1. 26. Mai 2016 | Veröffentlicht unter Filme, Filmvorstellungen.

    Warcraft: The Beginning – B-Movie im AAA-Gewand

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    Die Geburtsstunde des ewigen Kampfes Mensch gegen Orc endlich auf Leinwand gebannt: Die Horde fällt durch ein Portal in Azeroth ein, gestützt auf den gequälten Seelen gefangener Draenei, deren schwindendes Leben das magische Portal nährt. Die eigene, verrohte Welt hinter sich lassend erobern die Orcs erste Menschendörfer, stets unter Aufsicht des finsteren Hexenmeisters Gul’dan, dessen garstig-grüne Magie bereits beginnt, die blühende Natur zu verderben.

    Unterdes sind die Menschen unter König Llane Wrynn nicht nur schockiert über die fremdartige Invasion, sondern auch über die Entdeckung des Fel; eine schreckliche Form der Magie, die das Leben vernichtet und glücklicherweise schnell vom gescheiterten Magierlehrling Khadgar aufgespürt werden konnte. Der eilig zusammengestellten Truppe um Ritter Anduin Lothar und dem dezent entrückt wirkenden Wächter Medivh gebührt nun die Ehre, Land zu Leute zu verteidigen – und zu ermessen, ob man dem orcischen Häuptling des Frostwolfclans Durotan trauen darf, dessen Erkenntnis das Schicksal beider Parteien empfindlich beeinflussen kann.

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    „Hier war ich schonmal!“

    Erinnert sich noch jemand an den alten Trailer zu World of Warcraft? „Sieht das geil aus!“, dachten die meisten und hofften, dass irgendwann in ferner Zukunft hoffentlich ein Film so aussehen könnte. Nun ist er da und sieht prächtiger aus als als man es sich erträumt hatte. Die Pixel haben Fliegen gelernt. Sie fliegen, hoch und weit – und stürzen doch ab, getroffen von der Nichtigkeit der Charaktere und dem blassen Erzählstil.

    Zunächst jedoch staunt man über das nahezu perfekte CGI, das die Orcs zum Leben erweckt und die Orte, die man einst virtuell bereist hat und die man nun derart plastisch vor sich sieht. Sturmwind – na klar, genau dort stand ich auch! Elwynn Forest – Oh hallo, Goldshire, wo ich mein erstes Bier trank! Und dort, das ist die Schwarzfelsspitze! Wenn einem dann noch das murloc’sche Blubbern ins Ohr dringt, hat man sich irgendwie verliebt.

    Reicht Verliebtsein? Nicht über eine lange Zeit hinweg. Zu wenige Anspielungen lassen sich finden, zu wenig wurde auf Details geachtet, die für Aha-Momente hätten sorgen können. Es fehlt, wie so oft, an Seele und vielleicht auch Herzblut und Selbstironie. Ein Schaf macht noch keine Herde – und viele Namen noch keinen vielschichtigen Plot.

    WARCRAFT-THE-BEGINNING-First-Look-Character-Poster

    Ein Lvl-1 Plot

    Selbst der Warcraft-Gamer wird sich bei der Vielzahl an Namen ein Smartphone zur Hand wünschen, in dem er nebenher googlen kann um sich die ganzen Verknüpfungen zu erschließen, zumal der Film nicht hundertprozentig der bekannten Lore folgt. Wenig Zeit wird sich genommen, die einzelnen Figuren zu charakterisieren, weshalb sie, so gänzlich ohne Substanz, sehr fragil wirken. Schablonenhaft wie die generische Geschichte, die sich um Verrat und Besessenheit windet und doch wieder nicht die Zeit findet, einzelne Aspekte hinreichend zu beleuchten und zu akzentuieren und sich lieber in Althergebrachtem verliert.

    Dabei hat die Welt Warcrafts mehr zu bieten als gestelzt wirkende Dialoge, wirkte in seinen Spielen durchdachter und logischer als der Film, dessen Protagonisten zum Teil handeln, als hätten sie noch nie Krieg geführt. Wie unterschiedlich diese oder jene Schlacht verlaufen wäre, wenn nur eine Minute länger gedacht und geplant worden wäre … Unheimlich viel Potential wurde verschenkt und die Atmosphäre dadurch verwässert, dass weder die humorvollen Szenen pointiert, noch die anspruchsvollen substantiell genug waren. Das Schicksal der meisten der Figuren würde man mit einem Schulterzucken abtun.

    Buff-Food fürs Auge

    Selten steckte hinter den kopfgroßen Fäusten der Orcs mehr Wucht wie in dieser Darstellung. Brachiale Hämmer, gewaltige Äxte, riesige Muskelberge und Hauer machen die grünen und braunen Orcs zu Kampfmaschinen, denen man sich als Mensch nicht entgegenstellen will. Die Angst der menschlichen Soldaten ist verständlich, sie werden niedergeschmettert und zusammengedrückt wie Konservendosen. Die visuelle Kraft ist beeindruckend nicht nur in der Darstellung der Orcs, sondern der ganzen Welt. Es macht unheimlich Spaß, dort einzutauchen und die Magie zu erleben, die durch die Welt fließt wie in kaum einer anderen.

    Diese Diskrepanz zwischen großartiger Optik und mäßiger Story lässt den Eindruck eines B-Movies im AAA-Gewand zurück, der definitiv sehenswert ist, jedoch mehr hätte sein können. Für Warcraft-Spieler ist er ein Fest für die Augen, zuweilen etwas zäh und definitiv vorhersehbar, dabei jedoch immer zumindest auf einem Mittelmaß unterhaltsam.

    Hoffnung auf mehr

    Obwohl ich den Plot und die Figuren nicht großartig finde, so habe ich den Film doch sehr genossen. Als langjährige WoW-Spielerin war es mir ein Fest, im Kino mit dem Greifen über die Landschaften zu fliegen und hätte das gerne auch noch stundenlang weiter genau so haben können. Die 08/15-Geschichte hätte ich fast nicht gebraucht. Es ist ein bewegter Bilderband, ein blutiger Reiseführer durch Azeroth, der auf die Orte zwar viel zu wenig eingeht, aber doch für genug verträumte Momente sorgt, dass ich hoffe: Lass es eine Fortsetzung geben. Ich will Gnomeregan und Hogger sehen, die Tauren bestaunen, Untote fürchten und mehr über den kleinen Orc erfahren, der von seiner Mutter auf dem Fluss ausgesetzt wird und später zu einem der größten – ich möchte nicht spoilern. Doch ich möchte mehr.

    Fazit

    „Warcraft – The Beginning“ ist kein guter Film. Er ist aber auch nicht schlecht – zumindest nicht für mich, die die Spiele gespielt hat. Mir wird zu wenig auf Hintergründe eingegangen, die Szenenwechsel erfolgen zu abrupt und ich hätte mir wesentlich mehr Anspielungen gewünscht. Für Nicht-WoWler ist der Film vermutlich nicht mehr als ein verdammt großartig aussehender B-Movie. Und trotzdem bereue ich den Kinobesuch in keinster Weise.

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  2. 8 Kommentare

    1. Holden sagt:

      Es ist etwas schade, dass Duncan Jones wohl seinen ersten „paycheck movie“ abgeliefert hat, aber als jemand, der selbst Uwe Bolls „Schwerter des Königs“ aufgrund dessen (ungewollten) Retro Charmes sehr unterhaltsam findet, freue ich mich darauf. (Bin in zwei Wochen in Toronto. Ich hoffe der läuft dort in IMAX, Dolby Atmos, DBox oder mit sonstwelchen hierzulande nicht existierenden oder wenig verbreiteten Gimmicks.)

    2. El Nerderino sagt:

      Ich gehöre zu den Leuten, die nie wirklich Warcraft-Titel gespielt haben. Bei Freunden immer mal ein bisschen von Warcraft 2 und 3 gesehen und vielleicht zwei Tage in Hearthstone verbracht und damit ist auch schon alles gesagt :)

      Trotzdem hatte ich ziemlich viel Spaß mit dem Film. Das liegt aber auch nur daran wie gut er verpackt ist. Es sieht alles toll aus und man hat seine Freude an den Schlachten. Daher stimme ich ziemlich stark mit deiner Meinung überein. Wenn man Lust auf ein Action-Feuerwerk hat, kann man aber auch guter Dinge ohne Vorwissen in den Film.

      • Zeitzeugin Guddy sagt:

        Ähnlich wie bei Avatar: Der ssieht auch genial aus, hat aber storytechnisch nicht allzu viel zu bieten.
        Vorwissen braucht man wirklich nicht zwingend, das stimmt!

    3. Stefan sagt:

      Ich bin ein großer Fan von Warcraft 3 Frozen Throne. World of Warcraft hab ich nicht so lange gespielt wovon ich aber immer extrem begeistert war waren die erstklassigen Videos. Mit Sicherheit wird dieser Film meinen Erwartungen entsprechen und ich freue mich darauf!

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