. Nach Nächten ohne Schlaf und ohne soziale Kontakte profitiert nun die Kaffeeindustrie. Wochen vor der studentischen Klausurenphase fühlt sich nun der Nanit wie ein wandelnder Stresspartikel. Das Ende naht. Und der Nanit wird zerissen vom zeitdruck. Plötzlich erscheinen die Facebookpostings auch nicht mehr täglich, sondern in kümmerlicheren Abständen.

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    Phase 7: FINALLY!

    bitch-im-fabulousEs ist der 30. November, 23:59. Der Blick cdes Naniten pendelt panisch zwischen Manuskript und Uhr hin und her. Jedes Wort zählt! „Schreib einfach drölf Mal Käsekuchen!“ Dann klingelt der eigens gestellte Wecker. Mitternacht. Egal ob die 50k geknackt wurden oder nicht, es ist vorbei! Finally over!

    Die letzten Wochen waren nervenaufreibend, ekelhaft, masochistisch, verzweifelnd! Kurzum: Furchtbar! Und doch hat man es geschafft, durchzuhalten, mit welchem End-Wordcount auch immer. Der kleine Orgasmus des Naniten.

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    The End

    3e590020-6494-0133-0c1c-0e34a4cc753dOb man nächstes Jahr wieder beim Nano mitmachen würde, wird man gefragt. Der Nanit denkt an die Zeiten der Entbehrung, an Schreibblockaden, Plotbunnies, Wortzahlenpanik und sagt schließlich:

    „Hell yeah!“


  2. 7. Oktober 2015 | Veröffentlicht unter Bücher, Bücher schreiben.

    (Hobby-)Autoren anwesend?

    Von

    … dann ist vielleicht der Na(tional) No(vel) Wri(ting) Mo(nth), kurz NaNoWriMo, etwas für euch! Bei diesem seit 1999 jährlich stattfindenden Projekt schreiben die Teilnehmer  im November einen Roman. Zumindest 50.000 Wörter, denn das ist das eigentliche Ziel: Innerhalb dieses einen Monats pro Tag im Schnitt 1667 Wörter am Tag zu schaffen.

    Zu gewinnen gibt es nichts. Bis auf die Ehre, versteht sich, und das Gefühl, es geschafft zu haben. Für mich persönlich ist der NaNo eine gute Möglichkeit, mich zu motivieren. Ein lyrischer Arschtritt, der im letzten Jahr hervorragend geklappt hat: Damals habe ich fast 60.000 Wörter geschrieben.

    Die meisten organisieren sich in Foren, manche kämpfen auch alleine oder schließen sich in kleinen Gruppen mit Randomautoren auf der offiziellen Website kurz.

    Ich habe noch keine Ahnung, wie ich das schaffen soll, denn ich habe doch so viel zu tun im November!

    • Studieren
    • Bloggen
    • Endlich wieder mal ein paar Youtubevideos fabrizieren
    • Zeichnen
    • Arbeiten
    • Freunde treffen
    • Feiern gehen
    • Schlafen wäre zugegebenermaßen auch noch ganz nett. Aber das ist optional.

    Immerhin habe ich zumindest die ersten Kapitel des Plots fertig! Die Charaktere stehen, einige Szenen sind bereits verbildlicht in meinem Kopf entstanden und gezeichnet habe ich das Cover auch schon. Ihr seht es oben im Header. Ist es nicht wunderschön?

    Bullshit! Natürlich werde ich keine Romantasy schreiben!* Nein, der richtige Arbeitstitel lautet „Das Flüstern der Verstoßenen“, Hauptfigur ist ein unglücklich magisch Begabter und natürlich werde ich im Bereich Grim&Gritty werkeln. Es wird hässlich, blutig und brutal. Logisch. Mehr verraten werde ich allerdings nicht, da ich noch nicht weiß, ob ich es „geheim“ unter einem Pseudonym veröffentlichen oder wirklich öffentlich damit hausieren gehen werde. Sollte es fertig werden. Irgendwann. Vielleicht. Eventuell.

    Doch ich bin zuversichtlich! Drückt mir die Daumen!

    Und falls ihr auch beim NaNo mitmachen solltet: Erzählt doch mal ein bisschen! Ist es euer erster? In welchem Genre werdet ihr schreiben? Und habt ihr schon fertig geplottet?

    Wie genau man an den NaNo heran geht, bleibt jedem selber überlassen. Viele schwören darauf, in dieser Zeit dem „inneren Lektor“ Urlaub zu geben. Ziel sei es nicht, den perfekten Roman zu verfassen- das ist innerhalb dieser kurzen Spanne ohnehin utopisch – sondern überhaupt zu schreiben und es in Angriff zu nehmen. Überarbeiten kann man später. „Just go with the flow, baby!

    Mein Nano Account ist übrigens der hier. Unglaublich gepflegt.

     

    *Ich hatte Spaß zu „covern“. Ich weiß, ich kann meine Professionalität kaum selber ertragen.  Solltet ihr auch mal probieren!  Ein kitschiges „Damsel in Distress“, musste auch mal sein.

    Horror2

    Sci-Fi2