1. 4. November 2016 | Veröffentlicht unter Comics, Comicvorstellungen.

    Batmans meets Turtles meet Ra’s al Ghul = Comicempfehlung!

    Von

    Genre: Action, Superhelden
    Autor: James Tynion IV
    Ursprungsidee:
    Peter Laird, Kevin Eastman
    Illustratoren:
    Freddie E. Williams II
    Erscheinungsform: 
    140 Seiten, Hard/Softcover, enthält Issues 1-6 (abgeschlossen)
    Verlag: DC Comics / IDW Publishing / Panini
    LinksBestellen | Leseprobe


    Dank eines perfiden Plans des possierlichen Krang landen nicht nur die Turtles, sondern ausgerechnet auch Shredder samt Foot Clan in einer anderen Dimension – und landen punktgenau in Gotham City. Dort mischen sie ein Labor auf und entwenden aus sicher sehr heroischen Gründen einen wichtigen Generator, der in den falschen Händen Grausames anrichten kann. Prompt werden sie vom überlebenden Laborpersonal als Monster und Kumpanen der Foot identifiziert. Logisch, dass sofort Batman gerufen wird, um der Schildkrötenplage Herr zu werden. Dass sich das erste Aufeinandertreffen der Ritter des Rechts ein ganz klein wenig schwierig gestaltet, steht da außer Frage.

     

    Screen_Shot_2015-12-09_at_11.34.24_AM.0Was klingt wie ein wahr gewordener Traum der Kinder der 80er und 90er ist auch tatsächlich und erstaunlich unterhaltsam. Wir finden hier eine stark unterhaltende Mixtur der bekannten Helden vor, die sich auch und vor allem in den dunklen Momenten nicht zu verstecken braucht. Dabei harmonieren Batman mit seinen Kumpanen wie auch Schurken und die Turtles ausgesprochen gut miteinander, die beiden Welten werden gekonnt zu einer verknüpft, was nicht unpassend oder erzwungen wirkt. Unterstützt wird dieser Eindruck von den hübschen Zeichnungen, die sowohl den Charakter der finster dreinblickenden Fledermaus, als auch die Atmosphäre der Turtles-Comics einzufangen vermögen.

    Während sich die ersten Kapitel mit der Spannung zwischen den Turtles und der freundlichen Fledermaus von nebenan beschäftigen, werden die Schurken erst in den darauffolgenden richtig in Szene gesetzt. Dann, wenn die Helden endlich zusammenarbeiten, entfaltet sich das zerstörerische Potential des Feindes. Zusammen mit dem Pinguin, Ra’s al Ghul und allerlei anderem Gezücht Gothams bereitet sich Shredder auf eine kleine Mutagen-Apokalypse vor, die Gotham verschlingen soll…

    batman-teenage-mutant-ninja-turtles-t-rexSowohl zwischen den Zeilen, als auch im direkten Dialog zünden die Gags, die einerseits auf der Metaebene stattfinden und andererseits in den Charakteren begründet liegen, die ebenso gut getroffen sind wie die Optik derer. Wenn Donatello einen leicht philosophisch angehauchten Monolog über seine Heimatstadt hält, horcht das Fanherz auf, wenn Michelangelo sein Videospiel in Trümmern sieht, weint es ein bisschen mit und selbst Alfred und das – zugegebenermaßen sehr gewöhnungsbedürftig anmutende – Batmobil bekommen ihre Momente. Natürlich besonders spaßig wird es, wenn die Recken mit den Gegebenheiten des jeweils anderen konfrontiert werden; Batman etwa genüsslich an einer Pizza knabbert oder Michelangelo durch die Batcave surft.

    Das Crossover an sich wird durch zwei Kämpfe schön verdeutlicht: Während sich Batman gegen die Foots behaupten muss und dabei einen ersten, ehrfurchtsgebietenden Blick auf Shredder werfen kann, mühen sich andernorts die Turtles mit dem Killer Croc ab. Die Kämpfe an sich sind nett anzusehen, gehen jedoch nicht zu sehr ins Detail. Letzteres erfährt im finalen Kampf leider seinen negativen Höhepunkt: Hier wird der Endkampf derart schnell und vergleichsweise lieblos abgehandelt, dass die Masse der eigentlich hochgradig vielversprechenden Bösewichte doch arg verschwendet wird.

    batman-turtlesWir reden hier nicht von den aktuellen Versionen der jeweiligen Helden, aktuelle Ereignisse stehen hier also außen vor. Der Comic funktioniert als zeitloser Einzeltitel und das ist wohl auch gut so. Ich habe die 6 Issues umfassende Geschichte mit Genuss gelesen und hoffe sehr, dass es nicht das letzte gemeinsame Abenteuer dieser edlen Recken bleibt! Batman, wie wär’s mal mit einem kleinen Ausflug nach New York?

    Autor: James Tynion IV | Illustrationen: Freddie E. Williams II | Verlag: DC Comics / IDW Publishing / Panini | Format: 140 Seiten, Hard/Softcover | Bestellen

    turtles-batman-fazit2


  2. 12. April 2016 | Veröffentlicht unter Comics, Comicvorstellungen.

    [Comic] Suiciders

    Von

    Genre: Dystopie
    Autor: Lee Bermejo
    Zeichner: Lee Bermejo
    Erscheinungsform:  164 Seiten,  Softcover
    Enthält: US Suiciders 1-6
    VerlagPanini / Vertigo
    Amazonlink


    Überblick

    Los Angeles, 30 Jahre nach dem verheerenden Beben. Die Stadt der Engel ist gespalten in New Angeles, in dem die Reichen wohnen und Lost Angeles, das die Armen behausen. Eines eint sie: Die Liebe zu den „Suiciders“, den Kämpfern, die in einer Art Gladiatorenkämpfen gegeneinander antreten. Ein blutiger Sport der Massen, der immer tödlich endet. Während die Suicders New Angeles‘ nicht nur mit Rüstungen, sondern auch biologischen Verbesserungen ausgestattet werden, rutschen die Suiciders Lost Angeles‘ in Dreck und Schlamm. Zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch ein und dasselbe Geheimnis bergen. Genau das wird durch die beiden Protagonisten, ihres Zeichens Suicider in ihrem jeweiligen Stadtteil, verkörpert.

    Die Erzählung

    Auf recht kryptische Weise wird der Suicider „Saint“ eingeführt, der die ersten Panels ganz ohne Worte, dafür mit offenbar hoher Religiosität füllt und dabei eine Tiefe erahnen lässt, die im krassen Gegensatz zu dem bald folgenden Kampf steht. Das gespaltene Los Angeles und somit die Welt der Suicider wird gezeigt, ohne sie dabei zu erklären, was sehr angenehm ist. Man muss nicht alle Hintergründe erfahren und das ist auch nicht gewollt.

    Die Erzählweise schwankt von ruhig zu blutig und actiongeladen und fokussiert sich zunächst auf drei Figuren, aus deren Sicht zumeist nur wenige Panels lang erzählt wird, sodass die Perspektive häufig pendelt und einen leicht diffusen, aber sehr interessanten Eindruck hinterlässt.

    Sehr schön werden hier diverse Geheimnisse angedeutet, eine Lüge, die den Saint umgibt und die er unter allen Umständen zu vertuschen versucht – auch wenn dies ein paar Leben kosten wird. Den ganzen Sammelband lang, der die ersten sechs Heftausgaben umfasst, bleibt man weitestgehend im Unklaren darüber, woher der Saint kommt und in welcher Verbindung er mit dem dezent tumb und brachial, aber liebevoll wirkenden Straniero steht, der sich im Schmutze Lost Angeles‘ zum Suicider herankämpft.

    Insgesamt ist es unheimlich interessant und spannend dargestellt, und Dank der Erzählweise und den Sprüngen zwischen den Charakteren auch bis zuletzt sehr geheimnisvoll. Zwischen der Brutalität und dem Dreck offenbaren sich zudem einige sehr zarte Lichtmomente, die den Staub jedoch nicht rosa einfärben. Schade, dass der nächste Band noch ein wenig auf sich warten lässt.

    suiciders 2

     

    Layout und Zeichnungen

    Kantig und mit hohem Schwarzanteil wird die brutale Storyline eindrucksvoll transportiert, wobei selbst die Schattierungen nur in ausgewählten Panels weich wirken. Die Bilder sind klar, zeigen die Brutalität in einem Maße, die für die meisten noch gut annehmbar sein dürfte. Zwar fließt Blut und es platt auch mal ein Kopf, doch ist es selten so erbarmungslos graphisch wie in einem Walking Dead oder Crossed.

    Gedeckte Farben herrschen vor, wobei speziell gewisse Rottöne hervorgehoben werden. Film Noir Marke „very light“. Zwischen den beiden Stadtteilen wird vor allem farblich differenziert: Lost Angeles ist vermehrt in Brauntönen gehalten, die Bilder körniger, sodass ein heißeres, staubigeres Klima als in New Angeles angedeutet wird.

    Letzte Worte

    Suiciders ist einer der Comics, die ich in einem Rutsch durchlesen kann und definitiv unter meinen persönlichen Top 3 meiner letzten Monate angesiedelt ist. Er ist spannend, hochinteressant, die Charaktere wirken vielschichtig und die Geschichte stark ausgereift. Es ist schön brutal, zeigt Muskelmassen, die zwar stark übertrieben sind, jedoch dennoch authentisch wirken und trotz der Action genug Tiefgang.

    saint


  3. 7. März 2016 | Veröffentlicht unter Comics, Comicvorstellungen.

    Batgirl – Die neuen Abenteuer 1

    Von

    Genre: Superhelden / Teenie
    Autor: Cameron Stewart, Brenden Fletcher
    Illustratoren: Cameron Stewart, Babs Tarr, Irene Koh
    Erscheinungsform:  148 Seiten,  Softcover
    Enthält: Batgirl 35-40, Secret Origins 10 (I)
    Verlag: DC Comics / Panini Comics
    Leseprobe | Jetzt bestellen


    Überblick

    Barbara Gordon alias Batgirl ist in Gothams hippen Außenbezirk Burnside gezogen, um dort ein semi-neues Leben zu beginnen. Ein Brand, der ihre Ausrüstung vernichtet, zwingt sie zur Gestaltung eines neuen Kostüms, sie findet nicht nur neue Freunde, sondern scheinbar auch ein brandaktuelles Smartphone und schlägt sich fortan zum Glück nicht mehr mit dem Joker, dafür jedoch mit allerlei Kleinkriminalität herum. Als Batgirl, selbstverständlich, denn so ganz kann man alte Identitäten natürlich nie ablegen. Unterstützung kann sie von ihrer alten Kumpanin Black Canary leider nicht mehr erwarten, deren Freundschaft stark gelitten hat. Wird Batgirl es schaffen, die Freundschaft zu kitten? Welche gar fürchtbaren Schurken werden sich ihr in den Weg stellen? [Spoiler: Einer glitzert. Und nein, es ist kein Vampir.] Und in welch finstre Depressionen würde sie wohl stürzen, wenn ihr Handy verloren ginge?

    Im Zuge des DC’schen Rebootwahns und der unzähligen Umstylings hin zu jugendlicheren, realistischeren Versionen der Superhelden wurde auch Batgirl verändert. Zuvor stand sie unter anderem unter den Fittichen der großartigen Gail Simone, die leider, leider gegangen wurde. In diesem ersten Sammelband, der die ersten sechs Issues des Soft-Reboots und eine Geschichte der Secret Origins enthält, präsentiert sich die „neue“ Batgirl als hippe Stadtgöre, die neben dem Stress mit ihrer Doktorarbeit und Freunden auch mit Möchtegernkillern zu kämpfen hat.

    640


    Die Erzählung

    Angesprochen werden soll offensichtlich primär eine Zielgruppe: (Weibliche) Teenager, die sich mit Barbara und ihren vielfältigen Problemen im realen Leben identifizieren könnten. Ganz knapp gehöre ich nicht mehr zu dieser Zielgruppe, doch kann und will ich dem Comic daraus keinen Strick ziehen.

    Wir starten mit einer latent verkaterten Barbara, die nach einer durchzechten Party auf eine raubende Bande Kleinkrimineller aufmerksam wird und sogleich versucht, die Drahtzieher ausfindig zu machen. Was klingt wie eine etwas heroischere Version der TKKG weitet sich zumindest im Laufe der Zeit zu einem größeren Ganzen aus, das seine Kreise bis in Barbaras Gehirn und ihre Vergangenheit zieht. Wir erinnern uns: Im 1988 erschienenen „The Killing Joke“ von Alan Moore wurde Barbara vom Joker derart schwer verletzt, dass sie viele Comicjahre lang in den Rollstuhl gezwungen wurde und sie zum „Oracle“ machte. Dieses Trauma wurde hier mittlerweile überwunden.

    Dabei sind die Schurken, auf die sie trifft, für meine Begriffe sehr harmlos, handeln weniger intelligent als krude. Ich verstehe kaum, weshalb sie eine große Gefahr darstellen, dafür jedoch umso mehr, weshalb die Polizei Gothams ein Problem mit Batgirls Handeln hat. An mancher Stelle hakt die Erzählung und ist weniger konsequent als man es sich vielleicht erhofft. Insgesamt wirkt Batgirl weichgespült, kaum würdig, als „Superheldin“ betitelt zu werden. „Supergöre“ trifft es da tatsächlich besser. Die zahlreichen Probleme Barbaras sind allerdings plausibel dargestellt; insbesondere ihr Konflikt „Fame vs. heldenhaftes Helfen“ wird sehr schön herausgearbeitet und durch die Medien heutiger Zeit wunderbar unterstrichen.

    Definitiv am gelungensten ist die Dynamik innerhalb der Geschichte und den Charakteren, sowie die erzählerische Vielfalt. Die Erzählung wirkt frisch und auf das Lesepublikum zugeschnitten, lässt kaum Langeweile aufkommen und vertuscht teilweise sogar Plotlöcher, über die man beim ersten Lesen fröhlich hinweg liest. Die letzten beiden Parts des Sammelbandes schließlich entschädigen nochmal über die sehr seichten ersten Abschnitte.

    batgirl-38-panel-2


    Layout und Zeichnungen

    In zwei Worten: Abwechslungsreich und erfrischend.

    Die Farben knallen, die Zeichnungen passen sich dezent der jeweils aktuellen Stimmung an und gerade die Gestaltung der Panels sticht positiv hervor. Sei es die Art, wie Smartphones und mathematische Formeln eingegliedert werden, Barbaras Fähigkeit visualisiert wird, die Dynamik zwischen den Panels oder die Farbgebung: Es wirkt sehr gut durchdacht und ist spaßig anzusehen.

    Letzte Worte

    Mein persönlicher Fall ist das Soft Reboot nicht, da es mir wirklich zu jugendlich und trivial  in Bezug auf die Story ist. Ich denke jedoch, dass gerade – aber nicht ausschließlich – etwas jüngere Zeitgenossen ihren Spaß damit haben können. Optisch ist es hervorragend, inhaltlich hakt es.

    batgirl reboot


  4. 12. Januar 2016 | Veröffentlicht unter Comics, Comicvorstellungen.

    [Comic] The Cape

    Von

    Genre: Horror, Superhelden, Dark Fantasy
    Autor: Jason Ciaramella nach einer KG von Joe Hill
    Illustratoren:
    Zach Howard
    Erscheinungsform: 
    132 Seiten,  Softcover
    Enthält: The Cape #1-4, abgeschlossen
    Leseprobe
    Verlag: IDW/ Panini Comics |  Über den Partnerlink bestellen


    Ein Cape, zusammengesetzt aus einer alten Schmusedecke und dem Marineabzeichen des im Krieg verstorbenen Vaters, ist nicht nur Teil der Superheldenverkleidung des Jungen Eric, sondern viel mehr. Dass es nämlich nicht nur superflauschig ist, sondern dem Träger auch die Fähigkeit zu fliegen verleiht, lernt Eric im denkbar günstigsten Moment: Während des Spielens mit seinem Bruder beim freien Fall von einem Baum. Er fliegt. Zumindest einen Moment lang, dann reisst das Cape und Eric findet seine Bestimmung auf dem Boden der Tatsachen wieder.

    Während Eric im Krankenhaus ruht, sperrt seine Mutter das garstige Cape weg, da es den beiden Söhnen nur Flausen in den Kopf setzt. Fliegen! Man sieht ja, was der ganze Superheldenquatsch alles so anrichtet! Eskapismus wohin man blickt!

    The Cape

    Lange Zeit bleibt das Cape verschwunden – bis es Eric – mittlerweile ein erfolgloser Erwachsener mit just beendeter Beziehung – per Zufall im Keller seiner Mutter wiederfindet. „Ei der Daus“, denkt er sich nun, „Mein Leben ist gar trostlos, niemand nimmt mich ernst und respektiert mich, doch, oha, dieses jenes Cape wird mir den Respekt verschaffen, den ich schon immer verdient hatte! Und noch mehr…“ Dass daraus keine fidele Supermangeschichte entspringt, dürfte nun nicht mehr nur anhand des Autoren ersichtlich sein…

    Der Comic findet seine Vorlage in der gleichnamigen Kurzgeschichte von Joe Hill, welche in seiner Kurzgeschichtensammlung „20th Century Ghosts“ (in der deutschen Übersetzung:“Black Box„) zu lesen ist. Zwar ähneln sich Kurzgeschichte und Comic zu Beginn sehr, nutzen teilweise die selben Formulierungen, doch geht der Comic noch einige Schritte weiter und nimmt die Vorlage nur als Sprungbrett, auf dem Charaktere und Geschichte fußen. Die Kurzgeschichte endet dort, wo der Comic erst anfängt: Bei dem ersten Todesfall.

    Nein, dieser Comic erzählt keine bunte Knautschgeschichte, sondern präsentiert das Bild eines mitnichten nur körperlich gezeichneten Mannes, der in seinen psychischen Problemen nicht nur selber ertrinkt, sondern andere mit sich ins Verderben zieht. Jeglicher Pathos und Heroismus, den man gemeinhin mit einem derart wundersamen Cape verbindet, fehlt hier völlig und wird durch die hämisch grinsende Fratze eines Psychopathen überschattet. Es ist gerade zu Beginn verstörend, wobei es im Laufe der Seiten leicht wahnwitzige Züge annimmt, die mir leicht über die Maße erscheinen – was indes vielleicht auch nicht ganz unpassend für Eric ist. Dennoch gibt es ein, zwei Momente, die mir „zu viel“ sind und die durch ihre bloße Existenz die feinen Grausamkeiten menschlicher Psyche verdrängen und das ganze trivialer erscheinen lassen, als es eigentlich ist.

    Der Protagonist ist ein Arschloch. Leider eines, das man nicht mal mehr aufgrund seines vielleicht doch alles erklärenden Hintergrundes sympathisch finden kann, derart tief steckt er in seiner eigenen, klebrigen Pest. Das Portrait Erics ist gelungen, wenngleich es nicht allzu sehr in die Tiefe geht. Beschrieben wird nicht primär seine Psyche, sondern die Taten. Unangenehm fällt der Blick des Lesers direkt auf den gebrochenen Kiefer der Frau, auf das fransig gewordene Cape, das einst so viel Spaß brachte und nun ein Verkünder des Unheils ist.

    Insgesamt hätte „The Cape“ eine Kürzung gut getan, vielleicht wäre es passender gewesen, die ursprüngliche Kurzgeschichte statt um einige viele, nur um zwei oder drei zusätzliche Szenen zu ergänzen. Das Original ist, was den Schrecken angeht, auf den Punkt, der keiner Ausdehnung bedarf. Dafür jedoch sind die Erläuterung zu Erics Charakter gelungen und recht interessant, gerade unter Zunahme der Beleuchtung anderer Personen, die in der Kurzgeschichte nur am Rande oder gar nicht auftauchen.

    Es ist ein gut zu lesender, in sich abgeschlossener Comic, den man lesen kann, aber nicht muss.Er beschreitet keine gänzlich neuen Pfade, ist auf seine Weise jedoch unterhaltsam. definitiv zu empfehlen, wer gerne über düstere Gestalten und tiefe Abgründe des Menschen liest.

    Cape

     


  5. 4. September 2015 | Veröffentlicht unter Comics, Comicvorstellungen.

    Harley Quinn: Mad Love

    Von

    Genre: Superschurken
    Autoren:
    Paul Dini, Bruce Timm, Kelley Puckett
    Illustrator:
    Bruce Timm, Mike Parobeck
    Erscheinungsform: 
    180 Seiten,  Softcover
    Enthält: Batman Adv.: Mad Love 1, Batman: Harley and Ivy 1-3, Batman Adv.: 12
    Verlag: Panini
    Leseprobe | Für 16,99 bestellen


    Inhalt

    Die für die Animationsserie „Batman: The Animated Series“ Anfang der 90er erschaffene Antagonistin Harley Quinn erhielt ihren Comicauftritt in „Batman Adventure: 12“. Diese Geschichte ist in diesem Sammelband ebenso enthalten wie „Mad Love 1“, das die etwas krude Entstehung der Figur „Harley Quinn“ herausarbeitet und die Miniserie „Harley and Ivy“, in der, wer hätte es bloß gedacht, Harley gemeinsame Sache mit Poison Ivy macht.

    Während die beiden anderen Geschichten eher schmückendes Beiwerk sind, ist es vor allem Mad Love, dem ein besonderer Blick gebührt: Hier wird die junge Psychologin Dr. Harleen Frances Quinzel nicht nur zur allseits bekannten Harley Quinn, sondern man erhält auch einen deutlicheren Blick auf sie als Person.

    Kritik

    Ich hatte es bereits angedeutet: Sowohl „Harley und Ivy“, als auch „Batman Adventure:12“ sind für mich weder Meilensteine, noch sonstwie bedeutend. Harley verkommt hier zum kleinen Mädchen, das eher stört, als der Gangstergemeinde wirklich nützlich zu sein. Natürlich: Dies gehört zu ihr, doch vermisse ich dort jeglichen Tiefgang oder weitere Eindrücke von ihr, die über diese eine Eigenschaft hinweg gehen. Immerhin: In der Miniserie mit Poison Ivy ist ein wenig mehr Humor enthalten und insbesondere ihrer beider Ausflug gen Hollywood ist zumindest einen kleinen Blick wert. Aber sonderlich spannend: Nein, nicht wirklich.

    Dass Harley eher ein Hascherl ist, wird auch in Mad Love deutlich. Frau Dr. Quinzel wird im Arkham Asylum eingestellt, wo die besonders gefährlichen und abstrusen Verbrecher ihr Dasein fristen. Sie nimmt sich dem Joker an – und verfällt wenig später seinem ganz besonderen Charme und seiner Raffinesse. Schnell stellt sie sich ganz auf ihn ein, ihr Herz gebührt nur ihm. An sich genommen ist ihr Verhalten an sich bereits ein interessantes, psychologisches Phänomen. Zuletzt benutzt der Joker sie als eine Art Ausbruchsinstrument und verpflichtet sie hernach als persönliche Assistentin.

    „Hascherl“ ist vielleicht zu böse ausgedrückt, schließlich hat Harley noch immer einen mehr oder minder eigenen Willen. Dennoch ist mir das Lesen dieser Geschichte unangenehm. Ich wünschte mir Harley stärker, in früheren Comics funktioniert sie als Sidekick oder hier nur in Verbindung mit dem Joker. Nicht, dass ich ausschließlich starke Frauen bräuchte – das fände ich reichlich langweilig. Aber… es ist Harley!

    Diese Sammlung früherer Stories rund um Harley beleuchten ihren Charakter auf jeden Fall, ohne ihn zu sezieren. Es ist ein interessanter Einblick, auf den man verzichten kann, aber nicht muss.


  6. 17. Juli 2015 | Veröffentlicht unter Comics, Comicvorstellungen.

    Highway to Hell

    Von


    Genre: Horror
    Autoren:
    Davide Dileo, Victor Gischler
    Illustrator:
    Riccardo Burchielli, Francesco Mattina
    Erscheinungsform: 
    148 Seiten,  Softcover
    Enthält: Highway to Hell 0-4
    Verlag: Panini
    Leseprobe | Für 18,99 bestellen


    Inhalt

    Special Agents Isaac Brew und Jayesh Mirchandani sind einem Serientäter auf den Fersen, der perverse Gorefantasien auszuleben scheint: Abgeschlagene Köpfe, bestialisch entstellte und nahezu künstlerisch drapierte Leichen säumen seinen Weg auf der Route 5. Wer steckt dahinter? Ein Einzeltäter oder vielleicht gar ein ganzer Kult? Schon bald scheinen sie den Täter gefunden zu haben, einen komplett gerüsteten mann, der mit martialischen Waffen aufwartet und rein optisch den Typus „Kranker Serientäter“ perfekt zu verkörpern scheint. Doch es steckt mehr dahinter als nur die Tat eines Menschen. Und der Mann in der Rüstung ist dabei noch das kleinste Problem.

    Kritik

    Gerade im ersten Drittel wird eine Szenerie gewoben, die einen fesselt und aufgrund der Bilder auch graphisch nicht mehr loslässt. Hier werden zwar bereits die grauenvollen Tatorte gezeigt, doch spielt sich das Essentielle in der Fantasie ab: Wer hat die armen Hascherl derart zugerichtet, wer oder was ist zu sowas überhaupt in der Lage? Und warum? Genau wie im Horrorfilm sind es die Momente vor Entdeckung des eigentlichen Monsters, die erschrecken. Zugegeben, diese Momente sind hier nicht nur dezent blutig und erinnern an die drastischen Bilder aus dem Crossed-Universum. Der eher derbe Zeichenstil Burchiellis, der die Passagen des Jetzt visualisiert, harmoniert hervorragend mit der weicheren, realistischeren Federführung Mattinas, der sich für die Flashbacks verantwortlich zeigt. Diese bringen zunächst nur wenig Licht ins Dunkel, akzentuieren vielmehr die Schatten in dem grausamen Spiel.

    Ist erstmal die Identität des „Ritters“ bekannt, das wahre Böse aufgedeckt und mit Namen bedacht, verflüchtigt sich die aufgebaute Spannung und macht einem gegenständlicheren Horror Platz. Hier stehen nun die Monströsitäten im Fokus, deren Jagd und hoffentlich baldige Vernichtung. Dennoch verkommt es zu keiner reinen Monsterjagd – wenngleich zu einem Finale, das man fast nur noch als „Gemetzel“ bezeichnen kann.

    Keiner der eingeführten Charaktere scheint ein Sympathieträger sein zu wollen. Speziell Agent Isaac Brew, der sich rauchend, fluchend und anbandelnd durch die Seiten schlägt, ist keineswegs nicht nur ein „Antiheld“ oder „Bad Cop“, sondern ein Arschloch. Es passt jedoch in die Welt und Geschichte, wirkt nicht besonders aufdringlich oder aufgesetzt, sondern irgendwie natürlich.

    Das alles ist in kontrastreiche, stark rot eingefärbte Bilder gekleidet, die die Geschichte gekonnt transportieren. Künstler und Autoren bilden eine Einheit, die funktioniert und der es Spaß macht, in Form des Comics beizuwohnen.

    Fazit

    Besonders im ersten Drittel gewinnt der Comic enorm an Substanz und ist ein schöner Horrorschmöker für Zwischendurch. Später verkommt er nicht, doch wird generischer, in seiner Erzählweise lapidarer und gleichzeitig gestreckter, inhaltlich weniger kompakt und dadurch leicht verwässert wirkend . Insgesamt macht der Comic Spaß zu lesen, wenn man sich der makaberen Bilder stellen möchte. Nicht umsonst empfiehlt Panini den Comic erst für volljährige Leser.

     

     


  7. 3. Mai 2015 | Veröffentlicht unter Comics, Comicvorstellungen.

    Teenage Mutant Ninja Turtles #6: „Vier Freunde“

    Von


    Genre: Action
    Autoren:
    Erik Burnham, Mike Costa, Barbara Kesel
    Illustratoren:
    Mike Henderson, Marley Zarcone
    Erscheinungsform: 
    108 Seiten,  Softcover
    Enthält: The Micro Series 5-8
    VerlagPanini Comics Leseprobe
    Für 12,99 bestellen


    Inhalt

    Einer alten Tradition folgend stellt die Micro Series von 2012 pro Ausgabe einen Charakter in den Fokus. Nachdem die Ausgaben 1-4 die vier Turtles vorgestellt haben, werden nun in den Ausgaben 5-8, die hier in diesem Band zusammengefasst werden, vier ihrer Verbündeten vorgestellt: Casey Jones, Splinter, April und Fugitoid.

    Während sich Splinter zurück an sein früheres Leben in Japan erinnert, lernen wir aus Casey Jones‚ Sicht über dessen zerrütteten Familienverhältnisse, folgen April in die zwielichtigen Abteilungen des Stockgen Labs und erfahren mehr über die Hintergründe des Androiden Fugitoid. Vier in sich abgeschlossene Geschichtchen, die einen tieferen Einblick in den Kosmos der Ninjaschildkröten gewähren.

    Kritik

    Die vier Geschichten wurden von verschiedenen Autoren und Künstlern realisiert, dennoch schwankt die Qualität in keinster Weise. Natürlich – und auch zum Glück – unterscheiden sich die Zeichenstile jedoch, unterstreichen jeder für sich die Inhalte. Die Vergangenheit Splinters wird in schmutzigen Farben gehalten und es ist auch keine, die allzu viel rosa Zuckerwatte verspricht. Immerhin taucht auch Oroku Saki auf, und wer das ist, muss an dieser Stelle vermutlich nicht erklärt werden. Oder doch: Er ist oder wird Shredder, das sympathische Kerlchen mit den Käsereibenschultern. [Funfact: Die Rüstung war tatsächlich von diesem Küchengerät inspiriert.] Splinter wird hier Raum gegeben, seine väterlichen Eigenschaften werden durch negativere ergänzt, die zu großen Teilen in seiner Jugend verankert sind.

    caseyjonesEin besonderes Schätzchen ist in meinen Augen die zweite Geschichte, dieses Mal aus der Zeichenfeder von Mike Henderson. Hier steht ein junger Casey Jones im Mittelpunkt, dessen familiärer Background alles andere als quietschfidel ist und der sich im wahrsten Sinn des Wortes durchs Leben schlagen muss. Definitiv ist es keine leichte Kost, nichts, bei dem man wirklich „Spaß“ beim Lesen hat. Dafür lässt die Geschichte an sich keinen Raum. Die Alkohol- und Aggressionsprobleme des Vaters, die Krankheit der Mutter, ihre Aussage, Casey möge seinem Vater gegenüber immer den Schwächeren geben, damit dieser sich besser fühle… alles nicht so schön. Schlecht ist sie allerdings keinesfalls, im Gegenteil. Sie ist auf eine sehr graue Weise emotional und hart, lässt dabei allerdings keinen der relevanten  Charaktere wirklich schlecht erscheinen.

    Im Gegensatz dazu sind die kommenden Stories rund um April und Fugitoid nicht nur lustig gezeichnet, sondern auch ebenso gut gelaunt erzählt. Gerade Aprils Part ist in meinen Augen auch nicht besonders gut, sondern belanglos. Im Gegensatz zu den anderen drei Geschichten zeigt diese auch keine wirklich neue oder tiefer gehende Facette Aprils und auch das Setting ist keines, das mich besonders interessiert. Der ehemals menschliche Fugitoid reisst es am Ende des Bandes wieder raus. Das Charakterkonzept alleine ist ein sehr interessantes und wird hier dem Leser hervorragend transportiert.

    Insgesamt gefällt mir dieser Band sehr gut, da er Figuren beleuchtet, die ich ohnehin sehr schätze. Die Welt der Turtles wurde in den letzten Jahren bei IDW wieder einmal ein wenig überarbeitet und durch die Bände erhält man einen sehr guten Einblick über die neuen Geschehnisse. In Amerika ist auch längst die achtteilige Mikroserie rund um die Schurken veröffentlicht. Ich hoffe doch sehr, dass auch diese es nach Deutschland schafft.


  8. 21. April 2015 | Veröffentlicht unter Comics, Comicvorstellungen.

    Kamala Khan ist die neue „Ms. Marvel“ – Bd. 1

    Von

    Genre: „Superhelden“
    Autor:
     G. Willow Wilson
    Illustrator:
    Adrian Alphona
    Erscheinungsform: 
    124 Seiten,  Softcover, Band 1 von ?
    Enthält: Ms. Marvel (2014) 1-5
    VerlagPanini Comics 
    Amazonlink Leseprobe


    Bis 2012 war sie Ms. Marvel: Carol Danvers, ein blondes, optisches All-American Girl. Dann, nach Mar-Vells a.k.a. Captain Marvels Tod übernahm sie dessen Superheldenidentität und der Name „Ms. Marvel“ schien Geschichte.

    Doch nicht für lange. Bereits Ende 2013 wurde bekannt, dass im Zuge des allgemeinen Umbruchs jemand Neues Ms. Marvels Nachfolge antreten würde. Die Wahl war ungewöhnlich und wurde kontrovers aufgenommen, passt jedoch hervorragend in die momentan herrschende Suche nach mehr Diversität: Kamala Khan, sechzehnjährige Tochter einer pakistanischen Einwandererfamilie. Ms. Marvel ist fortan eine Muslima mit eigener Heftreihe, die zum jetzigen Zeitpunkt bereits 15 amerikanische Ausgaben umfasst. Die ersten 5 Ausgaben hat Panini Comics nun in deutscher Übersetzung herausgegeben.

    Handlung

    Kamala wächst als Teenager zwischen den Welten auf: Als muslimische Amerikanerin steht sie zwischen zwei Stühlen, scheint zu keiner hundertprozentig zu gehören. Für ihre Familie ist sie nicht konservativ genug, während sie von ihren Mitschüler nicht selten mit Klischees beworfen wird, was in Teilen auch auf ihre geekigen Hobbies zurückzuführen ist. So schreibt sie Fan Fictions, spielt Rollenspiele und ist Fan der – in ihrer Welt schließlich auch real existierenden – Superhelden. Ihre Lieblingsheldin ist Captain Marvel. Und in genau die scheint sie sich während einer schiefgelaufenen Partynacht zu verwandeln.

    Dem zugrunde liegt das – bei Ms. Marvel nicht näher erläuterte –  Crossover „Infinity„. In dieser Heftreihe zündet Black Bolt eine Bombe, welche überall auf der Welt den Terrigen-Nebel freisetzt. Menschen, welche das Inhuman-Gen in sich tragen, bekommen durch den Kontakt mit dem Nebel Superkräfte. Von alldem weiß Kamala natürlich nichts und muss fortan, ähnlich wie einst Spiderman,  alleine zusehen, wie sie mit den neu erworbenen Kräften umzugehen hat. Und das ist im normalen Teenager-Alltag alles andere als einfach.

    Kritik

    ms marvelDie Aufmerksamkeit, die die neue Ms. Marvel bereits vor Veröffentlichung der ersten Ausgabe erfahren hat, kommt natürlich nicht von ungefähr. Zwar ist sie nicht die erste muslimische Superheldin (man beachte etwa Dust von den X-Men), doch die erste, die als Titelheldin fungieren darf. Wer hier nun einen klischeebeladenen,  harsch demonstrierenden Krampf erwartet, wird hier allerdings nicht fündig werden. Die Religion soll nur eine Facette Kamalas sein und nicht das, was sie alleine ausmacht. Zwar werden Erwartungen bedient – so werden die gläubigen Eltern strenger dargestellt und etwa die Essensgebote thematisiert – doch wirkt es nicht plakativ, sondern natürlich. Dass die Autorin G. Willow Wilson nicht nur vor einiger Zeit selbst zum Islam konvertiert ist und somit keine Außenstehende mehr ist, sondern auch einige Muslime und diverse Ansichten kennt, merkt man deutlich. Die Religion nimmt eine angenehme Nebenrolle ein und erdrückt den eigentlichen Plot nicht, sondern dient als Unterstützung des Charakters.

    Der steckt in einer Identitätskrise zwischen Freunden, Familie und den Kulturen. Die Verwandlung geschieht auf eigenen Wunsch hin, als sie, im wahrsten Sinne des Wortes benebelt, Captain Marvel, Captain America und Iron Man vor sich sieht. Kamala beteuert, Captain Marvel sein zu wollen. Beliebt, hübsch, das Böse bekämpfend. Angekommen in ihrer Welt. Der Wunsch wird prompt erfüllt, die drei nebulösen Gestalten verschwinden zurück im Nebel und lassen Kamala in Captain Marvels Gestalt inklusive Superkräften zurück. Aber ist das alles? Ist sie nur dann „super“, wenn sie eine lange blonde Mähne hat, die im Wind wehen kann und lange Beine, an denen sich sexy Overknees schmiegen? Ist es so erstrebenswert, tatsächlich jemand anderes zu sein und dafür seine eigene Identität zu verleugnen? Das zum Glück nicht, denn das wäre definitiv ein Schritt in die falsche Richtung. Sie ist zur Verwandlungskünstlerin geworden, kann Gliedmaßen, Körpergröße, die ganze Gestalt verändern. Die Captain Marvels ist lediglich temporär, auch wenn es sie zugegebenermaßen zunächst sehr reizt, in Gestalt des Vorbildes zu agieren. Dass sie letztlich sich selbst treu bleibt, ist obligatorisch.

    kamala khan unicornMit diesen Fähigkeiten weiß sie zunächst natürlich wenig anzufangen und hat in den ersten Ausgaben viel damit zu tun, zu trainieren. Wenn man die dilettantischen Versuche mit ihrem dezent bekifft anmutenden Freund wirklich „Training“ nennen darf. Wofür sie ihre Kräfte einsetzen will, ist jedoch sofort klar, denn das ist schließlich das, was sie nicht nur in ihren Fan Fictions bereits betreibt, sondern auch von ihren Eltern beigebracht bekommen hat: Hilfsbereitschaft, selbst wenn es heißt, sich selber zu gefährden, die Schwachen zu schützen und an das Allgemeinwohl zu denken. Wenn nicht jetzt, wann dann?

    In den ersten Einzelausgaben sind es kleine Rettungsaktionen, die zum Teil sogar schiefgehen. Keine Endbosse, wie man sie von den „Originalen“ gewöhnt ist. Der Fokus liegt noch auf Kamalas Person, ihrem Alltag und ihrer Art, mit der Verwandlung und der neuen Verantwortung umzugehen, dort hineinzuwachsen. In späteren Ausgaben, das hat die Autorin versprochen, wird es auch Interaktionen mit anderen Superhelden geben, die schließlich ebenfalls durch Jersey flattern. Dass aus dem pubertierenden Nerd in nicht allzu ferner Zukunft eine schlagkräftige Ms . Marvel werden wird, davon gehe ich stark aus!

    Fazit

    Die Story ist sehr kurzweilig und führt neben Kamala auch interessante Nebenfiguren ein, über die ich ebenfalls gerne mehr erfahren würde und die über ausgearbeitete Hintergrundgeschichten zu verfügen scheinen. Eine Feel good – Coming of Age – Superhero-Symbiose die echt cool ist, um mal tief in die Anglizismuskiste zu greifen. Sie ist an ein jugendliches Publikum gerichtet, doch ich denke, dass sich auch ältere Semester gut mit der neuen Ms. Marvel anfreunden können. Die Zeichnungen Adrian Alphonas runden das ganze gekonnt ab, bilden eine gute Mischung aus überzeichneten, humorvollen Passagen und rauer Federführung, der es an Dynamik nicht mangelt.

    Fotos: Panini Comics

  9. 24. Oktober 2014 | Veröffentlicht unter Comics, Comicvorstellungen.

    TMNT: Change is constant

    Von

    Genre: „Superhelden“
    Autor:
    Kevin Eastman, Tom Waltz
    Illustrator: Dan Duncan
    Erscheinungsjahr:
    2012
    Erscheinungsform:
    104 Seiten, Band 1 von X
    Verlag: IDW Publishing | Panini
    AmazonlinkOriginalsprache: Englisch


    Inhalt

    Die mutierte Katze Old Hob mit seiner Gang stehen ihnen gegenüber: Den drei Ninja Turtles und ihrem Meister Splinter. Was folgt, ist klassisches Gangsterbashing wie wir es von den Turtles kennen. Doch Moment: Drei Turtles? Waren es nicht eigentlich 4? Richtig, Raphael fehlt, und das seit bereits einem Jahr. Nur wenige Momente vor ihrer Mutation wurden die vier Brüder getrennt, gewaltsam auseinander gerissen, grausam entzweit, entsetzlich ge- ok, das reicht.

    Der Comic erzählt die Suche der drei Turtles mit ihrem Meister nach Raphael, ausgeschmückt mit zahlreichen Rückblenden, die die Entstehungsgeschichte der Turtles und ihr Zusammentreffen mit Casey Jones und April zeigen.

    Kritik

    turtles2Back to the Roots. Nicht nur der raue Zeichenstil und die Farben der Augenbinden – allesamt Rot – deuten darauf hin, sondern auch das Mitwirken von Kevin Eastman, seines Zeichens Mitschöpfer der vier bewaffneten Schildkröten. Dieses Oldschool-Gefühl setzt sich durchaus auch in der Story selbst fort. Es ist brutaler als die klassische Serie ohne dass es in einer Blutorgie ausarten würde. Die Kämpfe sind rasant und die Sprüche gerne auf dem Punkt, wie man es von den Turtles erwarten würde. Die Änderungen, die im Vergleich zu anderen Turtles-Storys vorgenommen wurden, sind weder zu penetrant, noch wirken sie deplatziert – wie auch, ist es doch endlich wieder an die originale Story angelehnt. So ist bpw. April statt einer rasenden Reporterin eine Biologie-Studentin, die den Schildkröten auch ihre Namen verleiht.

    Erlebte Nostalgie kann und darf natürlich nicht alles sein und glücklicherweise ist es das auch nicht. Es ist ein eigenständiger Comic mit frischen, neuen Ideen, die sich perfekt an das alte Schema schmiegen und dieses sogar ein wenig zu persiflieren wissen. Referenzen finden sich zum Beispiel in Form eines Shirts mit Cowabunga-Schriftzug, womit sich die neue Serie auch ganz klar von der alten Zeit abgrenzt.

    Ein wenig schwächelt die Charakterzeichnung. Noch wirken die Turtles relativ flach, speziell Michelangelo und Donatello wirken zum Zeitpunkt der ersten Ausgabe noch generisch und austauschbar. Auch ist mir die Beziehung zu Splinter zu wenig ausgereift. Es reicht mir nicht, wenn er sich gleich zu Beginn direkt als ihr Vater erklärt und sie ihm sang- und klanglos folgen. Da fehlt mir mehr Tiefgang.

    turtles 012Gerade bei Splinter jedoch merkt man gleichzeitig auch das Geschick Dan Duncans, der die Mimik von Ratte und Schildkröten vor allem im nicht mutierten Stadium sehr schön eingefangen hat. Ich halte es für schwierig, Tieren zeichnerisch eine Seele zu verleihen, hier hat man es definitiv geschafft. (Aaaw, wie possierlich die Turtles doch sein können! ♥  Verzeihung.)

    Da es der Anfangsband ist, darf man noch gespannt sein, wie sich die Beziehung zum Antagonisten Old Hob noch entwicken wird, schließlich fußt sie auf den tatsächlichen Wurzeln der Mutanten und hat viel Potential. Auch Krang findet Erwähnung, doch hat man ihn noch nicht zu Gesicht bekommen. Lange warten muss man freilich nicht, sind im Amerikanischen doch bereits 9 Bände erschienen und bei Panini 4, wobei Nr. 5 nun im November folgt.

    Fazit

    Ja, das sind definitiv die Ninja Turtles. Unterhaltsam, cool gezeichnet und mit vielversprechender Zukunft.