[Rollenspiel] Werde zum Griefmaster in nur 5 Schritten!

[Rollenspiel] Werde zum Griefmaster in nur 5 Schritten!

Ein Griefer (engl. grief play = dt. Leidspiel) ist ein Spieler, der versucht, anderen Spielern den Spaß am Spiel zu nehmen, ohne dabei direkt gegen grundlegende Spielregeln zu verstoßen.” (Quelle: wikipedia)

Obige Beschreibung klingt nach einer Menge Spaß, oder? Warum sollten andere Spaß haben, wenn ich doch Spaß haben soll? Gruppenspiel ist ohnehin total veraltet und eigentlich sind ohnehin nur alle für einen Zweck da: um mich zu unterhalten! Doch Griefing will gelernt sein. Wie oft habe ich schon gesehen, wie Baby-Griefer viel zu schüchtern waren. Da waren die Charaktere nicht unpassend genug oder die Kommentare nicht ausreichend störend – wirklich das Spiel gestört hat es nicht. Ein gar trauriger Anblick. Ein Anblick, den niemand mehr erleiden muss! Dank dieses Guides werdet ihr alle zu Pro-Griefern! Ihr habt solches Glück!

Schritt 1: Der Charakter


Du sitzt gemütlich zu Hause, der Rollenspielabend ist noch gut ein, zwei Stunden entfernt. Doch wo andere sich noch gepflegt einem Spiel oder Film widmen, kannst du schon aktiv werden, denn bereits hier beginnt Phase Eins: Die Charaktererschaffung. Mache dies niemals – ich wiederhole: niemals! – mit deinen Mitspielern gemeinsam. Wozu auch? Du weißt ohnehin viel besser, was gut genug für dich ist und die meisten Leute pochen viel zu sehr auf das Gruppenzusammenspiel und pfuschen dir rein!

Deine oberste Regel lautet jedoch: Nieder mit dem Gruppenspiel! Frage bei den Mitspielern zuvor vorsichtig nach, welche Charakterklassen und Kulturen sie spielen werden. Filtere dann die wichtigsten Punkte zusammen, die zu deren Charakteren gar nicht passen und spiele Frankensteim, indem du all diese Punkte zu einem einzigen Char zusammenfügst. Sei dabei jedoch nicht zu dreist: ein halborkischer Elfenmagier mit Schwerpunkt Mathematik und einem Bein in der Nekromantie ist einfach nicht regelkonform und zumindest den Deckmantel der Regelkonformität musst du dir bewahren! Abstrus darf es jedoch gerne sein. Lege dir vorher einige lapidare Erklärungen zurecht, die ruhig an den Haaren herbeigezogen sein dürfen.

Schritt 2: Das richtige Timing


Komme entweder zu früh oder zu spät. Pünktlichkeit ist eine Sache, die du hier nicht brauchst. Bei überfrühter Ankunftszeit kannst du den Locationgeber bereits vorab auf deine Seite ziehen. Gehe in seinem Zimmer/seiner Wohnung auf und ab, gucke alle drei Sekunden auf die Uhr und murmle Dinge wie “Nie kommen die pünktlich…” oder “Ich bin ja mal wieder der Einzige, dem das hier wirklich wichtig ist!” Untermale dies mit einem milde seufzenden Kopfschütteln. In dem Unterbewusstsein des Gastgebers wird sich so langsam eine Antihaltung euren Mitspielern gegenüber manifestieren. Das ist eine sehr gute Ausgangslage!

Zuspätkommen dagegen hat gewisse andere Vorteile: alle anderen werden vorab verstimmter. Man muss auf dich warten, kann nicht anfangen, schließlich will niemand unhöflich erscheinen. Die Stimmung ist allgemein anfangs in diesem Fall keine gute. Sei nicht nur 15 Minuten zu spät, sondern mindestens 45. Entschuldige das nicht, sondern verkünde strahlend: “Frohlocket, ich bin da!”

Schritt 3: Das Rollenspiel


Ihr sitzt nun alle um euren Spieltisch und fangt an, zu spielen. Als gut vorbereiteter Griefer hast du deinen Charakterbogen natürlich nicht dabei und musst dir alles aus den Fingern saugen. Nun hast du hierbei zwei Möglichkeiten: entweder, du heuchelst schreckliches Unwissen vor, damit dein Char unter erheblichem Zeitaufwand neu erstellt werden muss (=Unmut) oder du erzählst, alle Werte noch im Kopf zu haben, sodass du im Notfall besser tricksen kannst.

Wichtig: alle anderen spielen ein Rollenspiel. Du spielst Griefing. Sei nicht zu sehr in deiner Rolle! Verkünde IC, dass du jetzt gerne zum Mäcces gehen willst und dass es ja “voll cool” ist, dass sich der Zwerg so gut mit dem Elfen der Gruppe versteht, das sei “voll fortschrittlich und multikulturell, wie in der Fußballnationalmannschaft!” Dein Held hat nur einen geringen Mutwert? Macht nichts, presche trotzdem immer mit stolz geschwellter Brust vor! Halte dich einfach nicht so sehr an dein Charakterkonzept, das ist ohnehin völlig überschätzt.

Schritt 4: Das Ambiente


Zerstöre jegliche Stimmung im Keim! Wichtigste Utensilien: Chipstüte und deine Stimmbänder. Besonders dankbar sind hierbei gruselige oder traurige Szenen. Sobald der Spielleiter seine Stimme senkt und eine entsprechende Stimmung kreieren will, warte ersteinmal ein bisschen ab, bis alle gebannt an seinen Lippen hängen. Dann dein großer Auftritt: raschle lautstark mit der Chipstüte, knuspere sportlich und spucke beim Reden theatralisch noch ein paar Krümel auf die Charakterbögen deiner Mitspieler, wenn du Dinge sagst wie: “Habt ihr eigentlich schon den neuen Film von Dingens da gesehen?” oder “Voll traurig, die Trennung gestern bei GZSZ, oder?!”

Mache generell alles lächerlich. Verweise auf Slapstickkomödien, in denen die Handlung, die gerade IC stattfindet, ähnlich, nur nicht ganz so ernst vorkommt. Wenn der Spielleiter einen NSC darstellt und dabei die Stimme verstellt, lache ihn aus und rufe: “Lol, guckt mal wie lächerlich der sich gerade macht!” Auch deine Mitspieler brauchen einen Dämpfer! Klopfe dir bei jeder ihrer missglückten Proben auf die Schenkel und zeige deutlich, für wie dumm und unbrauchbar du deren Chars doch findest, deiner sei ohnehin der beste!

Schritt 5: Das Ende


Die Spieler fanden das Spiel gar nicht so schlecht? Dann hast du einiges falsch gemacht. Aber noch ist nicht aller Tage Abend! mache ihnen das Erlebnis dann eben im Nachhinein schlecht! Maule herum, wie langweilig das doch heute war. Auf Gegenargumente wie “Die Szene am Baum war aber doch grandios!” antwortest du pingelig mit “Roflcopter, DAS nennst du grandios?! Du hast wohl nicht so viele Vergleichsspielabende miterlebt, was?”

Da du viel Chips vertilgt und hoffentlich massig dabei gekrümelt hast, ist das ein guter Grund, nun einfach abzuhauen. Der riesige Müllberg, den du hinterlässt, ist dein letzter Streich! Verabschiede dich kichernd und mit einem “Macht’s gut, ihr Trottel!”

Der nächste Spielabend kann kommen!

Headerbild: JDHancock

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