1. 26. November 2012 | Veröffentlicht unter Offtopic.

    Werde zum Bloggerliebling in nur 3 Schritten!

    Von

    Keine Freunde? Niemand, der mit dir spielt? Du sitzt vor Langeweile sabbernd im Büro und bastelst dir aus Büroklammern deine Traumfrau? Das muss nicht mehr sein!

    Dank Web 2.0 kannst du dir deine Freunde im Internet zusammensuchen! Alles, was du dafür brauchst ist lediglich

    • Das Internet √
    • Die Fähigkeit, Bilder anzusehen und wiederzuerkennen √
    • Eine Agentur

    .

    Nachdem du letztere gekauft, geliehen oder von deiner Katze geklaut hast, kannst du frohen Mutes ans Werk gehen.

    Schritt 1: Die Suche

    Der spaßigste Teil der ganzen Angelegenheit. Durchforste das Internet nach Bildern. Doch nicht nach irgendwelchen Bildern. Der Clou: sie müssen “viral gegangen” sein. Hat es ein Bild auf zig Blogs geschafft, ist der Künstler an sich jedoch eher klein und unbedeutend und hat es speziell durch die genannten Blogger zu ein bisschen “Fame” geschafft? Sieht es vielleicht sogar so aus wie das Bild links? Perfekt! Doch was tun? Das Bild ist schon längst durch die Blogosphäre gehuscht, niemand wird auf dich aufmerksam, wenn du es einfach nur postest. So gewinnst du keine Freunde. Daher schnell weiter zu:

    Schritt 2: Die Rechtesicherung

    Richte dir einfach jetzt erst die Rechte an bspw. dem Schlangenbild und springe freudig mindestens eine Stunde lang im Kreis. Jetzt brauchst du nur noch ein paar Liebesbriefe zu schreiben. Teile den Bloggern, die das Bild und den Künstler vorgestellt und empfohlen hatten, mit, dass sie auserkoren worden sind, dir eine kleine Summe spendieren zu müssen. Sie sind viel wert! Unter 1.000 Euro geht nichts! Schließlich hast du die Rechte an dem Bild! Verspätet zwar, aber hey… Rechte sind Rechte! Jetzt ist dir ihre Aufmerksamkeit sicher!

    Schritt 3:Die Lorbeeren

    Man redet über dich! Das ist wunderbar! Doch halt: warum pöbeln dich alle von der Seite an? Das ist sicherlich ein Irrtum, schließlich bewegst du dich ganz haarscharf noch im rechtlichen Rahmen. Moral? Nie was von gehört, so etwas brauchst du auch gar nicht. Man kriegt keine Freunde durch Nettigkeit! Mahne weiter ab und verlange horrende Summen. Vorher über den Rechteverstoß informieren? Völlig unnötig! Auch fortan wirst du bitte beherzt zur Tat schreiten! Das Wunderbare daran: selbst wenn Blogger vorher gefragt haben, ob man die Bilder nutzen darf, hast du ja jetzt die Rechte daran! Ruhe dich nun auf deinen Lorbeeren aus, sage huldvolle Worte in Interviews und seufze entspannt.

    Du hast alle drei Schritte beherzigt? Herzlichen Glückwunsch! Du bist ein Arschloch der Liebling der Blogosphäre!


    Jeder weiß, dass Bilderdiebstahl nicht rechtens ist. Doch hier geht es nicht mehr nur um das unsachgemäße Verwenden eines Bildes. Das Thema ist seit einigen Wochen scharf diskutiert, einen der besten Artikel zum Thema hat meiner Meinung nach das Kotzende Einhorn verfasst. Und zwar hier. Ein versucht neutraler, zumindest unbeteiligter Artikel? Gibt es. ZB. diesen hier bei Spiegel Online.

    Ich persönlich frage in der Regel vorher nach, bevor ich Fremdbilder poste und stelle den jeweiligen Künstler dann auch in Bild und Wort vor. Dennoch schützt mich das nicht vor der Meinung, dass das, was hier gerade los ist, absolut ungerechtfertigt und unmoralisch ist. Wir brauchen faire Gesetze und wir brauchen ein generelles Überarbeiten einiger “Gesetzeslücken”. Was wir nicht brauchen sind Menschen und Agenturen, die so agieren wie man es in diesen Tagen lesen kann. Wir brauchen keine fidele Abmahnkultur.

    PS: Selbstverständlich werde ich die Rechte an meinen beiden Bildern hier selber sichern und mich sofort morgen selber abmahnen! Ich geschäftstüchtiger Fuchs!

    Ähnlich großartige Postings:

  2. 16 Kommentare

    1. Varis sagt:

      Ich finde du hast das sehr schön ausgedrückt (und illustriert).

      Es schockiert einfach, dass hier teilweise Blogger die aber wirklich nicht an ihren Blogs “verdienen” (vielleicht gerade mal Kosten für Hosting etc abdecken können durch die Werbung die sie schalten) mit horrenden Summen abgemahnt werden, die NICHT NUR in keiner Relation zu dem stehen, was sie aufbringen können, sondern AUCH mMn in keiner Relation zum tatsächlichen “Wert” der Bilder bzw “Wertverlust” durch das “unrechtmäßige” Posten.
      Noch viel mehr schockieren mich aber die Kommentare die man da teilweise unter solchen Postings (gerade auf Spiegel Online) zu lesen bekommt. Was einem da an Hass und Abscheu von Seiten mancher entgegenkommt, ist echt nicht mehr auf die leichte Schulter zu nehmen. Manche glauben offenbar, alle Blogger sind unkreatives, kriminelles, mafiöses Gesindel, nur weil Bilder verbreitet (!) werden.
      Was einige auch zu übersehen scheinen (weil es ja ein beliebtes Argument ist), ist dass hier eigentlich gar nicht die Rechte der “Künstler” irgendwie geschützt werden. Die Bildagentur geht hin und kauft den Künstlern/Urhebern für Peanuts die Bildrechte ab, und klagt dann im Großen Stil alle an die das Bild davor verwendet haben. Wäre es dem KÜNSTLER darum gegangen SEIN Recht durchzusetzen, hätte er/sie selbst Anwälte beauftragt die sein alleiniges Nutzungsrecht durchsetzen… In vielen Fällen wissen die Künstler denke ich auch gar nicht, was da mit ihren Bildern für Spielchen getrieben wird. Ich kann mir nicht vorstellen dass die Dame mit dem Schlangenkuchen, als sie die Bildrechte verkauft hat, wusste was danach damit passieren würde… Oder in dem Fall des Lego-Künstlers, wo die Rechte ja gar nicht mal bei denen lagen, die abmahnen ließen! Auf der einen Seite den Bloggern vorwerfen, dass sie fahrlässig gehandelt haben indem sie ohne zu fragen Bilder posten, auf der anderen Seite Abmahnungen rausschicken für etwas das man gar nicht wirklich besitzt?!

      Ich finde es mehr als traurig dass manche Leute glauben es ist im Interesse der Künstler und Urheber, wenn Blogger mit der Abmahnkeule zum Verstummen gebracht werden.
      Ich kenne da eine ziemlich große finnische Bloggerin, die für einige Indie-Shops modelt. Immer wieder passiert es ihr, dass sie auf ebay über Fotos von sich selbst stolpert, weil irgendwelche Verkäufer dort für die Waren (Gothic Klamotten etc.) die Stockfotos von ihrem Blog und diesen Shops klauen. Wirklich etwas dagegen unternehmen kann sie (bzw die Fotografen jener Fotos) sich auch nicht, weil sie sich keine Horde Anwälte leisten kann, die irgendwelche chinesischen Ebayverkäufer verklagt. Und selbst wenn sie diese Anwälte hätte, würden diese vermutlich an so einem Prozess mehr verdienen als sie selbst im Endeffekt davon hat. Es ist einfach naiv zu glauben dass irgendetwas von dem das da geschieht im Interesse der Künstler ist….

    2. Georg Lucas Jakob Nisbach via Facebook sagt:

      Wunderherlicher Artikel ^^

    3. Theaitetos sagt:

      Hier mal was lustiges zu dem Thema: How Google image search made me a world famous moron

      und was ganz, ganz ernstes (von mir): Trans-Pacific-Partnership. Das schlimme an TPP ist, dass “Copyright infringement” dann nicht mehr nur eine ziviler, sondern auch ein strafrechtlicher Tatbestand wäre. Verstöße dagegen würden polizeilich und gerichtlich verfolgt, völlig unabhängig vom Willen des Rechteinhabers. Bspw. wäre Cosplay dann kriminell, da man urheberrechtlich geschützte Figuren nachstellt.

    4. Raine sagt:

      Liebe Frau Guddy Zeitzeugin,

      hiermit möchte ich Sie darauf hinweisen, dass Sie KEIN EINZIGES meiner Bilder verwendet haben. Aus diesem Grund verklage ich Sie auf einen Betrag von 54681453454Trillonen Euro. Ich erwarte die Zahlung innerhalb der nächsten zwei Tage auf meinem Konto. Die Daten dafür erhalten Sie innerhalb von drei Tagen per Luftschiff.

      Mit freundlichen Grüßen
      Raine El Pato

    5. Phinphin sagt:

      Habs auch in den letzten tagen gehört. Aber ernsthaft: Gesetze sollten in erster Linie dazu da sein, die Schwachen vor den Starken zu schützen. In zweiter Linie um das Gesellschaftliche Zusammenleben zu ordnen. Aber wer meint Gesetze als Gewerbe zu sehen, dem sollte man die Zulassung abnehmen.

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